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Kolumne: „Erscheint das Spiel auch für Nintendo Switch?“

Gut vier Monate sind seit dem Launch der Nintendo Switch vergangen. Es ist wohl keine Übertreibung zu behaupten, dass alle vom Erfolg der Hybrid-Konsole überrascht sind. Spieler, Publisher und Nintendo selbst haben nicht mit einer derart hohen Nachfrage gerechnet. Der Markt reagiert (wie immer), aber er tut dies mit einem Delay (wie immer). Nintendo verspricht mehr Switch-Konsolen herzustellen, Spieler tragen sich in Händler-Wartelisten ein und die Publisher? Die müssen immer wieder erklären, warum ihr Spiel nicht auf der Switch erscheint.

“Wir können zu diesem Zeitpunkt nichts ankündigen, aber wir beobachten die Entwicklung der Switch sehr genau und halten uns alle Optionen offen.”

Da. So einfach könnte es sein. Eine perfekte Nicht-Antwort. Das mag zwar viele Spieler nicht zufriedenstellen, viel wichtiger bei solchen Fragen ist es jedoch, dass niemand vor dem Kopf gestoßen wird. Das klingt nicht authentisch und es liest sich wie ein Roboter, aber es ist eine gute Antwort. Marketingmenschen kennen diese Phrase wahrscheinlich auswendig, die Industrie besteht aber nun mal nicht nur aus Marketingmenschen. Es werden auch Designer, Entwickler, Producer interviewt, die es mit dem Interviewtraining vielleicht nicht immer 100 % ernst nehmen oder einfach nicht wie ein Roboter klingen wollen. Das kann gut gehen. Das kann auch grandios in die Hose gehen. Wie Dan Nanni, Lead Designer des im August erscheinenden Team-Shooters LawBreakers, im Interview mit der Seite gamingbolt bewiesen hat.

Nintendo Switch

Das ist selbstverständlich Quatsch. Natürlich hat die Switch genug Knöpfe. Das Internet hat Dan Nanni diesen Umstand natürlich prompt wissen lassen, der seinen Fehler mittlerweile auch einräumt.

Berechtigte Frage?

Abgesehen von dieser abstrusen Antwort darf jedoch auch der Gedanke erlaubt sein, ob die Frage nicht ebenfalls abstrus war. Warum sollte gerade LawBreakers auf der Switch erscheinen, wenn es nicht mal für die Xbox One angekündigt worden ist? Es wurden knapp 3 Millionen Switch-Konsolen verkauft, die Xbox One dürfte bei knapp 30 Millionen liegen. Der Entwickler Boss Key Productions, für den LawBreakers das erste Projekt ist, dürfte auch nicht in Ressourcen schwimmen und problemlos einen Port stemmen können. Es ist ja auch noch überhaupt nicht sicher, dass LawBreakers erfolgreich sein wird.

Nicht nur die Entwickler von LawBreakers bekommen die Switch-Frage in Interviews gestellt. Über Publisher und Genres hinweg wird die Frage gestellt, was nicht überrascht. Leute wollen diese Spiele auf der Switch spielen oder sie wollen einfach generell mehr Spiele. Vielleicht passt die Hybridnatur besser in ihren Alltag, vielleicht liegt die Konsole auch schon seit mehreren Wochen im Dock und fängt nur Staub. Medien kennen ihre Leser/Zuhörer/Zuschauer und stellen für sie interessante Fragen, auch wenn die Antwort oftmals offensichtlich sein dürfte.

Beispiele

Beispiel Overwatch. Der allseits beliebte Team-Shooter von Blizzard dürfte ein Wunsch vieler Switch-Besitzer sein. Doch wie viel Sinn würde das für Blizzard ergeben? Gerade bei einem Always-Online-Spiel, das ständig neue Updates und Patches erhält? Der Support für so ein Service-Game kostet viel Geld. Blizzarrd muss Clients für den PC, die PS4, die Xbox One supporten und plant fürs ganze Jahr vor. Warum die Kosten auf sich nehmen für eine Plattform mit gerade mal 3 Millionen Spielern?

Nintendo Switch

Beispiel Kingdom Hearts. Director Tetsuya Nomura wurde zu Kingdom Hearts 3 auf der Switch gefragt. Immerhin sind schon mehrere Teile der Serie auf Nintendo-Handhelds erschienen, die sich auch alle gut verkauft haben. Und was würde besser zu Nintendo passen, als ein Spiel mit vielen Disney-Charakteren? Natürlich ist die Frage gerechtfertigt, allzu viel darf man sich von Nomura aber nicht erwarten.

