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Spiele, die ich vermisse #10: Zelda II: The Adventure of Link

Diese Woche drehte sich – abgesehen von meinem ausführlichen Anspielen von XCOM: Enemy Unknown (und nein, davon wusste ich noch nichts, als ich den letzten Blog schrieb) alles um Nintendo – klar, wir bekommen nicht jeden Tag neue Fakten zu einer neuen Konsole. Bringt mich das dazu, etwas zu vermissen? Aber klar doch! Denke ich an Nintendo, lande ich sehr rasch bei Zelda – und nachdem das bei der Wii U-Präsentation fehlte (nein, Nintendo Land gilt nicht), gehe ich diesmal zu jenem Spiel zurück, das die Konsolen in mein Leben brachte, und vermisse Zelda II: The Adventure of Link.

Wer meine Blogserie verfolgt, hat bereits einiges über meine spielerische Vergangenheit erfahren – und vermutlich bereits herausgelesen, dass es nach dem Einstieg mit dem Philips G-7000 in Sachen Konsolen sehr ruhig wurde. Mit sieben kam der C64 in mein Leben – wofür noch eine Konsole kaufen? Meine einzige „Konsole“ war deshalb auch ein Handheld – der Gameboy, der mir jeden Urlaub versüßen durfte. Klar hatte ich Freunde mit einem NES, aber einen wirklichen Grund, meinen Eltern zum Kauf einer Konsole zu überreden, hatte ich nicht. Bis ein ganz bestimmtes Spiel in mein Leben trat.

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Ich kann es noch recht genau datieren, wann es soweit war – nämlich Ostern 1990. Der alten Familientradition gemäß feierten wir diese Festtage mit meiner Großfamilie mütterlicherseits, genauer gesagt mit einem Besuch bei meinem Onkel und meiner Tante. Der Vorteil davon war, dass ich dabei immer Gelegenheit hatte, mich mit meinem Cousin über aktuelle Spiele auszutauschen – und die hatten damals einen NES. Und neben zahlreichen Titeln, wie Bubble Bobble, Kid Icarus und Super Mario Bros. gab es vor allem ein Spiel, das mich faszinierte. Ein Spiel mit einer goldenen Cartridge in einer goldenen Verpackung und dem ominösen Namen Zelda II: The Adventure of Link.

Lustigerweise beginnt meine Geschichte mit diesem Spiel mit einem Unfall. Wir hatten kurz mit dem Spielstand meines Cousins gespielt (er war nicht übertrieben weit, vielleicht ein, zwei Paläste), wechselten dann fließend zum Fernsehprogramm, und damals schon energiebewusst schaltete ich die Konsole ab. Wer sich an diese Ära erinnert, weiß vielleicht, dass das etwas war, was man nicht tun sollte – bei den batteriegestützten Modulen hieß es beim Ein- und Ausschalten den Resetknopf zu drücken und zu halten, bis man die Powertaste gedrückt hat. Ja, ich habe auf die harte Tour gelernt, das das nicht grundlos in der Anleitung steht und man so wirklich den Speicher löschen kann. Aber so hatte ich wenigstens Gelegenheit, das Spiel von vorne zu beginnen …

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Nach diesem ereignisreichen Wochenende war die Saat gelegt und ich lag meinen Eltern in den Ohren, mir doch einen NES zu besorgen. Den bekam ich zwar dann auch recht bald, aber zunächst „nur“ mit Super Mario Bros. und Super Mario Bros. 3. Erst ein paar Monate später folgte The Adventure of Link – sicher das Spiel, das ich am NES am längsten gespielt habe.

