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Da Capo-Review: Lost Planet 3 (Games with Gold)

Zwischen 1. – 15. August 2021 gibt es Lost Planet 3 im Rahmen der Xbox Live Gold Mitgliedschaft für die Xbox 360/Xbox One. Aus diesem Anlass servieren wir euch das passende consol.AT Review aus dem August 2013  als Da Capo-Review. Die komplette consol.AT Ausgabe wird in den nächsten Tagen allen SHOCK2 VIPs als PDF zugeschickt werden!

2010 war Lost Planet 2 gerade in den Läden gelandet und hat dabei einige Fans des Vorgängers irritiert: Die recht ambitionierte Story aus Teil eins wurde nur halbherzig und ein wenig verwirrt fortgesetzt. Der Eisplanet E.D.N. III war kein solcher mehr, sondern ein zum Teil schon Wüsten zeigender Himmelskörper. Allgemein konnte man feststellen, dass der Fokus weg vom Single- hin zum Multiplayermodus übertragen wurde – dieser war dafür auch recht beliebt. Mit Lost Planet 3 will Capcom den Missstand beheben und alle wieder gleichermaßen bedienen. 

Wild Wild Eis

Dabei hat der Publisher den Pfad anderer japanischer Entwickler verfolgt und das Development des Spiels von Fernost in unsere Breitengrade verlegt. Deswegen zeichnet nun das Studio Spark Unlimited (Turning Point: Fall of Liberty, Legendary) verantwortlich – und man merkt, dass einige Punkte des Spiels eher an westliche Spielgeschmäcker angepasst wurden. Diese Frischzellenkur tut dem neuen Serienableger gut und fängt schon bei der Erzählstruktur an: Die gesamte Story wird in einer Rückblende erklärt, welche der Protagonist Jim Peyton seiner Enkeltochter als eine Art Beichte erzählt. Und Jim hat viel zu erzählen, denn er war in der Zeit der Besiedlung von E.D.N. III ein Rig-Fahrer und Thermalenergie-Sammler. Diese Energie ist es, die den Planeten und seine Bewohner namens Akriden am Leben erhält – gleichzeitig könnte sie aber die energieverarmte Erde retten. Deswegen fühlt sich das gesamte Spiel ein wenig nach Goldrausch im Wilden Westen an, angefangen vom raubeinigen, aber gutherzigen Protagonisten, seiner Beziehung zu seinem „Reittier“ Gertie (sein Rig / Mech) bis hin zur Konkurrenz unter den einzelnen Energie-Sammlern. Dazu passt auch der Radiosound, den man im Rig anwerfen kann – eine Art Zukunfts-Country, der sich direkt in die Ohren frisst. 

Akrid on the rocks

So ein Soundtrack ist auch gut zu gebrauchen, denn Lost Planet 3 ist eine Achterbahnfahrt, die sich durch mehrere unterschiedliche Genres schwingt. Am offensichtlichsten ist das beim Kontrast der Sequenzen zu Fuß und im Rig – hier wird zwischen Third- und First-Person-Perspektive gewechselt. Laut Entwickler Andrew Szymanski wollte man dadurch eine klare Trennung der Spielbereiche erreichen und deutlicher zeigen, wie groß denn der Rig eigentlich ist. Durch den Sichtwechsel ist das gut gelungen: Dinge, die man gerade noch auf Augenhöhe hatte, werden lächerlich klein (und zertretbar), sobald man im stählernen Koloss hockt. Dieser ist zwar nicht in dem Sinn bewaffnet, aber mit zwei starken Armen, einem Bohrer und einer Seilwinde kann man sich ordentlich gegen übermütige Akriden zur Wehr setzen. Schießt man im Fußgänger-Modus unzählige Kugeln á la Gears of War durch die Gegend, ist man im Rig auf einmal fast auf die eigenen Boxer-Fähigkeiten beschränkt –„Real Steel“ lässt grüßen! Dazu passt auch, dass man den Mech nach und nach mit gefundenen Upgrades verbessern kann, was immer neue Möglichkeiten im Spiel erschließt. Nach ein paar Stunden kann man sein Gefährt dann zur stationären Bohrplattform ausfahren – was zwar viel Thermalenergie und somit Budget bringt, gleichzeitig aber auch sämtliche Akriden in der Umgebung anlockt. Zeit, sich ordentlich gegen die Viecher zu wehren. Die hart verdiente Thermalenergie dient in Lost Planet 3 hauptsächlich als Währung (und nicht wie in den Vorgängern als Lebensenergie), was dem kauffreudigen Jim sehr zugute kommt. Im Hauptquartier der NEVEC Company – ja, die Bösewichte aus den vorigen Teilen – können  gegen Geld neue Waffen sowie feine Upgrades für diese und den Rig gekauft werden. Solche fast schon als Rollenspiel-Elemente zu bezeichnenden Dinge lockern den Spielverlauf ebenso auf wie die optionalen Nebenmissionen, welche die mit rund 15 Stunden ohnehin schon üppige Kampagne noch um ein Eck verlängern. Sie sind zwar nicht übermäßig kreativ gestaltet, bringen aber Goodies ein, welche man sonst nur schwerer bekommt. Gleichzeitig können wir aber Entwarnung geben: „Optional“ heißt wirklich genau das, denn auch ohne viele Nebenaufgaben kann man mit einem voll aufgemotzten Rig durch die Welt von E.D.N. III stampfen.

