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Spiele, die ich vermisse #85: Pang (aka Buster Bros.)

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Es ist also wieder soweit: Heute ist Ostermontag – bei uns ein traditioneller Familientag. Traditionen verändern sich allerdings ständig – was bei uns früher ein großes Familienfest mit der Großfamilie war, ist heute deutlich kleiner. Warum ich das erzähle? Weil diese früheren, großen Feste für mich immer auch Videospielfeste waren. Treue Leser wissen das bereits und erinnern sich vielleicht auch daran, dass ich auf diese Art und Weise oft neue Spiele kennengelernt habe – von Zelda (siehe auch Zelda II: The Adventure of Link) bis hin zu Lemmings. Gerade letzteres ist auch ein wichtiger Teil der Geschichte, die ich mir für heute ausgesucht habe, denn genauso wie Lemmings lernte ich zu Ostern 1991 ein weiteres Spiel kennen, das mir bis heute in Erinnerung geblieben ist, auch wenn es sicherlich nicht so bahnbrechend wie das Wuselspiel war. Sein Name? Pang.

Pang (auch bekannt als Buster Bros) begann sein Leben als Arcade Game von Capcom und erschien 1989. Ocean Software brachte die Spiele ab 1990 auf alle gängigen Heimcomputer. Typisch Arcade war die Story simpel gehalten: Die Buster Bros. begeben sich auf eine weltweiter Reise, um Ballons zu zerstören, die weltweit Sehenswürdigkeiten und ganze Städte terrorisieren. Nein, einen Preis für Originalität gewinnt die Story des Spiels definitiv nicht. Aber ganz ehrlich – das muss sie auch nicht. Sie definiert nämlich nur die Eckpunkte für das Gameplay – und für dieses hätte man wohl auch nur schwerlich eine Erklärung finden können.

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In 50 Levels – verteilt auf 17 Locations – gehen wir also auf Ballonjagd. Die Levels unterscheiden sich dabei nicht nur im Hintergrund (auch wenn das sicherlich das am schnellsten erkennbare Merkmal ist), sondern natürlich auch in anderen Details: Wo starten die Ballons? Wo sind die Hindernisse, die uns das Leben schwer machen sollen? All das ändert sich von Level zu Level. Das Gameplay hingegen bleibt gleich: Wir laufen am unteren Bildschirmrand den Boden entlang (die Levels sind nur einen Screen groß, gescrollt wird also nicht) und schießen mit unserer Harpune auf die Ballons (die sich eher wie Bälle verhalten). Treffen wir einen (zum Glück gilt auch eine Berührung des „Seils“, das sich vom Boden nach oben spannt, bis der Haken die Decke erreicht hat oder von einem Ball berührt wird, als Treffer), ist er allerdings nicht gleich Geschichte, denn die bunten Blasen haben die unangenehme Angewohnheit, sich aufzuspalten. Aus dem großen werden also zwei mittlere, dann aus einem von diesem wieder zwei kleinere, und erst wenn diese erneut getroffen werden, verschwinden sie.

Was so einfach klingt, erfordert rasch eine gewisse Strategie, denn trifft uns einer dieser Ballons, hauchen wir eines unserer Leben aus (und müssen das Level von vorne beginnen) – es ist also nur selten ratsam, ausschließlich Jagd auf die großen Flugobjekte zu machen und sich dann mit viel zu vielen kleinen herumzuschlagen, die noch dazu plötzlich viel niedriger „bouncen“ und damit zur ständigen Gefahr werden. Damit das alles im Laufe der 50 Level nicht zu eintönig wird, haben die Entwickler noch allerhand Spezialwaffen und sonstige Goodies eingestreut: Eine Doppelharpune schießt gleich zweimal nach oben, der Wurfhaken bleibt in der „Decke“ des Levels oder einem Block stecken und das Gewehr bietet Dauerfeuer, das wesentlich rascher als die Harpune den Weg nach oben findet. Hilfreich können aber auch das Kraftfeld, die Sanduhr (die Ballons werden langsamer), die Uhr (sie bleiben gleich ganz stehen) und das Dynamit (alles wird sogleich auf die kleineste Stufe verkleinert) sein.