Nach dieser ganzen Vorrede ist es vielleicht an der Zeit, etwas über das Spiel selbst zu erzählen. Zelda II ist nicht nur im Titel, sondern auch chronologisch die Fortsetzung von The Legend of Zelda. Der mittlerweile etwas älter gewordene Link entdeckt ein Triforce auf seinem Handrücken, weswegen ihn Impa in einen versiegelten Palast führt, wo seit Generationen Prinzessin Zelda (nicht die aus dem Vorgänger) in einem magischen Schlaf liegt. Sie ist es auch, die die Legende von Zelda begann, denn ihr Bruder, der an dieser Verzauberung nicht unschuldig ist, erklärte, dass ab sofort jede Prinzessin von Hyrule diesen Namen zu tragen hat. Doch Link kann es gelingen, den Bann zu brechen und die Prinzessin zu erwecken, weswegen er sich in ein neues Abenteuer aufmacht. Doch er hat dunkle Verfolger: Ganons Schergen wollen Link töten, um mit seinem Blut den Bösewicht wieder auferstehen zu lassen …

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Heutzutage bekäme man diese Geschichte wohl in einem spektakulären Intro erzählt, damals konnte man wahlweise den Text auf dem Startscreen lesen (der übrigens eine wirklich schöne Musik bot) oder im Handbuch schmökern. Im Spiel selbst bekam man die Geschichte nämlich nicht erklärt: Link stand einfach vor dem Podest mit der schlafenden Prinzessin und wartete darauf, in ein neues Abenteuer aufzubrechen. Warum, wieso? Nicht weiter wichtig.

Auffällig an Zelda II ist, dass es mit der klassischen Zelda-Formel, die sich in der 8- und 16-Bit-Ära etablierte, wenig zu tun hatte. Top-Down-Sicht? Items, die man auf die Buttons legt? Fehlanzeige. Link war von der Seite zu sehen, schwang sein Schwert, blockte mit dem Schild und hüpfte in bester Plattformer-Manier, wenngleich man hier nicht den Vergleich zu Super Mario ziehen sollte – Zelda II ist ein klassisches Action-Adventure, kein Jump’n’Run, weswegen schwierige Sprünge und gemeine Abgründe eher die Ausnahme denn die Regel waren. Es ging – typisch Zelda – einfach mehr um das Erkunden und Entdecken – und natürlich das Kämpfen gegen mächtige Gegner, die euch nach ihrem Ableben Erfahrungspunkte spendierten. Ja, richtig gelesen: Zelda II brachte auch Rollenspielelemente mit in den Mix: Sind genug Punkte gesammelt, kann man diese in den nächsten Aufstieg in den Punkten Angriff, Lebens- und Zauberenergie investieren oder für den nächsten Schritt aufsparen. Da die Punkte verfallen, wenn man den Game Over-Screen erblickt, war es oft gar nicht so einfach, für die späteren Levels genügend Punkte zu sammeln – ein Grund, warum ich das Spiel als Kind nicht durchspielen konnte, denn um in allen drei Bereichen die achte Stufe zu erreichen, fehlte mir einfach der Skill.

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Aber auch sonst war Zelda II eindeutig atypisch für Zelda. Das begann schon mit der Tatsache, dass Link drei Leben besaß (und sogar 1UPs finden konnte) – ein Fehlsprung, ein Ausgehen der Lebensenergie führte also nicht unmittelbar zum Game Over-Screen. Statt Items einzusetzen (die gab es zwar auch, wurden aber automatisch verwendet – zum Beispiel konnte man mit dem Handschuh gewisse Blöcke mit einem Schwertschlag zerstören oder mit dem Floß das Meer überqueren) lernte Link Kampffähigkeiten (nach oben und unten stechen beim Springen) und Zaubersprüche von den weisen Männern in den diversen Dörfern. Ja, das war eine Premiere für Zelda: Im ersten Teil gab es ja nur die weiten Felder von Hyrule und seltene Auftritte von NPCs, jetzt gab es ganze Ansiedlungen, in denen Passanten herumliefen, die man ansprechen konnte und die allerhand über die Gegend zu erzählen hatten. Einigen von ihnen musste man einen Gefallen tun, bisweilen sich sogar merken, wo ein bestimmter Charakter zu finden war, damit man später auf ihn zurückkommen konnte (ich sage hier nur „I am Error“). Generell: Vom Komfort von heute war in diesem Spiel nicht viel zu finden. Wenn man den Auftrag bekam, einen Gegenstand zu beschaffen, musste man schon selbst herausfinden, wo das Zeug versteckt war.

