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Spiele, die ich vermisse #4: Summer Games

Nach einer urlaubsbedingten Pause melde ich mich auch diesen Freitag mit einem Trip in meine spielerische Vergangenheit zurück. Die olympischen Sommerspiele, die ja momentan für Österreich nur mäßig erfolgreich in London ablaufen, erinnern mich dabei an lange Joystick-Vernichtungsorgien und zahlreiche spannende Wettkämpfe. Ja, die Rede ist von Epyx legendärem Summer Games!

Das Spiel erschien passend zu den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles, hatte allerdings keine Lizenz vom IOC, weswegen man natürlich bei den „Epyx Games“ antrat und auch sonst nie gesagt wurde, dass man bei den Olympischen Spielen startete. Dennoch war wohl jedem klar, mit was man es zu tun hatte – startete das Spiel doch mit einer Fackelzeremonie (inklusive der mir bis heute im Ohr liegenden Epyx-Fanfare) und verlieh Medaillen für die ersten drei Plätze in den diversen Disziplinen, von denen es acht gab – auch wenn sich hier die einzelnen Versionen durchaus unterschieden.

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Ich bekam Summer Games das erste Mal 1987 in meine Finger – gleichzeitig mit meinem C64, der damals unter dem Weihnachtsbaum lag (in diesem Sinne auch gleich: Alles Gute zum 30er, mein erster Computer!) Schon bald darauf wurden regelmäßig große sportliche Ereignisse in meinem Zimmer abgehalten, bei denen acht Familienmitglieder gegeneinander antreten mussten (zum Glück war meine Familie dank Schwestern und deren damals-noch-Freunden (fast) groß genug, um die maximale Spieleranzahl zu erreichen). Leider fanden diese Spielrunden im Allgemeinen nur virtuell statt – ich übernahm einfach die Kontrolle über alle acht Figuren, die ich zuvor liebevoll den einzelnen Ländern zuordnete . Apropos Länder: Hier erfüllte das Spiel auch bei mir einen gewissen Bildungsauftrag – bis heute weiß ich aus diesem Spiel, wie diverse Nationalhymnen klingen.

Seinen Ruf als Joystick-Vernichter hatte das Spiel nicht zu unrecht. In einzelnen Disziplinen, wie beispielsweise dem 100 Meter-Sprint, baute man Geschwindigkeit auf, indem man einfach so schnell wie möglich am Joystick rüttelt (und jetzt genießt das Bild, wie ich mit sieben an zwei Joysticks gleichzeitig rüttle, um beiden Spielern eine faire Chance zu geben …). Andere Bewerbe, wie Turnen oder der Stabhochsprung, benötigten komplexere Eingaben und das richtige Timing, um eine begehrte Medaille zu ergattern. Das waren auch die größten Erfolgserlebnisse, wenn sich plötzlich Disziplinen, die ich überhaupt nicht beherrschte, sich zu meinen Lieblingssportarten entwickelten (der Stabhochsprung gehörte zu diesen Kandidaten) – einfach, weil ich begriff, was das Spiel von mir will.

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Etwa ein Jahr später bekam ich dann auch das Sequel Summer Games II in meine Finger, das sich am C64 mit dem ersten Teil zu einem Mega-Sport-Event verbinden ließ. Leider stellte sich hier die Begeisterung deutlich weniger ein, da man bei Summer Games II einige Disziplinen hinzufügte, die mir bis heute (gut, ich habe das Spiel sicher zwanzig Jahre nicht mehr gespielt) steuerungstechnisch nicht klar sind. Da blieb ich lieber bei meinem Summer Games oder den Versionen mit anderem Setting, wie Winter Games oder World Games. Aber das sind andere Spiele, über die ich ein anderes Mal erzählen möchte …

Also, warum handelt es sich bei Summer Games um ein Spiel, das ich vermisse? Auch hier gibt es viele Gründe. Einerseits stecken hier natürlich viele Kindheitserinnerungen drinnen, an die ich gerne zurückdenke. Andererseits war es eines jener Spiele, die mich für Stunden an den Monitor/Fernseher fesselten, während es den „Nachfolgern“ nicht mehr gelang. Nein, ich rede hier nicht von den bereits erwähnten Winter Games/World Games/California Games, sondern von jenen, die versuchten, das Prinzip der „Spiele zu Olympischen Spielen“ nachzuahmen. Der vielleicht würdigste Nachfolger war hier vielleicht noch Mario & Sonic bei den Olympischen Spielen, aber statt vieler Tage verbrachte ich nur wenige Stunden damit – aber immerhin deutlich mehr, als mit anderen Vertretern desselben Genres.

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