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Review: Venom – Let There Be Carnage

Nein, Venom aus dem Jahr 2018 war kein großer Erfolg bei den Kritiker*innen, doch der Film hatte seine Momente, einen gewissen Witz und war dann letztendlich doch recht erfolgreich! So brachte der Film nicht nur einen Nachfolger auf Schiene, sondern lies auch Sonys zuvor auf Eis gelegte Bestrebungen, ein eigenes Spider-Man Film-Universum zu erschaffen, wieder aufleben. So soll bereits im Januar 2022 mit Morbius der nächste Ableger, mit Jared Leto in der Hauptrolle, in die Kinos kommen.

Die Fortsetzung setzt nicht lange nach dem ursprünglichen Venom-Film von 2018 ein. Eddie Brock (Tom Hardy) versucht trotz der ständigen „Ablenkung“ durch einen außerirdischen Symbionten, der mit ihm verbunden ist, ein erfolgreicher Journalist statt ein TV-Moderator zu sein, wie es in den Spider-Man-Comics von Marvel der Fall war. Der vorige Film endete mit dem Satz „Wir sind Venom“, der viele vor Freude kichern ließ, aber diese Einheit war nur von kurzer Dauer.

Eddie will Venom unter anderen mit chemischen Stoffen bzw. jeder Menge Schokolade bei Laune halten, die Venom das Überleben ermöglichen, ohne Eddie von innen heraus aufzufressen. Zu seinem Pech ist Venom jedoch scharf darauf, diese Chemikalien aus den Gehirnen von Bösewichten zu bekommen. Dieses Ungleichgewicht bereitet Eddie in seinem Berufsleben jede Menge Probleme, die einen Höhepunkt erreichen, als die Polizei wiederholt auf die Anfrage des eingesperrten Serienmörders Cletus Kassidy (Woody Harrelson) reagiert, zu dem augenscheinlich nur Eddie einen Zugang findet.

So wie Tom Hardy die ideale Besetzung für die Rolle des Eddie Brock ist, könnte Woody Harrelson als Cletus Kassidy nicht perfekter sein. Wir haben am Ende des ersten Venom-Films schon einen kleinen Vorgeschmack auf dessen schräge Darbietung gesehen, aber in der Fortsetzung liefert Harrelson richtig ab. Alles, von seinen dramatischen Tonhöhenveränderungen über seine beunruhigenden Körperbewegungen, bis hin zu seinem seltsamen Haarschnitt, fügt sich alles zu einer Figur zusammen, die zwar nicht physisch bedrohlich, aber dennoch beängstigend ist. Kassidy wünscht sich nichts sehnlicher, als einen weiteren Tag auf diesem Planeten mit seiner Jugendliebe und gewalttätigen Psycho-Kollegin Frances Barrison zu verbringen, die in den Comics aufgrund ihrer akustischen Fähigkeiten als Mutantin Shriek bekannt ist. Obwohl Shriek in diesem Film nie beim Namen genannt oder bewusst als Mutantin bezeichnet wird, sind ihre Kräfte vorhanden und werden im gesamten Film sehr gut eingesetzt.

Eddies Bemühungen, Venom dazu zu zwingen, sich dem anzupassen, was er braucht, um sich als normales und produktives Mitglied der Gesellschaft zu fühlen, gehen spektakulär nach hinten los und erzeugen versehentlich den Symbionten-Nachkommen Carnage in Kassidy. Während Eddie niemanden verletzen will und Venom sich damit zufriedengibt, nur Übeltäter zu verletzen, haben Carnage und Kassidy keine dieser Einschränkungen und das Ergebnis ist extrem gewalttätig. Zumindest wäre es das, wenn der Film nicht ab 12 Jahren freigegeben wäre. Daher besteht ein Großteil des Gemetzels aus unblutigen Schlägen auf den Körper und einer Menge Zerstörung von Eigentum, wobei gelegentlich auch Köpfe verspeist werden. Zu zeigen, dass Carnage viel gewalttätiger und chaotischer ist als Venom, stellt eine enorme Herausforderung für die Vorstellungskraft der Zuseher*innen dar. Schließlich ist Carnage der wahrscheinlich blutrünstigste Marvel-Bösewicht aller Zeiten, der in den Comics nicht selten ein grausames Gemetzel anrichtet und dabei abgetrennte Körperteile und literweise Blut hinterlässt. Auch die Definition der Fähigkeiten von Carnage wirkt etwas unbeholfen und hinterlässt einen dann und wann kopfschüttelnd. An einer Stelle dringt er in einen Laptop ein und hackt eine Regierungsdatenbank um die Handlung voranzutreiben. Generell ist das Drehbuch von Kelly Marcel der größte Schwacpunkt von Venom – Let There Be Carnage, es schreit zwar immer wieder „schaut her ich habe die Comic gelesen“ aber meisten mit dem Nachsatz „leider habe ich sie nicht verstanden“.

Der Film glänzt vor allem durch seine gut getimten emotionalen Momente und den Kampf zwischen Venom und Carnage. Die Beziehung zwischen Eddie und Venom wird wie eine echte Beziehung behandelt und obwohl Regisseur Andy Serkis sie größtenteils durch eine komödiantische Linse darstellt, hinterlässt sie dennoch ein warmes, glückliches Gefühl. Und mitten in der Trennung und Wiederannäherung des Paares prügeln sich zwei riesige Aliens gegenseitig die Seele aus dem Leib – was auf eine gewisse Art und Weise richtig schön ist. Den Special Effects merkt man zwar das relativ geringe Budget des Films an, jedoch sind sie deutlich besser als im ersten Venom Film.

Ganz wichtig, beim Abspann sitzen bleiben, den zumindest die Post-Creditszene wird euch noch länger in Erinnerung bleiben. (Spoiler-Link)

Venom – Let There Be Carnage startet am 22. Oktober im Kino! 

Wertung - 6.5

6.5

Venom: Let There Be Carnage verbessert alles aus dem ersten Film und lehnt sich an seine eigene Absurdität an. Der Film nimmt sich selbst weniger ernst und hat mehr Humor. Und das ist auch sein größtes Problem, den Woody Harrelson als Cletus Kasady / Carnage hätte man den idealen Schauspieler und Gegenspieler um dem Publikum einen harten Psycho-Thriller zu servieren. Stattdessen hat der Film in den Vereinigten Staaten erneut eine PG-13-Freigabe bekommen und Drehbuchautorin Kelly Marcel schafft es einfach nicht die besondere Chemie der Comic-Vorlage einzufangen. Schade, den Andy Serkis führt Regie bei einer unterhaltsamen und actiongeladenen Fortsetzung, die dank ihrer relativ kurzen Laufzeit dicht gepackt ist mit jeder Menge Action, Charakterentwicklung und schrägem Humor. Ich hatte in den gut eineinhalb Stunden viel Spaß im Kino, aber einige Male hat es mich doch zusammengekrampft, wie sehr man das Beste einer Vorlage einfach nicht versteht und links linken lässt.

Kurzinformationen
Filmlänge: 107 Minuten
Land, Jahr: USA, 2021
Genre: Action, Comic-Verfilmung
Regie: Andy Serkis

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