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Review: Secret of Mana

Noch immer das Must-Have von einst?

1994 erschien hierzulande ein Spiel für den Super Nintendo, das rasch zu einem Must Have für viele Kinder der damaligen Zeit wurde: Secret of Mana. Dass wir dieses Spiel in die Hände bekamen, war ein Glücksfall, denn auch wenn es zu diesem Zeitpunkt schon viele japanische Rollenspiele gab, schafften nur wenige den Sprung nach Europa. Doch mit diesem Titel durften auch wir die Geschichte eines jungen Mannes erleben, der eher irrtümlich das legendäre Mana-Schwert aus dem Stein zieht und damit zum Auserwählten wird, der sich gegen das Imperium und die Reaktivierung der Manafestung stellen muss.

Kein Wunder, dass dieses Spiel einen ganz besonderen Platz im Herzen jener einnimmt, die die 16-Bit-Zeiten erlebten. Grund genug für Square Enix, das Spiel 25 Jahre nach dem Release in Japan 1993 ins Heute zu holen – und zwar nicht einfach als Port, sondern in einer überarbeiteten Version. Und dieser Ansatz ist Grund genug für uns, uns dem Remake aus zwei Richtungen anzunähern.

Pfad 1: Der Newcomer

Ihr habt Secret of Mana noch nie gespielt? Dann willkommen bei einem Action-Rollenspiel irgendwo zwischen Legend of Zelda und den frühen Final Fantasys! Ihr erkundet die Welt, aber auch diverse Dungeons und Städte aus einer Top-Down-Perspektive ähnlich der 2D-Zeldas und kämpft gegen Gegner, die nicht nur direkt auf der Karte sichtbar sind, sondern dort auch bekämpft werden. Auch dies wird anders als bei vielen Rollenspielen nicht über Menüs gesteuert, sondern direkt.

Ihr wollt einem Angriff ausweichen? Dann bewegt euren Charakter und weicht aus. Ihr wollt zuschlagen? Dann drückt auf den Angriffsbutton und ihr greift mit der ausgerüsteten Waffe an. Simples Button-Mashing ist allerdings nur wenig sinnvoll, denn nach einem Angriff dauert es eine Weile, bis ihr wieder mit voller Stärke zuschlagen könnt. Das soll wohl dafür sorgen, dass ihr ein wenig taktisch agieren müsst, hat aber leider auch zur Folge, dass die Kämpfe sich ein wenig auseinander gezogen fühlen, weil man optimalerweise wartet, bis die Prozentleiste wieder voll ist.

Mehr als nur Draufhauen

Abwechslung in dieses System kommen vor allem durch drei Mechanismen. Erstens: Im Laufe eurer Reise findet ihr mehrere Waffen, die sich verbessern lassen (wofür ihr aber neben dem Besuch beim Schmied auch noch passende Orbs und das nötige Kleingeld benötigt). Die verschiedenen Waffen sind nicht nur Kosmetik, sondern haben durchaus Relevanz. Die Waffen haben unterschiedliche Eigenschaften (z.B. ist der Bogen eine Fernwaffe, während ihr mit dem Schlagring nahe an den Gegner ran müsst) und sind auch in der Interaktion mit der Umwelt für unterschiedliche Dinge einsetzbar (so kann man sich mit der Peitsche über Abgründe schwingen und nur mit Schwert oder Axt gewisser Hindernisse wegräumen). Ist eine Spezialisierung auf eine Waffe schon deshalb nicht sinnvoll, zahlt sich regelmäßiges Wechseln auch deshalb aus, weil ihr nur dann in der Benutzung einer Waffenart besser werdet, wenn ihr mit ihr kämpft.