Dafür ging es oft auf die Oberwelt hinaus, die wohl noch am ehesten an das erinnert, was man heutzutage von einem Zelda dieser Ära erwartet. Hier gab es eine Top-Down-Kartenansicht von Hyrule, ein ins Ohr gehendes Musikthema (nein, nicht die typische Zelda-Hymne) und Feinde, die nur darauf warteten, euch anzugreifen (nur auf den sicheren Wegen ließen sie euch in Ruhe). Allerdings saht ihr nur ihre Schatten – bei Berührung wurde wieder in die Seitenansicht gewechselt. Anders als im ersten Zelda, wo man die Oberwelt quasi frei erkunden konnte, war Zelda II deutlich linearer. Klar, man konnte eine Abzweigung verpassen, aber hatte man aus dem ersten Dungeon nicht zumindest die Kerze geholt (damit man etwas sehen konnte), brauchte man gar nicht erst versuchen, sich in weiterführende Höhlen zu wagen. Besonders der lange Weg, um sich den Hammer zu besorgen, wird mir dabei besonders in Erinnerung bleiben, denn er war lange, gipfelte in einem Labyrinth und war (für mich damals) recht schwer mit nur drei Leben zu bewältigen. Hielt man den Hammer aber erst in Händen, konnte man endlich den Weg gehörig abkürzen, indem man lästige Felsen zerbröseln ließ, und brauchte sich nicht mehr durch das Labyrinth quälen – die Leben konnte man an anderer Stelle noch gut gebrauchen.

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Mein persönliche Höhepunkt (wie in jedem Zelda) waren aber natürlich die Dungeons. Nein, mit den heutigen ausgefeilten Labyrinthen samt passendem Thema und Puzzles, die sich mit Zelda III etablieren sollten, hatten diese noch nicht so viel zu tun, aber sie waren verzweigt, boten viele Ebenen (samt Aufzügen), Schlüssel und dazu gehörige Türen und natürlich extrem schwierige Gegner. Neben einem Item (das oft nötig war, um voranzukommen) versteckte sich dort auch ein extra schwerer Endboss am Ende – hier wurden der Schild-Zauber (halber Schaden) und natürlich der Heil-Zauber zu den besten Freunden. Und dennoch war der Sieg nie garantiert, sondern die richtige Taktik (und bisweilen der richtige Spruch) erforderlich. Hatte man alle sechs Paläste erfolgreich absolviert, ging es dann zum großen Showdown im großen Palast – die Rettung der Prinzessin stand kurz bevor …

Also, warum ist Zelda II: The Adventure of Link ein Spiel, das ich vermisse? Weil es jenes Spiel war, wegen dem ich einen NES haben wollte. Weil mit diesem Spiel meine Liebe zur Zelda-Serie begann, die bis heute, trotz einiger Tiefschläge (*hust*Windwaker *hust*) nicht abgerissen ist. Weil es für mich eine Zeit lang definiert hat, wie ein Zelda auszusehen hat (erst Link’s Awakening hat mich dann von den Vorzügen der Top-Down-Ansicht überzeugt). Weil ich Stunden und Stunden damit verbracht habe und nie die Motivation verloren habe. Und nicht zuletzt, weil es einer jener Titel war, die ich als Kind nicht durchspielen konnte, aber mir immer geschworen habe: „Eines Tages kehre ich zurück und beende, was ich angefangen habe“. Und ja, eines Tages ist mir das auch gelungen. Glaubt mir, es war ein süßer Sieg.