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Kolumne: Das Phänomen Splatoon

“Und, was sagst du?”, fragt mich die Nintendo-Mitarbeiterin etwas nervös. Ich bin auf dem Splatoon-Preview-Event in Hamburg. Bis zum Launch sind es nur noch wenige Tage. Das Event ist voller Redakteure, YouTuber, Fans, Kinder mit ihren Eltern. Alle schauen gebannt auf die Bildschirme, als der Katzenrichter den Sieger des knappen Matches verkündet. Zu dem Zeitpunkt weiß noch niemand, wie Splatoon ankommen wird.

“Das wird ein Hit”, antworte ich.

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Quelle: Nintendo

Splatoon in Zahlen

Gut zwei Jahre und 4,80 Millionen verkaufte Einheiten später. Bei weltweit 13,56 Millionen verkauften Wii U-Konsolen hat sich demnach (mehr als) jeder dritte Wii U-Besitzer Splatoon gekauft. Das ist besser als Super Mario Maker (3,95 Millionen), etwas schlechter als Super Mario 3D World (5,60 Millionen) und weit hinter dem erfolgreichsten Wii U-Spiel Mario Kart 8 (8,31 Millionen). Ein großer Erfolg für die bunten Tintenfische, die zuvor noch niemand kannte.

Im Heimatland Nintendos konnte sich der Titel schnell zu einer Kultmarke entwickeln. Auf 3,36 Millionen verkaufte Wii Us (Stand: 2/7/2017) kommen über 1,5 Millionen verkaufte Einheiten Splatoon (Stand: 18/12/2016). Fast jeder zweite Wii U-Besitzer in Japan hat sich demnach Splatoon gekauft. Gerade für eine komplett neue Marke ist das eine Sensation.

Dabei handelt es sich nicht nur eine neue Marke, es ist Nintendos erstes großes Experiment im Shooter-Genre. Ein Genre, dessen traditionelle Form so überhaupt nicht ins Markenbild Nintendos passt. Mit Wasserpistolen und bunter Optik wird die Ballerei familientauglich gemacht, ohne dabei auf Spieltiefe zu verzichten. Typisch Nintendo kann sich jeder Spieler aussuchen, was Splatoon für einen persönlich ist. Für die einen bunter Spaß, für die anderen ein waschechter eSport.

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Splatoon als eSport

Nintendos Beziehung zum eSport hat sich über die Jahre gewandelt und kein Spiel zeigt das deutlicher als Splatoon. Während die immer noch lebendige eSport-Szene eines Smash Bros. Melee für GameCube in ihren Ursprungsjahren mehr oder minder toleriert aber nicht wirklich unterstützt wurde, schien sich das Blatt mit Smash Bros. für Wii U zu wenden. Nintendo erkannte diese Facette der Spielerschaft und reagierte zum Beispiel durch mehr eSport-taugliche Arenen im Spiel und die Unterstützung von Turnieren. Splatoon ist als 4-gegen-4-Spiel prädestiniert für den Wettkampf, doch hat die Wii U-Hardware Turnier-Setups stets erschwert. Nichtsdestotrotz, bei den Nintendo World Championships 2015 machte die Farbschlacht einen guten Eindruck. Es folgten Turniere auf der gamescom, das “Great British Splat Off!” und andere.

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Für den Nachfolger möchte Nintendo einen Schritt weiter gehen. Es gibt neuerdings eine für eSport wichtige Spectator Cam für Zuschauer von Streams und das Setup hat sich durch die kompakte Switch-Hardware vereinfacht. Es ist auch kein Zufall, dass Splatoon 2 bewusst immer wieder im Kontext eines Turniers gezeigt wird. Vom allerersten Trailer der Switch bis heute.

Splatoon als Marke

Verkaufszahlen allein können nicht beschreiben, welche Größe die Marke Splatoon besonders in Japan mittlerweile angenommen hat. Für die Wii U waren die Verkaufszahlen zwar sensationell, doch gelang es Nintendo, die Marke über die begrenzt-erfolgreiche Konsole hinaus zu positionieren. Mit Musik, Events und viel Merchandise.

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Quelle: Nintendo

Die beiden Sängerinnen Aioli und Limone haben sich zu richtigen Fanfavoriten gemausert und im Rahmen eines Smash Bros.-Turniers auch ein Konzert gegeben. Ähnlichkeiten zum Megastar Hatsune Miku liegen auf der Hand.

Mit der Präfektur Saga in Japan hat Nintendo ein eigenes Festival namens “Sagakeen” veranstaltet.

Besonders das Merchandise macht den Unterschied zwischen Japan und dem Rest der Welt deutlich. Während sich dieses bei uns in Grenzen hält, ist Amazon Japan voller Schlüsselanhänger, Plüschfiguren, Sticker, Taschen, Kleidung, Becher und vielen anderen Produkten.

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Quelle: Nintendo

Die Charaktere des Franchise sind beliebt. Ihr Hang zur Mode, die bunten Farben und das für Nintendo untypisch junge Design machen sie populär. Was sich auch auf bei den Verkäufen von amiibo-Figuren bemerkbar macht. Besonders in Japan.

