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Review: The Legend of Zelda: Breath of the Wild

Spätestens wenn man von einem einfachen Bokblin mit einem banalen Keulenschlag getötet wird stellt man fest, dass The Legend of Zelda: Breath of the Wild kein gewöhnliches Zelda ist. Der neue Ableger ist nicht nur das größte Projekt in Nintendos langer Unternehmensgeschichte, sondern auch eine radikale Abkehr von der Zelda-Formel, die sich in den Spielen der vergangenen Jahre zunehmend festgefahren hatte. Breath of the Wild sprengt wie Ocarina of Time seinerzeit das Korsett und stellt alles was zuvor kam in den Schatten.

Das bisher größte Hyrule ist gleichzeitig schön, offen und brandgefährlich. Aus einem hundertjährigen Schlaf ohne Erinnerung an die Ereignisse der Vergangenheit erwacht, muss sich Link auf den Weg machen, um einmal mehr Ganon zu besiegen. Wahlweise kann man dieses monumentale Unterfangen in einfacher Kleidung und einer simplen Holzrute angehen und sogar den Thronsaal des Schlosses von Hyrule erreichen. Die Welt weist keinerlei Schranken auf, die das Betreten eines Bereichs verbieten würden. Vielmehr bahnt man sich seinen eigenen Pfad durch das epische Abenteuer, die Hauptquest dient als Polarstern, an dem man sich ein wenig orientieren kann.

Vorbei sind die Zeiten, in denen ein Begleitcharakter ständig Hinweise gab. Link bereist Hyrule ganz alleine und kann sich nur auf sich selbst verlassen. Im Gegenzug erhält man sämtliche Überlebenswerkzeuge gleich zu Beginn und muss sich nicht von Dungeon zu Dungeon vorarbeiten. Ein Paragleiter zum Überwinden von Abgründen, per Fernzündung auslösbare Bomben, ein Magnetstrahl für Metallobjekte, die Fähigkeit Eissäulen aus dem Wasser emporsteigen zu lassen und die Kraft, die Zeit anzuhalten, bilden das Grundrepertoire. Es handelt sich auch nicht um ausrüstbare Gegenstände, sondern Module, die dem Shiekah-Stein innewohnen, einem dem Wii U GamePad und der Nintendo Switch nicht unähnlichen Tablet.

Auf dieses Tablet wird auch die Umgebungskarte heruntergeladen, nachdem man den Shiekah-Turm einer Region erklommen hat. Was zunächst nach der Ubisoft-Schule von Open-World-Spielen klingt, wird von Nintendo aber auf clevere Weise invertiert. Bereits das Besteigen eines Turms stellt Link vor clever designte Aufgaben, seien es Rätsel-, Kampf-, oder Rätselszenarien. Und ist man oben angekommen wird zwar die Umgebungskarte aufgedeckt, anders als zum Beispiel in Assassin’s Creed ist sie allerdings nicht mit Symbolen und Nebenaufgaben übersät. Man muss die Karte selbst mit Symbolen füllen. Sei es durch das Platzieren von Markierungen oder das Aktivieren von Schreinen.

Die Schreine, winzige Dungeons mit nur ein oder zwei Räumen, die mit Feinden oder Rätseln bestückt sind, dienen einerseits als Schnellreisepunkte, andererseits auch als Tutorials, Waffenquelle und Progressionsmotor. Über 100 dieser unterirdischen Prüfungen sind in ganz Hyrule zu finden und auch nach über 50 Aufgaben können die Schreine noch immer mit einzigartigen und kreativen Szenarien überraschen. Dabei wedelt das Spiel zu keinem Zeitpunkt mit Lösungshilfen vor der Nase, sondern nutzt höchstens dezente und subtile Spielerführung, um uns zum Geistesblitz zu schubsen. Im Gegenzug liegt wesentlich weniger Fokus auf Dungeons. Sie sind wesentlich kleiner als gewohnt, erhalten aber durch ihre enge Verbindung zur Handlung sowie die ausgefallenen Designs Bedeutung.

