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Review: Xenoblade Chronicles 3D

Als von das Monolith Soft (Xenosaga, Baten Kaitos) in Zusammenarbeit mit Nintendo entwickelte Xenoblade Chronicles in Europa im August 2011 für die Wii erschien, richteten sich die Augen vieler Nintendo-Fans bereits auf die gerade vorgestellte Wii U. Die erfolgreiche Wii-Konsole kämpfte immer mehr mit ihrer leistungsschwachen Hardware und ein episches japanisches Rollenspiel hatte man schon länger nicht mehr für sie gesehen. So erklärt sich auch, dass das in vielen Punkten überragende Spiel weltweit mit 750.000 Stück klar unter den Erwartungen blieb. Umso erfreulicher war die Ankündigung, dass es nicht nur eine Fortsetzung für die Wii U geben, wird sondern auch das Originalspiel als Xenoblade Chronicles 3D von Monster Games (Donkey Kong Country Returns 3D) auf dem New 3DS als erster Exklusivtitel umgesetzt wird. Wir waren gespannt, wie gut der Port die Fähigkeiten des gestärkten Nintendo-Handeldhelds ausnützen würde.

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Vor Tausenden von Jahren kämpften zwei riesige Götter gegeneinander. Einer von ihnen war eine gigantische Maschine, der andere aus organischem Material. Doch ihr Kampf sollte keinen Sieger haben: Beide gingen sie zu Boden und hauchten in dem großen Ozean ihr Leben aus. Das war der Anbeginn der Welt von Xenoblade Chronicles 3D, denn nach und nach wurden die beiden Körper besiedelt: Auf dem organischen Körper fanden Menschen (auch als Bionis bekannt) ihr Zuhause, während ein Maschinenvolk namens Mechonis den anderen Körper zur Heimat auserkor. Doch irgendwann musste es zum Konflikt kommen: Die Maschinen attackierten die unterlegenen Menschen und versuchten dabei, eine Klinge in ihren Besitz zu bringen: Monado, die Lichtklinge, die den Menschen den Sieg über die Mechonis bringen könnte. Das gilt es zu verhindern.

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Ihr übernehmt die Rolle von Dunbar, seines Zeichens Träger von Monado, der mit seinen Kameraden die Mechonis aufhalten muss. Uns dienen die ersten Minuten als Tutorial, in dem wir die Grundlagen des Kampfsystems erlernen. In diesem Aspekt erinnert Xenoblade Chronicles 3D ein wenig an Final Fantasy XII – mit etlichen Verbesserungen: Die Monster laufen frei durch die Welt, Zufallskämpfe gibt es nicht. Entschließt ihr euch zum Gefecht, gibt es keinen Wechsel in eine separate Arena, stattdessen wird der Kampf gleich an Ort und Stelle ausgefochten. Wer jetzt sofort an klassische Rundenkämpfe denkt, liegt vollkommen falsch: Ihr habt weiterhin nur die Kontrolle über eure Hauptfigur und kämpft in Echtzeit, während die KI eure eventuellen Mitstreiter übernimmt. Anders als in FF XII gibt es allerdings keine Gambits, mit denen ihr die Aktionen eurer Partymitglieder an eure Wünsche anpassen könnt. Das ist auch gut so, denn so kann man sich in den Kämpfen nie zurücklehnen und die Party „einfach machen lassen“, man muss immer eine aktive Rolle einnehmen. Dennoch müsst ihr eurer Spielfigur niemals jeden einzelnen Schlag befehlen, sondern könnt euch darauf konzentrieren, taktische Kampfentscheidungen zu treffen. Zu diesem Zweck hat jede Figur ihre eigene Palette an Skills, die sich am unteren Bildschirmrand befinden und per Buttondruck ausgewählt werden. Allerdings ist die Anzahl der Fähigkeiten im Kampf begrenzt, weshalb schon im Vorfeld eine gute Planung nötig ist, denn die Skills erstrecken sich über alle Bereiche eines klassischen Rollenspiels: Neben Spezialschlägen finden sich unter anderem zahlreiche Buffs und Debuffs, also den Status verändernde Zauber, sowie Heilsprüche. Letzteren kommt eine wichtige Aufgabe zu, denn da eure Party außerhalb des Kampfes von selbst langsam Hitpoints regeneriert, hat Monolith Soft die Heil-Items abgeschafft, weswegen die HP-regenerierenden Skills bisweilen den Unterschied zwischen Leben und Tod im Gefecht bedeuten. Eines kann euch allerdings nicht passieren: Ihr werdet nie aus Mangel an Manapunkten sterben. Warum? Ganz einfach: Statt auf einen begrenzten Manapool zu setzen, hat jeder Skill – ähnlich wie bei MMOs – einen Cooldown, also eine bestimmte Zeitspanne, die sie zum aufladen brauchen. Außerdem sollten auch die Reihenfolge ihrer Anwendung und eure eigene Positionierung wohl überdacht werden, denn manche Skills haben Zusatzeffekte, wenn ihr sie zum Beispiel von hinten ausführt. Aber auch eure Kontrahenten denken mit und beobachten eure Aktionen mit Argusaugen. Jenes Partymitglied, das sie als besonders gefährlich erachten, wird dann zum Hauptziel ihrer Angriffe. Nach und nach gewinnt das Kampfsystem übrigens nochmals an Komplexität, wenn beispielsweise Chain-Angriffe zwischen euren Figuren möglich werden, eure Partymitglieder Beziehungen zueinander aufbauen, was zum Beispiel das gegenseitige Erlernen von Skills möglich macht, oder das Schwert Monado unseren Helden den Blick in die nahe Zukunft erlaubt, wodurch wir uns vor fatalen Angriffen schützen können. Hier kommt das sogenannte Party-Meter zum Einsatz, mit dem ihr die Zeit anhalten könnt, um beispielsweise KO-gegangenen Charakteren wieder hochzuhelfen, euren Kameraden eine Warnung zuzurufen oder auch kurz Kontrolle über sie zu übernehmen. Ihr seht schon: Xenoblade Chronicles 3D hat ein äußerst komplexes Kampfsystem, das man zwar schnell erlernt, aber erst langsam meistert.

