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Review: A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando

Für den deutschsprachigen Raum gelten eigene Gesetze. Anders ist der eigenartige Titel A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando nicht zu erklären, heißt der Film doch ursprünglich Toy Story 4. Das wiederkehrende Kopfschütteln über deutsche Filmtitel soll aber nicht vom eigentlichen Thema und der zentralen Frage ablenken: Kann der neue Film aus dem Hause Pixar an die hohe Qualität der ersten drei Teile anknüpfen?

Ausrangiert

Woody, Buzz Lightyear und die anderen Spielzeuge wohnen in Bonnies Kinderzimmer. Für alle läuft es wunderbar. Wirklich für alle? Nein, für Woody läuft es gar nicht gut. Bonnie spielt nämlich nicht mehr mit ihm, weshalb er sich ausrangiert und nutzlos fühlt.

Er hadert mit sich selbst und sucht einen neuen Sinn im Leben. Als eines Tages ein neues, selbstgebasteltes Spielzeug bei ihnen einzieht, hat er ihn scheinbar gefunden. Forky, der Bonnie Selbstbewusstsein gibt, hat nämlich eine schwere Identitätskrise. Er würde viel lieber Müll, denn Spielzeug sein. Woody setzt sich aber das Ziel, dass er Forky von seiner wichtigen Aufgabe überzeugen muss. Wenn er schon nicht für Bonnie da sein kann, dann muss es eben ein anderer sein.

Als es Forky bei einem Ausflug schließlich reicht und er das Weite sucht, entwickelt sich ein amüsantes Abenteuer.

Woody ist von Forky überzeugt | © Pixar Animation Studios

Eine Geschichte, viele Ebenen

A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando ist eine Geschichte, die mehrere Lesarten bietet.

Die kleinen Kinogänger werden vor allem ein lustiges und charmantes Abenteuer der beliebten Spielzeuge erleben. Mit Forky ist auch bereits ein neuer Star geboren, der einiges an Merchandise für Disney verkaufen wird.

Die Handlung ist aber auch eine Parabel über das Eltern-Dasein. Irgendwann kommen Eltern an einen Punkt, an dem die Kinder sie nicht mehr so intensiv benötigen, wie zuvor. Woody ist an diesem nun angekommen und hadert damit. Was soll er tun? Soll er sich an Bonnie gegen ihren Willen festklammern oder sie ihren eigenen Weg gehen lassen? Bo (im deutschen: Porzellinchen) führt ihm diese Thematik vor Augen.

Schließlich wäre da noch ein Gleichnis über das Älterwerden versteckt. Woody wird nun mal älter und hinterfragt sein aktuelles Leben. Er hat eine Sinnkrise. Immerhin könnte es da draußen noch so viel mehr als den trögen Alltag als Bonnies Spielzeug geben – vielleicht sogar die wahre Liebe?

Ducky und Bunny sind neue Spielzeuge | @ Pixar Animation Studios

Wenn Spielzeuge Menschen ähneln …

Pixar hat sich bei den Animationen einmal mehr übertroffen. Noch nie sah ein Animationsfilm hübscher als Toy Story 4 (ja, ich habe es geschrieben) aus. Man bedenke nur den Umstand, dass die dargestellten Spielzeuge menschlich sein müssen, um glaubhaft Emotionen transportieren zu können, während die menschlichen Akteure wiederum nicht zu Menschen-ähnlich aussehen dürfen (Stichwort: Uncanny Valley-Effekt). Das gelingt bravourös und sollte die Nominierung bei den Academy Awards 2020 alleine schon rechtfertigen.

Bemerkenswert ist auch die Länge des Films. Diese schlägt mit ca. 100 Minuten zu Buche – etwas, das bei vielen, anderen Filmen undenkbar wäre. Die Kürze nützt A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando aber eher, als dass sie ihm schadet. So fühlt sich die Geschichte nie so an, als wäre sie künstlich in die Länge gezogen worden. Vielmehr spielt sie ihre Stärken konsequent aus und weiß mit viel Humor zu begeistern.

Duke Caboom ist eine positive Verstärkung | @ Pixar Animation Studios

Viel neues Spielzeug

Was wäre eine Fortsetzung ohne neue Charaktere? Das muss sich Pixar auch gedacht haben, weshalb etliche neue Figuren eingeführt wurden. Hier ist definitiv auch Bo aufgrund ihrer veränderten Persönlichkeit zu nennen. Weitere positive Ergänzungen sind sicherlich Forky und der Teufelskerl Duke Caboom, der im englischen Original genial von Keanu Reeves gesprochen wird.

Etwas nervig sind hingegen Ducky und Bunny. Die beiden Plüschtiere, die sprichwörtlich aneinander hängen, klopfen unentwegt „coole“ Sprüche. Glücklicherweise erkannte Pixar das Nerv-Potenzial rechtzeitig und setzte sie lediglich dosiert ein.

Fazit

Wertung - 9

9

A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando vereint eine intelligente Geschichte mit viel Herz und Humor sowie großartigen Animationen. Ein Kinobesuch lohnt sich!

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Kurzinformationen
Filmstart: 15. August 2019
Filmlänge: ca. 100 Minuten
Land, Jahr: USA, 2019
Genre: Animation, Komödie
Regie: Josh Cooley
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