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Eventbericht: Amiga34 – Wo Vergangenheit auf Zukunft trifft

Wo fängt man bei so einer großartigen Veranstaltung an? Ich versuche es mal mit meinen Abschlusssätzen zur Amiga32 aus dem Forum: „Es war eine sehr schöne Veranstaltung zu Ehren des Amigas, wo User und Entwickler zusammenkamen. Man konnte jeder Zeit mit den Ehrengästen einen Plausch halten und interessante Geschichten hören.“ Dies gilt uneingeschränkt auch für die Amiga34-Veranstaltung, welche diesmal über zwei Tage am 12. und 13. Oktober 2019 im Rheinischen Landestheater Neuss (nahe Düsseldorf) stattfand. Was der Amiga mittlerweile sicherlich nicht mehr ist, ist tot. Je nach Quelle waren an den beiden Tagen insgesamt 800 – 1000 Besucher vor Ort. Selbst das ZDF hat in einer kurzen Reportage auf heute+ über dieses Event berichtigt.

Es gab so viel neue und noch in Entwicklung befindliche Hardware zu bestaunen und zu kaufen, wie seit Mitte/ Ende der 1990er Jahre nicht mehr. Es waren Aussteller vor Ort, die sowohl neue Hardware wie Turbokarten oder Grafikkarten für Classic Amigas dabeihatten, als auch komplett neue Rechner, die den Spirit der alten Amigas einfangen und fortführen wollen.

Neue Komplettsysteme

So hat das Apollo Vampire Team um Gunnar von Böhm die ersten Standalone Vampire 4 Geräte nicht nur mitgebracht, sondern auch gleich an Interessierte für 549 € verkauft. In weniger als einer Stunde, haben alle 23 Geräte einen glücklichen Abnehmer gefunden und weitere Käufer mussten leider auf die nächste Lieferung, wahrscheinlich erst im Dezember 19, vertröstet werden. Die Vampire V4 Standalone ist ein FPGA Rechner, welcher die Hardwareleistung eines Motorola 68060 bei weitem übertrifft. Daher wird der Prozessor in Anspielung an Motorola auch 68080 genannt. Auch der Grafik- und Soundchip wurden im FPGA-Design gefertigt und unterstützt nun auch Multimediabeschleunigung, wie man sie von aktueller Hardware kennt. Da der Rechner aber mit dem Classic Amiga so kompatibel wie nur möglich sein soll, hat er auch viele Einschränkungen übernommen. So gibt es zum Beispiel bisher immer noch keinen Browser, der aktuelle Webstandards unterstützt.

Um den Lizenzstreit zwischen Cloanto und Hyperion zu entgehen, wurde auf das Open Source Betriebssystem AROS, welches ein Nachbau des AmigaOS ist, zurückgegriffen. So können in Absprache mit der AROS-Community neue Treiber für Grafikkarte, USB-Schnittstelle und Netzwerk in das System implementiert werden. Vor der Veranstaltung wurde eine Onlineumfrage nach der besten Entwicklung gestartet und das Vampire Team gewann den ersten Platz. Auf der Bühne erzählte Gunnar, wie die Entwicklung der Vampire-Karten vor zwölf Jahren begann. Er arbeitete bei IBM und in der Mittagspause trafen sich ehemalige Amigajünger, die von der alten Zeit sprachen. Da zusammen mit Commodore auch die meisten Amigachips vom Markt verschwunden sind, konnten keine neuen Amigas mehr hergestellt werden. Also mussten alternativen entwickelt werden. Da Motorola aber überhaupt keine Informationen mehr zu den 68k Prozessoren herausgeben konnte, musste der Prozessor vollständig in Eigenregie nachgebaut werden. So arbeiteten sie nach der Schicht bei IBM noch zusammen an den FPGA-Chipsatz.

A-Eon stellte die AmigaOne Serie in den Mittelpunkt ihres Standes. So konnte sowohl der X5000 als auch der X1000 ausgiebig getestet werden. Auch der bisher nicht erhältliche A1222 war vor Ort und benutzbar. Wer Interesse an einem A1222 hat, sollte in nächster Zeit Ausschau nach einer Vorbestellaktion halten, da dort das Board zusammen mit einer AmigaOS 4.1 Early Adoptor Edition Lizenz für ungefähr 400€ angeboten werden. Wie sich die Early Adopter Lizenz von einer normalen Lizenz unterscheidet, ist bisher nicht bekannt. Alle Komponenten sollen jedoch voll funktionsfähig sein. Eine erste Beta-Version von Libre Office 5, die auf der Android Version basiert, könnte im Januar 2020 an Tester ausgeliefert werden.

