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Review: Monster Hunter Rise: Sunbreak

Capcom ist gekommen um ihr Werk zu vollenden

Als Capcom im März letzten Jahres Monster Hunter Rise auf den Markt brachte, war ich zunächst misstrauisch. Nach dem pompösen Monster Hunter World wieder zum Handheld-Jäger zurück degradiert zu werden, schien erstmal nicht sonderlich reizvoll. Doch der Titel erfand sich auf solch kreative Weise neu, dass ich gar nicht anders konnte als kurz darauf Seilkäfer-schwingend und Haikus trällernd durch Kamura und Umgebung zu rauschen. Nun legt Capcom mit dem neuen Sunbreak-DLC nochmal ordentlich nach und ruht sich dabei nachweislich nicht auf seinen bereits geernteten Lorbeeren aus, sondern nützt die Gelegenheit um stattdessen kaum einen Stein auf dem anderen zu lassen. Das Ergebnis kann sich jedenfalls sehen lassen.

Neu ist immer besser

In Sunbreak wird der Spieler so nicht nur in das vom westlichen Mittelalter inspirierte Gebiet rund um den Außenposten Elgado geschickt und darf zwei (ein halb) neue Gebiete sowie diverse neue Monster kennenlernen, sondern es wurde faktisch jeder Aspekt des Gameplays neu aufgegriffen, feingeschliffen und mit weiteren Facetten versehen.

Same, Same but different

So bekommen die 11 bekannten Waffen-Gattung nicht nur eine Vielzahl neuer Wechsel-Künste und Seilkäfer-Manöver spendiert, sondern dürfen nun auch in jeweils zwei Sets dynamisch während dem Kampf gewechselt werden. Das verleiht nicht nur eine ganz neue Ebene an taktischer Tiefe, sondern lässt selbst bereits geschlagene Jagden gegen bekannte Monster wieder neu und frisch wirken, da mit völlig anderen Strategien gearbeitet werden kann.

Wand-Liebhaber

Doch das war Capcom bei weitem nicht genug. So lassen sich an diversen Stellen nun beispielsweise sogenannte Marionetten-Spinnen finden, die den Spielern die Möglichkeit geben, Monster per Spinnenfaden gegen Wände zu reißen. Zusätzlich dazu wurden sowohl in den neuen als auch den bekannten Gebieten besagte Wände an diversen Stellen mit Käfern und Krebsen versehen, welche diese unfreiwilligen Eindringlinge dann sogleich mit einer ordentlichen Portion Elementarschaden aus ihrem Gebiet vertreiben möchten. Eine großartige neue Kombination, die für jede Menge Dynamik in den Kämpfen sorgen kann.

Erneuerungs-Regen für Katzen und Hunde

Die Palamute (eure hundeschnauzigen Reittiere) können nun mit ihrer feinen Nase auf Anfrage diverse sammelbare Objekte erschnüffeln und diese daraufhin praktischerweise sofort auf der Karte markieren. Allgemein können auch die Palamutes sowie die katzenartigen Palicoe-Begleiter ganz neue Fähigkeiten lernen, die wiederum jeweils ideal auf den eigenen Jagdstil angepasst werden können. Die hüpfenden Dangospieße geben weiters die Möglichkeit, selbst mit bekannten Dangos (japanische Mehlspeise, die der erfahrene Jäger isst um sich vor dem Kampf zu stärken), neue und noch effektivere Effekte zu erzielen, während dafür die Boni der anderen leicht geschwächt werden.

Feuchtgebiet bleibt Feuchtgebiet

Die neuen Gebiete präsentieren sich als eine Mischung aus altbekannt und völlig neu. So ist der auf einer tropischen Insel positionierte Dschungel bereits aus Monster Hunter 2 bekannt, wurde aber natürlich mit den neuen Bewegungsmöglichkeiten von Rise vor allem auf vertikaler Ebene stark ausgebaut und ohne Gebietsbeschränkungen zusammen gestöpselt. Die Zitadelle ist dann wiederum ein völlig neues Gebiet, voller mittelalterlicher Ruinen, Schneebergen und mystischer Stimmung. Beide Gebiete bieten einiges zu entdecken und beherbergen diverse Geheimnisse, auch wenn sich der Dschungel aufgrund seiner, vor allem am Anfang, sehr häufig auftretenden Frequenz und der doch merklich vorhandenen Ähnlichkeit zu dem im Hauptspiel schon oft verwendeten Flutwald, nicht ganz so frisch anfühlt.

Darf ich neuen Content? Erst wenn du den alten aufgegessen hast!

