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Kolumne: The E3 of Mario

Nach der “E3 of Dreams” im Jahr 2015 und der “E3 of Change” im Jahr 2016 fällt die Suche nach einem knackigen Namen für die E3 2017 doch etwas schwerer. Komplett neue Trends der Industrie ließen sich nicht erkennen, dafür aber stahl ein alter Bekannter die Show.

Der alte Mario verzaubert
Spieler wollen von der E3 vor allem neue Spiele. Am besten ganz neue Marken. Etwas noch nie vorher Dagewesenes. Mit Watch Dogs schickte Ubisoft die Fantasie vieler Spieler auf die Reise, The Evil Within gab dem Resident Evil-Meister Shinji Mikami eine neue Bühne und Destiny öffnete ein gänzlich neues Kapitel für die ehemaligen Halo-Entwickler Bungie. Ob diese neuen Namen im Endeffekt auch liefern, ist erstmal egal. Neu soll es sein, spektakulär soll es sein, laut soll es sein.

Mario ist nichts davon, und gleichzeitig ist es alles davon. Der E3-Trailer von Super Mario Odyssey begeisterte Generationen von Videospielern. Ob nun Teenager, deren erstes Mario-Spiel auf der Wii erschien, Kinder, die Super Mario Run auf dem Smartphone spielen oder alteingesessene Fans, die Mario seit dem NES kennen. Dieser eine Trailer erschuf einen Moment der puren Überraschung. Einen Moment, den auch das größte Marketingbudget der Welt nicht erzwingen kann. Ein kleiner Moment der geteilten Freude. Eine Freude, die Mario schon bei der Pressekonferenz von Ubisoft auslösen könnte. Als Miyamoto und Yves Guillemot zusammen auf der Bühne standen und der Entwickler von Mario + Rabbids Kingdom Battle realisierte, dass sein Traum wahr geworden war. Ein natürlicher, ein menschlicher Moment des Glücks. Dank Mario.

Generell scheint sich Nintendo schon jetzt von den schweren Wii U-Jahren gefangen zu haben. Ein Mainstream-Media-Outlet nach dem anderen titelt von Nintendos Comeback. Investoren sehen das ähnlich, Nintendos Aktie stieg nach der Präsentation sprunghaft an.

Auftritt der Service-Games
Manche haben sich schon längst darauf eingestellt, andere erkennen sie erst jetzt. Service-Games stehen im Fokus der Industrie. Sie buhlen um die Gunst und vor allem die Zeit der Spieler. Mit Skull and Bones fügt Ubisoft neben For Honor, The Division, Rainbow Six: Siege, Steep und The Crew 2 dem Repertoire ein weiteres Service-Game hinzu. Selbst Assassin’s Creed Origins soll entsprechende Elemente enthalten. EA verändert seine Strategie mit Star Wars Battlefront 2 und wird DLCs wie Maps kostenlos anbieten, Lootboxen oder andere Mikrotransaktionen werden das wohl ausgleichen. Und die große neue Marke des BioWare A-Teams namens Anthem soll Destiny Konkurrenz machen. Selbst Rare veröffentlichen mit Sea of Thieves ein Service-Game. Aber wie es bei Spielen dieser Art ist, eigentlich spielt man nicht mehrere ähnliche Titel gleichzeitig. Spieler werden sich wohl für eines der beiden Piratenspiele Skull and Bones oder Sea of Thieves entscheiden müssen.

Software > Hardware
Vielleicht liegt es am Preis, vielleicht interessieren sich Spieler auch einfach nicht genug für die neuen Mid-Gen-Konsolen. Von Microsofts detaillierter Beschreibung der Hardware der neuen Xbox One X ist nicht viel hängen geblieben. Alle Zahlen sind größer als bei der Konkurrenz, das bestreitet niemand. Doch ist das Timing für die Ankündigung merklich unvorteilhaft. Während die eigenen Studios am neuen Halo und Gears of War arbeiten, blieb Microsoft nicht viel übrig, als die wenigen exklusiven Spiele wie Forza 7, Crackdown 3 und Cuphead mit vielen nicht-so-ganz-exklusiven Spielen zu präsentieren. Ganze 44 Spiele wurden auf der Pressekonferenz gezeigt, oft mit dem Marketingunwort “Console Launch Exclusive”. Trotzdem, den Titel als stärkste Konsole der Welt hat man sich zurückerobert. Fragt sich nur, wie wichtig dieser mittlerweile ist.

