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Review: South Park: Der Stab der Wahrheit

Das South Park-Rollenspiel hat schon einiges hinter sich. Ursprünglich für 2013 angekündigt, verzögerte sich Der Stab der Wahrheit mehrmals, wofür unter anderem die Insolvenz des Publishers THQ verantwortlich war. Glücklicherweise schnappte sich Ubisoft die Rechte an dem Titel und veröffentlicht ihn nun mit einiger Verspätung am 6. März für PlayStation 3, Xbox 360 und PC.

Es gab bereits einige South Park-Videospiele, doch sowohl die Spieler als auch die Serienerfinder Trey Parker und Matt Stone waren unzufrieden mit den mittelmäßig bis schlechten Machwerken. Deswegen entschieden sich Parker und Stone, diesmal selbst die Initiative zu ergreifen und suchten aktiv das Gespräch mit verschiedenen Entwicklern. Die Wahl fiel auf die Rollenspielexperten von Obsidian Entertainment, die zuletzt zum Beispiel für Fallout: New Vegas verantwortlich waren. Wie passend also, dass es sich bei South Park: Der Stab der Wahrheit um ein waschechtes Rollenspiel mit rundenbasiertem Kampfsystem handelt.

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Die „Elfen“ tagen umfunktionierte Mr Spock-Ohren.

Neu in South Park
Statt als einer der Serienprotagonisten durch das Spiel zu laufen, dürfen wir uns gleich am Anfang mithilfe eines sehr umfangreichen Charaktereditors einen kleinen Jungen im South Park-Stil erstellen. Obwohl die Möglichkeiten zur Gestaltung sehr breit gefächert sind, ist es nicht möglich, ein Mädchen zu spielen. Das ist insbesondere bei einem Rollenspiel schade. Als dieses sogenannte „New Kid“ sind wir gerade mit unseren Eltern nach South Park gezogen und werden schon kurz nach dem Spielstart auf einen Spaziergang durch die Stadt geschickt. Es dauert nicht lange, bis wir auf die ersten bekannten TV-Gesichter treffen. Im Garten der Familie Cartman ist das Kastell Kupa entstanden, in dem Cartman, Kenny und Butters den sagenumwobenen Stab der Wahrheit bewachen. Nachdem wir eine der Klassen Krieger, Magier, Dieb oder Jude gewählt haben, geht es auch schon ans Eingemachte. Die Elfen greifen auf Befehl ihres Anführers Kyle an und mopsen den Stab, worauf wir uns auf den Weg machen müssen, um eine Armee auszuheben und den Stab der Wahrheit, dessen Träger das Universum kontrolliert, zurückzuholen. South Park-typisch ist das aber nur der Anfang. Denn auf der Jagd nach dem Stab stolpern wir bald in eine Verschwörung, die ganz South Park dem Erdboden gleichmachen könnte. Zur Bewältigung der Hauptstory benötigt man in etwa zehn Stunden, doch die vielen Nebenaufgaben können eine ganze Weile länger fesseln. Zudem trifft man einige bekannte Charaktere aus der TV-Serie erst gar nicht, wenn man sich nur den Hauptquests widmet.

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Ja, sogar Jesus kämpft mit…

Eine spielbare TV-Folge
Die enge Zusammenarbeit der Entwickler mit den South Park-Schöpfern Trey Parker und Matt Stone merkt man dem Spiel zu jeder Sekunde an. Parker und Stone schrieben nicht nur die Geschichte, wodurch der Humor der Fernsehserie nahtlos fortgeführt wird, sondern leihen wie auch im Fernsehen allen männlichen Charakteren ihre Stimmen inklusive berühmter Sätze wie „Respect my authority!“. Ubisoft hat sich gegen eine deutsche Synchronisation entschieden, weshalb man hierzulande mit deutschen Untertiteln vorlieb nehmen muss. Die Entwickler bei Obsidian haben es tatsächlich geschafft, die Welt von South Park 1:1 in ein interaktives Medium zu transferieren. Die Charaktere und die frei begehbare Stadt sehen exakt so aus wie im Fernsehen. Alle wichtigen Gebäude aus der Serie sind vorhanden, wovon der Großteil auch betreten werden kann. Leider muss dafür oft nachgeladen werden und unmittelbar nach dem Ladevorgang kommt es immer wieder zu unschönen Rucklern, die in beiden von uns getesteten Fassungen (Xbox 360 und PS3) auftraten, jedoch auf der PS3 stärker ausfallen. Für dieses Spiel wurden übrigens erstmals die Positionen der Gebäude fixiert und ein Stadtplan erstellt. In der ganzen Stadt können Verweise auf eine Vielzahl an TV-Folgen gefunden werden, Fanservice pur!

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Howdy-ho! Mr Hankey greift eure Feinde mit einer großen Menge Scheiße an!

