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Review: Silver (Band 1-3)

Stephan Franck ist ein vielseitiger Künstler.

Er arbeitet bereits seit über 25 Jahren als Animator, Texter und Regisseur für die großen Filmstudios dieser Welt. So entstanden unter seiner Mitwirkung unter anderem The Iron Giant, Ich – Einfach unverbesserlich oder Die Schlümpfe: Smurfy Hollow – Eine schön schaurige Schlumpfgeschichte.

Im Jahr 2013 erfüllte er sich schließlich einen großen Traum und gründete den Comicverlag Dark Planet. Wenig später wurde mit Silver die erste Graphic Novel des noch jungen Unternehmens veröffentlicht – und Francks Ambitionen könnten für diese Comicserie kaum größer sein. Wagt er sich doch mit Silver an eine Hommage des Horrorklassikers Dracula von Bram Stoker heran.

Diebische Elster

James Finnigan liebt alles, was glänzt – vor allem Silber. Da verwundert es auch nicht, dass aus ihm ein (großartiger) Dieb geworden ist.

Zu Beginn der Geschichte möchte Finnigan einen großen Coup landen und sich klammheimlich einige hochkarätige Gegenstände eines Auktionshauses (das ehemalige Haus von Jonathan Harker) unter den Nagel reißen. Er hat nur die Rechnung ohne die zahlreich dort vertretenen Polizisten gemacht. Auf diese war er nicht vorbereitet, weshalb der Meisterdieb schließlich die Flucht ergreifen muss.

Als die Situation bereits aussichtslos erscheint, kommt Finnigan ein mysteriöser Küchenjunge zu Hilfe: Dieser führt ihn zu einem kleinen Schatz, der aus einem Silberbarren und dem Tagebuch von Jonathan Harker besteht, und ermöglicht ihm zusätzlich die Flucht aus dem Anwesen. James kommt demnach nicht mit leeren Händen zu seinen Kumpanen zurück – auch, wenn sich diese mehr erhofft haben.

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Es ist nicht alles silber, was glänzt

Als wahrer Schatz entpuppt sich jedoch nicht der Silberbarren, sondern Harkers Tagebuch. In diesem ist die Rede von einem gewaltigen Silberschatz, der in einem Schloss eines gewissen Graf Draculas in Transsylvanien auf die Diebesbande „wartet“. Es gibt jedoch einen Haken: Das Anwesen wird von blutsaugenden Vampiren bevölkert. Sollen sie den Coup dennoch wagen?

Nach einiger Überzeugungsarbeit willigen seine Freunde ein. Es soll der letzte große Raubzug der Bande werden – und Finnigan hat schließlich einen Plan. Was soll da schon schiefgehen? James rekrutiert zunächst die Vampirjägerin Rosalynd Sledge, Nachfahrin des berühmten Van Helsing. Sie möchte die Welt von den Kreaturen der Nacht säubern und willigt ein. Zusätzlich schließt sich der kleine Küchenjunge, der ihm vorhin zur Flucht verholfen hat, der Reise an. Er könnte schließlich überaus nützlich für den Raubzug sein. Verfügt er doch über die Fähigkeit, die Zukunft vorherzusehen. Dies erklärt auch, wie er Finnigan damals – fast schon spielerisch – bei seiner Flucht behilflich sein konnte.

Vollzählig besteigen sie schließlich den Orient-Express nach Rumänien. Ein gewaltiger Silberschatz wartet auf sie. Wie gefährlich kann dieser Dracula denn sein?

Kritik und Fazit

Silver besticht durch einen wunderbaren Zeichenstil.

Dieser ehrt jedoch nicht nur Bram Stokers Dracula. Nein, Silver erinnert zu gleichem Maße auch Mike Mignolas Lebenswerk. Dieser schuf mit einem unverkennbaren Stil das Hellboy-Universum. Mit seinen markanten Zeichnungen und den vielen bewusst gesetzten Schwarztönen ähnelt Franck dem Altmeister hier in vielen Belangen.

Dies ist jedoch zuweilen auch der Schwachpunkt von Silver. Denn manchmal verliert der Leser aufgrund von zu dunkler Panels den Überblick und die Orientierung. Man bleibt verdutzt zurück und stellt sich Fragen wie: „Was ist gerade geschehen? Habe ich etwas verpasst?“ Nun dies geschieht beim Lesen unweigerlich von Zeit zu Zeit. Das ist schade.

Ein weiterer Kritikpunkt sind die austauschbaren Nebencharaktere. James, Sledge und der Junge sind interessante Helden, mit denen man gerne mitfiebert. Der Rest der Crew und auch Graf Dracula und seine Vampire bleiben jedoch leider blass. Ein bisschen mehr Liebe zum Detail täten der Geschichte hier sehr gut.

Unterm Strich klingt dies jedoch kritischer als es die Comic-Serie verdient hat. Silver gelingt der Spagat zwischen Hommage und eigenständiger Erzählung gekonnt. Der vierte (und abschließende) Band kann also kommen!

Seiten: 112, 116 und 152
Preis: 14,95 und 16,95 Euro
Autor: Stephan Franck
Zeichner: Stephan Franck
Verlag: Schreiber & Leser
Originalverlag: Dark Planet

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