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Spiele, die ich vermisse #129 (X-Mas ’15-Edition): Nebulus

Schande über mich: Über ein Monat ist es jetzt her, dass ich zuletzt ein Spiel „vermisst“ habe – und das lag vor allem an einem viel zu vollen Terminkalender, der es verhindert hat, dass sogar ein halb fertiger Artikel endlich online gelangt. Aber es ist Weihnachten, und da man Traditionen nicht brechen soll, will ich euch trotzdem zumindest einen kurzen Eintrag in meiner persönlichen Spiele-History zum Lesen mitgeben (und nein, das ist nicht der vorhin erwähnte längere, der eben schon länger in der Schublade liegt). Spiele und Weihnachten sind allerdings notorisch knifflig. Schon mehrfach habe ich Titel mit den passenden Themen vermisst, aber dieses Jahr will mir einfach keiner einfallen. Deshalb denke ich an etwas anderes: Weihnachten 1987 bekam ich meinen C64. Was das erste Spiel darauf war, weiß ich nicht mehr (aber es gibt schon einige Einträge zu für mich legendären C64-Titeln, wenn ihr euch durch die Geschichte dieser Reihe blättert), weshalb ich auch gar nicht versuchen will, einen „ersten“ herauszugreifen. Stattdessen erinnere ich mich an eines jener Spiele, die ich während meiner C64-Zeit heiß geliebt habe – ohne jetzt genau darüber nachzudenken, wann er in mein Leben trat. Sein Name? Nebulus.

Die Geschichte von Nebulus ist schnell erzählt: Protagonist Pogo muss acht Türme zerstören, die im Meer erbaut worden sind. Dafür muss er allerdings an deren Spitze gelangen und dort den Selbstzerstörungsmechanismus aktivieren. Dass ihm das nicht leicht gemacht wird, ist allerdings wohl jedem klar – sonst wäre das Spiel auch gar nicht interessant.

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Auf den ersten Blick ist Nebulus ein ganz typisches Jump’n’Run – Pogo läuft, springt Plattformen hoch, weicht Hindernissen aus, schießt auf Gegner oder muss ihnen einfach ausweichen. Die Besonderheit ist allerdings folgende: Pogo selbst bewegt sich nicht – er bleibt in der Mitte des Bildschirms, stattdessen dreht sich der Turm, was für die damalige Zeit (wir sprechen immerhin von 1987) beeindruckend war. Spielerisch ist nur zu Beginn ungewohnt, macht euch aber das Spiel auch nicht schwerer, als es ohnehin ist (denn der Schwierigkeitsgrad ist – typisch für die damalige Zeit – ohnehin recht hoch). Der Weg nach oben über die schlüpfrigen Plattformen (scheinbar gibt es keinen Weg im Inneren der Türme, wenn man von den Türen, die euch einmal quer durch das Bauwerk zur anderen Seite bringen, mal absieht) ist nämlich mit zahlreichen Gefahren besetzt, die Pogo regelmäßig das Gleichgewicht verlieren und nach unten fallen lassen. Das geht gut, solange darunter weitere Plattformen sind – so könnt ihr euren Weg nämlich fortsetzen -, doch berührt er die Wasseroberfläche, ist ein Leben dahin. Dasselbe passiert auch, wenn die Zeit abläuft.

Gelingt es euch hingegen, die Tür im obersten Stock zu erreichen, bricht der Turm grafisch spektakulär (gut, für damals) zusammen und ihr steigt in euer U-Boot, um zum nächsten Turm zu gelangen. Hier kommt es zu einem kleinen Shoot’em-Up, das als Bonus-Stage dient und euch weitere Punkte sammeln lässt. An den Spaß, die Türme hinaufzugelangen, kann dieser Teil allerdings nicht anschließen – manche Ports ließen diesen Abschnitt deshalb auch einfach weg, ohne jetzt viel Spielspaß dadurch zu entfernen.

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Entwickelt wurde das Spiel von John M. Phillips und von Hewson Consultants für mehrere Systeme herausgebracht – darunter für den ZX Spektrum, Amstrad CPC, den C64, den Amiga, Atari ST und Acorn Archimedes. Falls euch das Spiel, nicht aber der Titel bekannt vorkommt, auch kein Wunder: Auf anderen Systemen (und unter anderen Entwicklern und Publishern) erschien das Spiel unter anderen Namen – so gibt es eine US-Version von U.S. Gold namens Tower Toppler, eine Fassung für GameBoy und NES namens Castelian (hier heißt Pogo Julius) und eine weitere, nur in Japan erschienene Umsetzung des Titels für dieselben Plattformen namens Kyoro Chan Land, die außerdem die Grafiken veränderte und so an den japanischen Zeichentrick-Papagei Kyorochan und sein Universum anpasste. Egal in welcher Fassung: Das Spiel häufte zahlreiche gute Kritiken und auch Preise ein, darunter Best Original Game of the Year bei den Golden Joystick Awards 1987/88.