Furzmagie
Unter all dem Humor und der überdrehten Story verbirgt sich aber noch ein ausgefeiltes Rollenspielsystem. Wenn ein Kampf beginnt, wechselt das Spiel in einen rundenbasierten Modus, der so ähnlich wie bei der Super Mario RPG-Reihe funktioniert. Abwechselnd dürften die Opponenten Fähigkeiten einsetzen, die auch jeweils das Drücken einer Taste im richtigen Moment erfordern. Natürlich sind das auch keine 08/15-Fähigkeiten, sondern Furz-„Magie“ oder brutale Baseballschlägerattacken. Diese Fähigkeiten werden mit Levelaufstiegen automatisch freigeschalten und können rollenspieltypisch mit Skillpunkten aufgewertet werden. Als Verstärkung kann man sich diverse Begleiter wie Butters, Kyle, oder Cartman mitnehmen, die jeweils auch spezifische Angriffe besitzen. So kann Cartman seine Darmgase entzünden und Butters sein böses Alter Ego Professor Chaos heraufbeschwören. Leider sind Fähigkeiten, bei denen der Analogstick gedreht werden muss, sehr hakelig zu handhaben. Die Kämpfe sind knackig und erfordern gutes Timing beim Blocken sowie ein prall mit Gesundheits- und Manatränken gefülltes Inventar. Außerdem sollte man versuchen, Feinde bereits auszuschalten, bevor es überhaupt zum Kampf kommen kann. Das kann mittels klug eingesetzter Fähigkeiten in Kombination mit der Umgebung bewerkstelligt werden (Feuer + Furz = Gegner K.O.). Sollte es trotzdem zu leicht oder zu schwer sein, kann die Schwierigkeit im Menü auf Leicht, Normal oder Hardcore eingestellt werden. Zu den aktiven Fähigkeiten gesellen sich noch passive Boni, die durch eine steigende Zahl an Facebook-Freunden, die in Quests oder durch Interaktion gesammelt werden können. Die getragene Kleidung hat ebenfalls einen großen Einfluss  auf die Eigenschaften des Charakters. Praktischerweise erhält man in Quests ständig bessere Kleidungsstücke, die selbstverständlich auch das Aussehen des Charakters verändern.

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Auf Wichtelgröße geschrumpft werden sogar Ratten zu ernstzunehmenden Gegnern.
„Sorry, Europa. Du kannst diese Szene nicht spielen.“
Viel Kritik musste Ubisoft sich dafür gefallen lassen, an der europäischen Konsolenfassung (die PC-Version bleibt verschont) einige Schnitte vorgenommen zu haben. Im Detail handelt es sich dabei um zwei Abtreibungs-Minispiele und fünf Analsonden-Szenen, in denen Charaktere rektal untersucht werden. Diese sieben Schnitte sind zu allem Überfluss alles andere als elegant gelöst. Statt das Spiel leicht zu verändern, gibt es einfach einen Bildschirm mit der wenig witzigen Mitteilung, dass man diese Stelle im Spiel in der europäischen Version nicht spielen dürfe. Das wirkt plump und hätte wesentlich selbstreferenzieller gelöst werden können. Und obwohl es sich nur um je ca. 20-sekündige Passagen handelt, bleiben diese Schnitte doch unangenehm im Gedächtnis. Zusätzlich wurden in der deutschen und österreichischen Version die per Gesetz verbotenen Hakenkreuzsymbole entfernt. Diese Änderung betrifft auch die PC-Version.

Review Overview

Wertung - 8.5

8.5

Gutes Rollenspiel mit viel Fäkalhumor

South Park: Der Stab der Wahrheit hätte ein einziger großer Furzwitz ohne Spieltiefe werden können. Stattdessen liefert uns Obsidian ein gutes Rollenspiel mit jeder Menge Humor und wahnsinnig skurrilen Momenten. Die Geschichte wirkt zwar ein wenig gestreckt und hätte wohl als TV-Episode besser funktioniert, transportiert aber wunderbar den durchgeknallten South Park-Flair. Leider bricht die Framerate zeitweise ein und auch die plump gelösten Schnitte hinterlassen ein ungutes Gefühl. Trotzdem handelt es sich hier um eines der besten auf einer TV-Serie basierenden Spiele aller Zeiten. Wenn man allerdings nichts mit dem serientypischen Humor anfangen kann, sollte man einen großen Bogen um das Spiel machen. (Lukas Urban)

System: PlayStation 3, Xbox 360, PCSP_Cover
Entwickler: Obsidian Entertainment
Genre: Rollenspiel
Erscheint: 06. März 2014
Spieler: 1
Preis: ca. 40 Euro (PC), ca. 60 Euro (Xbox 360, PlayStation 3)
Alter: 18+

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