Level up!

Und das ist in vielen Bereichen ein Erlebnis für die Augen, denn Spark Unlimited hat sich im Design der einzelnen Areale, in die der Planet unterteilt ist, viel Mühe gegeben: Abgesehen von ewigen Eiswüsten mit schönen Lichteffekten bekommt ihr auch noch Lava-Seen, vereiste Höhlen und mehr zu sehen. Hin und wieder kommt es zwar zu nachladenden Texturen oder unschönen Nebel-Effekten, um Ressourcen zu sparen, aber der allgemeine Eindruck ist ein sehr positiver. Alleine der Anblick der Lichtspiele, wenn man die Basis verlässt, lässt einen fast vor Augenfreude erstarren. Dagegen stehen großteils fehlende Wasserdarstellungen, und gerade im letzten Teil des Spiels merkt man, dass die Entwickler fertig werden mussten. Die Story bekommt gegen Ende eine fast unwürdiges Pacing aufgebrummt, und wenn man dann schlussendlich gegen menschliche Gegner kämpft, wirken deren Animationen hölzern und unfertig. Schade, aber der Gesamteindruck leidet darunter wenig. Das liegt auch daran, dass das Sounddesign  von Lost Planet 3 erstklassig ist: Auch neben der Rig-Musik trifft das Spiel beinahe immer die richtigen Töne, wenn es um die Untermalung von Szenen geht. Gerade in den gruseligen Passagen des Spiels treiben schräge Geigentöne und Akridengekreische im Hintergrund den Puls in ungeahnte Höhen. In Zwischensequenzen gab es in unserer Testversion aber auch regelmäßig Tonprobleme, welche sich als eine Art „Hacken“ im Sound unangenehm und sehr laut bemerkbar machten. Bei der Vertonung sowohl auf Englisch als auch Deutsch wurden dafür fast durchwegs motivierte und passende Sprecher gefunden. Zum Multiplayermodus können wir leider noch nichts sagen, denn er war zum Testzeitpunkt noch nicht verfügbar. Das ist besonders unangenehm – hatten wir doch an den Mehrspielerschlachten im Vorgänger besonders viel Spaß. Die Versprechungen der Entwickler jedenfalls lassen darauf schließen, dass auch hier eher geklotzt als gekleckert wurde. Fünf komplett unterschiedliche Modi für bis zu zehn Spieler, darunter PvP- und PvE-Modi, sollten durchaus für lange Motivation sorgen. Auch die Einbindung der Rigs und der allseits beliebten Enterhaken in den Mehrspieler-Spaß sollten einige Taktiken erlauben, die man so relativ selten in Spielen erlebt. (as)

Grafik: An manchen Stellen bildschön, an anderen eher matschig und mit Framerate-Einbrüchen gesegnet.

Sound: Gruselstimmung, Zukunfts-Country, Alienkreischen – der Sound macht bis auf kleine Hacker alles richtig.

Handling: Umstieg von 3rd- auf 1st-Person benötigt Eingewöhnung, dann geht´s locker von der Hand.

Motivation: Endlich wieder ein Lost Planet mit motivierender Story, dazu Upgrade-Sammlerei und für die ganz Motivierten auch noch Nebenmissionen. 

Multiplayer: Fünf Spielmodi mit interessanten Ideen und bis zu zehn Spielern – genug Stoff für Online-Gefechte.

Fazit

Wertung - 8

8

Lost Planet 3 ist sicher kein perfektes Spiel. Dafür merkt man an zu vielen Ecken, dass sie noch Feinschliff benötigt hätten, und manchmal ärgert man sich auch über die nächste 08/15-Shootout-Passage im Fußsoldaten-Modus. Diese Teile verzeiht man dem Spiel sehr gerne, wenn der nächste stimmige Ausritt im Rig ansteht oder man sich vor Spannung in einer der nervenaufreibenden Erkundungsmissionen nicht mehr wirklich am Sitz halten kann. Lost Planet 3 ist das, was ich mir von Aliens: Colonial Marines erwartet hatte und noch mehr – ich hoffe stark auf einen Nachfolger, der die letzten Fehler ausmerzt.

Genre: Action
Entwickler: Capcom
System: Xbox 360 (Läuft auch auf Xbox One und Xbox Series XS)
Erscheint: August 2013 (zwischen 1. –  15. August 2021 Xbox Live Gold)
Preis: 20 Euro im Xbox Market Place

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