Trailer-Playlisten
So viel Microsoft besonders über Hardware geredet hat, von Sony gab es eigentlich nichts zu hören. Zumindest nichts Interessantes. Der Marktführer beschränkte sich auf wenige Floskeln und präsentierte ein exklusives Spiel nach dem anderen. Dabei zeigte Sony nicht einmal alle Spiele auf der Bühne selbst, sondern teilweise auch auf der Pre-Show. Betont erhaben, vielleicht sogar ein wenig arrogant, fokussierte Sony so die Diskussion auf die gezeigten Spiele. Aber auch hier fehlte das Neue. Days Gone, Detroit: Become Human, Uncharted: The Lost Legacy, God of War. Alles schon bekannt, alles schon gesehen. Auch Bethesda hatte anscheinend nicht viel zu erzählen, die gesamte Präsentation bestand aus einem Video. Ob man dafür eine ganze Pressekonferenz benötigt? Das müssen Sonys und Bethesdas Buchhaltungsabteilungen wissen. Die Fans im Saal stört es sicherlich nicht. Public Viewing macht auch ohne große Worte Spaß.

Die größte Ankündigung der E3
Einige haben sie übersehen oder wissen nicht, warum sie so wichtig ist. Andere können seitdem an nichts anderes mehr denken. Monster Hunter: World für PS4, Xbox One und PC ist die größte und wichtigste Ankündigung der E3 2017. Sie beschreibt eine Zäsur für Capcom und die japanische Videospielindustrie an sich. Nach vielen Jahren der 3DS-Exklusivität kehrt der Nachfolger der Hauptserie Nintendos Plattformen den Rücken zu. Das Call of Duty Japans versucht es mit dem Mainstream des Westens und dafür muss es auf die Konsolen. Das bedeutet zwangsläufig bessere Grafik und einfacheres Gameplay. Ersteres wünschen sich 3DS-Spieler auch schon lange, das Zweite dürfte treuen Fans sauer aufstoßen. Aber das macht diese Ankündigung auch fernab des eigentlichen Spiels so spannend. Wir wird dieses Monster Hunter im Westen ankommen? Reicht es wirklich aus, das Spiel etwas leichter und hübscher zu machen, damit sich die Shooter- und Action-affinen Spieler dafür interessieren? Wie reagiert Japan? Immerhin ist die Serie aufgrund des Handheld-Faktors so groß geworden. Xbox One und PC spielen kaum eine Rolle in Japan, die Verkäufe werden fast gänzlich auf der PS4 stattfinden müssen. Die PS4 läuft okay, nicht herausragend. Wie werden die Spieler auf dieses neue Monster Hunter reagieren, das Capcom entweder zu neuen Höhen verhelfen oder aber sich als ein gigantischer Flop entpuppen könnte?

Also, was bleibt hängen von dieser E3? Bei den Spielen sicherlich Super Mario Odyssey, Monster Hunter: World und Spider-Man. Letzteres dürfte das größte Aha-Erlebnis des interessierten Mainstreams ausgelöst haben, ist der Spinnenmann mit dem bald anlaufenden Kinofilm ja in aller Munde. Viele Enthusiasten dürften hingegen wohl die fehlenden Überraschungen lamentieren, größtenteils sind sie dafür aber selbst schuld. Teilweise werden diese mit Leaks verdorben, teilweise wird wie im Fall von Metroid Prime 4 zu wenig (oder gar nichts) gezeigt und so sehr man sich über etwas freut, ein Logo allein reicht vielen nicht. Der größte Grund für die fehlenden Überraschungen ist aber die Industrie selbst. Nicht jedes Jahr kann Überraschungen bieten. Entwickler müssen ihre Spiele erst veröffentlichen, bevor sie neue Titel präsentieren können. Und wer möchte ernsthaft ein Spiel präsentiert bekommen, das womöglich erst in fünf Jahren erscheinen könnte. Nicht jede E3 kann Traumspiele mit sich bringen, nicht jede E3 kann revolutionäre Hardware wie VR ankündigen. An manchen Jahren ist das Thema nicht offensichtlich, also sucht man sich selber das Highlight heraus. Das Spiel, das einen am meisten überrascht, am meisten zum Lachen gebracht, am meisten Freude bereitet hat. 2017 war das Super Mario Odyssey. (kf)

Notable Replies

  1. Naja, im Gegensatz zu vielen fand ich die E3 insgesamt ziemlich gut.

    Viele neue Spiele und einige sind auf meine persönliche Wunschliste gelandet. Kritik gab es auch (fehlende Überraschung bei Sony, kein Mega-exklusiv-Titel für die XBox, keine Bilder zu Metroid Prime 4), aber insgesamt war doch für alle genug dabei und langweilig war die E3 insgesamt auch nicht.

    Jede PK hatte mindestens zwei tolle Spiele. Bei sechs PKs sind das theoretisch mindestens 12 tolle Games. Als genug zum Zocken in den nächsten 12 bis 18 Monaten.

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