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Für Splatoon 2 hat sich Nintendo dementsprechend vorbereitet und viel Zubehör angekündigt. Rosa und grüne Joy-Con-Controller, ein bunter Pro Controller, eine Switch-Tasche, neue amiibo und ein Switch-Bundle. Auf die Spitze treibt es aber wohl der Karton dieses Bundles, der separat gekauft werden kann. Für Fans, die schon eine Switch besitzen, aber den Karton kaufen möchten.

Splatoon als Serie

Er steht nun also kurz bevor, der Nachfolger des Überraschungshits. Die Situation hat sich aber komplett verändert. War Splatoon noch ein riesiges Fragezeichen für ein Nintendo, das sich vielleicht schon zu lange auf die altbekannten Marken stützte und aufgrund der Wii U rote Zahlen schrieb, stehen für Splatoon 2 alle Zeichen auf Erfolg. Auch wird die neue Stellung der Serie deutlich. Als das erste große neue Online-Spiel der Switch (Mario Kart 8 Deluxe und ARMS in allen Ehren) hat Splatoon 2 eine wichtige Aufgabe. Das Spiel soll früh im Leben der Switch eine robuste Online-Community aufbauen, die ab 2018 durch den kostenpflichtigen Online-Dienst neue Erlöse generieren soll. Eine ziemlich große Verantwortung für eine Marke, die erst zwei Jahre alt ist.

Am 21. Juli erscheint Splatoon 2. Im Hintergrund dürfte Nintendo alles daran setzen, die Switch-Nachfrage zum Launch des Spiels irgendwie bedienen zu können. Im Westen dürfte das schon schwierig werden, in Japan eher unmöglich. Mit Zelda: Breath of the Wild veröffentlichte Nintendo die neue Konsole. Die Serie ist im Westen beliebter als in Japan. Für Splatoon 2 dreht sich das Blatt nun. Der Launch der zweiten Farbschlacht dürfte so etwas wie ein zweiter Switch-Launch in Japan werden.

Die Frage “Und, was sagst du?” stellt heutzutage niemand. Splatoon 2 wird ein Hit. Alles andere wäre eine Überraschung.

Notable Replies

  1. Mich hat Splatoon schon seit dem ersten Trailer auf der E3 begeistert. Aber wegen dem schlechten Online-Gaming auf der WiiU habe ich mir das Spiel nicht gekauft.

    Splatoon 2 wäre neben Mario Odyssey und Mario & Rabbids ein Kaufgrund für die Switch. Nur dann muss hier auch das Online-Gaming stimmen und da habe ich bei Nintendo einfach große Zweifel.

    Aber schön, dass Nintendo auch mal ein Marke etablieren kann, bei der man nicht "Haustiere" oder "Gespenster" einsammeln muss :wink:

  2. WiiU schlechtes Online Gaming? Dann hattest du eine andere WiiU. Splatoon, Mario Kart 8 und Monster Hunter 3 Ultimate hat alles bestens funktioniert und es war sogar noch kostenlos.

  3. Ohne Voice-Chat spiele ich keinen Online-Shooter. Für gutes online-Gaming zahle ich auch gerne ein paar Euros im Jahr.

    Aber das Online-Gaming bei Nintendo war qualitativ immer ein graus. Ob es bei er Switch wesentlich besser werden wird? Keine Ahnung. Die meisten Ressourcen steckt Nintendo doch eh in die Amiibo-Forschung :smiley:

  4. Ifrit says:

    Schlechtes Onlinegaming in diesem Fall wohl eher wegen unter anderem mieser Steuerung. Splatton ist splatoon. Aber als shooter würd ichs nicht bezeichnen.

  5. Was soll es sonst sein? Es ist ein quasi 3rd Person shooter, auch wenn man "nur" mit Farbe ballert..

  6. Ifrit says:

    Ist für mich kein klassischer Shooter. Hauptziel ist ja auch das Anmalen von Wänden und nicht das Abknallen von Gegnern.

  7. Teamwork macht ein guter Multiplayer Shooter aus. Ich als einer der mit dem Farbroller unterwegs ist, ist froh um die Deckung der Scharfschützen.

  8. Was ist dann der Spielmode (von anderen) z.b. Capture the flag..?! Ziel? Flaggen erobern - deshalb kein 3rd Person shooter (Gears of war, wenn ich mich erinnere, hatte den Modus?!)

  9. Splatoon ohne Voice Chat hat doch prima funktioniert. Für die Rangkämpfe sicherlich schon viel wichtiger, aber so zum Spaß brauchte man das ja nicht. Weiß ja jeder, was man machen muss.

    Online auf der Wii U hat auch ganz gut funktioniert. MK8 und Splatoon liefen ja wirklich flüssig. Smash Bros. war da schon eher wackeliger.

    Nintendo selbst wird das sicherlich als esport sehen. Aber die werden niemals wie Capcom oder Microsoft da Unmengen an Gelder reinpumpen. Für Nintendo ist das immer noch einfach nur etwas ernsterer Spaß. Finde ich eigentlich ganz angenehm. Manche Spiele würden sich niemals zu esports entwicklen, wären da nicht die Publisher im Hintergrund, die auf Teufel komm raus Geld reinwerfen. Nintendo ist da eher hands-off ausgelegt.

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