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Review: Madame Web

Sony hat es wieder getan und einen Spider-Man-Film ohne Spider-Man herausgebracht. Nach Venom und Morbius ist dieses Mal die noch weniger bekannte Madame Web dran, mit einem Besuch im Kino. Ob es sich auszahlt, die Marvel-Heldin bei ihrem Abenteuer zu begleiten, gibt es hier zu lesen.

Während Madame Web in den Comics von Marvel eine ältere, hellsende, gelähmte Dame ist und Spider-Man mit ihren Fähigkeiten hilft, wird sie im gleichnamigen Film von Dakota Johnson verkörpert, die als agile Rettungssanitäterin Cassie Webb in einem – im Film nicht näher definiertem – Spider-Man-Universum im Jahr 2003 ihrem Job nachgeht. Spidey selbst gibt es im Film nicht zu sehen, allerdings wird Cassie bei ihren Rettungseinsätzen von keinem Geringeren als Ben Parker (Adam Scott), also Peter Parkers Onkel, unterstützt. Ben ist gerade frisch in May verliebt und auch seine hochschwangere Schwester Mary taucht ab und zu, gespielt von Emma Roberts – ohne große Bedeutung für die Handlung – im Film auf. Aber worum geht es denn eigentlich?

Story ohne Faden 

Durch einen Zwischenfall bei ihrer Geburt, bei dem ihre Mutter zuerst vom Bösewicht des Filmes angeschossen und später von einer Super-Spinne gebissen wurde (Wer denkt sich sowas aus?), entdeckt Cassie 30 Jahre später, dass sie die Zeit anders wahrnehmen kann und so drei jungen Frauen helfen muss, die auf der Abschussliste genau jenes Mannes stehen, der damals schon ihre Mutter ermordet hat. Diese drei unterschiedlichen Charaktere, gespielt von Sydney Sweeney, Celeste O’Connor und Isabela Merced, könnten in der Zukunft nämlich zu Spider-Women werden – und das passt dem Fiesling Ezekiel (Tahar Rahim) nicht. Ach ja, er wurde auch von der mystischen Spinne gebissen und hüpft daher in einem schwarzen Spider-Man-artigen Kostüm grantig durch New York.

Wenig Schwung 

Die schiere Fülle an Spider-Man-Elementen könnte für eine rasante Achterbahnfahrt aus Witz, Action und Augenschmaus sorgen, stattdessen begnügt sich der Film damit, in der ersten Hälfte wie ein Mystery-Thriller der frühen 2000er-Jahre à la The Eye oder Gothika daherzukommen. Cassie braucht ewig, bis sie sich ihrer Fähigkeiten bewusst wird, dazwischen stellt sie Nachforschungen an oder ist Teil anderer uninteressanter Szenen.

Auch Cassies uneindeutige Kräfte selbst stellen das Publikum vor viele Fragen: Sieht sie in die Zukunft? Kann sie in der Zeit zurückreisen? Kann sie das selbst steuern? Wussten die Leute bei Sony, was sie da tun?

Spider-Women, don’t assemble!

Ein Highlight wären eigentlich die drei zukünftigen Spider-Women, die zusammen eine gute Chemie haben und sehr viel 1990er-TV-Action-Serien-Charme (eher der trashigen, aber unterhaltsamen Art) versprühen. Aber viel zu tun haben auch sie nicht. Die meiste Zeit über wird auf die Aktionen des Antagonisten reagiert und als im hanebüchenen Finale doch noch so etwas wie Eigeninitiative bei Cassie & Co aufkommt, hat man das Publikum schon längst verloren. Gekrönt wird das Ganze noch mit einer letzten Szene, die so cringe daherkommt, dass man sich an Daredevil mit Ben Affleck zurückerinnert fühlt. (Hanns Peter Glock)

Fazit

Wertung

Handwerklich ist Madame Web eine solide startende Comic-Verfilmung, die sich leider schwer entscheiden kann, wo im Spider-Man-Universum sie angesiedelt sein will und der deshalb schnell der Handlungsfaden reißt. So ist der Streifen nicht vollständig langweilig, aber auch nicht unterhaltsam. Das Sammelsurium aus Spider-Man-Elementen hätte so viel Potential gehabt, aber leider wurde nichts davon genutzt. Ezekiel als fieser Spider-Bösewicht macht optisch einiges her, hat aber leider auch fast keine Screentime. Man muss keine hellseherischen Fähigkeiten à la Madame Web besitzen, um vorauszusagen, dass dieser Film keine Massen ins Kino ziehen wird.

Kurzinformationen
Land, Jahr: USA, 2024
Filmlänge: 114 Minuten
Genre:Thriller/Action/Comic
Regie: S. J. Clarkson 

 

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