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Spiele, die ich vermisse #155: Super Pipeline II

Der Klimawandel muss real sein – im letzten Jahr habe ich gleich zweimal an dieser Stelle über Wetterextreme berichtet. War es bei Ausgabe #150 noch die Gluthitze des letzten Sommers, ist es aber diesmal die Eiseskälte, die uns vor zwei Wochen in ihren Klauen hielt und mich inspirierte, ein Spiel zu vermissen. Warum? Weil diese Kälte dafür gesorgt hat, dass meine Familie und ich knapp fünf Tage ohne Wasser auskommen mussten – die Zuleitung zum Haus war eingefroren. Und ja, es erstaunt mich selbst, dass ich auch in dieser Situation sofort bei Spielen gelandet bin (eigentlich sogar drei, aber im Endeffekt habe ich mich für eines entscheiden müssen): Leitungen, durch die Flüssigkeiten fließen, erinnern mich einfach sofort an Super Pipeline. Und da ich den ersten Teil vor über 125 Ausgaben vermisst habe, widme ich mich heute einfach dem Sequel namens – Überraschung! – Super Pipeline II.

Die Grundidee des Spiels gleicht dem Vorgänger: Eine Flüssigkeit – ich dachte immer, es ist Öl, aber die Anleitung spricht von Wasser – fließt von einem Reservoir durch eine verwinkelte, aber im Endeffekt lineare Rohrleitung zum Auslass, wo schon mehrere Fässer warten, gefüllt zu werden. Bis hierhin läuft alles automatisch – bei Levelbeginn öffnet sich der Hahn, langsam füllt sich die Leitung und ist ein Fass schließlich gefüllt, läuft auf einem Förderband automatisch das nächste herbei, bis alle gefüllt sind. Damit daraus auch ein Spiel wird, haben die Entwickler von Taskset aber natürlich Sand in dieses Getriebe geworfen. Auf einer zweiten, dünneren Leitung kommen ständig allerhand Gegner auf das große Rohrsystem – und es liegt an uns und unseren Gehilfen, dafür zu sorgen, dass das Wasser fließt.

Diese Zuleitung ist auch der erste große Unterschied zum Vorgänger – kletterten die Gegner in Super Pipeline noch über eine Leiter nach oben und ließen sich dann von dort auf die Leitung fallen (bzw. brachten so auch Blockaden an, die den Wasserfluss stoppten), ist es jetzt nicht mehr ganz so einfach, sie schon vorab abzuschießen, da die bösen Items von zwei verschiedenen Seiten kommen können und an einem beliebigen Kreuzungspunkt die Pipeline betreten können. Und ja, ich sage bewusst „Items“, denn anders als in Teil eins ging man hier in eine etwas abstraktere Richtung und lässt uns (neben einigen zurückkehrenden Gegnern) gegen Bohrer, Hammer und viele weitere Werkzeuge kämpfen. Manche machen einfach Jagd auf uns, weshalb wir geschickt die Rohrleitung entlang klettern (im Gegensatz zu unseren Gegenspielern können wir an Kreuzungen auch abbiegen, während diese stur die Leitung entlang laufen) bzw. auf eine gute Gelegenheit warten müssen, um sie abzuschießen, damit sie uns kein Leben kosten. Letzteres ist allerdings nicht bei allen Kontrahenten möglich.

Andere Gegner beschädigen allerdings die Rohrleitung – und spätestens hier verstehen wir keinen Spaß mehr, denn haben wir ein Leck, fließt das Wasser aus statt in die Fässer (und es gibt nur eine beschränkte Menge an Flüssigkeit, die wir zur Verfügung haben). Um sie zu reparieren brauchen wir unsere Gehilfen, die wie die Gegner über die dünne Leitung auf die große Pipeline klettern und dann ziellos herumwandern. Sammeln wir sie ein, folgen sie uns danach brav, bis sie auf ein Leck stoßen, das sie daraufhin rasch reparieren; berühren sie allerdings ein „böses Item“, fallen sie von der Leitung und sind damit aus dem Spiel, nehmen allerdings wenigstens den Gegner mit. Anders als im ersten Teil kann man mehr als einen Assistenten einsammeln, in der Praxis wird man allerdings trotzdem selten zu viele hinter sich scharen.

