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Review: Nightmare Alley

Guillermo del Toro meldet sich im Regiestuhl zurück. Nach seiner Oscar-prämierten Fantasy-Romanze Shape of Water – Das Flüstern des Wassers (2017) entführt Del Toro sein Publikum in Nightmare Alley, der nun schon zweiten Verfilmung des gleichnamigen Romans von William Lindsay Gresham, in die Abgründe des Jahrmarkts und der menschlichen Psyche.  

Von Wahrsagern und Kuriositäten

Von ihm gewohnte Fantasy-Kost gibt es diesmal nicht, Guillermo del Toros neuer Film lässt sich eher in die Kategorie Thriller/Krimi einordnen. Schauerliche Kreaturen entspringen hier allesamt dem Handeln der Menschen. Aber worum geht es? Die USA der 1940er-Jahre, Stanton Carlisle (Bradley Cooper) schließt sich einem herumziehenden Jahrmarkt an, lernt dort allerhand Tricks und Schattenseiten kennen – und strebt beständig nach mehr, wodurch einiges an Konfliktpotenzial entsteht. Im Laufe der Handlung trifft er auf zahlreiche interessante Figuren, die von namhaften Hollywood-Größen wie Willem Dafoe (Spider-Man: No Way Home), Cate Blanchett (Der Herr der Ringe), Toni Collette (Knives Out: Mord ist Familiensache), Rooney Mara (Verblendung) und noch mehr verkörpert werden. (Der bessere Hellboy, Ron Perlman, spielt auch mit.) Mehr wollen wir der Story jedoch gar nicht vorgreifen, um das Kinoerlebnis nicht zu schmälern. 

Atmosphäre schlägt Handlung

Spoilern kann man sich zum Glück relativ schwer: Den Roman aus dem Jahr 1946 oder die erste Verfilmung aus dem Jahr 1947 wird wohl kaum jemand kennen – und so fühlen sich Story und Setting frisch an. Das hält das Interesse bei den Zusehenden aufrecht, auch wenn gerade am Anfang des Films recht wenig passiert und sich Del Toro mit ca. 150 Minuten sehr viel (vielleicht eine Spur zu viel) Zeit genommen hat, um alles in Szene zu setzen. Inszenieren kann er aber. Die Kameraeinstellungen, die Lichtstimmungen, die teils düstere Musikuntermalung – da passt alles. Und auch sonst ist Nightmare Alley filmisch toll geraten: Blenden erinnern an alte Klassiker, romantische Szenen werden ausgefaded, bevor Schlüpfriges überhaupt erahnbar ist, Charaktere stehen sich in Dialogen so nah, dass die zwischenmenschliche Spannung fast von der Leinwand ins Publikum schwappt; man fühlt sich zurückversetzt in die inszenatorisch „braven“ Filme der 1950er-Jahre, bis Del Toro dann gegen Ende seine bekannte Handschrift gekonnt brachial als Kontrapunkt setzt. Damit hat er im Genre des Neo Noir erneut eine Spitzenleistung abgeliefert. Nur das Drehbuch, das er gemeinsam mit Kim Morgan verfasst hat, hätte er eine Spur straffer halten könnten. Wenn die Geschichte endlich in Fahrt kommt, ist der Film nämlich schon fast vorbei. 

Fast perfekter Cast   

Dass sich die Besetzung des Films liest, wie die Gästeliste der Oscar-Verleihung, wurde ja bereits thematisiert. Und egal welchen der Stars sich man im Detail ansieht – alle tragen das Ihrige dazu bei, dass der Film sehr gut funktioniert. Aber … und jetzt kommt das große ABER: Bradley Cooper als Hauptfigur hat leider das größte Potenzial, bei den Zusehenden für Dissonanz zu sorgen. So wird das Alter seiner Figur zwar nicht wirklich thematisiert, aber es wirkt ein wenig so, als würde versucht, uns einen mittlerweile 47-jährigen Cooper als anfangs naiven, jüngeren Mann zu verkaufen. Und dann noch in Kombination mit der deutlich jüngeren Mara – der man die freundliche Schaustellerin Molly so viel mehr abnimmt. Im Verlauf des Films nähert sich Cooper zwar dem verkörperten Charakter an, aber als ganz passend offenbart er sich leider nicht. Glücklicherweise möchte der Film gar nicht, dass man sich in die Hauptfigur hineinfühlt – geht es doch um das Mysterium, das sie umgibt. Und da kommt diese Entfremdung bzw. leichte Antipathie zu Coopers Stanton Carlisle gerade recht. Die nicht vollkommene Harmonie von Rolle und Schauspieler schwingt aber leider immer mit.

Fazit

Wertung - 7

7

Del Toro hat getan, was er eigentlich immer macht – einen imposanten Film abliefern. Seine Fans könnten allerdings enttäuscht sein, dass das Attribut „fantastisch“ diesmal nur auf die audiovisuelle Inszenierung und nicht auf die Story-Elemente zutrifft. Aber die gewählte Romanvorlage mit ihrem unverbrauchten Schausteller-Setting macht Spaß und kann zumindest mit inneren Dämonen der Figuren aufwarten. So ist Nightmare Alley ein handwerklich in der obersten Liga spielender Film, der aber von einem manchmal zu trägen Tempo und einer nicht zu 100 Prozent stimmig besetzten Hauptfigur geplagt wird. Kurz: Kein Albtraum, aber auch kein Gassenfeger.

Kurzinformationen
Kinostart:  20.01.2022
Filmlänge: 150Minuten
Land, Jahr: USA, 2021
Genre: Thriller/Krimi
Regie: Guillermo del Toro

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