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Review: Nioh

Der Name William Adams ist euch vermutlich nicht auf Anhieb ein Begriff. Als erster englischer Seefahrer reiste er im 16. Jahrhundert nach Japan. Als Berater von Shogun Tokugawa Ieyasu blieb er dort bis zu seinem Tod und wurde als erster Europäer in den Rang eines Samurai gehoben. Sein Leben diente als Vorlage für James Clavells Erfolgsroman Shogun (1975) und die gleichnamige TV-Serie mit Richard Chamberlain (1980). Auch die Figur des Adam Monroe aus der US-amerikanischen Fernsehserie Heroes beruht auf Adams Geschichte. 2017 dient Adams Leben abermals als Grundlage, diesmal für Team Ninjas Action-Rollenspiel Nioh. Das neue Werk zieht auch Inspiration von den japanischen Filmklassikern Lone Wolf & Cub von Kenji Misumi (1972) und Yojimbo von Akira Kurosawa (1961). Zudem basiert die Handlung auf Kurosawas unvollendeten Drehbuch des 2005 eingestellten Films Oni. Wie Nioh-Director Fumihiko Yasuda angab, wurde die Entwicklung stark von Blizzards Diablo und Gearbox Softwares Borderlands beeinflusst. Addiert man eine Portion Ninja Gaiden und Onimusha hinzu, bekommt man einen guten Eindruck vom fertigen Spielkonzept.

Nioh spielt im feudalen Japan des 16. Jahrhunderts. In einer fiktiven Version der Sengoku-Zeit, als sich Japan vor dem Aufstieg des Tokugawa-Shogunats in einem Bürgerkrieg befand, erreicht der Seefahrer William die Küste Japans. Auf der Suche nach seinem Feind Edward Kelley wird Williams von dem Samurai Hattori Hanzō angeworben, um seinem Herrn Tokugawa Ieyasu im Kampf gegen dessen Feinde und den mächtigen Yokai zu helfen.

Dark-Nioh-Souls
Eine weitere große Inspiration ist From Softwares Souls-Reihe. Neben dem gleichen erbarmungslosen Gameplay haben sich die Entwickler an zahlreichen weiteren Elementen aus der Souls-Formel bedient. An den Schreinen, die ähnlich dem Leuchtfeuern als Speicherpunkt fungieren und im Gegenzug auch hier bereits erledigte Feinde wieder auferstehen lassen, könnt ihr eure Attribute wie Stärke, Geist, Ausdauer, etc. erhöhen. Dadurch steigert ihr nicht nur eure Konstitution, sondern verbessert auch den Umgang mit den unterschiedlichen Waffen, Ninjutsu-Fähigkeiten oder Magie. Ihr solltet euch schon früh für einen Stil bzw. zwei oder drei Attribute für das hochleveln entscheiden. Hierfür benötigt ihr die Amrita, besondere Seelensteine, welche ihr von bereits gefallenen oder von euch getöteten Feinden erhaltet. Im späteren Spielverlauf könnt ihr an den Schreinen auch euren Schutzgeist wechseln. Die Schutzgeister, von denen ihr euch zu Beginn des Spiels noch für einen entscheiden müsst, verleihen euch unterschiedliche Fähigkeiten. So seid ihr mit Hilfe des Falken agiler, durch den Wolf stärker und durch den Hai wachsamer. Ist eure Amrita-Anzeige voll geladen, könnt ihr durch den Schutzgeist eure Waffe beleben. Eure Lebens und Ki-Anzeige wird in die Anzeige für die belebte Waffe umgewandelt und ihr seid für eine Zeit unverwundbar und stärker. Unterliegt ihr im Kampf, verweilt euer Schutzgeist an der Stelle eures Todes, und bewacht das liegen gebliebene Amrita. Dark Souls lässt grüßen.

Doch wer Nioh als plumpen Souls-Klon abstempelt, tut dem Spiel unrecht. Die Entwickler haben viele Elemente aufgegriffen und weiterentwickelt. Die Kämpfe gestalten sich weitaus schneller und taktischer als in From Softwares Vorlage. Auch in Nioh gibt es einen schnellen und einen langsamen (kraftvollen) Angriff. Zusätzlich könnt ihr eine von drei Kampfhaltungen einnehmen. Halte ihr die Waffe tief, könnt ihr pfeilschnelle Attacken aneinanderreihen, richtet mit Einzelattacken aber wenig Schaden an. In der hohen Haltung können ihr dagegen langsamere Treffer platzieren, doch der Effekt ist ungleich größer. Die mittlere Haltung setzt auf eine gute Balance aus Geschwindigkeit und Kraft. Natürlich verfügen auch eure Feinde über die Fähigkeit zur Kampfhaltung und es benötigt etwas an Übung diese zu deuten und entsprechend darauf zu reagieren. Das Haltungssystem benötigt zwar ein wenig Eingewöhnung, geht aber bald leicht und vor allem schnell von der Hand.

Etwas Eingewöhnung benötigt auch das Ki-System, bzw. die Ausdauer von William. Jeder Schlag oder Block verbraucht unterschiedlich viel eures Ki, das in Form einer grünen Leiste unter eurer Energieanzeige dargestellt wird. Durch die schnellen Kämpfe sinkt die Ausdauerleiste im Vergleich zu Dark Souls 3 deutlich schneller. Ist sie leer, muss William einen Augenblick verschnaufen und steht schutzlos da. Andersrum sind auch eure Gegner bei leerer Anzeige für einen Moment verwundbarer.