Super Pipeline II erschien 1985 für den C64, den CPC und das ZX Spectrum. Die Kritiken der damaligen Zeit betonen den hohen Suchtfaktor und das Gameplay, das den Vorgänger klar erkennen lässt, aber dennoch eigenständig ist. Hervorgehoben wird aber auch die eigentliche Einfachheit des Gameplays, durch die die 16 Level recht schnell absolviert sind (das Spiel endet dort allerdings nicht, sondern startet in höherer Geschwindigkeit von vorne). Und genau an diesem Punkt würde ich den Kritikern gleich widersprechen – zwar nicht mit meinem Status von heute (dafür habe ich das Spiel schon zu lange nicht mehr gespielt), aber aus der Sicht meines knapp siebenjährigen Ichs.

Fan von Super Pipeline war ich ja eigentlich schon zuvor, weil ich es bei meinem Onkel bei unseren traditionellen Osterbesuchen spielen durfte. Das Sequel fand ich allerdings erst in der Diskettenkiste, die ich mit dem C64 bekam, als ich – wie treue Leser vermutlich längst wissen – sieben war. Und rasch war ich beiden Spielen verfallen, die – ähnlich wie z.B. Space Taxi – meine erste Zeit mit meinem ersten Heimcomputer prägten.

Und damit komme ich auch zu meinem Widerspruch aus dem vorherigen Absatz: Leicht? Nein, Super Pipeline II war für mich nie leicht. Gut, das lag natürlich auch daran, dass es sich dabei um eines der ersten Spiele handelte, die ich „so richtig“ spielte und mein Skill einfach noch nicht so entwickelt war; es lag auch daran, dass Spiele der Zeit oft einfach deutlich schwieriger waren. Aber wie ich an dieser Stelle oft betont habe, war das damals für mich auch oft kein großes Problem. Es gab Spiele, bei denen ich das erste Level nie geschafft habe (nein, nicht Super Pipeline II), die mir aber dennoch so viel Spaß machten, dass ich immer wieder zurückkam. Es waren einfach andere Zeiten. Oder ich war einfach jünger. Oder Beides.

So oder so: Ich war – vor allem dadurch, dass ich Super Pipeline II jahrelang spielte und es mich meine gesamte C64-Zeit begleitete – nicht schlecht in dem Spiel, aber ich fand es auch niemals so leicht, dass ich es mal eben einfach so durchspielte. Eher im Gegenteil bin ich mir mittlerweile sicher, dass ich das letzte Level nie gesehen habe. Dennoch versuchte ich immer und immer wieder, besser zu werden. Einfach, um weiter zu kommen. Noch eine verrückte Pipeline zu sehen. Die Highscores, die das Spiel eigentlich auch sammelte, interessierten mich kaum, aber dann doch mal ein Level weiterzukommen als bisher war schön – und der Frust groß, wenn man in einem Abschnitt scheiterte, der sonst recht problemlos ging.

Und so vermisse ich Super Pipeline II heute als eine meiner frühen Gaming-Erfahrungen, die mich maßgeblich geprägt haben. Es machte Spaß und hatte ein einfaches und dennoch unglaublich motivierendes Spielprinzip, das sofort begriffen, aber schwer zu meistern war. Schade, dass es Spiele wie diese heute einfach kaum noch gibt – vermutlich wäre es für unseren heutigen Geschmack aber auch einfach zu simpel. Und selbst aus der Sicht der 80er muss man zu einer ähnlichen Erkenntnis gekommen sein, denn zu einem weiteren Sequel kam es nicht mehr. So bleiben mir die Erinnerungen an Rohrleitungen, die man erklimmen konnte, Lecks, die geflickt werden wollten – und eine tatsächliches Interesse an Vorgängen in Rohrsystemen, die mich auch zu anderen Spielen mit ähnlichem Thema führen sollte. An die beiden Super Pipeline-Teile kamen sie allerdings alle nicht mehr heran.

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Florian Scherz

Bereits früh entwickelte Florian zwei große Leidenschaften: Videospiele und Theater. Ersteres brachte ihn zu einem Informatikstudium und zu Jobs bei consol.MEDIA und Cliffhanger Productions; zweiteres lässt ihn heute (unter anderem) als Schauspieler, Regisseur, Komponist und Lichtdesigner arbeiten. Wenn er gerade keine Musicals inszeniert, spielt oder schreibt, vermisst er auf Shock2 Videospiele von anno dazumal in seiner Blog-Reihe "Spiele, die ich vermisse".

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