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Review: Command & Conquer Remastered Collection

Mit Command & Conquer: Der Tiberiumkonflikt gelang Westwood einer der größten Hits ihrer von zahlreichen Erfolgen geprägten Studio-Geschichte. Zwar war die 1995 gestartete Reihe nicht der Urvater der Echtzeitstrategiespiele (tatsächlich bediente man sich ausgiebig bei dem ebenfalls von Westwood stammenden Dune II, das viele Konventionen des Genres vorwegnahm, aber ebenfalls schon von anderen Spielen inspiriert war), aber man kann sich zumindest auf die Fahnen heften, das Genre populär gemacht zu haben. Dafür sorgte neben der Action auf dem Schlachtfeld, die leicht zu begreifen, aber auch nicht zu leicht zu meistern war, auch die Präsentation, bei der mittels Videosequenzen die Geschichte vorangetrieben wurde. Zahlreiche Fortsetzungen und zwei Spin-off-Serien (Alarmstufe Rot und Generäle) sollten folgen, bevor die Serie zuletzt auch dank des eher unpopulären Finales der Tiberium-Saga in der Versenkung verschwand. Zum 25jährigen Jubiläum bringt EA nun mit der Remastered Collection die jeweils ersten Teile der Tiberium- und Alarmstufe Rot-Saga plus Missionsdisks überarbeitet in den Handel.

Zwei Geschichten, eine Lösung

Der Tiberiumkonflikt entführt uns in eine damals nahe, heute schon längst vergangene Zukunft, in der knapp vor der Jahrtausendwende ein neues Mineral namens Tiberium einen globalen Konflikt heraufbeschwört. Auf der einen Seite stehen die GDI, eine militärische Allianz unter Aufsicht der UNO, auf der anderen Seite die fanatische Terrororganisation der Bruderschaft von Nod unter ihrem mysteriösen, charismatischen Anführer Kane. Das nur im deutschsprachigen Raum als Command & Conquer 2 vertriebene Alarmstufe Rot könnte man aufgrund so mancher Anspielung und Querverbindung als Prequel zu Der Tiberiumkonflikt sehen, wurde aber mittlerweile zum eigenständigen (und im Laufe der Reihe immer abgedrehteren) C&C-Universum erklärt: In einer Welt, in der Albert Einstein per Zeitreise den jungen Adolf Hitler aus der Geschichte entfernt und so den zweiten Weltkrieg verhindert hat, kommt es zu einem gewaltigen Krieg, als Josef Stalin einen Eroberungsfeldzug beginnt, der nur vielleicht von der Allianz der anderen Nationen aufgehalten werden kann.

Beiden Spielen ist gemeinsam, dass ihr euch zu Beginn für eine Fraktion entscheiden und diese zum Sieg führen müsst; anders als bei einigen späteren Genrevertretern wie zum Beispiel Starcraft gibt es in den beiden Titeln keine zusammenhängende Kampagne, die zuerst die eine und dann die andere Seite beleuchtet, sondern voneinander unabhängige beziehungsweise sich sogar ausschließende Szenarien. Erzählt wird die Handlung in allerhand Videosequenzen, die von reinen Renderfilmen bis hin zu Schauspielern vor digitalen Hintergründen reichen, was vor allem für die Missionsbriefings genutzt wird. Hier muss man aber klar betonen, dass das Spiel 25 Jahre alt ist: Die Renderoptik ist der damaligen Zeit entsprechend recht klobig; die Bildqualität der Filme wurde zwar nun mit KI-Filtern aufgehübscht, was aber nicht immer optimal funktioniert hat und so manches Video deutlich verwaschen präsentiert. Dennoch muss man gerade im direkten Vergleich feststellen, dass die neue Version doch eine Verbesserung darstellt. Nicht verbessert hat sich allerdings die schauspielerische Leistung der Darsteller: Während spätere Serienteile mit einigen bekannten Schauspielern punkten konnten, traten hier Mitarbeiter Westwoods vor die Kamera, denen man die mangelnde schauspielerische Erfahrung oft ansieht (und auch die deutsche Synchro ist nicht gerade von hoher Qualität); die wichtigste Ausnahme ist allerdings Joseph D. Kucan, der als ausgebildeter Schauspieler Kane zur charismatischen Kultfigur machte. Er führte bei den Sequenzen auch Regie.