Neue Turbokarten und CD32 Hardware

Die polnische Firma CS-LAB zeigte ihre neuen Turbokarten Warp 560 und 1260 für Amiga 500 und 1200. Die Karte besitzt 256 MB DDR3 RAM und eine Soundkarte. Die 68060 CPU muss beim Kauf der Karte für 499€ zusätzlich erworben bzw. eingeschickt werden, welche dann getestet und auf der Karte aufgelötet wird.

Auch kleinere Projekte wurden vorgestellt. So soll es für den Amiga 500 eine Erweiterungskarte (A314) geben, an dem ein Raspberry Pi als Co-Prozessor angeschlossen werden kann. Der Amiga 500 kommuniziert über gemeinsam genutzten Speicher mit dem Pi. Dafür wurden Treiber für beide Plattformen entwickelt, welche über einem Interrupt über empfangene Daten informieren soll. So können zum Beispiel mp3s oder Videos am Amiga abgespielt werden oder eine bessere Interneterfahrung geboten werden. Auf github gibt es bereits eine ausführliche Beschreibung über dieses Projekt.

Auch für das CD32 gibt es ein Projekt, welches zurzeit zu 80% abgeschlossen ist. Der Akiko32 Prototyp 2 besteht aus einem miniITX-Motherboard und beinhaltet die Hardware des CD32. Die nächste Stufe beinhaltet einen 68030 PGA Sockel, Floppy Connector und einen Uhrenport, welcher bis November 2019 zur Retro Pulsiv fertiggestellt werden soll.

Kickstarterkampagnen live vor Ort

Einige Hersteller, welche über Kickstarterkampagnen ihre Hardware vorfinanziert hatten, stellten diese auf der Amiga34 aus. Auf der Bühne erzählte Phil Lang über die Produktion der neuen Tastaturen für Original-Amigas von A1200.net und sicherte hohe Qualität für die Ersatztastaturen zu. Prototypen konnten auch schon am Stand von A1200.net ausgetestet werden.

Steve Jones von iMica Ltd. stellte das Checkmate 1500 Gehäuse vor, welches für viele Kleinrechner, wie dem A1222 oder der Vampire V4 Standalone, und umbauten von Heimcomputer benutzbar sind. Das Gehäuse erinnert an alte Amiga 1000 Gehäuse, wo man die Tastatur auch unter dem Desktop schieben konnte.

FPGASID Project und AMY Projekt

Das FPGASID Project bot den kompatiblen SID-Chip für den Commodore 64 zum Verkauf an. Dieser Chip kann nicht nur den originalen Soundchip MOS6581 ersetzen, sondern auch den MOS8580. Der Prozessor wurde eins zu eins nachgebaut und kann zwischen den verschiedenen Soundchips wechseln. Zusätzlich können mehr Audio-Stimmen, Stereo Sound und Wavetables benutzt werden, bei beibehalten der Kompatibilität. Auch das AMY-Projekt aus Schweden hatte einige Leiterplatinen mitgebracht. So konnten „nackte“ Platinen für den Amiga 3000 gekauft werden, um defekte Motherboards austauschen zu können.

MorphOS und Hyperion Kickstart

Das MorphOS Team zeigte eine frühe Version des Betriebssystems auf einem MSI B450M Mortar Titanium Motherboard mit einer AMD64 Ryzen 5 3600 CPU und einer Radeon-HD-4650-Grafikkarte. Da MorphOS eigentlich auf PowerPC-Prozessoren läuft, wird dieser emuliert, um auch weiterhin alle Programme für PowerPC nutzen zu können. Der Kernel wurde von Mark Olsen neu geschrieben und läuft nativ auf dem AMD64-System, bleibt aber für PPC32- und PPC-64-Prozessoren ebenfalls nativ nutzbar.
Hyperion zeigte die aktuelle Kickstart Version 3.1.4.1 auf Classic-Amigas und einen Ausblick auf die Version 3.2, in der vor allem die Shell und das User Interface verbessert werden. So wird es zukünftig standardmäßig möglich sein, die Fenster außerhalb der Workbench zu schieben, da das Problem mit der CyberGrafX-Grafikkarte behoben werden konnte. In der Shell wird es ein paar neue Befehle geben, die das Debugging und Fehlerbeseitigen vereinfachen sollen.

