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Review: Sherlock Holmes: Chapter One

Im nächsten Jahr feiert die Reihe von Sherlock Holmes Computer- und Videospielen des ukrainischen Spieleentwicklers Frogwares bereits ihr 20. Jubiläum. Dabei durchlief die Serie naturgemäß diverse technische sowie spielerische Entwicklungen. Mit Sherlock Holmes: Chapter One geht man technisch einen weiteren Schritt nach vorne, in der Handlung wendet man sich aber der Vergangenheit von Sherlock Holmes zu.

Das neueste Sherlock-Holmes-Spiel ist kein einfaches Prequel, sondern der frische Wind, den die Serie so dringend gebraucht hat. Obwohl es riskant ist, zu den ersten Fällen des brillantesten Detektivs der Welt zurückzukehren, lange vor der Baker Street und Doktor Watson, ist es genau das, was dieses 20 Jahre alte Franchise relevant macht. Den nach dem großartigen Sherlock Holmes: Crimes & Punishments von 2014 hatte man zwei Jahre später, geblendet von den Erfolgen moderner bzw. actionreicher Sherlock Holmes Interpretationen in TV und Kino, Probleme den Spielen die eigentliche Essenz von Holmes zu verleihen. So hat es einen Grund, warum gleich fünf Jahre vergangen sind, bis wir erneut ein Sherlock Holmes Abenteuer von Frogwares zu spielen bekommen.

Erstmals eine offene Spielwelt

Im Laufe der Jahre haben die Entwickler von Frogwares nicht weniger als acht Sherlock Holmes Spiele (und einige Casual Spin-offs) veröffentlicht, mit unterschiedlichem Erfolg. Chapter One ist eine Ursprungsgeschichte, die alle Sicherheitsnetze durchschneidet und einen jüngeren, dynamischeren und viel kantigeren Sherlock präsentiert, der inmitten all der Spaziergänge durch das viktorianische Zeitalter erfrischend ist. Das größte Glücksspiel ist jedoch das Gameplay: Chapter One ist eine offene Welt, die den Spieler loslässt und zur freien Erkundung einlädt.

Die von Frogware entwickelten Sherlock-Holmes-Geschichten waren schon immer unabhängig vom legendären Werk von Sir Arthur Conan Doyle. Diesmal ist der Sprung im Vergleich zur Vorlage noch größer, denn wir haben es mit einem 21-jährigen Jugendlichen zu tun, der auf der Insel Cordona ankommt, um sich den Dämonen seiner Vergangenheit zu stellen. Es wird schnell klar, dass der Begleiter auf dieser Reise keine reale Person à la Dr. Watson ist, sondern eine komplett eingebildete Person aus der Vergangenheit unseres Helden.

„Nichts ist trügerischer als eine offenkundige Tatsache.“

Nichtsdestotrotz sind die beiden ein großartiges Team, und schon bald seid ihr darin verwickelt, herauszufinden, was so traumatisch war, dass der größte Detektiv der Welt einen imaginären Freund braucht. Da es sich um ein Open-World-Spiel handelt, gibt es in Chapter One neben der Haupthandlung viel zu erforschen. Du kannst auch das alte Familienanwesen renovieren, versteckte Schätze und Sammlerstücke finden, verschiedene Verkleidungen kaufen und benutzen. Wenn ihr wirklich alles erleben wollt, was das Spiel zu bieten hat, müsst ihr mit etwa 30 Stunden Spielzeit rechnen.

Auch die Spielmechanik selbst wurde an die erweiterte Spielwelt angepasst. Neben dem bereits bekannten „Gedankenschloss“, das dabei hilft, anhand der gesammelten Beweise Rückschlüsse zu ziehen, ist der Rekonstruktionsmodus, in dem unser Detektiv die richtige Reihenfolge der Ereignisse zusammenpuzzelt, ein wiederkehrender Fan-Favorit, ebenso wie der Detektivmodus. Weitere Hinweise und zusätzliche Details bekommt ihr, indem ihr das Archiv der lokalen Zeitung oder das des Rathauses und die Polizeidatenbank durchsucht. Die Aufgaben werden durch die gelegentliche chemische Analyse noch komplizierter gemacht, aber dieses Mal ist es endlich eine viel einfachere und ansprechendere Mechanik als in den vorangegangenen Spielen.