Nach dem Tutorial macht die Story einen kleinen Zeitsprung: Ein Jahr ist vergangen und wir schlüpfen in die Haut von Shulk, dem Hauptprotagonisten der Story, und lernen damit auch die andere Seite von Xenoblade Chronicles 3D kennen: das Erkunden der Spielwelt. Monolith Soft ließ sich nämlich deutlich von MMOs und West-Rollenspielen inspirieren, weswegen das Spiel in diesem Aspekt an einen Hybriden aus klassischem J-RPG und einem The Elder Scrolls-Titel erinnert. Man läuft durch riesige Außenareale, genießt die unberührte Natur und den blauen Himmel (es gibt nämlich auch einen Tag/Nachtzyklus) – und wird bisweilen nur durch Ortsnamen wie „Schienbein-Wiesen“ daran erinnert, dass man eigentlich auf der Leiche eines Riesen herumläuft. An diesem Punkt ist wohl auch ein Wort über die Steuerung angebracht: DaXenoblade Chronicles schuf der Wii auf Bewegungssteuerung verzichtet hat, und vielmehr den Classic Controller als Eingabegerät der ersten Wahl präsentiert ist nun auch die Umsetzung der Steuerung auf den New 3DS mit seinen zwei Sticks kein Problem. Einige Bildschirmelemente- und Anzeigen sind nun einfach auf den unteren Screen ausgelagert worden und was euch mehr Übersicht bringt. Wir erkunden die Landschaft, finden neue Schätze und Sehenswürdigkeiten und laufen – wenn wir das wollen – dem Pfeil nach, der uns zum nächsten wichtigen Plot-Punkt bringt. Praktisch: Wir können überall speichern.

