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Review: Godzilla Minus One

Godzilla ist aktuell fast omnipräsent. Poltert das japanische Kult-Monster gerade auf Apple TV+ durch die TV-Serie „Monarch: Legacy of Monsters und tut sich kommenden April mit dem Riesenaffen King Kong zusammen, um in Godzilla x Kong: The New Empire noch fiesere Gegner zu besiegen, kam nun – für so ein großes Leinwandvieh fast schon still und heimlich – der 33 japanische Godzilla-Film, Godzilla Minus One, in die heimischen Kinos. Warum man den bislang besten Film des Kaiju nicht missen sollte, lest ihr hier.

Story-Riese

Die neue japanische Godzilla-Episode ohne Story-Verbindung zu bisherigen japanischen oder amerikanischen Filmen beginnt auf allen Ebenen stark. Im Zweiten Weltkrieg beschließt Kamikaze-Pilot Kōichi, dass sein Flugzeug „defekt“ ist und landet auf einer Insel zur Inspektion durch Mechaniker, anstatt seine Maschine und sich selbst als lebendes Geschoss gegen den Feind zu nutzen. Hier kommt es dann bereits in der ersten Nacht zur Begegnung mit Godzilla, der hier noch mehr als dinosaurierartiges Tier (mit super Design!) und neugierig erscheint, aber schnell wütend und fies wird. Ab dieser Begegnung nimmt das titelgebende Monster einige Rollen im Film ein. Godzilla ist fortan ein visuelles Schmankerl, treibt die Handlung voran, steht metaphorisch gleich für etliche Elemente (die atomare Bedrohung, die Schrecken eines Krieges, das Kriegstrauma einer einzigen Person …) und ist einfach jedes Mal nur unsagbar cool, wenn er Screentime hat. Und das ist im ersten Film-Drittel gar nicht so viel, was aber überhaupt nicht stört. Nachdem das Ungetüm nämlich einmal etabliert ist, nimmt sich die Geschichte richtig viel Zeit für die Charakter-Gestaltung Kōichis. Man erfährt, wie es dem jungen Piloten nach seiner Heimkehr ergeht und man bekommt einen Einblick, wie die Lage im Post-Kriegs Tokio der 1940er-Jahre war. Dabei ist die Story um Kōichi, seine Familie, aber auch zahlreiche Nebenfiguren so interessant und einnehmend, dass man kurz sogar vergisst, dass ja auch irgendwann wieder Godzilla auftauchen muss, um die Stadt in Schutt und Asche zu legen. Und wenn er das dann schlussendlich macht, schaut das bombastisch aus.

Monster-Optik

Ein Mega-Monster stapft langsam durch Tokio, schlägt seine Beißerchen in Züge, reißt Hochhäuser ein und plättet ganze Straßenzüge mit seinem ikonischen Hitzestrahl. Man kennt es seit Jahrzehnten aus vielen Filmen, aber visuell und in puncto Spannung so schön inszeniert hat, man das selten gesehen. Keiner, der jüngsten Hollywood-Godzilla-Streifen kam nur annähernd an „Godzilla Minus One“ heran, was die emotionale Wucht der Verwüstungs-Orgie betrifft. Verliert man in den CGI-Spektakeln aus Übersee teilweise die Übersicht und die Verbindung zu den Heldinnen und Helden, bleibt hier durch die Zentrierung auf ein paar Haupt- und Nebenfiguren das Ausmaß der Katastrophe stets greifbar.

Auch wirkt das Bild durch den zwar vorhandenen, aber nicht zu übersteuerten Einsatz von Color-Grading nie unnatürlich, was eine optische Brillanz ermöglicht, über die Hollywood-Blockbuster heutzutage schon gerne einige Farbstufen hinausschießen. Und auch auditiv spielt der Film alle Stückerl: Der Kinosaal dröhnt und vibriert, während die Prachtbauten in Ginza zerbröckeln und Godzillas Brüllen ertönt – und wenn am Ende (so viel darf gespoilert werden) auch noch das klassische Godzilla-Theme erklingt, gibt es bei Fans ohnehin kein Halten mehr. Der Film ist übrigens auf Deutsch synchronisiert bzw. auch auf Japanisch mit Untertiteln (DE bzw. EN) verfügbar. Für die Kritik wurde „Godzilla Minus One“ im Original angesehen – die Untertitel sind dabei angenehm eingeblendet und machen durch den Original-Sound das authentische Flair perfekt.

Fazit

Wertung

„Godzilla Minus One“ ist ein Hit. Mit einem Zehntel des Budgets seiner US-Geschwister schafft es der Film, das Publikum in allen Belangen in seinen Bann zu ziehen. Selbst, wenn man fast alle Streifen der Marke gesehen hat, kommt es einem vor, als wäre man komplett neu im Godzilla-Universum. Neben einer Hammer-Optik bewerkstelligt dies ein Drehbuch, das geschickt Emotionen transportiert, Kritik am Krieg sowie am Establishment darstellt und sogar ein Plädoyer für Menschlichkeit und Zusammenhalt darstellt, ohne arg ins Pathetische abzudriften. Und weil dabei der ganze Kaiju-Krawall nie auf der Strecke bleibt, kann man „Godzilla Minus One“ gerne als neue Referenz im Genre betrachten.

Kurzinformationen
Land, Jahr: Japan, 2023
Filmlänge: 125 Minuten
Genre: Monster Action
Regie: Takashi Yamazaki 

 

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