Nintendo Switch

Die Switch sei sehr interessant, aber man wolle sich auf die Fertigstellung der angekündigten Versionen, PS4 und Xbox One, konzentrieren. Mag zwar den ein oder anderen enttäuschen, aber es ergibt nun mal Sinn. Das Mammutprojekt Kingdom Hearts dürfte viel Geld kosten und hat immer noch keinen Cent dieses Geldes wieder eingespielt.

Beispiel Dragon Ball FighterZ. Das Kampfspiel konnte sich über Nacht eine große Fangemeinde aufbauen, natürlich ist da die Frage nach einer Switch-Version nicht weit. Producer Tomoko Hirokis Antwort schlug hohe Wellen.

Nintendo Switch

Wenn es genug Interesse gibt, werden wir über einen Port nachdenken. Tja. Wenn das Internet eines kann, dann ist es das Bekunden von Interesse.

Nintendo Switch

Das Problem an der Geschichte: Es erscheint ja schon ein Dragon Ball-Spiel für die Switch.

Nintendo Switch

Ginge es nach Bandai Namco, würden sich die Switch-Besitzer natürlich erst mal Xenoverse 2 widmen und es auch kaufen. FighterZ ist neu, FighterZ ist aufregend, aber Xenoverse 2 Switch hat auch Geld gekostet. Vielleicht wollte der Publisher mit dem Port wertvolle Daten sammeln. Sehen, wie interessiert die Switch-Spielerschaft wirklich ist und wie viel Geld man in zukünftige Projekte investieren kann. Stattdessen reden alle nur von FighterZ.

Nicht immer lohnend

Fragen hilft immer. Selbst wenn es manche Publisher mittlerweile nerven dürfte. Es soll sie ja nerven. Dafür sind Presse und Social Media schließlich da. Wenn es um das Absegnen von Projekten geht, kann ein Tweet mit vielen Tausenden von Retweets nur helfen, einen Manager zu überzeugen. Bei Rocket League hat es schon geholfen, also wird es bei anderen Spielen auch helfen. Aber man muss auf dem Teppich bleiben. Nur weil sich Nintendo Switch sich gut verkauft, ist eine Switch-Version noch lange nicht garantiert. Knapp 3 Millionen Switches stehen knapp 100 Millionen PS4s und Xbox Ones gegenüber, ganz zu Schweigen vom PC. Nur weil 20.000 Leute ihr Interesse auf Twitter bekunden, wird sich ein Spiel nicht garantiert gut verkaufen und finanzieren. Nur weil Nintendo Switch genug Hardwarepower für heruntergerechnete Ports aktueller Spiele bietet, ist nicht jeder Entwickler dazu bereit, einen solchen Port anzubieten.

Die ursprüngliche Hype-Phase nach dem Nintendo Switch-Launch hält auch nach gut vier Monaten immer noch an. Das mag an Nintendos eigenen Releases liegen, die jeden Monat für neuen Gesprächsstoff sorgen oder einfach an dem Umstand, dass die Leute ihre Switch mögen. Natürlich möchte man dann auch mehr Spiele sehen. Publisher sind aber vorsichtig, das müssen sie auch sein. Trotz des großen Potenzials haben sich viele an der Wii die Zähne ausgebissen, von der Wii U wollten sie früh nichts mehr wissen. Mit Zelda, Splatoon, Mario Kart, Mario und Pokémon setzt Nintendo alles daran, die Publisher von der Switch zu überzeugen. Das wird in manchen Fällen auch gelingen, in anderen halt nicht. Mit der Zeit dürfte die Entwicklung leichter fallen, die Verkaufszahlen werden weiter ansteigen und der Markt auf den Erfolg reagieren. Das tut er immer. Aber wie immer mit Delay.

Notable Replies

  1. Hmmm. - eigentlich erschließt sich mir der Sinn hinter der Kolumne nicht so ganz. All das war/ist ja , wer immer auch die täglichen News verfolgt, weitgehend bekant. Ähnlich wie bei der Wii hat niemand mit dem Erfolg gerechnet und es folgen einfach (zu viele) Lippenbekenntnisse.

    Ich finde es etwas zu einseitig und hätte mir ein paar positive Beispiele gewünscht und aber fernab von den üblichen AAA-Titel (Shooter, Rennspiele, Sport) denn alleine das deckt mind. 50% der Spiele von XOne und PS4 ab...

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