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Review: Overwatch

Nach wenigen Stunden hat man in Overwatch alles gesehen. 21 spielbare Charaktere, zwölf Maps, vier Spielmodi. Blizzard Entertainments erster Online-Shooter mag auf den ersten Blick nicht sonderlich umfangreich wirken, dieser „Makel“ verblasst aber angesichts des exzellenten Spieldesigns, der leichten Zugänglichkeit, viel Spieltiefe und der ganz besonderen Blizzard-Magie.

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Das Herzstück des Spiels sind die 21 grundverschiedenen Charaktere. Egal, ob man sich als Bastion in einen Geschützturm verwandelt und Gegner mit der eingebauten Gatling Gun dezimiert, das gegnerische Team als Tracer zur Verzweiflung treibt, mit Pharah die Feinde mit Raketen bombardiert oder als Cyborg-Ninja Genji an Wänden hochklettert und Shuriken in die Richtung anderer Spieler schleudert: Jeder Held spielt sich komplett einzigartig. Obwohl die Charaktere grundsätzlich den Klassen Offensiv, Defensiv, Tanks und Supporter zugeteilt werden, unterscheiden sich selbst Helden in derselben Kategorie drastisch voneinander. So einzigartig die Recken auch sind, müssen sie zu einem sechsköpfigen, ausbalancierten Team zusammengestellt werden. Ein solches besteht im Idealfall aus einer guten Mischung aller vier Fokussierungen und einem Sniper. Die Scharfschützen-Auswahl ist derzeit aber auf die französische Femme fatale Widowmaker und den Bogenschützen Hanzo beschränkt. Funktioniert eine Teamkombination wider Erwarten nicht, kann auch während einer Partie jederzeit der Charakter gewechselt werden. Ist ein gegnerischer Held also besonders lästig, kann ganz einfach ein direkter Konter gewählt werden, um die Gewinnchancen aufzubessern.

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In Overwatch ist es nicht wichtig, mit wie vielen Kills man sich am Ende eines Matches rühmen kann. Viel bedeutender ist das Erreichen der Spielziele und die Unterstützung des Teams. Tracer beispielsweise besitzt nur wenige Lebenspunkte, kann das gegnerische Team hervorragend stören und ablenken, während ihre Kollegen einen Zielpunkt einnehmen. Aufgrund dieser starken Teamfokussierung verzichtet Overwatch auf Konventionen wie Team Deathmatch oder Deathmatch. Zum Launch stehen vier verschiedene Modi zur Verfügung: Angriff (die Angreifer müssen zwei Zielpunkte einnehmen), Eskorte (die Angreifer müssen einen Frachtwagen über die Karte eskortieren), Kontrolle (beide Teams müssen ein gemeinsames Ziel erobern und halten) und eine Kombination aus Angriff und Eskorte (zuerst einen Zielpunkt einnehmen, anschließend einen Lastwagen eskortieren). Die Varianz scheint auch hier eingeschränkt, was aber durch die vielen Helden entschärft wird. Zudem dauert eine Partie in der Regel maximal angenehme zehn Minuten.

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Jeder Spielmodus kann auf drei Maps gespielt werden, die ausschließlich auf den jeweiligen Modus ausgelegt sind. Das schränkt die Abwechslung ein wenig ein, bedeutet aber auch, dass die Karten perfekt auf die entsprechenden Modi abgestimmt sind. Die liebevoll gestalteten Schlachtfelder führen an Orte auf der ganzen Welt wie Russland, London, Ägypten, Hollywood, Nepal, China und Japan. Sie funktionieren für verschiedene Charaktere ganz unterschiedlich. Manche Pfade und Plattformen sind nur für Helden zugänglich, die diese mit gewissen Fähigkeiten wie einem Jetpack oder Enterhaken erreichen können. Die Charakterwahl ist also auch davon abhängig, welche Möglichkeiten die jeweilige Map bietet.

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Blizzard-typisch wurden sämtliche Spielelemente einem rigorosen Feinschliff unterzogen. Das schnelle Spielgeschehen ist dank des sauberen Grafikstils zu jeder Sekunde klar lesbar, die Framerate liegt auf den Konsolen bei konstanten 60fps, die Charaktere spielen sich flüssig und auch beim Balancing hat das Studio ganze Arbeit geleistet. Mängel muss man mit dem Mikroskop suchen, zumindest einer ist aber vorhanden. Wählt ein Spieler in der Charakterauswahl keinen Helden, startet das Spiel trotzdem, was im schlimmsten Fall zu einem inaktiven Spieler im Team führt. Dieser wird nach kurzer Zeit zwar aus dem Spiel entfernt, der Start muss aber mit Handicap bestritten werden.