Allgemein muss man leider dazu sagen, dass Sunbreak einen vielleicht etwas zu gedehnten Start hinlegt. Die meisten Monster in den ersten guten Dutzend Quests wurden lediglich mit ein paar zusätzlichen Attacken aufgewärmt und auch die Zitadelle lässt einige Zeit auf sich warten. Die Kritik wird etwas abgeschwächt, da auch die alten Monster und vor allem deren Sub-Spezies dank Meisterrang trotzdem mit neuen Rüstungen und Waffen aufwarten und deren Design wieder durch die Bank überaus gelungen ist. So kommt dann doch recht bald die bekannte Motivation auf, die ein oder andere Mission noch einmal zu spielen um alle nötigen Monster-Teile für das schicke Outfit zusammen zu sammeln.

Richtig los geht es aber dann ab Meisterrang 4 wenn die Zitadelle mit frischen Monstern und altbekannten Fan-Lieblingen anrollt, ein weiteres Set an Wechselkünsten freigeschalten wird und sich Sunbreak endlich zu seiner vollen Blüte entfalten kann. Die Geschichte rund um ein neben Elgado plötzlich aufgetretenes Loch und dem Vampirdrachen Malzeno, der wie üblich den Untergang der Welt einläuten könnte, ist Monster Hunter-typisch eher vergessenswert, weiß aber diesmal zumindest über seine merklich charismatischeren Nebencharaktere etwas mehr mitzureißen.

Der Freundschaft-Simulator 3000

Diese profitieren auch von den neuen Gefährten-Quests, die eine der überraschendsten Highlights von Sunbreak mit sich bringen. So gibt es nun Quests, bei denen endlich auch die aus den beiden Dörfern bekannten NPCs mit dem Spieler gemeinsam auf die Jagd gehen können. Diese gewinnen dadurch, dass sie nun auch während der Jagd dynamisch das Geschehen kommentieren können, nicht nur an charakterlichem Tiefgang, sondern präsentieren sich auch überraschend kompetent.

So legen eure KI-gesteuerten Kollegen in sinnvollen Momenten Fallen und Bomben, werfen Blendgranaten, schlagen gezielt auf zerstörbare Teile und können sogar selber Monster reiten, was für einige wirklich epische Momente im Spielverlauf sorgen kann. Allgemein sind sie wirklich kaum von einem echten Mitspieler zu unterscheiden, was natürlich gerade für Solo-Jäger eine große Freude ist. Dass dafür die eher mäßig beliebten Tower-Defense-artigen Randale-Quests ersatzlos gestrichen wurden, dürfte wohl den wenigsten Spielern wirklich ein Dorn im Auge sein.

Vielleicht beim nächsten Mal

Leider lassen sich die KI-Gefährten dafür nicht bei allen, sondern eben nur bei ausgewählten Quests hinzufügen, von denen auch noch die wenigsten im Multiplayer verfügbar sind. Das ist wirklich schade, da hiervon natürlich gerade Solisten ordentlich profitiert hätten, während andere sich einfach gefreut hätten, auch mit nur ein zwei menschlichen Kollegen, trotzdem in voller Vierer-Konstellation auf die Jagd gehen zu können.

Fazit:

Wertung: - 8.5

8.5

Starker DLC mit Tempo-Schwelle

Monster Hunter Rise: Sunbreak ist nicht der perfekte DLC, aber ein wirklich guter. Sämtliche Teilbereiche des Gameplays wurden mit sinnvollen Verbesserungen überarbeitet, Elgado und die neuen Monster präsentieren sich abwechslungsreich und frisch und die neuen Gefährten-Quests lassen kaum Kritik zu. Das Capcom hier nicht genug Vertrauen in ihr neues Feature hatte um die KI-Jäger bei allen Quests zugänglich zu machen, ist Schade lässt aber auf die Zukunft hoffen. Auch, dass der Anfang von Sunbreak etwas zu langsam in die Gänge kommt und das Dschungel-Gebiet sich nicht ganz so unverbraucht anfühlt wie gehofft, ist schnell vergessen wenn Sunbreak dann nach den ersten paar Spielstunden endlich einen Gang höher schaltet und ein erfrischend mitreißendes Lootfeuerwerk im Dauerfeuer abliefert. Wer mit Monster Hunter Rise etwas anfangen konnte, kann hier also definitiv zugreifen. Das perfekte Monster Hunter wartet aber potentiell erst im nächsten Teil, wenn Capcom endgültig die Stärken von World/Iceborne und Rise/Sunbreak zusammenführt.

Genre: Action Rollenspiel
Entwickler: Capcom
System: Nintendo Switch, PC
Erscheint:  30.Juni 2022
Preis: ca. 40 Euro

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