Historische Schlachtfelder

Command & Conquer folgt der in Dune II etablierten und danach unzählige Male kopierten Formel: In den meisten Fällen besitzt ihr auf der Karte eine Basis, beziehungsweise könnt ihr per MBF an passender Stelle einen Bauhof errichten und von dort aus euren Stützpunkt durch weitere Gebäude erweitern, die zum Beispiel als Produktionsstätten für Einheiten dienen, die Basis verteidigen, Superwaffen zur Verfügung stellen oder euch die Minimap per Radar anzeigen. Zwei zentrale Mechanismen sind die Energieversorgung per Kraftwerk – gibt es nicht genug Energie, funktioniert eure Basis nur eingeschränkt – und das Fördern von Tiberium bzw. Erz, das von Sammelfahrzeugen an passenden Stellen eingesammelt und in der Folge in der Raffinerie verarbeitet wird. Dadurch steht es als Spielwährung zur Verfügung, die ihr wiederum in Gebäude oder Einheiten der diversen Gattungen investieren könnt. Allerdings gibt es natürlich auch etliche Missionen, die dieses Prinzip abwandeln, zum Beispiel indem man keine Basis aufbauen kann und deshalb mit den vorgegebenen Truppen samt eventuellen Verstärkungen auskommen muss.

Bei euren Truppen gibt es ein klares Schere-Stein-Papier-Prinzip: Einheiten, die stark gegen Infanterie sind, schaden Fahrzeugen deutlich weniger, während panzerbrechende Munition euren Fußtruppen nur wenig antut und nicht gegen Luftstreitkräfte eingesetzt werden kann, die wiederum sehr anfällig auf Raketen sind. Für den modernen Spieler sind die Möglichkeiten recht gut überschaubar, auch wenn die Einheiten- und Gebäudelisten im Laufe der Kampagnen ständig anwachsen. Auch den Feind hat man rasch durchschaut, denn die Konfliktparteien ähneln sich im Endeffekt sehr, auch wenn es im Detail (und natürlich auch im Design) dann doch kleinere und auch größere Unterschiede gibt. Das kommt dem Balancing zugute, auch wenn es heute angesichts späterer Genrevertreter mit deutlich mehr Abwechslung etwas eingeschränkt wirkt. Nicht mehr zeitgemäß ist auch die KI: Diese wurde absichtlich nicht angepasst, um das Flair des Original nicht zu verändern, sorgt also noch immer dafür, dass sich Einheiten an Engstellen verkeilen und Feinde sture Angriffsmuster zeigen. Auch bleibt ein Tank-Rush oft die beste Möglichkeit, ein Szenario zu gewinnen, während andere Missionen durch lästige Zufälle rasch verloren gehen können. Andererseits: Das ist Command & Conquer, wie wir es kennen und jede Änderung hätte das Spielgefühl sicherlich verändert. Wer lieber gegen intelligentere Gegner spielt, kann auch den Multiplayer-Modus ausprobieren, der gründlich überarbeitet wurde und nun modernen Ansprüchen genügt. Wer Angst hat, dass er trotz der zahlreichen Einsätze zu wenig Spielmaterial hat, kann dafür auch per Karteneditor neue Maps erstellen.

Der Rost ist ab

Jedes Remaster steht vor der Frage, wie man das Original aufpolieren soll. Bei Command & Conquer Remastered Edition entschieden sich die Entwickler (darunter auch Petroglyph Games, also jenes Studio, das von ehemaligen Westwood-Mitarbeitern gegründet wurde und deshalb auch als legitimer Nachfolger der ursprünglichen C&C-Macher gelten kann) für eine eher behutsame, wohlüberlegte Vorgehensweise. Wie schon das oben genannte Beispiel der KI zeigt, wollte man die Eigenheiten des Spiels bewahren, es aber gleichzeitig auch für heutige Gamer gut spielbar machen. Die auffälligsten Änderungen betreffen deshalb das Interface, das damals zwar bahnbrechend einfach war, aber im Vergleich zu heutigen Genrevertretern doch nicht mehr komfortabel genug ist. Bauqueues sorgen nun optional dafür, dass man seine Armee nicht mehr langsam Einheit für Einheit bestellen muss, und die Steuerung lässt sich in mehreren Punkten anpassen, falls ihr zum Beispiel den in anderen Spielen genutzten Rechtsklick für Bewegung und Angriff vermisst. Leider sind einige speziellere Kommandos noch immer nur via Tastatur auslösbar und werden vom Spiel nicht erwähnt – es kann sich also auszahlen, die Tastaturbelegung zu studieren, um herauszufinden, dass man doch mehr taktische Möglichkeiten hat, als man vielleicht dachte. Eine gravierende Überarbeitung hat auch das Baumenü erhalten: Hier wurde zwar die grundsätzliche Designidee des Seitenmenüs beibehalten, die einzelnen Bauoptionen wurden allerdings in Tabs aufgeteilt, wodurch ihr eure Bauaufträge wesentlich schneller und komfortabler als im Original erteilen könnt.

