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Review: Assassin’s Creed

Videospielverfilmungen haben einen schweren Stand. Das „Genre“ wurde über Jahre von Uwe Boll immer weiter in den Dreck manövriert und auch fähigere Regisseure wie Duncan Jones konnten etwa mit Warcraft nur minimal bessere Ergebnisse erzielen. Auf Assassin’s Creed mit Michael Fassbender als prominenter Galionsfigur ruhten große Hoffnungen. Und obwohl die Verfilmung von Ubisofts Mega-Millionen-Über-Franchise gute Momente liefert, kann sie den Fluch miserabler Videospielverfilmungen nicht brechen.

Callum Lynch (Michael Fassbender) sitzt im Todestrakt eines US-amerikanischen Gefängnisses und wird auch per Giftspritze exekutiert, wacht allerdings wieder auf und muss feststellen, dass er in den Abstergo-Komplex in Madrid, Spanien verschleppt wurde. Dort wird er von den Templer-Wissenschaftlern Sofia Rikkin (Marion Cotillard) und ihrem Vater Alan Rikkin (Jeremy Irons) in den Animus gesteckt, um auf die in seiner DNA gespeicherten Erinnerungen des Assassinen Aguilar (ebenfalls Fassbender) aus dem Spanien des 15. Jahrhunderts zugreifen zu können. Dieser war der letzte dokumentierte Besitzer des Apfels von Eden, einem mystischen Artefakt, das die Baupläne für den freien Willen des Menschen enthält. Ganz dem Klischee einer generischen Geheimorganisation entsprechend wollen die Templer die Welt zwar von Gewalt befreien, zu diesem Zweck aber allen Menschen ihren freien Willen nehmen.

Um den in den Spielen zugegebenermaßen recht langweiligen Animus interessanter zu gestalten, wird dieser im Film zu einem gigantischen mechanischen Arm, an dessen Ende Callum geschnallt wird und das beste VR-Erlebnis aller Zeiten geboten bekommt. Während er die Erinnerungen seines Vorfahren erlebt, springt und kämpft er auch in der Realität. Von außen sieht aber selbst Michael Fassbender doof aus, wenn er gegen imaginäre Feinde kämpft. Die Szenen im Animus sind allerdings das Highlight des Films. Aguilar und sein weiblicher Sidekick sind zwar so interessant wie eine Scheibe Toastbrot, liefern aber tolle Parkour-Einlagen über die Dächer Madrids und beeindruckende Kampfchoreografien. Trotz der großartigen Inszenierung dieser Abschnitte kann man aufgrund gänzlich fehlender Charakterentwicklung keine Bindung zu den Figuren aufbauen, wodurch eigentlich emotionale Szenen vollkommen in sich zusammenfallen.

Die bildgewaltigen Szenen in der Vergangenheit machen aber nur ein Viertel des Films aus. Der Rest spielt sich in den sterilen Abstergo-Räumlichkeiten ab, deren Bewohner ungefähr so interessant sind wie die kahlen Wände der generischen Korridore. Fassbender bekommt als Callum Lynch wenig zu tun außer zwischen wütend, resigniert und verrückt zu wechseln, noch weniger wird Cotillard und Irons abverlangt. Es soll ein Konflikt zwischen der milde gestimmten Sofia und ihrem 08/15-Bond-Bösewicht-Vater aufgebaut werden, der allerdings dermaßen uninteressant ist, dass selbst die Filmemacher nicht viel Zeit darauf verschwenden.

Der Ansatz, die in den Spielen oft langweiligen Szenen in der Gegenwart auszubauen und ihnen Bedeutung zu geben ist gut, allerdings hat das mit der Bedeutung nicht so recht geklappt. Bereits wenige Stunden nach dem (übrigens auf keinen Fall empfohlenen) Kinobesuch ist die selbst für eine Videospielverfilmung hanebüchene Handlung vergessen. Alleine die Szenen in der Vergangenheit bleiben hängen, sind aber auch nur hübsches Beiwerk ohne emotionale Bindung zu den Charakteren.

Videospielverfilmungen haben einen schweren Stand. Das „Genre“ wurde über Jahre von Uwe Boll immer weiter in den Dreck manövriert und auch fähigere Regisseure wie Duncan Jones konnten etwa mit Warcraft nur minimal bessere Ergebnisse erzielen. Auf Assassin’s Creed mit Michael Fassbender als prominenter Galionsfigur ruhten große Hoffnungen. Und obwohl die Verfilmung von Ubisofts Mega-Millionen-Über-Franchise gute Momente liefert, kann sie den Fluch miserabler Videospielverfilmungen nicht brechen. Callum Lynch (Michael Fassbender) sitzt im Todestrakt eines US-amerikanischen Gefängnisses und wird auch per Giftspritze exekutiert, wacht allerdings wieder auf und muss feststellen, dass er in den Abstergo-Komplex in Madrid, Spanien verschleppt wurde. Dort wird…

Review Overview

Wertung - 4

4

Summary : Assassin’s Creed hätte beweisen können, dass Videospiele die Vorlage für gute Filme bilden können, scheitert aber auf ganzer Linie. Grundsätzlich wurde die Mythologie der Spiele in vereinfachter Form gut in das neue Medium hinübergerettet, platte Charaktere und pure Langeweile überschatten aber die wenigen guten Ansätze. Wie auch bei jedem neuen Spiel der Reihe ist der größte Stolperstein die Handlung in der Gegenwart. Blöderweise macht Assassin’s Creed den Schwachpunkt zum Hauptaugenmerk und damit auch jede Chance zunichte, die angedeutete Fortsetzung jemals auf die Kinoleinwände zu bringen.

User Rating: 2.85 ( 2 votes)
Assassin’s Creed (2016)
Regie: Justin Kurzel
Drehbuch: Michael Lesslie, Adam Cooper, Bill Collage
Mit: Michael Fassbender, Marion Cotillard, Jeremy Irons
Länge: 115 Minuten
Kinostart: 27.10.2016