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Spider-Man

Preview: Marvels Spider-Man

Egal ob Spyro the Dragon, Sunset Overdrive oder zuletzt der Ratchet & Clank-Reboot, wenn es um das 3D-Action-Adventure-Genre geht, gibt es kaum ein Studio, das auf eine derartig langjährige Erfahrung zurückgreifen kann wie das 1994 gegründete Insomniac Games. Im selben Satz ließe sich wohl nur Sonys Haus- und Hof-Schmiede Naughty Dog erwähnen, die sich mit Insomniac nicht nur jahrelang ein Büro, sondern auch mehrmals die neueste Technologien teilte, weswegen die beiden Studios bis heute eine freundschaftliche Beziehung pflegen.

Dennoch und trotz vieler Exklusivtitel, behielt sich das Studio jedoch immer seine Unabhängigkeit und gerade die aus dieser Unabhängigkeit entstandene Erfahrung mit dem Xbox One-Exklusivtitel Sunset Overdrive führte nun wohl dazu, dass sich das freundliche kalifornische Studio das Recht erkämpfte, exklusiv für Sony das Spiel zu einem der wohl größten Superhelden-Franchises überhaupt entwickeln zu dürfen: Marvels Spider-Man.

Spider-Man

Um keinen Uwe zu Bollen

Das Studio ist sich hierbei sehr bewusst, welche Verantwortung ihnen mit dieser mächtigen, aber wie nahezu jedes Superhelden-Franchise bisher kaum zufriedenstellen versofteten Marke zu Teil wurde. Aus diesem Grund orientiert sich Insomniac neben der eigenen Erfahrung in erster Linie an dem einen Franchise, das als Superhelden-Umsetzung schlechthin gilt: Rocksteadys Batman: Arkham– Reihe, allen voran dem übermäßig gut bewerteten Batman: Arkham City.

Spider-Man

Marvels Batman

Diese offensichtliche Vorlage versuchen die Entwickler hierbei auch gar nicht zu verstecken und so schleicht sich Spider-Man in der ersten Gameplay-Demo über den Köpfen seiner Gegner vorbei, seilt sich von Gerüststange zu Gerüststange, schaltet Gegner aus indem er sie auf überraschend aufhängt, im Nahkampf lautlos außer Gefecht setzt oder Fallen mit Bewegungssensoren legt. Wird er doch einmal entdeckt stürzt er sich in ein klassisches Combo-Counter-System, bei dem bombastische Kamerafahrten an der Tagesordnung sind.

Und die Goldmedaille in Spider-Man-Sein geht an…

Natürlich absolviert der blau-rote Klettermax selbige noch einmal deutlich akrobatischer als der Ritter in Schwarz. Laut den Entwicklern ist Spidey in dem Spiel nämlich kein junger Teenager, der gerade seine Fertigkeiten als Spider-Man entdeckt, sondern etwa 23 Jahre und wäre Spider-Man-Sein eine Sportart so wäre Peter Parker hier ein Spitzenathlet. Dementsprechend springt er Pirouetten und Salti schlagend quer durch die Luft, weicht dabei in filmischer Zeitlupe Kugeln aus, reißt Gegnern währenddessen per Netzschuss die Waffen aus der Hand, schlittert kurz darauf zwischen deren Beinen hindurch und kickt sie in einer fließenden Bewegung in die Luft, nur um sie anschließend in ein Netz gesponnen wieder zu Boden zu reißen.

Spider-Man

Styler-Man

Noch deutlicher wird das jedoch, wenn Spidey sich durch das gigantische New York schwingt. Dieses soll bis zu sechsmal größer als die Welt von Sunset Overdrive sein und sich an allen Ecken und Enden lebendig und abwechslungsreich wirken. Beim Schwingen selbst werden tatsächliche Netzstränge an Hauswände angebracht und der anschließende Schwung physikalisch korrekt berechnet. Sollte euch währende dieses Schwungs ein Hindernis, wie ein LKW, eine Hauswand oder eine Feuerleiter entgegen kommen, erwarten die Entwickler von euch keine Spider-Man-gleichen Reflexe und so springt der Netzschwinger von ganz alleine durch Leitersprossen, läuft Hauswände entlang und rutscht unter fahrenden Hindernissen hindurch.

Spider-Time-Events

Gerade bei Storymissionen werden solche Aktionen an die Grenze geführt und um das dargestellte Rambazamba und den filmischen Bombast nicht allzu unübersichtlich werden zu lassen, entschied man sich auf einen nicht gerade sonderlich beliebten alten Bekannten zurückzugreifen: Die Quick-Time-Events. Laut Insomniac müsse man sich jedoch keine Sorgen machen, die QTEs würden nur bei den Höhepunkten der jeweiligen Missionen verwendet werden und man habe sich bemüht, die verlangte Tasteneingabe so nahe an deren ursprünglichen Funktionen wie möglich zu halten.

Spider-Man

R.I.P Onkel Ben

Da es sich also um einen bereits erfahrenen Spider-Man handelt, ersparen sich die Entwickler eine zum fünfhundertsten Mal aufgewärmte Origin-Story und greift stattdessen auf einen reichen Schatz an Widersachern zurück, von denen wohl nicht wenige bereits eine Rechnung mit Peter offen haben. So beginnt die Geschichte damit, dass Spider-Man seinen jahrelangen Widersacher Wilson Fisk alias Kingpin endlich hinter Schloss und Riegel bringt, dadurch aber gleich eine ganze Reihe von Ereignissen und Machtkämpfen in New York auslöst.

Drama-Man

Die Geschichte soll hierbei auf keinem der existierenden Universen aufbauen und so dürfen sich Fans auf ein Wiedersehen mit Dutzenden alten Bekannten in aber gänzlich neuen Rollen und Lebenssituationen freuen. Ein als Bürgermeister kandidierender Harry Osborn und ein schaulustig Fotos schießender Miles Morales (der Spider-Man des Ultimativen Marvel-Universums) sind erste Teaser auf das Versprochene. Zusätzlich soll Parkers Story aber auch klassische Spider-Man-Elemente wie die Unvereinbarkeit des Heldendaseins mit einem normalen Privatleben, das fehlende Einkommen um die Miete zu bezahlen und zwischenmenschliches Drama an jeder Ecke haben.

Spider-Man

Spidey-Fanclub

Damit der Ton richtig getroffen wird arbeitet Insomniac eng mit den Marvel Studios und vor allem Marvel Games zusammen, deren Büro nur 10 Minuten entfernt liegt. Deswegen kommt es laut Marvel Games Creative Director Bill Rosemann auch zu fast täglichen gemeinsamen Mittagsessen, bei denen rege ausgetauscht wird, wer denn nun der größere Spider-Man-Fan ist. Laut Rosemann sei es eine von Schicksal getroffene Bestimmung, dass die beiden Studios nun endlich der Welt zeigen dürfen, wie ein richtiges Spider-Man Spiel auszusehen hat.

Ersteindruck

Marvels Spider-Man sieht fantastisch aus, es scheinen die richtigen Leute an dem Titel zu sitzen und die Tatsache, dass man sich bei Insomniac dazu entschieden hat, nicht schon wieder die Spider-Man-Story von Null weg zu erzählen, sondern an einer interessanten Stelle mittendrin zu starten, kann ich gar nicht genug begrüßen. Etwas Bauchweh machen noch die QTEs und die doch sehr starke Ähnlichkeit zur Arkham-Reihe. Auf der anderen Seite hat Insomniac vielleicht endlich den richtigen Ansatz diese zu verwirklichen und das letzte gute Arkham-Spiel ist auch schon wieder ein paar Jahre her (bz).