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Der Original-Entwickler Monolith steht bei seinen Fans vor allem für eines: Jede Menge Story mit zahlreichen Wendungen, die in noch mehr Zwischensequenzen erzählt wird. Laut Director Tetsuya Takahashi wollte man mit Xenoblade Chronicles einen anderen Weg einschlagen und ein spaßiges Abenteuer mit vielen Freiheiten bieten. Allerdings wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird: Zwar hat die Cutscene-Dichte und -Länge tatsächlich drastisch abgenommen – immerhin konnte man in Xenosaga bisweilen nur ein paar Schritte gehen, bis die nächste minutenlange Zwischensequenz über den Bildschirm flackerte –, aber dennoch gibt es eine ganz ordentliche Menge toll inszenierter Storysequenzen, die meist in Echtzeit mit Engine-Grafik umgesetzt werden. Allerdings hat die Umsetzung der Cutscenes in Echtzeit auch einen gewaltigen Vorteil: So sehen wir nicht nur in Kämpfen und auf unseren Reisen, sondern auch in den Zwischensequenzen, welche Ausrüstung unsere Party gerade trägt. Das nötige Kleingeld für unser Equipment können wir uns übrigens auf viele Arten verdienen: Wer will, kann einfach Monster töten und die gefundene Beute verkaufen, oder man nimmt einige der zahlreichen Sidequests an, die uns diverse Passanten anbieten. Diese Quests sind wieder deutlich MMO-inspiriert, denn sie werden euch nicht nur von Charakteren angeboten, die ein Ausrufezeichen über dem Kopf tragen, sondern beinhalten auch ähnliche Aufgaben. Die Nebenmissionen sind keine Pflichtaufgaben, absolviert ihr sie nicht, verzichtet ihr allerdings auf jede Menge zusätzliche Spielzeit und die Möglichkeit, das Verhältnis zu euren Questgebern zu verbessern. Trotz der stärkeren Hardware war es für Entwickler Monster Games gar nicht so einfach, das Spiel auf den 3D-Handheld zu portieren, da die Wii noch immer mehr Power unter der Haube hatund zudem das Spiel ja auch noch in 3D (also praktisch doppelt) dargestellt werden muss. Die Operation ist gelungen, denn Xenoblade Chronicles 3D spielt sich nicht nur gut, sondern sieht auch sehr gut aus. Wie schon auf der Wii kämpft das Spiel am N3DS sogar noch mehr mit der limitierten Hardware, so mussten sämtliche Hintergründe, Charaktere und Gegenstände an die niedrigere Auflösung des Handhelds angepasst werden.

Die Ohren werden ordentlich verwöhnt, ein epischer Soundtrack, knackige Effekte und massig von professionellen Sprechern eingesprochene englische Sprachausgabe weiß zu gefallen. Zwar könnt ihr deutsche Untertitel zuschalten, echte J-RPG Fans werden sich wohl an dem Umstand stossen das die japanische Tonspur nicht anwählbar ist. Die mit britischen Akzent sprechenden Sprecher der westlichen Version gefallen uns jedoch sehr gut! Das ganze Unterfangen hat schon so eine ordentliche Größe, wollt ihr Xenoblade Chronicles 3D als Downloadspiel erwerben, so benötigt ihr dafür zumindest eine 8 GB Speicherkarte, die dem System beigelegte bzw. vorinstallierte 4GB-Speicherkarte ist zu klein. (fs/mf)

Review Overview

Wertung - 8.5

8.5

Das eine Schwert!

Xenoblade Chronicles war sicher eines der besten J-RPGs seiner Zeit, aber es ist definitiv kein Spiel für jeden. Wer die Linearität aus Final Fantasy XIII toll fand und mit der Freiheit von Final Fantasy XII nichts anfangen konnte, ist hier falsch; wer auf eine ähnlich komplexe Story wie bei Xenogears gehofft hat, wird viel eher enttäuscht sein, als jemand, der die Story von Baten Kaitos cool fand. Dennoch: Die Summe aller Teile macht aus Xenoblade Chronicles 3D auch jetzt am New 3DS ein tolles Gesamtpaket für all jene, die modernen Konzepten im Genre aufgeschlossen begegnen. Die Fähigkeiten des New 3DS werden sehr gut genutzt. Mit Xenoblade Chronicles 3D hat die junge Plattform definitiv einen ersten Vorzeigetitel mit weit über 60 Stunden Gameplay!

Xenoblade_CoverGenre: Rollenspiel

System: N3DS (XL)

Entwickler: Monster Games

Erscheint: 2. April 2015

Preis: ca. 50 Euro

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