Abseits der Handlung, Schreinen und Dungeons kann Hyrule unzählige Stunden lang auf eigene Faust erkundet werden. Die Welt wirkt gleichzeitig belebt und verlassen; gefährlich und friedlich. In Dörfern tummelt sich das Leben, Kinder spielen in den Straßen und die Bewohner halten die eine oder andere Nebenaufgabe bereit, die mal so banal ist wie eine Karotte zu besorgen und ein andermal zu einem bedeutenden mystischen Ort führt. In der Wildnis findet sich eine vielfältige Flora und Fauna, die den Jäger und Sammler weckt. Unzählige Pilze, Insekten, Blumen, Früchte, Fleischsorten und Monstergebeine füllen nach einiger Zeit das Inventar und wollen zu leckeren Gerichten und weniger appetitlichen Elixieren verkocht werden, die im Kampf gegen die starken Monster essenziell sind. Der einzige Nachteil der wunderschönen Welt ist die einbrechende Framerate, wenn sich zu viele Elemente auf dem Bildschirm befinden. Diese Probleme beziehen sich auf den TV-Modus, im Handheld-Modus der Nintendo Switch läuft das Spiel butterweich.

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Breath of the Wild kann als „Dark Souls Light“ bezeichnet werden. Die Gegner verursachen eine Menge Schaden und müssen taktisch mit Blocken, ausweichen und Konterschlägen besiegt werden, bei einem der unvermeidlich zahlreichen Tode wird man aber nicht bestraft und kann vom letzten Speicherpunkt aus weiterspielen. Außerdem muss man klug mit dem limitierten Waffen-, Schild-, und Bogeninventar haushalten, was ständig zu schweren Entscheidungen führt. Vor allem, weil sämtliche Waffen nach einer Zeit kaputt gehen und äußerst taktisch eingesetzt werden müssen.

All der Freiheit und den Dark Souls-Ambitionen zum Trotz verliert Breath of the Wild aber zu keiner Sekunde den serientypischen Charme. Link summt beim Kochen der heilenden Pilzspieße und Gemüsesuppen, NPCs warten mit ausgeflippten Persönlichkeiten auf und an jedem Fleck der massiven Spielwelt fühlt man den ganz besonderen „Nintendo-Feenstaub“ ™. Selbst dann, wenn man mal wieder von einem unerwartet aufgetauchten Bokblin mit einem Feuerpfeil geröstet wird.

Spätestens wenn man von einem einfachen Bokblin mit einem banalen Keulenschlag getötet wird stellt man fest, dass The Legend of Zelda: Breath of the Wild kein gewöhnliches Zelda ist. Der neue Ableger ist nicht nur das größte Projekt in Nintendos langer Unternehmensgeschichte, sondern auch eine radikale Abkehr von der Zelda-Formel, die sich in den Spielen der vergangenen Jahre zunehmend festgefahren hatte. Breath of the Wild sprengt wie Ocarina of Time seinerzeit das Korsett und stellt alles was zuvor kam in den Schatten. Das bisher größte Hyrule ist gleichzeitig schön, offen und brandgefährlich. Aus einem hundertjährigen Schlaf ohne Erinnerung an die…

Review Overview

Wertung - 10

10

Meisterwerk

Summary : The Legend of Zelda: Breath of the Wild zeigt, dass offene Welten nicht mit generischen Wegwerf-Aufgaben gefüllt sein müssen, sondern liebevoll gestaltete Nebenquests und Situationen viel effektiver dazu motivieren, auf eigene Faust auf Entdeckungsreise zu gehen. Breath of the Wild ist ein massiv großes Spiel mit unzähligen Geheimnissen, die wohl erst in den nächsten Monaten, wenn nicht Jahren, nach und nach entdeckt werden. Die Zelda-Serie hat sich wieder einmal neu erfunden und einen neuen Meilenstein gesetzt. Nicht nur für Zelda, sondern dafür, wie offene Spielwelten funktionieren sollten.

User Rating: 4.31 ( 9 votes)
Genre: Rollenspiel
Entwickler: Nintendo
Preis: ca. 60 Euro
System: Nintendo Switch, Wii U
Erscheint: 3. März

Dieses Review basiert auf der Nintendo Switch-Version.

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2 comments

  1. Ups weiß nicht wie das passiert ist, vielleicht könnt Ihr den vorherigen Post löschen 🙁 Wollte eigentlich schreiben: Sehr schönes Review, wann kommt ein Review für die Wii U Version