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Skandal aufgedeckt: Betrug und Täuschung im Retro-Videospielmarkt

Preise sollen durch Wata Games und Heritage Auctions manipuliert worden sein

In dem 52-minütigen Bericht von Karl Jobst wird behauptet, dass durch die Zusammenarbeit von Wata Games, eine Bewertungsfirma für Videospiele, und Heritage Auctions, ein Auktionsunternehmen für Sammlerstücke, eine künstliche Blase geschaffen wird, um Retrospiele zu ihrem eigenen Vorteil immer teurer werden zu lassen. Je teurer Gegenstände verkauft werden, desto mehr Geld bekommt die Auktionsplattform und ebenso Wata Games. Dies soll dazu geführt haben, dass eine Kopie von Super Mario Bros. vor kurzem für über zwei Millionen US-Dollar bei einer Auktion verkauft wurde.

Doch wie kam es dazu? Vor der Gründung von Wata Games 2017, eine Firma die Spiele anhand von Zustand, Seltenheit und Spielqualität bewertet, war das teuerste jemals verkaufte Spiel Super Mario Bros., welches im Juli 2017 für etwas über 30.000 US-Dollar bei eBay versteigert wurde. Im Februar 2019 wurde schließlich eine von Wata Games bewertete Kopie von Super Mario Bros. für 100.150 US-Dollar bei Heritage Auctions an drei Männer verkauft. Dem Mitbegründer von Heritage Auctions, Jim Halperin, der Gründer von Just Press Play, Zac Gieg, und dem Spielesammler Rich Lecce. Sowohl Heritage Auctions als auch Just Press Play lassen alle Spiele von Wata bewerten. Darauf folgte eine Pressemitteilung in der Halperin die Wata-zertifizierte Videospiel Auktion von Heritage mit dem neuen Weltrekord bewarb. Ebenso wird der Wata-CEO Kahn in der Pressemitteilung über den Aufwärtstrend der Preise mit den Worten „keine Anzeichen einer Verlangsamung“ zitiert. Kahn soll auch weiterhin regelmäßig Interviews auf Webseiten gegeben haben, auf denen er behauptete, dass der Wert von Spielen weiter steige. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ein Videospiel für eine Million Dollar verkauft wird“, so Kahn. Auch in der bekannten US TV-Show „Pawn Stars“ trat er mehrfach auf, um Spiele zu extrem hohen Preisen zu bewerten.

Dies soll dazu beigetragen haben, „um Wata Games als Autorität für Videospiele zu etablieren, obwohl die Firma gerade erst gegründet wurde“, behauptet Jobst. Weiterhin weist Jobst darauf hin, dass nur sehr wenige Spiele an wirkliche Sammler versteigert werden. Meistens handelt es sich um Firmen wie Rally, Otis oder Mythic Markets, die für den Kauf der meisten Spiele verantwortlich sind. Diese Unternehmen verkaufen Anteile dieser Spiele an Investoren, mit der Hoffnung, dass der Wert steigt, damit die Anteile mit Gewinn weiterverkauft werden können, wie eine Art Aktienmarkt. Als Beispiel nennt Jobst den Erwerb einer Kopie von Super Mario Bros. von Rally für 140.000 US-Dollar, welches nun für zwei Millionen US-Dollar verkauft wurde. Ein fetter Gewinn für die Investoren.

Ein weiterer Beleg für die künstlich erschaffende Blase, ist laut Karl Jobst, der Verkauf einer versiegelten Nintendo-Spiele Sammlung von Dain Anderson, Gründer der Webseite NintendoAge, die eine riesige Datenbank mit Informationen zu Retro-Nintendo-Spielen einschließlich ihrer Seltenheit und alternativen Veröffentlichungen bot, an Jeff Meyer, Gründer der Seite GoCollect, die Comics bewertet. Nach dem Verkauf wurde die komplette Sammlung von Wata bewertet und erhielt sogar einen eigenen Namen „The Carolina Collection“, der auf jedem Bewertungsetikett aufgeführt ist. Ein Teil der Sammlung wurde dann über Auktionshäuser, wie eben Heritage Auctions, für über 540.000 US-Dollar versteigert.