Eine neue Mechanik ist das Verkleidungssystem, das es Sherlock ermöglicht, sich in die verschiedenen gesellschaftlichen Kreise von Cordona einzufügen. Das Wechseln der Kleidung, um Zeugen befragen zu können, ist eine der am meisten genutzten Mechaniken in Chapter One. Die andere Neuerung ist die Notwendigkeit, Schusswaffen zu benutzen. Dieser neue Sherlock ist nicht gerade ein Pazifist und als Sonderbeauftragter der örtlichen Strafverfolgungsbehörden wird er sich nicht scheuen, Schusswaffen zu benutzen, um Verbrecher zu neutralisieren.

„Es ist ein kapitaler Fehler, eine Theorie aufzustellen, bevor man entsprechende Anhaltspunkte hat. Unbewußt beginnt man Fakten zu verdrehen, damit sie zu den Theorien passen, statt daß die Theorien zu den Fakten passen.“

Die Spielwelt selbst ist mit großer Sorgfalt aufgebaut, die verschiedenen Abschnitte der Stadt haben unterschiedliche Stile, jeder mit seiner eigenen besonderen Atmosphäre. Die Navigation ist nicht die einfachste, aber sie ist irgendwie dem Geist der Serie treu. Chapter One ist ein Spiel, bei dem man aufmerksam sein und seine Gehirnzellen aktivieren muss, um voranzukommen. Wenn Ihr euch auf dem falschen Weg befindet, lässt euch das Spiel erstmals den ganzen Weg gehen. Es gibt keinen Endbildschirm, wenn du einen Fehler machst, euer imaginärer Freund Jon ist der einzige Maßstab dafür, wie gut du tatsächlich vorankommst.

Jon ist ein großer Teil der gesamten Erfahrung, denn er ist fast der Gegenpol zu Sherlock. Trotz ihrer offensichtlichen Unterschiede haben die beiden eine sehr innige Beziehung, die eine neue Seite des Detektivs offenbart. Während Sherlock eingebildet und von sich eingenommen ist, ist Jon fast kindlich, ohne naiv zu sein, und macht sich ständig über unseren Helden lustig, weil er sich selbst zu ernst nimmt. Dass er ein Hirngespinst ist, ist kein Spoiler, und wenn man mehr Details über Sherlocks Kindheit herausfindet, wird diese Symbiose, die die gesamte Atmosphäre des Spiels ausmacht, auch einen Sinn ergeben.

Auch technisch macht das Spiel einen gewaltigen Schritt nach vorne. Die offene Welt steckt voller Details und entschädigt für die ersten Stunden, in denen man sich in Chapter One nur in einer Hotellobby und ein paar Zimmern bewegt. Die Straßen sind voller Menschen, und obwohl sich einige Charaktermodelle ein wenig oft wiederholen, hat man das Gefühl, dass die Welt um einen herum lebendig ist. Der Soundtrack ist ebenfalls gut gelungen und unterstreicht die Atmosphäre und das Geschehen auf dem Bildschirm. Einzig auf eine deutsche Sprachausgabe müsst ihr diesmal leider verzichten. Die gelungen englischen Sprecher werden jedoch gekonnt untertitelt

Fazit

Wertung - 8

8

"Oh, nein, bitte nicht ein junger Emo-Sherlock aus der Samstagnachmittag Teen-Soap", das war mein erster Gedanke bei der Ankündigung von Sherlock Holmes: Chapter One! Zum Glück habe ich mir dieses Spiel dann doch angesehen, den Chapter One ist sicher eines der besten Holmes Abenteuer von Frogwares. Es kommt für mich zwar an die Atmosphäre von Crimes & Punishments heran, aber die ausgezeichnet erzählte Geschichte und der Einsatz der Openworld  haben dafür gesorgt, das wir mit großer Freude die frühen Tage des berühmtesten Detektivs erforscht haben. Ich kann dieses Spiel allen Krimi Fans nur wärmstens empfehlen, ihr werdet einige kniffelige Abende im viktorianischen Zeitalter verbringen.

Genre: Action-Adventure
Entwickler: Frogwares
System: PlayStation 5, Xbox Series, Microsoft Windows
Erscheint: erhältlich
Preis: ca. 45 Euro

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