Du bist nicht allein

Zweitens: Ihr seid nicht lange allein unterwegs, sondern bekommt zwei Begleiterinnen zur Seite gestellt, die wahlweise von der KI oder auch von Mitspielern übernommen werden können. Zweiteres macht am meisten Spaß, ist aber nur gemeinsam vor einer Konsole oder dem PC möglich – ein Online-Modus wurde nicht eingebaut, ist aber gerade bei diesem Spiel verschmerzbar. Mit anderen Spielern umgeht ihr auch so manchen KI-Aussetzer, durch den Teile eurer Party einfach mal an der Landschaft hängen bleiben.

Und drittens: Die beiden Mädchen sind nicht einfach nur zur Verstärkung da, sondern können auch Magie wirken, sobald ihr die passenden Elementargeister gefunden habt. Auch diese Geister müssen durch regelmäßigen Gebrauch gelevelt werden. Das sollte auf dem Weg durch die – übrigens nicht übermäßig lange – Story allerdings fast von selbst gehen, so ihr nicht völlig auf die Möglichkeiten, die euch die Zauber bieten, verzichtet.

Pfad 2: Der Klassiker-Kenner

Ihr kennt Secret of Mana noch aus den 90ern? Dann wisst ihr vermutlich genau, was euch spielerisch erwartet, und interessiert euch vor allem für die Neuerungen. Die wohl augenscheinlichste Veränderung ist die Grafik: Statt auf 2D-Pixeloptik zu setzen, hat man Gegner, Charaktere und Umfeld in 3D realisiert. Der Stil wurde halbwegs getroffen, dennoch bleibt der alte Pixelcharme auf der Strecke (wer will, kann direkt vergleichen, denn die einblendbare Minimap  zeigt die Umgebung im alten Stil) – leider kann man anders bei der ebenfalls überarbeiteten Musik nicht auswählen, ob man die alte oder neue Optik haben möchte.

Grafisch bleibt auch der schale Beigeschmack, dass mehr möglich gewesen wäre. Technisch hätte man wohl alle Plattformen mehr fordern können, so spart man Polygone und sogar Animationen, was besonders bei jenen Gesprächen auffällt, die nun zum Teil mit Close-Ups dynamischer gemacht wurden. Hier hat man sich sogar meistens die Mundanimationen erspart, was in Kombination mit der Sprachausgabe durchaus seltsam wirkt.

Mein Name ist … anders

Apropos Sprachausgabe: Auch hier hat man sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert, denn das, was aus den Boxen tönt, klingt sowohl in der englischen als auch der japanischen Sprachausgabe oft entweder unmotiviert oder übertrieben, schafft es aber nur selten, die goldene Mitte zu treffen. Eine deutsche Sprachausgabe gibt es nicht, wohl aber deutsche Texte. Hier wartet aber für jene, die das Spiel in den 90ern auswendig gelernt haben, die nächste Überraschung: Square Enix setzt auf eine neue Übersetzung, weitab von bekannten Formulierungen und Eigennamen. Ja, diese sind näher am Original und die neuen Eigennamen passen besser zur Sprachausgabe, doch gerade bei einem Remake, das eindeutig auch Nostalgiegefühle erwecken soll, ist diese Entscheidung trotzdem schade.

Veteranen wird auch auffallen, dass der Schwierigkeitsgrad ein wenig verändert wurde. Gerade zu Beginn wurde der Einstieg leichter gemacht und dem Durchschnittsspieler meist lästiges Grinden erspart; gegen Ende des Spiels gibt es allerdings einige plötzliche Spitzen im Schwierigkeitsgrad. Dass es dennoch kaum frustig wird, liegt daran, dass nun regelmäßig automatisch gespeichert wird. Das hilft auch, die leider immer wieder vorkommenden Abstürze leichter zu verkraften.

Verbesserungen?

