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Review: Black Hammer Band 1: Vergessene Helden

Jeff Lemire beherrscht sein Handwerk! Das hat der Star-Autor in der Vergangenheit schon unzählige Male in großartiger Manier bewiesen.

Zur Erinnerung: „Sweet Tooth“ (Panini Verlag), die Geschichte von einem Jungen, der mit Hirschgeweih geboren und von der Gesellschaft geächtet aufgewachsen ist, bildet eine wunderbare Parabel über irrationalen Fremdenhass. Ähnlich verhält es sich bei Lemires „Descender“ (Splitter Verlag): Hier geht es um den kleinen Begleitroboter Tim-21, der nach einer großen Katastrophe mit anschließendem (Robo-)Holocaust eventuell den Schlüssel zum Fortbestand der Menschheit in sich trägt.

In seinem neuen Werk Black Hammer geht es jedoch für den geneigten Comicleser um etwas Konventionelleres: Superhelden. Jeff Lemire hat sich nämlich mit dem Zeichner Dean Ormston (Judge Dredd) und dem Star-Koloristen Dave Stewart (Hellboy) zusammengetan, um eine Hommage an das Superhelden-Genre abzuliefern. Aber alles der Reihe nach – worum geht es überhaupt?

Black Hammer handelt von einem ehemaligen Superhelden-Team rund um Abraham Slam, der als Figur Marvels Captain America (zumindest in Ansätzen) ähnelt. Weitere Teammitglieder sind die kleine Golden Gail, der Marsianer Barbalien, Colonel Weird, der Roboter Talky-Walky und Madame Dragonfly. Der titelgebende Held Black Hammer starb bereits sehr früh, gehörte jedoch ursprünglich ebenfalls dieser Truppe an.

Das Besondere an dieser Gruppierung ist ein spezieller Umstand: Vor zehn Jahren kämpften die Helden in Spiral City gegen den Superschurken Anti-God und wurden beim Kampf unerklärlicherweise auf eine Farm im Nirgendwo befördert, die sie mysteriöserweise nicht mehr verlassen können. Dort gefangen, versuchen sie seit diesem Zwischenfall das Beste aus ihrer Situation zu machen und sich an ihr neues Leben anzupassen.

Jeff Lemire schafft es bei Black Hammer, das dargelegte Mysterium stets aufrecht zu erhalten und gleichzeitig die Charakterisierung der einzelnen Figuren voranzutreiben. Die Zeichnungen von Dean Ormston treffen zwar perfekt den Ton der Geschichte, stechen jedoch nicht heraus und bleiben somit eher zweckdienlich. Ebenso verhält es sich dieses Mal mit der Kolorierung von Dave Stewart, die sich der Handlung zwar anpasst, aber nicht besonders abheben kann.

Black Hammer ist in einem, wie beim Splitter Verlag üblich, edlen Hardcover-Band erschienen und umfasst die ersten 6 US-Hefte der Geschichte. Im ersten Heft wird die Ausgangslage der Story dargelegt und in den übrigen fünf Ausgaben jeweils die Origin-Geschichte der einzelnen Teammitglieder erzählt. Zusätzlich enthält der Band ca. 30 Seiten Bonusmaterial. In diesem erfährt man den Ideen-Ursprung von Black Hammer und erhält zusätzlich ein schickes Sketchbook von Dean Ormston.

Fazit

Black Hammer wurde letztes Jahr vollkommen zurecht mit dem Eisner Award (entspricht den Oscars für die Comicbranche) als beste neue Comicserie ausgezeichnet. Die Handlung wird hier stets spannend erzählt und dabei von zweckdienlichen Zeichnungen unterstützt, die leider keinen bleibenden Eindruck beim Leser hinterlassen können. Trotzdem sei Black Hammer jedem ans Herz gelegt, der Superhelden-Geschichten abseits von Marvel oder DC lesen möchte und von unkonventiellen Erzählungen nicht abgeschreckt ist.

Seiten: 184 (inkl. Bonusmaterial)
Preis: ca. 20 Euro
Autor: Jeff Lemire
Zeichner: Dean Ormston
Kolorist: Dave Stewart
Verlag: Splitter

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