Ein schmaler Grat
Menschen und Yokai trennt nur ein äußerst schmaler Grat. Die rastlosen Seelen derjenigen, die von den Wirren des Krieges erfasst wurden, sind besonders gefährdet. Die Yokai sind Figuren des japanischen Volksglaubens und am ehesten mit Monstern oder Dämonen vergleichbar. Die meisten davon waren früher einmal selbst Menschen, sie leben im Schattenreich und stellen für William eine noch größere Bedrohung dar als menschliche Gegner. Im Yokai-Reich wird euer Ki wesentlich langsamer regeneriert und stärkt die sich darin befindenden Yokai

In den Levels verteilt findet ihr auch die Gräber gefallener Spieler. Ihr könnt diese wieder erwecken und ihre Geister zum Duell herausfordern. Hier habt ihr die Chance besonders gute Ausrüstung zu erlangen. Damit die Aktion nicht nach hinten losgeht, solltet ihr auf den Level der Verstorbenen achten. Wie ihr feststellen werdet, führen auch in Nioh mehrere Wege zum Ziel. Einige davon gestalten sich leichter begehbar, sind also mit weniger oder leichteren Feinden bestückt.

Choose your Weapon
Um euch der zahlreichen Feinde zu erwehren, dürft ihr auf eine Vielzahl an Waffen zurückgreifen: Katana, Doppelschwerter, Äxte, Speere oder sogar ein Kusarigama, eine lange Kette mit einem Gewicht und einer Klinge an den Enden. Neben den Nahkampfwaffen findet ihr in Nioh auch diverse Bogen und Flinten. Die Steuerung der Fernkampfwaffen geht leicht von der Hand und es ist äußerst ratsam sie auch einzusetzen. Ein gut gezielter Kopftreffer entledigt euch der meisten kleineren Gegner mit nur einem Schuss. Zusätzlich erlernt ihr die Fähigkeiten Ninjutsu und Omnyo-jutsu. Mit Omnyo-jutsu könnt ihr eure Waffen mit diversen Zaubern belegen und auch ein paar Sprüche effektiv im Kampf einsetzen. Ninjutsu befähigt euch dazu Shuriken, Rauchbomben, Gifte und andere Attentäter-Skills einzusetzen.

Du bist nicht allein
Mit Hilfe eines Ochoko-Bechers, der anderorts für Sake benutzt wird, könnt ihr am Schrein einen menschlichen Mitstreiter rufen. Dieser erscheint als Phantom in eurer Welt und bleibt so lange bei euch bis er entweder stirbt oder ihr ihn zurücksendet. Zu zweit fällt euch das vorankommen natürlich leichter, und selbst größere Yokai stellen im Duett kein Problem dar. Besonders hilfreich ist ein Mitstreiter in den Bosskämpfen, die am Ende jedes Levels auf euch warten. Wollt ihr selbst als helfende Hand in die Welt eines anderen Spielers reisen, könnt ihr das auf der Übersichtskarte tun, genauer gesagt über die Torii-Pforte. Hier könnt ihr ein Spiel für eine gewisse Mission eröffnen, nach einem Freunden suchen oder euch in eine Zufallsbegegnung begeben.

Altes Eisen?
Dem Spiel merkt man die lange Entwicklungszeit an. Vieles scheint auch auf einer PS3 möglich zu sein und hinkt den Grafikfeuerwerken der heutigen Zeit deutlich hinterher. Dennoch verfügt Nioh über ein stimmiges, teilweise auch beeindruckendes Artdesign und erinnert an eine Mischung Onimusha und Ninja Gaiden. Sowohl PS4 als auch PS4 Pro lassen einiges an Einstellungen zu. So könnt ihr euch zwischen Auflösung und Texturqualität wie auch zwischen 30 und 60 Bildern pro Sekunde entscheiden. Die grafischen Vorteile überwiegen im 30fps-Setup allerdings kaum. Auf der PS4 Pro sieht Nioh natürlich etwas knackiger aus, auch bekommt man hier eine höhere Auflösung bei 60fps. Ein großer Unterschied ist aber auch hier nicht auszumachen. Die Kollisionsabfrage, einer der Schwachpunkte der Souls-Reihe, funktioniert in Nioh weitaus besser. Ihr müsst hier keine Angst haben, dass euch Gegner durch Mauern und andere Hindernisse hindurch treffen können.

Review Overview

Wertung - 8.5

8.5

Was lange währt wird endlich gut. Zwar sieht man dem Spiel die sehr lange Entwicklungszeit an, doch Team Ninja hat hier ein rundes Action-RPG mit einem ausgeklügelten Kampfsystem und sehr viel Liebe zum Detail geschaffen. Frustresistente Spieler, die nach einem neuen Spiel in der Tradition von Dark Souls lechzen, dürfen zugreifen. Alle, die schon beim Gedanken an From Softwares Action-RPG die Nerven wegschmeißen, sollten auch um Nioh einen großen Bogen machen.

Genre: Action-Rollenspiel
Entwickler: Team Ninja
Erscheint: 8. Februar 2017
Preis: 70 Euro
System: PS4

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