Autosaves sind nicht die einzigen Verbesserungen, aber vermutlich neben den Hotkeys, mit denen man sich den langen Weg durch die Ringmenüs für häufig benutzte Zauber sparen kann, die wohl nützlichste. Aber auch sonst gibt es ein paar Updates, die allerdings nicht allesamt perfekt durchdacht sind (der Übergang von der Acht-Wege-Steuerung auf eine analoge Steuerung führt vor allem in der Kombination mit einer nicht perfekten Kollisionserkennung dazu, dass man nicht immer sagen kann, ob man auch wirklich den Gegner trifft, den man treffen wollte), und einige Bereiche, die Verbesserungen brauchen hätten können, wo sie aber nicht geschehen sind.

Die KI haben wir schon erwähnt, aber auch eine Anzeige beim Händler, ob die neuen Rüstungsteile wirklich besser sind, wäre wünschenswert gewesen. Hier ist man vielleicht beim Wunsch, dem Original so nahe wie möglich zu kommen und nur behutsame Updates zu machen, nicht weit genug gegangen. Und das ist irgendwie auch das Fazit des ganzen Projekts „Secret of Mana Remake“: Unter den Präsentationsverbesserungen steckt im Großen und Ganzen das Spiel von damals – und einige verpasste Chancen.

Fazit

Wertung - 7

7

Das Original bleibt unerreicht

Beginnen wir mit dem Guten: Secret of Mana bleibt auch als Remake Secret of Mana. Die erfolgreiche Grundformel des Gameplays, dieser interessante Mix aus Legend of Zelda und Final Fantasy bleibt unangetastet und funktioniert noch heute. Warum ich dann nicht zu einer Top-Note greife und stattdessen von Mittelmaß spreche? Das liegt an zwei großen Themenkomplexen, die sich eigentlich widersprechen sollten: Den Veränderungen – und zu wenig Veränderung. Zu den Veränderungen gehört die Präsentation, die es nicht schafft, an das liebevolle Pixelflair des Originals anzuschließen, und sich noch dazu Fehlgriffe erlaubt. Wenn ich schon die Zwischensequenzen mit Close-Ups ins Heute hole, sollte ich dann nicht dafür sorgen, dass es zumindest Mundanimationen gibt? Warum wurde so manche Animation, wie das Schwingen mit der Peitsche, nicht mit heutigen Möglichkeiten verbessert? Warum wurde nicht in bessere Sprecher investiert? Und war es wirklich eine gute Entscheidung, die beliebte deutsche Übersetzung abzuwandeln? Das sind Fragen, die wir uns beim Test stellen mussten. Auf der anderen Seite stehen die eben nicht erfolgten Verbesserungen, vor allem bei der KI, aber wie schon erwähnt auch in den Shops. Immerhin hat man den etwas umständlichen Ring-Menüs, die zum Flair des Spiels dazugehören, mit den Shortcuts ein paar kleinere Verbesserungen geliefert. Auch das automatische Speichern ist eine gute Idee, die auch kürzere Sessions erlaubt. Gesamt gesehen macht Secret of Mana trotz seiner Fehler noch immer Spaß, was für das geniale Gamedesign von damals spricht. Einen wirklichen Grund, warum man statt dem SNES-Original (immerhin ja auch auf der Virtual Console oder dem SNES Mini verfügbar) das Remake spielen sollte, bleibt man uns allerdings irgendwie schuldig.

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Genre: Rollenspiel
Entwickler: Square Enix
System: PS4, PC, PS Vita
Erscheint: Erhältlich
Preis: ca. 40 Euro

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Florian Scherz

Bereits früh entwickelte Florian zwei große Leidenschaften: Videospiele und Theater. Ersteres brachte ihn zu einem Informatikstudium und zu Jobs bei consol.MEDIA und Cliffhanger Productions; zweiteres lässt ihn heute (unter anderem) als Schauspieler, Regisseur, Komponist und Lichtdesigner arbeiten. Wenn er gerade keine Musicals inszeniert, spielt oder schreibt, vermisst er auf Shock2 Videospiele von anno dazumal in seiner Blog-Reihe "Spiele, die ich vermisse".

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