Was bis hierhin als geglücktes Geschäft bezeichnet werden könnte, hat laut Jobst aber einen riesigen Haken. Obwohl es aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern von Wata Games untersagt ist, Spiele vom Unternehmen benoten oder verkaufen zu lassen, hat Meyer genau dies getan. Jobst hat in den Unterlagen der Securities and Exchange Commision von Wata entdeckt, dass der GoCollect-Chef Meyer ein Direktor bei Wata ist. Womit er wohl nicht nur seine eigenen Spiele höher bewertet haben könnte, sondern der Sammlung auch noch direkt einen besonderen Namen verpasste, alles nur um die Preise in die Höhe treiben zu können. Zusätzlich zur Sammlung kaufte Meyer auch NintendoAge, um diese Seite sofort zu schließen. Jobst kommt daher zu der Annahme, dass Meyer den „Informationsfluss über den Wert von Videospielen zu besitzen und zu kontrollieren versucht, was angesichts seiner Verbindung zu Wata Games nur noch verdächtiger wirkt; ein riesiger Interessenkonflikt“. Hinzu kommt ein GoCollect-Blog-Beitrag aus 2020, indem Meyer auf eine neue Preisliste für Videospiele mit den Worten „Danke an die großartigen Leute bei Wata Games“ auf seiner Webseite verweist. Noch schlimmer wird es, wenn man berücksichtigt, das Dain Anderson zum Zeitpunkt des Verkaufs seiner Sammlung als Executive Officer bei Wata Games angestellt war.

Videogameschronicle hat nach ihrem Bericht auf der Webseite über dieses Video nun auch eine Antwort von Wata Games erhalten, indem die Anschuldigungen als „grundlos und diffamierend“ abgetan werden. Genau heißt es auf der Webseite: „Wata Games ist der vertrauenswürdige Marktführer in der Bewertung von Videogames für Sammler und wir fühlen uns geehrt eine Schlüsselrolle in dieser boomenden Branche zu spielen, für die wir eine unglaubliche Leidenschaft besitzen. Wir sind beeindruckt von der Unterstützung unserer Tausenden von Kunden, dass wir genaue und transparente Bewertung liefern. Die Behauptungen in diesem Video sind völlig unbegründet und diffamierend und es ist bedauerlich, dass Herr Jobst uns nicht kontaktiert hat, um uns die Möglichkeit zu geben, ihn zu korrigieren.“

Genauer wird auf die Anschuldigungen aber nicht eingegangen. Auch auf das Ende des Videos, als Jobst eine Verbindung zum Platzen der Blase bei Münzen Ende der 1980er Jahren zieht, wo zufälligerweise ebenfalls ein gewisser Jim Halperin eine große Rolle zukommt, wird nicht weiter draufeingegangen. Damals wurden Münzen ebenfalls sehr hoch bewertet und durch Investoren viele Münzen gekauft und teurer verkauft.

VGC weist auch auf einen Twitter-Eintrag von Seth Abramson, Journalist und Anwalt, hin, das als Reaktion auf das Video geschrieben wurde. Dabei verweist Abramson auf einen langen Artikel auf seiner Webseite, in dem es um seine NES-Marktforschungen geht. Er schreibt, dass „die Spiele, die sie reich machen, die am weitesten verbreiteten (und ja, sogar in hohen Bewertungen) der Welt sind“.

Ebenso behauptet er in seinem Artikel, das Wata seit seiner Gründung mehr als 750 Super Mario Bros. 3 Spiele bewertet habe, aber davon nur 65 versiegelte Exemplare auf dem Markt gekommen seien. Er vermutet daher, dass „große Investoren viele Kopien von Super Mario Bros. 3 halten und sie langsam auf den Markt bringen, um zu verbergen, wie allgegenwärtig das Spiel versiegelt/ bewertet ist“.

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