Mir waren allerdings Preise egal, als ich zum ersten Mal meine Hand an Nebulus bekam. Ich war von der Grafik fasziniert, allerdings in Jump’n’Runs definitiv noch zu ungeübt – damals war ich noch mit Snoopy leicht überfordert und die Erfahrung, die ich mit Giana Sisters machen sollte, noch ein wenig weiter weg. So dauerte es eine Weile, bis ich mich tatsächlich ernsthaft mit dem Spiel beschäftigte – wobei ich schon zuvor Spaß daran hatte, nach drei Schritten ins Wasser zu fallen und das immer und immer wieder, weil das Spiel einfach bockschwer war. Aber damals musste man als Spieler noch frustresistenter sein.

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Wie dem auch sei, irgendwann ging mir schließlich der Knopf auf und es gelang mir, weiter nach oben zu gelangen. Und irgendwann einmal zumindest den ersten Turm abzuschließen. Und auch noch der zweite fiel im Laufe der Zeit. Das war aber dann auch schon das Maximum für mich – Turm drei mit seinem angezogenen Schwierigkeitsgrad und der Tatsache, dass man hier doch auch schon ein wenig mehr mitdenken musste, gaben mir den Rest. Was nicht heißt, dass ich es nicht immer wieder versuchte – aber wesentlich weiter gekommen oder gar das Ende gesehen habe ich nicht. Das ist allerdings auch recht typisch für die damalige Zeit – Spaß haben hieß für mich, es wieder und wieder zu probieren und nicht unbedingt bis zum Ende vorzudringen.

Also, weshalb vermisse ich Nebulus? Weil es ein ganz eigenes, süßes kleines Jump’n’Run war. Die Idee mit dem drehenden Tower fand ich genial, den Mix aus Herausforderung und ein bisschen Puzzle spannend. Nein, nach heutigen Standards würde man hier wohl keinen Blumentopf gewinnen, aber für die damalige Zeit war Nebulus einfach ein gelungenes kleines Spielchen, mit dem man viel Spaß haben konnte. Wenn ich heute eine Gedenkminute an meinen C64 einlege (in der ich darüber nachdenke, ihn doch endlich wieder aufzubauen, keine Sorge, es geht ihm noch gut), dann wird dieses Spiel gemeinsam mit anderen Titeln, wie Space Taxi, Super Pipeline, Lazy Jones oder Summer Games in meinen Gedanken auftauchen. Und allein das ist es schon wert, sich heute noch an ihn zu erinnern. Ob ich ihn mir deshalb (z.B. via Wii Virtual Console) auch tatsächlich wieder „antue“, wird sich weisen.

emul_dos_nebulus

In diesem Sinne: Ein schönes Fest – und wenn ihr unter dem Weihnachtsbaum steht, denkt darüber nach: Welche Gaming-Erinnerungen verbindet ihr mit Weihnachten?

2 comments

  1. Alexander Strellen

    Hui, da hast du aber einen schönen Titel aus deinen Erinnerungen geholt. Ein echter Klassiker mit einfachen aber fordernden Spielprinzip.
    Den C-64 gab es auch irgenwann als Weihnachtsgeschenk. Da lagen aber nur 2 Spiele auf Modul dabei: Wizard of Wor und ein Fußballspiel. Egal, Spaß hatten wir auch damit. Meine Eltern hatten das Geschenk geteilt. Mein Bruder bekam den Fernseher und ich den C-64. So gab es dann keinen Streit und es musste auf jeden Fall geteilt werden 🙂
    https://www.youtube.com/watch?v=FIgRrRlXr-w
    Dir auch ein frohes Fest!

    • Ehrlich gesagt habe ich lange gegrübelt, welcher C64-Titel es wird – Super Pipeline II und auch Boulder Dash waren noch recht hoch in der Liste. Dass es (wie übrigens auch letztes Jahr) der C64 wird, war rasch klar, aber da hatte ich doch eine recht große Software-Bibliothek … Nebulus war eher ein spontaner Gedanke, weil ich mir dann dachte “hey, das war eigentlich ein großartiges Spiel, an das ich mich fast zu selten erinnere”.

      Spiele auf Modulen hatte ich am C64 eigentlich nie – da war alles auf Floppy. Ich hatte aber einen Turboloader auf Modul… das war ganz nett. Und Wizard of Wor hab ich noch nie gehört – sieht aber ganz interessant aus!

      Frohes Fest auch dir (so im Nachhinein)