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Abgesehen von den 21 Charakteren bietet Overwatch ein eher überschaubares Paket, das in Zukunft aber erweitert werden soll. Ein Ranglisten-Modus winkt in Bälde und auch zusätzliche Karten und Helden verspricht Blizzard – und das ganz ohne Season Pass. Im Gegenzug können Lootboxen mit Echtgeld erworben werden. Diese enthalten zufällige kosmetische Boni wie Siegerposen, Sprüche und Skins. Kostenlos gibt es eine Lootbox pro Levelaufstieg. Diese Mechanik ist eindeutig an die Boosterpacks in Hearthstone angelehnt und setzt leidenschaftliche Sammler mit über 50 freischaltbaren Boni pro Charakter(!) unter Druck, auch echte Währung zu investieren.

Review Overview

Wertung - 9.5

9.5

Home Run

Blizzards erster Shooter trifft voll ins Schwarze. Zugänglichkeit, gleichzeitig enorme Spieltiefe, viel Feinschliff, tolle Charaktere und der ganz eigene Blizzard-Feenstaub machen Overwatch zu einem Pflichttitel für Shooter-Fans. Der Spielumfang ist zum Start noch eingeschränkt, das Versprechen regelmäßiger kostenloser Content-Updates lässt aber eine lange Lebenszeit hoffen. Da nimmt man auch gerne die Free2Play-Philosophie hinter den Lootboxen in Kauf.

User Rating: 0.2 ( 2 votes)
Zweitmeinung von Michael
Nein, wir mokieren uns sicher nicht über die fehlende Solo-Kampagne oder den „hohen“ Preis. Overwatch liefert genau das, was wir erwartet haben: einen reinrassigen Team-Shooter, der eigentlich komplett 08/15 sein sollte, dies aber nicht ist, weil neben den Standardzutaten die bekannte Blizzard-Magie zum Einsatz kommt. So wurden viele Spielmechaniken auf den ersten Blick vereinfacht, auf den zweiten Blick aber vor allem eingängiger gemacht, ohne Tiefgang und Herausforderung aus den Augen zu verlieren. Habt ihr eine passende Gruppe gefunden, in der sich die Fähigkeiten der Spieler bzw. Charaktere ergänzen, entfaltet das Spiel sein ganzes Potential und liefert euch ein sehr intensives Shooter-Erlebnis, das mich noch einige Abende und Nächte fesseln wird. Nun ist es an Blizzard, auch das Contentversprechen zu halten und dafür zu sorgen, dass Overwach über eine lange Zeit frisch und spannend bleibt.
searchGenre: Multiplayer-Shooter
Entwickler: Blizzard Entertainment
Erscheint: Erhältlich
Preis: ca. 60 Euro
System: PS4, Xbox One, PC, Mac

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3 Comments

  1. Wow. Lasst mich mal zusammenfassen:

    – keine Singleplayer Kampagne,
    – kein Coop
    – kein lokaler Multiplayer
    – kein Mod Support
    – genau 4 mickrige Modi
    – Server die auf 20 Hz Tickrate begrenzt sind
    – Fragwürdiges Matchmaking

    Aber für Herrn Urban kratzt es am perfekten Spiel.

    1. – Singleplayer-Kampagne ist kein Muss.
      – Für Koop ist das Spiel einfach nicht konzipiert. Ich sehe nicht, warum das schlecht sein sollte.
      – Kein lokaler Multiplayer? Es ist eben ein Online-Shooter.
      – Mods sind cool, nur kein Fixpunkt, der in jedem Spiel enthalten sein muss.
      – Die vier Modi sind nicht viel, dafür aber gut ausbalanciert. Und zusätzlicher Content folgt noch.
      – Die 20 Hz-Tickrate war bei meinen Spielen bisher kaum ein Problem bis auf ganz wenige Hooks von Roadhog. Aber klar, das könnte besser gelöst werden.
      – Das Matchmaking ist deshalb „fragwürdig“, weil momentan nur die Schnellsuche verfügbar ist. In diesem Monat kommt noch der Ranked-Modus.

      Deine Erwartungen an ein Spiel decken sich nicht mit dem was in Overwatch geboten wird, das ist völlig in Ordnung. Fast alles was das Spiel machen will, schafft es meiner Meinung nach hervorragend. Und das ist dieser Text eben. Eine Meinung. Und Geschmäcker sind ja zum Glück verschieden 🙂

      1. Ja klar, die Wertung ist letztendlich natürlich immer subjektiv und Erwartungsabhängig.

        Was mich aber trotz dessen an der hohen Wertung stört, ist das du dem Spiel damit kaum Verbesserungspotenzial einräumst. Ich mein, was ist denn wenn im Laufe der Zeit Blizzard nach und nach die ganzen von mir bemängelten Features einbauen würde? Da bleibt doch mit 0.5 Punkten kaum Platz um dem Rechnung zu tragen.

        Oder um es anders auszudrücken: Was wäre wenn Overwatch 2 rauskäme und plötzlich ähnlich viele Features anbieten würde wie zum Beispiel ein Call Of Duty ohne Qualität einzubüßen?

        Deshalb ist es meiner Meinung nach fragwürdig so leichtsinnig mit nahezu perfekten Wertung hausieren zu gehen.