Spieleschreiber Richard Löwenstein

Der ehemalige Chefredakteur und Spieleschreiber Richard Löwenstein war ebenfalls vor Ort und zeigte neben seinen aktuellen horizontal Shoot `em Up „Reshoot R“ (hier geht es zum Review), welches auf vielen Systemen vor Ort gespielt werden konnte, auch eine erste funktionierende Version von „Reshoot Proxima III“, auf seinem Entwicklungsmacbook. Trotz des frühen Stadiums der Entwicklung, sah das diesmal vertikal scrollende Shoot `em Up, noch etwas besser aus. Dies ist mittlerweile der dritte Teil der Reshoot-Serie und soll 2020 erscheinen. Auch am aktuellen Amiga Joker 1/19, welcher dieses Jahr übrigens 30-jähriges Jubiläum feiert (Erstausgabe 11/89), war er wieder Hauptinitiator und gab darauf reichlich Autogramme. Mehr zu Richard Löwenherz und der Reshoot-Serie im SHOCK2 Podcast-Interview.

Metro Siege, neuer Amiga Brawler

Zum ersten Mal wurden die Vorträge professionell vom Retrokompott-Podcast-Team begleitet, was die Moderation deutlich professioneller erscheinen ließ und längere Pausen mit Gewinnspielen überbrückt wurden. Leider hat am Samstag die Soundanlage nicht richtig funktioniert, so dass nicht immer alles optimal zu hören war. Michael Parent von Bit Beam Cannon stellte den neuen Brawler Metro Siege, für alle Amigas ab A500 mit einem MB Speicher, vor. Highlights sind ein Zwei-Spieler-Modus mit gleichzeitig bis zu vier großen Gegnern bei flüssigen 25 Frames und 60 Farben auf dem Bildschirm, ein Kampfsystem mit Blocken, Gegenangriffe und verschiedene Angriffe, selbst auf auf Boden liegende Gegnern. Das Spiel unterstützt bis zu drei Feuerknöpfe plus Pause-Button, selbst am Amiga 500. Das Spiel konnte an seinem Stand bereits Probe gespielt werden. Das Spiel wird auch entwickelt, um den Amiga für weitere Retro-Entwickler attraktiv zu machen, da mit der neuen Engine von Bit Beam Cannon problemlos auch für neue Konsolen und Windows PCs entwickelt werden kann. So erscheint Metro Siege auch für aktuelle Konsolen, Smartphones und Windows PC im Pixel-Perfekt-Modus.

Erinnerungen aus vergangenen Tagen Teil I

Danach wurde mit Dan Scott (Core Design), Kevin Toms (Football Manager) und Mike Clarke (Psygnosis) in Erinnerungen geschwelgt.

In die gleiche Richtung ging es mit den ehemaligen Entwicklern von Kaiko, Frank Matzke, Peter Thierolf und Chris Hülsbeck. Sie brachten ein Paar ihrer alten Spiele wie Gem’X, Apidya oder das eher unbekannte Software Manager mit und erzählten etwas zu der Entstehung der Spiele.

Am Stand von Factor 5 konnten einige Promotionartikel und CDs von Chris Hülsbeck erworben werden. Highlight war allerdings ein leider nicht zu kaufender Bartop von Turrican.

Pausenunterhaltung mit Live Musik

Hat man schon mal Chris Hülsbeck live vor Ort, darf natürlich auch Musik nicht fehlen. Jener trat öfters mal an den zwei Tagen auf die Bühne und spielte ein paar Klassiker. Highlight war sicherlich der Auftritt zusammen mit Dave Haynie an der vollelektronischen Gitarre und Patrick Nevian von Blue Metal Rose.


Am zweiten Tag trat Siegfried Kärcher mit seinem Amiga 1000 auf die Bühne, um die Zuhörer mit seinen interessanten Soundkollagen zu beschallen.

Erinnerungen aus vergangenen Tagen Teil II

Malte Mundt (Amiga Forever) erzählte über die Entstehungsgeschichte der Amiga Fever und über die Ereignisreichen Tage des kurzlebigen Magazins.

Teut Weidemann hatte ein paar Anekdoten und geschichtliches zu Rainbow Arts zu erzählen. So arbeite das Team mal an einem Arcadeautomaten, der aber nie veröffentlicht wurde. Daraus resultierte das Spiel X-Out, welches innerhalb von fünf Monaten auf fünf Plattformen veröffentlicht wurde. Rainbow Arts wurde auch mal verklagt, weil sie zwei jugendliche Programmierer eingesperrt hatten, wobei einer aus dem Fenster im ersten Stock floh. Das Spiel Apprentice ist durch eine unbezahlte Rechnung entstanden. Da ein Künstler seine Rechnung nicht begleichen konnte, überließ er seine fertigen Grafiken Rainbow Arts. Diese programmierten daraus das Spiel für Amiga, Atari ST und Amstrad/ Schneider CPC. Teut Weidemann kennt auch einen Grund dafür, warum es so wenige gute Konsolenspieleentwickler aus Deutschland gab. Das Problem nennt sich Giana Sister, weswegen Nintendo Rainbow Arts nie Entwicklungskits zur Verfügung stellte.

