ArtikelBrettspieleHighlightNews

Brettspiel-Review: T.I.M.E Stories

Jeder, der den Film Source Code mit Jake Gyllenhaal gesehen hat, kennt das ungefähre Konzept, das die Geschichte hinter T.I.M.E Stories bietet und wird dennoch überrascht sein, wie gut die Idee, Themen und Spielelemente in einem Brettspiel vereint wurden. Macht euch bereit für eine Reise in die Vergangenheit und ein Erlebnis, das euch so schnell nicht wieder loslassen wird.

Als Agenten der T.I.M.E Agency könnt ihr bei diesem kooperativen Brettspiel aus dem Hause Asmodee maximal zu viert gemeinsam in die Vergangenheit reisen, um das Universum und seine Parallelwelten vor Störungen des Raum-Zeit-Kontinuums und Auswirkungen auf unsere Gegenwart zu schützen. Nach einer kurzen Einleitung über die Formalitäten im Headquarter der Agency werdet ihr mit den wichtigsten Informationen und dem eigentlichen Ziel eurer Mission versorgt. Dann heißt es nur noch, euch einen Avatar der damaligen Zeit auszusuchen, mit dessen Körper und Fähigkeiten ihr euch auf Spurensuche begebt und ab in die Zeitkapsel.

banner
Je nach Mission und zeitlicher Epoche müsst ihr euch zu Beginn einen Überblick über den Ort eurer Reise verschaffen und euch über eure Vorgehensweise absprechen. Dabei steht zu Beginn jeder Phase das Erforschen von Locations im Vordergrund, wobei ihr nützliche, aber auch teilweise unnützliche Informationen sammelt und das eine oder andere Mal in Kämpfe oder andere Aufgaben verwickelt werdet. Die wunderschön gestalteten Zeichnungen der Locations geben euch vielleicht schon Hinweise zu möglichen Gefahren oder Lohnenswertem. Dass es insgesamt nur wenig zum Regelwerk zu sagen gibt, spricht für das Spiel, denn dieses ist präzise, intuitiv, leicht erklärt und stört beinahe nie den Spielfluss. Talent- bzw. Kampfproben und Ausrüstungen müssen regelmäßig eingesetzt werden, um Widerstände zu beseitigen und Verborgenes zu finden.

pion-de

Die gesammelten Informationen und Gegenstände zu interpretieren und zu einem großen Bild zusammenzufügen, ist das eigentliche Herzstück von T.I.M.E Stories.
Jeder noch so kleine Hinweis und jede kleine Randnotiz kann essentiell für den weiteren Verlauf und der Schlüssel für das Rätsel des Spiels sein. Notizbuch und Stift sind also wichtige Begleiter und externes Speichermedium zugleich. Denn einfach zu lösen sind die Missionen nun wirklich nicht. Euer gnadenloser Gegenspieler ist die Zeit, denn sie ist nur begrenzt vorhanden. Jede Aktion und jedes Wechseln zu einer neuen Location kostet der T.I.M.E Agency Unsummen an Steuergeldern. Das Gebot der Stunde ist also, effizient und zielgerichtet zu euren Entschlüssen zu kommen und gemeinsam einen Weg durch die Wirrnisse der Zeit zu finden. Schafft ihr das nicht, werdet ihr unsanft wieder in die Gegenwart geholt und müsst euch nach eurer gescheiterten Zeitreise eine Schelte vom genervten Ausbildner abholen. Verloren ist dabei trotzdem noch nichts, denn auch nach einer missglückten Mission könnt ihr diese sofort wieder von vorne beginnen. Wichtige Hinweise und Gegenstände bleiben in eurem Besitz und machen es euch in eurem zweiten Durchgang eventuell etwas einfacher, das Ziel zu erreichen. Was dieses Ziel eigentlich darstellt, kann für die Spieler die meiste Zeit nicht erkenntlich sein. Umso wichtiger ist die stetige Kommunikation unter den T.I.M.E Agents und das Abwägen von Gesprächen und erhaltenen Infos. Dabei ist das Spiel eine absolut gelungene Gratwanderung zwischen Brettspiel, Rollenspiel und Roman, bei dem ihr die Protagonisten seid. Die Stimmungen und Geschichten, die sich in den Runs entfalten, lassen Spieler noch Tage und Wochen später an das Erlebte denken und grübeln, also ob sie eine echte Zeitreise unternommen hätten.

81j8BTr6dwL._SL1500_

Die im Grundspiel erhaltene Mission spielt im Paris der 1920er-Jahre, wo ihr als Insassen einer Nervenheilanstalt hinter dunkle Fassaden blicken müsst, um ein Geheimnis zu lüften. Weitere Missionen können separat erworben werden und werden vom Verlag laufend durch neue ergänzt. Ist eine Mission bereits erfolgreich absolviert worden, bleibt leider nur wenig Anreiz, diese noch einmal mit der gleichen Gruppe zu durchleben. Einzig das Spielen mit einer vollkommen neuen Gruppe kann Spaß machen, wenn man sich selbst dabei im Hintergrund hält und die anderen den Hauptteil der Entscheidungen treffen lässt.

TS_montage_Asylum

Dennoch lohnt sich das Spiel auf lange Frist, gerade wegen der neu erscheinenden und durchdachten Missionen, die Abwechslung und völlig andere zeitliche Epochen und Themen mit sich bringen. T.I.M.E Stories lebt von den Spielern und deren Einsatz in der Geschichte, was das Erlebnis im besten Falle noch stimmiger macht und die Freiheit, die ihr in euren Entscheidungen genießt, erweitert.

Genre: Kooperatives Brett/Rollenspiel
Verlag: Asmodee | Space Cowboys
Spieler: 2-4
Erscheint: erhältlich
Preis: ca. 60 Euro

Review Overview

Wertung - 9.5

9.5

Grandiose Zeitmaschine aus der Box

T.I.M.E Stories vereint eine revolutionäres Spielidee, verschiedene Genres, Stile und Mechanismen zu einem grandiosen Gesamterlebnis, dass vielen Spielern noch lange in Erinnerung bleiben wird. Absolut zu Recht nominiert für das Kennerspiel des Jahres 2016 blickt das Spiel mit einer ständig wachsenden Zahl an Missionen einer langen Zukunft entgegen. Trotz der fehlenden Wiederspielbarkeit ist T.I.M.E Stories ein absolutes Muss für alle, die kooperative und anspruchsvolle Spiele und Geschichten schätzen, bei denen Entsetzen und Humor Hand in Hand gehen.

User Rating: Be the first one !
Tags

Related Articles