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Dass das rasch hektisch werden kann, könnt ihr euch vorstellen, drum ist es gut, dass es in diesem Spiel auch einen Koop-Modus gibt, bei dem man zu zweit Jagd auf die Ballons machen kann. Dieser war es auch, mit dem ich das Spiel schätzen gelernt habe. In jener Ferienwoche, in dem ich mit dem nagelneuen Amiga 500 meines Cousins viele neue Spielerfahrungen mitmachte und zum ersten Mal den Sprung von 8- auf 16-Bit erlebte (und glaubt mir, das war eine Grafikerfahrung der Extraklasse) lernte ich auch Pang kennen.

Vermutlich fühlte ich mich deshalb hier so heimisch, weil es eigentlich eine Spielerfahrung war, wie man sie auch vom C64 kannte – ein Spiel, bei dem es mehr um eine witzige Idee ging als um das „Drumherum“ -, aber in nie gekannter Grafikpracht. Ich habe Pang nie auf anderen Plattformen gespielt, aber mehrfach gehört, dass die Amiga-Fassung dem Arcade-Automaten-Original recht nahe kam und kaum Abstriche machen musste. Und natürlich war es auch einer der wenigen Titel, die wir damals hatten, die wir einfach zu zweit spielen konnten. Klar konnte man sich auch bei Lemmings irgendwie zu zweit durch die Single-Player-Erfahrung bringen (ja, klar, hier gab es auch den Coop, aber der begeisterte uns nicht lange) und Turrican war einfach wunderbar anzusehen, aber zu Pang kamen wir immer wieder zurück, wenn wir kurzweilige, schnelle Unterhaltung zu zweit brauchten.

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Doch ist das schon ein Grund, das Spiel zu vermissen? Ich habe lange nachgedacht und mich schlussendlich für ein „Ja“ entschieden. Ich hatte Spaß damit, konnte aber diese alten Zeiten im Untergeschoss des Elternhauses meiner Mutter nie wieder zurückholen. Ganz ehrlich, ich habe weder Pang noch einen seiner Nachfolger selbst besessen und bald darauf veränderten sich die Interessen meiner Verwandten und andere Prioritäten wandelten unsere Traditionen um, sodass sich diese Woche nicht mehr in der Form wiederholen sollte. Vermutlich wären wir dann aber auch schon zu alt gewesen und meine eigene Amiga-Sammlung zu groß, als dass mich ein simples, aber dennoch wirklich unterhaltsames Spiel noch fesseln hätte können. Dadurch, dass es sich rarmachte, ist es mir allerdings bis heute im Gedächtnis geblieben und wohl weit über das, was es wirklich war, hinausgewachsen. Und das ist es, was Erinnerungen für mich ausmachen.

Comments

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3 comments

  1. Eigentlich sollte ich mich ja schämen, aber genau dieses Spiel (bzw. Super Pang) und kein anderes war damals für mich der Kaufgrund für das Super NES.
    Nintendo hat mich als alter Sega-Fan lange Zeit nicht gereizt, aber nachdem ich in der Spielhalle etliche Münzen in den Titel versenkt habe, musste ich zugreifen, als die SNES-Version herauskam – das kam mich dann letzten Endes deutlich billiger…
    (Und ja, Super Mario habe ich dann später auch noch nachgeholt…).

    • Warum solltest du dich schämen? Jedes System braucht seinen System-Seller und ich fand, das Spiel hat durchaus Spaß gemacht (wobei ich das Sequel (oder irgendein Sequel) nie gespielt habe) – sonst würde ich es ja nicht vermissen ;)

  2. Das war auch nicht ganz ernst gemeint ;-).
    Aber Hardcore-Nintendo-Fans werden es wohl für einen Frevel halten, wenn man sich ein SNES nicht wegen Mario und Link (und vielleicht noch Samus) geholt hat, sondern wegen ein paar seltsam bemützten Gestalten, die mit Harpunen auf bunte Luftblasen schießen…

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