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Review: Sherlock Holmes und die Vampire von London

Es hätte so schön sein können. Nach dem famosen digitalen Abenteuer Sherlock Holmes: Crimes and Punishments erschien endlich der Nachfolger Sherlock Holmes: The Devil’s Daughter. Obwohl man augenscheinlich an vielen Ecken sogar noch nachgebessert hat, trüben eigene Designentscheidungen derart den Gesamteindruck, dass zwischen den Wertungen 20% liegen und der neueste Ableger der Adventure-Serie rund um den Detektiv aus der Baker Street von mir eine enttäuschende Wertung von 6.5 kassiert.

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Zum Glück erfreut sich Arthur Conan Doyles fiktiver Held mehr als 84 Jahre nach seinem eigenen Tod einer ungebrochenen Beliebtheit quer durch alle Medien. Zurzeit gibt es gleich zwei erfolgreiche Sherlock Holmes-TV-Serien und Kinoprojekte und es vergeht kaum eine Woche, in der nicht eine neue Folge der vielen Holmes-Hörspielserien erscheint. Natürlich gibt es auch Comics in allen Facetten. Gerade der Splitter Verlag hat sich hier in den letzten Jahren gleich mit mehreren sehr schönen Serien hervorgetan.

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In dem Comic trat Holmes sogar einmal gegen Graf Dracula an, ein Setting, das immer wieder aufgegriffen wurde. Zuletzt erschien etwa im Panini Verlag Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula. Auch die beim Splitter Verlag erscheinende Serie von Autor Sylvain Cordurié und Zeichner Laci widmet sich der Prämisse, Holmes und Dr. Watson gegen übernatürliche Gegner antreten zu lassen, die eigentlich von anderen Autoren aus dem Viktorianischen Umfeld ersonnen wurden. So kam es schon zu einer Konfrontation mit dem Necronomicon aus der Feder von H. P. Lovecraft und beim Gratis Comic Tag gab es einen Vorgeschmack auf Sherlock Holmes und die Zeitreisenden, frei nach H.G. Wells. Doch auch Bram Stocker ließ seine Viktorianischen Leser (und nicht nur diese) ordentlich gruseln.

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In Sherlock Holmes und die Vampire von London erleben wir den Meisterdetektiv im Mai 1891, also kurz nach den Ereignissen am schweizer Reichenbachfall. Holmes gilt als tot und möchte die Gunst der Stunde nutzen, um eine Weltreise anzutreten. Doch bereits in Paris überschlagen sich die Ereignisse und er wird gezwungen, nach London zurückzukehren. Ein blutiger Krieg ist unter Londons Blutsaugern ausgebrochen und das mächtige Vampir-Oberhaupt zwingt Holmes, sich auf seine Seite zu stellen und gegen den Herausforderer des Vampirlords anzutreten.

Auf knapp 100 Seiten präsentiert sich dieser das gesamte Abenteuer umfassende Doppelband im bildgewaltigen Hardcover-Alben Format. Wird Holmes im Videospiel Sherlock Holmes: The Devil’s Daughter zuletzt viel zu jung dargestellt, bekommt man hier einen älteren und abgekämpften Helden präsentiert, der auch immer wieder etwas deplatziert wirkt. Zwar wurde auf viele Details wert gelegt und das Abenteuer fügt sich überraschend gut in die Originalgeschichten ein, dem allzu übermächtigen Feind scheint es jedoch geschuldet zu sein, dass gerade im späteren Verlauf die Charakterzüge nicht ganz zum Original passen. Holmes der Vampirjäger ist einfach ein komplett anderer Charakter als der Holmes, der in Der Vampir von Sussex von Holmes-Schöpfer Sir Arthur Conan Doyle zu jeder Zeit skeptisch bleibt.

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Meinung
Sherlock Holmes und die Vampire von London ist ein ein rasant und auf den Punkt geschriebenes Horror-Abenteuer. Kein neuer Holmes-Fall, sondern eine Vampirgeschichte mit Sherlock Holmes, a
usgeschmückt mit vielen Details, aber auch äußerst brutal und blutig. Zeichner Vladimir Krstić-Laci fängt das Ganze mit atmosphärischen Bildern ein, die London und Paris am Ende des 19. Jahrhunderts wieder Leben einhauchen. Die Kämpfe gegen die Vampire wirken dynamisch und vor allem die Mimik der verschiedenen Charaktere weiß immer wieder zu begeistern. Nach der Enttäuschung bei The Devil’s Daughter hat mich dieser Comicband wieder versöhnt. Nicht das beste Holmes-Abenteuer, aber ein spannendes Crossover!

Info
Seiten: 96
Preis: ca. 20 Euro
Autor: Sylvain Cordurié
Zeichner: Vladimir Krstić-Laci
Verlag: Splitter Verlag

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