Viele Persönlichkeiten der Spieleindustrie aus Deutschland begannen ihre Laufbahn bei Rainbow Arts. So entstanden zum Beispiel Factor 5, mittlerweile Epic, aus Rainbow Arts, Thomas Herzler, Gründer von Blue Byte, Peter Thierolf, Gründer von Neon und Keen Games, Chris Hülsbeck, bekanntester Deutscher 8/16-Bit Musiker, Manfred Tenz, Entwickler von Katakis und Turrican auf C64, Hans Ippisch, früherer Geschäftsführer von Computech Verlag, jetzt Geschäftsführer bei Intellivision, Andreas Escher, Meister der Pixel Kunst, Heinrich Lennard, Spielejournalist, und viele weitere stammen aus der Talentschmiede von Rainbow Arts.

Bernd Lehahn, Geschäftsführer von Egosoft (zu Amigazeiten noch Ego Software), entwickelt seit 1988 Spiele. Auch er stellte ein paar alte Amiga Spiele wie Hotel Detective (1988) und Fatal Heritage (1990) vor und erzählte ein paar Anekdoten zu den Spielen. Auch zu den Auftragsarbeiten, sogenannte Werbespiele für den Amiga, von eigentlich konkurrierenden Firmen wie Coca-Cola und Pepsi oder Philip Morris und Stuyvesant, wurde er befragt. Was heute wahrscheinlich nicht mehr möglich wäre, hatte Bernd Lehahn damals keine Probleme mit. Die Aufträge kamen von den jeweiligen Firmen und er konnte damit die Kosten decken. Er brachte auch eine alte VR-Brille (iGlasses) mit, welche mit heutigen VR-Standards nicht annähernd mithalten kann, dafür aber schon am Amiga funktionierte, für die er auch ein Spiel entwickelt hatte. Seit 1999 entwickelt Egosoftware nur an „X“ – ein Raumfahrt-Sandbox-Spiel für den PC, welches mittlerweile bei Teil 4 angelangt ist.

Ehemaliger Commodore-Mitarbeiter erzählen aus dem Nähkästchen

Natürlich gab es auch wieder Interessantes aus der Commodore Vergangenheit zu berichten. Christian Spanik, bekannt als der Digisaurier (Facebookseite), interviewte vier ehemalige Mitarbeiter von Commodore über deren damaligen Erlebnisse, welche auch auf seiner Facebookseite angeschaut werden können. So konnte Uwe Trebbien, damaliger Entwickler Support für den Amiga 3000, berichten, wie er den Auftrag bekam, den externen Entwicklern ein unschlagbares Angebot für den neuen Amiga zu machen. So sollte der Amiga 3000 nur vor der Veröffentlichung im Rahmen des Entwicklungsprogramms 6000 DM kosten, ein Preis der später nie wieder zu halten wäre. Was Uwe Trebbien damals nicht wusste, dass zwar die Aussage stimmte, allerdings der Einführungspreis bei ungefähr 3000 DM lag. Man kann sich vorstellen, dass die Entwickler nicht sehr glücklich mit diesem einmaligen Preisangebot waren.

Guido Mette, Mitarbeiter Finanzen und Controlling, erzählte über Unregelmäßigkeiten mit Abrechnungen bei Commodore und Gerald Lang, Entwickler Support Amiga in Frankfurt, Sitz des Marketings und Vertriebs, über einen unvergesslichen Ausflug zur Produktion nach Braunschweig. Zu guter Letzt kam noch Dr. Peter Kittel, Support und Dokumentation Amiga, zu Wort. Er erzählte unter anderem aus dem Jahr 1984, als er an einem geheimen Meeting über die Einführung des Amigas teilgenommen hat. Er erkannte sofort, die Qualität des Gerätes und hätte nicht glauben können, dass Commodore irgendwann mal vom Markt verschwinden würde. Vor der Pleite gab es Verhandlungen mit Samsung, welche aber leider nicht erfolgreich beendet werden konnte. Peter Kittel hat bis zuletzt an einer Fortführung der Geschäfte von Commodore geglaubt.

