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Review: Deracine

Geistreiche Fairy Tale für PlayStation VR von den Dark Souls-Machern!

Ein gefühlvolles VR-Kammerspiel anstelle von knallhartem Bildschirm-Gemetzel: Mit dem PSVR-exklusiven Deracine berührt Dark Souls-Macher From Software eher Herzen als Nerven.

Ich glaub, mich zwickt ne Fee. Oder war es nicht doch eher ein Geist? Da ist sich man sich bei From Software wohl nicht ganz sicher – denn in seinem VR-Debüt zieht der Dark Souls-Entwickler keine klare Trennlinie zwischen guten Geistern, Schutzengeln, Gespenstern oder Feenwesen: Hauptsache, es ist feinstofflich und eignet sich dafür, den Spieler zum unsichtbaren Voyeur werden zu lassen, der durch ein spätviktorianisches Anwesen irrlichtert, um den dort lebenden Waisenkindern zu helfen. Zum Beispiel, indem man in die Vergangenheit reist, um dort ein kleines Mädchen davor zu bewahren, das Haus zu verlassen und sich dabei so ernsthaft zu verletzten, dass sie für den Rest ihres Lebens humpelt.

Ganz einfach ist das allerdings nicht: From inszeniert den ganz und gar nicht unheimlichen Spuk als eine Art Myst(ery)-Adventure – ein interaktives Still-Leben, in dem alle Protagonisten des Abenteuers zu unbeweglichen Ölgötzen verkommen, weil sich der Spieler selber durch eine Ebene abseits des Zeitflusses bewegt. Erst wenn man es schafft, durch Analyse und Kombination von Gegenständen eine Art emotionalen Zugang zu den jeweiligen Akteuren zu finden, erwachen sie kurzzeitig aus ihrer Starre, um dem Gespenst wertvolle Hinweise zu liefern. Danach verfallen sie wieder in ihre Starre.

Wer sich auf diese Weise von Tipp zu Tipp hangelt und dabei durch die Räume oder Korridore der alten Villa geistert, der gelangt fast schon automatisch zum Schluss des jeweiligen Kapitels – denn wirklich komplex oder kompliziert ist Deracine trotz seiner im Grafik-Adventure verwurzelten Gameplay-Mechanismen nicht. Hat man eine Episode abgeschlossen, darf der Geist in die Zukunft oder Vergangenheit der Kinder reisen, um weiterhin Einfluss auf ihr Schicksal zu nehmen.

Fazit

Wertung - 8

8

Hätte From "Deracine" für den Bildschirm entwickelt, würde die gefühlvoll aufbereitete "Fairy Tale" vermutlich kaum Beachtung finden, aber dank VR nimmt man angenehm unmittelbar am Schicksal der kleinen Schützlinge teil. Fast so, als wäre man tatsächlich ein stiller Beobachter ihrer jeweiligen Geschichten, um dann und wann hilfreichen eingreifen zu können. Damit ist froms VR-Erstling vielleicht kein Grund, in eine PSVR-Brille zu investieren – aber sehr wohl ein klarer Pflichtkauf für alle, die bereits ein Sony-Headset ihr Eigen nennen.

User Rating: Be the first one !
Genre: Survival Horror
Entwickler: From Software
System: PlayStation VR
Erscheint: November 2018
Preis: ca.  30 Euro

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Robert Bannert

Mit rund 25 Jahren Branchen-Erfahrung gehört Robert Bannert – Spielstart 1974 in Köln – zu den erfahrenen Spiele-Redakteuren im Lande. Seitdem er 1994 bei der MAN!ACRedaktion in die schreibende Zunft einstieg, fährt er zweigleisig – als Autor und als Grafiker. Nach einem zweijährigen Gastspiel als der deutsche Abe bei GT Interactive und Oddworld Inhabitants besetzte Robert bei diversen GamesPublikationen („fun.generation“, „players“, „PC JOKER“) den Posten des Chefredakteurs, danach rief er mit „elektrospieler“ seine eigene Print- und OnlinePlattform ins Leben, deren Herausgeber er bis heute ist. Robert lebt mit einem mehrere tausend Titel starken Spiele-Archiv, ebenso vielen Comics und umfassendem Konsolen- bzw. Handheld-Fuhrpark im bayerisch-ländlichen Mering, gemütlich gelegen zwischen Augsburg und München. Robert ist seit 20 Jahren bekennender Mac-User – seinen Spiele-PC wirft er vor allem für Adventures und Indie-Games an, ansonsten greift er lieber zum Konsolen-Pad.

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