Und die Präsentation? Ja, auch dort wurde das Original überarbeitet, auch wenn der Sprung auf den ersten Blick nicht so bahnbrechend wirkt, wie man das vielleicht erwartet hat. Die neue Grafik ist zweckdienlich, wenn auch manchmal etwas zu glattgebügelt und nicht ohne (wenn auch nicht wesentlich störende) Grafikfehler – so verschwinden manchmal zum Beispiel Einheiten im Vorbeigehen unter einem Gebäude. Wer den alten Look bevorzugt, braucht allerdings nur eine Taste (standardmäßig die Leertaste) drücken und wechselt stufenlos in die pixelige Originaloptik – nun aber natürlich in HD und mit Zoom-Möglichkeit. Die Wahl hat man auch bei den Musikstücken, die von Original-Komponist Frank Klepacki überarbeitet wurden – auch hier kann man sich via Jukebox-Funktion seinen persönlichen Retro-Soundtrack zusammenstellen, wenn man diesen bevorzugt. Keine Wahl – im positiven Sinne – gibt es hingegen bei den Schnitten: Wer sich immer schon darüber geärgert hat, dass in der deutschen Version aus Jugendschutzgründen statt menschlicher Soldaten Cyborgs in die Schlacht zogen und Öl bluteten oder die Szene mit Adolf Hitler im Intro von Alarmstufe Rot fehlte, kann aufatmen: Die Remastered Collection ist auf Deutsch verfügbar und trotzdem ungeschnitten. Zu guter Letzt wollen wir noch ein kleines Retro-Schmankerl erwähnen: Wenn ihr eines der Spiele zum ersten Mal startet, bekommt ihr eine Animation zu sehen, in der das Original nach und nach „upgegradet“ wird. Diese orientiert sich an den Installern der DOS-Versionen der Spiele, die damals im Gegensatz zur Konkurrenz (und den späteren Windows-Versionen) nicht schmucklose Menüs waren, sondern schon Teil der Experience. Neue Spieler mag diese kleine Show vielleicht kurz verwirren, aber wer das Original kennt, wird vielleicht hier schon sein erstes verzücktes Retro-Lächeln zücken …

Fazit

Wertung - 8

8

Erobern wie damals

In den letzten Jahren habe ich Remaster aller möglicher Macharten gesehen – aber Command & Conquer Remastered Collection gehört zu den gelungensten seiner Art. Warum? Nicht weil es unbedingt eine auf Biegen und Brechen ins Heute geholte Fassung des Spiels abliefern will, sondern weil es die Seele des Originals respektiert, aber dort verbessert, wo es nötig ist. Das gilt vor allem für das Interface: Auch wenn C&C in vielerlei Hinsicht dem modernen RTS-Genre als Vorlage diente, ignoriert man für das Remake die Entwicklung der letzten Jahre nicht und macht sinnvolle, meist aber optionale Verbesserungen. Dass man andere Bereiche – Stichwort KI – nicht überarbeitet hat, ist auf den ersten Blick vielleicht seltsam – aber wäre es noch C&C gewesen, wenn man die Gegnerintelligenz verbessert hätte? Wären die Missionen noch so deutlich wiedererkennbar gewesen? Trotzdem hätte ich eine Verbesserung des Pathfinding begrüßt. Und die verbesserte Optik? Bei den Videosequenzen hat man aus dem alten Material wohl rausgeholt, was man konnte, ohne sie neu zu drehen, was viele Fans vor den Kopf gestoßen hätte; im Endeffekt musste ich allerdings feststellen, dass ich zwar so manche reine Render-Szene lieber überarbeitet gesehen hätte, während die Szenen mit Schauspielern zumindest in Anbetracht ihres Alters gut genug aussehen. Mehr noch: Aus dem Kopf heraus war ich mir eigentlich sicher, dass man die Videos (so wie die gesamte Grafik) gar nicht so sehr verbessert hatte – um dann beim Vergleich rasch festzustellen, wie viel sauberer die Sequenzen wirken und wie viel pixeliger die Originalgrafik war. Und das ist eigentlich das größte Kompliment, das man einem Retro-Remaster machen kann: Command & Conquer sieht nun so aus und spielt sich so, wie es durch meine dicke Retro-Brille in meiner verklärten Erinnerung immer war, nicht mehr und nicht weniger. Für mich als Retro- und C&C-Fan ist das gut so, auch wenn moderne Spieler sicher so manche Eigenheit des Spiels eher antiquiert finden werden. Dank des guten Preispunktes für ein umfassendes Paket kann man allerdings recht risikolos in die Echtzeitstrategiegeschichte hineinschnuppern.

User Rating: Be the first one !
Genre: Echtzeitstrategie
Entwickler: Petroglyph/Lemon Sky
System: PC
Erscheint: erhältlich
Preis: ca. 20 Euro

 

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Florian Scherz

Bereits früh entwickelte Florian zwei große Leidenschaften: Videospiele und Theater. Ersteres brachte ihn zu einem Informatikstudium und zu Jobs bei consol.MEDIA und Cliffhanger Productions; zweiteres lässt ihn heute (unter anderem) als Schauspieler, Regisseur, Komponist und Lichtdesigner arbeiten. Wenn er gerade keine Musicals inszeniert, spielt oder schreibt, vermisst er auf Shock2 Videospiele von anno dazumal in seiner Blog-Reihe "Spiele, die ich vermisse".

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