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Spiele, die ich vermisse #3: Revolverhelden

Wer meinen letzten Blog zum Thema „Spiele, die ich vermisse“ gelesen hat, weiß, dass ich bereits in der letzten Ausgabe sehr, sehr retro werden wollte, was ich auch aktuellen Gründen verschieben musste. Jetzt ist es aber soweit und ich begebe mich in die Untiefen der Retro-Gefilde – und dabei zu meinen allerersten Videospielerfahrungen.

Während ich recht genau datieren kann, wann ich meinen ersten eigenen Computer bekommen habe, ist es viel schwieriger zu bestimmen, wann ich mein erstes Videospiel gespielt habe. Meine beiden älteren Schwestern besaßen nämlich schon eine Konsole, als ich zur Welt kam – eine Philips G7000, um genau zu sein. Für alle, die das Gerät nicht kennen, eine kurze Einführung: Die G7000 war eine Konsole der zweiten Generation und war eigentlich eine Magnavox Odyssey2, die Philips hierzulande unter dem eigenen Firmennamen (mit einigen Änderungen) vertrieb. In Sachen Aussehen war sie ein Mittelding zwischen Konsole und Computer: Angesteckt wurde sie an den Fernseher und die Spiele kamen in Modulform (hier Videopac genannt), dennoch gab es eine Folientastatur, die für manche Titel benötigt wurde – für die meisten Games reichten aber die beiden Joysticks. Mit dem richtigen Modul konnte das Gerät sogar programmiert werden. Wie weit wir mittlerweile gekommen sind, zeigt ein kurzer Einblick in die Technik: Die CPU hatte 1,79 MHz, das RAM umfasste heiße 64 Bytes und die Auflösung betrug 160×200 Pixel bei 16 Farben – lachhaft nach heutigen Standards, damals High Tech.

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Diese simple Technik beherbergte dennoch tolle Spiele, die mir bis heute in Erinnerung geblieben sind – darunter auch jenen Titel, den ich mir für den heutigen Blog herausgepickt habe: Revolverhelden. Das Spielprinzip dahinter ist einfach: Zwei Cowboys stehen sich gegenüber und versuchen, den Gegenspieler zehn Mal umzulegen, bevor sie selbst so oft der Kugel zum Opfer fallen. Sogar Munition gibt es schon: Jeder Cowboy hat nur sechs Schuss – sind diese verschossen, muss nachgeladen werden, indem die Figur gegen einen Felsen in der passenden Farbe gelenkt wird.

Diese Felsen sind es auch, die mir das Spiel so nachhaltig in Erinnerung halten: Diese waren in den diversen Levels vollkommen unterschiedlich verteilt (es gab nämlich deutlich mehr Felsen also nur die beiden zum Nachladen) und hatten noch einen zweiten Effekt: Traf ein Schuss auf sie, prallte er ab, was zu irrwitzigen Kettenreaktionen führen konnte, die bisweilen dafür sorgten, dass sogar der Schütze selbst den Löffel abgab. Gut, heutzutage holt man mit dem Prinzip keinen Hund hinter dem Ofen hervor und würde die mangelnde realistische Physik bemängeln, aber für mich als Junior-Videospieler im Kindergartenalter ohne vorhergehende Videospielerfahrung war es eine Offenbarung, die sich in mein Hirn eingebrannt hat. Vor allem im Multiplayer, egal ob mit Schwestern, Mutter oder Freunden, machte das Spiel Spaß, während der Solo-Modus mich nicht ganz so motivieren konnte, was wohl daran lag, dass die KI eher auf Kills aus war, während ich immer auf der Jagd nach dem nächsten coolen Trickschuss war. Deshalb spielte ich auch alleine lieber Multiplayer und übte kreative Schüsse.

Warum ist es also ein Spiel, das ich vermisse? Weil ich mit diesem simplen Spielprinzip stundenlang Spielspaß hatte. Weil es mich an die einfachen Zeiten erinnert, wo ein Spiel keine 100 Millionen Dollar kosten musste, um gut auszusehen und so Kunden anzulocken, sondern durch Gameplay überzeugen konnte. Weil es eine Retro-Erfahrung ist, die ich nicht mehr zurückholen kann, da unsere G7000 irgendwann den Geist aufgab. Und auch wegen folgender Anekdote: Erst, als ich alt genug war, um die Anleitung zu lesen, erfuhr ich, dass die Felsen Felsen sein sollten – ich hatte sie immer für Bäume gehalten. Allerdings ist man sich hier nicht ganz einig – in der amerikanischen Version sind es nämlich tatsächlich Bäume …

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One comment

  1. Hab‘ ich sehr oft gespielt …. zu zweit eine Spassgranate! 🙂