Auch andere Podiumsteilnehmer, wie Andrew Clitheroe von Team17, er erzählte einiges über Worms und Alien Breed, Andre Kudra, eratus AG, referierte über das Ziel einer sicherer werdenden digitalen Welt, und Enrico Vidale von A-Cube, stellte neue Boards für neue Amigas, trugen Beiträge vor.

Demoszene

Diesmal wurde ebenfalls an die Demoszene gedacht. Der Schwerpunkt des Vortrags lag auf einen Querschnitt von Musik und Code mit einem kleinen Einblick in die historische Demoszene. So wurden ein paar Demos und Crackerintros vorgestellt und auf das Programm ProTracker, das dank relativ einfacher Bedienung und zur damaligen Zeit beeindruckender Audio-Qualität, für viele der Einstieg in die Demoszene war. Heute werden viele Demos am PC entwickelt, da dieser eine deutlich höhere Auflösung, noch bessere Werkzeuge und schnellere Prozessoren haben und anschließend erst für den Amiga konvertiert werden. Wer mehr über den Vortrag wissen möchte, kann dies hier nachholen.

David John Pleasance, ehemaliger Manager Commodore UK, stellte sein Buch „Commodore – The Inside Story“ vor, wofür er dringend einen deutschen Übersetzer sucht. Seine CD „Everybody’s girlfriend“, welche er zum zehn jährigen Jubiläum des Amigas 1995 aufgenommen hatte, kann kostenfrei auf seiner Seite heruntergeladen werden. Als drittes promotete er noch seine aktuelle Firma FriendUP (Friend Unifying Platform), welches ein Open Source Cloud Betriebssystem entwickelt. Es verwendet eine Blockchain basierte Datenbankstruktur und wird unter Berücksichtigung dezentraler Informationseinflüsse entwickelt.

Emulation – Fluch oder Segen

Jan Zahurancik von AmiKit stellte ebenfalls die Vorteile von Emulation zur Originalhardware in den Mittelpunkt, um die neue Version der Emulationssoftware AmiKit XE vorzustellen. Um Vorurteile zur Emulation auszuräumen, wurde das Publikum stark einbezogen. So wurden die Zuschauer in zwei Gruppen geteilt, denen jeweils ein Foto gezeigt wurde. Die erste Gruppe sah ein Gesicht eines Indianers, die zweite Gruppe ein Bild von einem Eskimo. Als der Indianer dann beide Gruppen gezeigt wurde, erkannten die einen wieder den Indianer, die andere Gruppe einen Eskimo. Damit wollte er zeigen, dass alles nur eine Frage der Perspektive ist. Ein anderes Beispiel, das Emulation oft auf Vorurteile stößt, wurde mit einem weiteren Experiment verdeutlicht. Setzt man jemandem an zwei gleichaussehende Rechner, wird der Anwender sich für den schnelleren Entscheiden, auch wenn es die Emulation ist.

Mike Battilana „New Amiga“ und Cloanto

Zum Schluss der Amiga34 wollte Mike Battilana (sieht sich als Rechteinhaber aller Lizenzen von Amiga Inc) eigentlich etwas über Cloanto erzählen. Nachdem er aber an den beiden Tagen häufig über die Zukunft der Streitigkeiten zwischen ihm und Hyperion gefragt wurde, änderte er seine Präsentation. Phil Lang (Tastaturen von A1200.net) stellte mehrere Fragen an Mike Battilana, auf die er einzugehen versuchte, allerdings nichts Rechtliches sagen wollte, da er kein Anwalt sei. Er könnte sich am Ende aber eine für beide Seiten zufriedenstellendes Ergebnis vorstellen.

Fazit und Ausblick zu Amiga Germany

Wieder war es eine fantastische Veranstaltung, die über zwei wundervolle Tage ging. War am ersten Tag noch der Ton teilweise nicht zu verstehen, gab es am zweiten Tag nichts mehr auszusetzen. Auch die Aufteilung, dass der zweite Tag den Hardwarespezialisten gehörte, fand ich in Ordnung.
Ob es eine Amiga35 geben wird ist noch nicht endgültig entschieden, allerdings sieht es für eine Fortsetzung recht gut aus, da Abläufe und Organisation mittlerweile in mehreren Händen liegen, und Markus Tillmann, Initiator der Amiga3X, nicht mehr so viel allein machen muss. Auch sind ihm viele Verbesserungsvorschläge und Unterstützung an den zwei Tagen zugetragen worden, so dass die Fortsetzung nur noch eine Frage der Zeit ist. Der Zeitraum in den Herbstferien von NRW gilt als gesetzt, die Frage ist nur in welchem Jahr.

Special: 25 Jahre Commodore-Konkurs, doch Legenden sterben nie

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