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Review: Nioh Collection (PS5)

Kann sich Team Ninja's Diabloborne auch auf der Next-Gen Konsole behaupten?

Als Team Ninja im März letzten Jahres Nioh 2 veröffentlichte, erweiterte der Titel die bekannte Soulsborne-Formel in genau den Aspekten, die From Software bei seinem zuvor erschienenen Sekiro: Shadows Die Twice eher in den Hintergrund gestellt hat. Spezifisch in Bezug auf die Anpassungs-Möglichkeiten des eigenen Charakters konnte der Titel absolut brillieren, überragte bei weitem seinen Vorgänger und stellte damit eine grundsolide Füllung für eine relativ frisch entstandene Nische dar. Auch die Hardware der in die Jahre gekommenen PS4 wurde noch einmal ordentlich ausgereizt und so war der Titel durchaus ein heißer Anwärter auf den schönsten Genre-Vertreter seiner Zeit. Nun ein Jahr später durften sich Fans des Genres allerdings bereits an Blue Points fulminanten Remake von Soulsborne-Großvater Demon’s Souls sattsehen und auch Fernost-Enthusiasten bekamen mit Ghost of Tshushima eines der insgesamt stärksten Spiele des Jahres serviert. Kann sich da die kürzlich erschienene Nioh Collection mit ihren Remaster-Versionen von Nioh 1&2 überhaupt noch behaupten?

Nun in einem Punkt kann besonders Nioh 2 nach wie vor kein Genre-Vertreter das Wasser reichen: Die Selbstverwirklichung. So hat Blue Point zwar beispielsweise den Charaktererstellungs-Prozess von Demon’s Souls für das Remake vollkommen überarbeitet, schaffte es dabei aber gerade eben noch so nicht einen harten Stil-Bruch mit der restlichen Optik des Titels zu begehen. Nioh 2 hingegen bietet nicht nur nochmal tiefgreifendere Einstellungs-Möglichkeiten sowie die Option den Charakter jederzeit wieder zu verändern, sondern schafft es dabei sogar selbst bizarrste Kreationen gut in das Spiel eingebettet wirken zu lassen.

Wenn’s dir nicht gefällt, mach neu!

Ähnliches bei Waffen, Equipment und Fähigkeiten. Hat dein neues Schwert bessere Werte aber dein altes gefiel dir besser? Kein Problem! Die Optik aller Ausrüstungs-Gegenstände desselben Typs lässt sich beliebig austauschen, Werte können kombiniert werden und Dank der drei unterschiedlichen Stances und den komplexen Fertigkeiten-Bäumen, die jede der 11 Waffen-Gattungen mit sich bringt, lassen sich selbst mit schweren Waffen schnelle Schläge austeilen und vice versa.

Das ist ja ein ganzer Fertigkeiten-Wald!

Dies führt gleich zu einem weiteren Punkt indem Nioh 2 durchaus weiterhin seine Daseins-Berechtigung hat: Die Diversität des Kampf-Systems. Selbst wer sich auf nur ein bis zwei der mit Magie, Ninjutsus, Yokai- und Samurai-Skills satten 15 Fertigkeiten-Bäume des Spiels spezialisiert, bekommt am laufenden Band neue Fähigkeiten, Kombos und Stat-Boni serviert, die immer wieder merklich das Gameplay auflockern.

Abwechslung der anderen Art.

Hier unterscheidet sich der Titel also signifikant von den From Software-Games in denen es wohl nicht selten vorkommt, das Spieler mit derselben Waffen und den daran gebundenen Move-Sets das Spiel von Anfang bis Ende durchspielen. Zwar unterscheiden sich dafür die Gegner und Welten in den Soulsborne-Titeln merkbar stärker, dennoch weiß die schnell einsetzende Level- und Sammel-Sucht bei Nioh 2 auch nach Dutzenden Spielstunden noch zu fesseln und zu begeistern.

Ich hasse euch alle…. aber die Hilfe nehm ich trotzdem

Die so ineinander greifenden Systeme und Werte ermöglichen dadurch auch sehr kreative Kombinationen und erinnern damit fast stärker an klassische Dungeon-Crawler ála Diablo als an die typische Soulsborne-Formel. Auch die Möglichkeit zusätzlich zu tatsächlich menschlichen Mitspielern, einfach einen weniger invasiven NPC-gesteuerten Klon derer Charaktere zu beschwören, setzt den Titel sicher für so manche von seinen geistigen Vorlagen ab.

Das ist remastered?

Hiermit Enden aber leider schon die Punkte in denen sich Nioh 2 noch von der direkten Konkurrenz absetzen kann. So liegen auch bei der Remastered-Version auf der PS5 Welten zwischen dem Titel und dem bis in kleinste Detail fein polierten Demon’s Souls-Remake.

Da ruckelts in der Kiste.

Während Demon’s Souls seine Spieler zwischen zusätzlichen optischen Details oder einer höheren Frame-Rate wählen lässt, teilt die Nioh Collection seine Modi nach Auflösung. Zusätzlich wird dann für entsprechende Geräte noch ein 120 Hertz Modus angeboten. Problem hierbei ist nur leider, dass es sowohl bei dem 4K, also aus dem 120 Hetz-Modus zu hässlichen Artefakten, springenden Schatten, verschwindenden Objekten und regelmäßigen Framerate-Einbrüchen kommt. Vor allem letzteres fällt bei einem stark Reflex-basierten Titel wie Nioh natürlich umso schwerer ins Gewicht. So bleibt man auf den normalen PS5-Modus beschränkt, der optisch in etwa dem visuellen Modus der PS4 Pro entspricht und daher auch zwar kein natives 4K unterstützt, aber immerhin stabile 60 FPS anbieten kann.

Welches war jetzt Next Gen?

Diese Aussicht präsentiert sich daher natürlich weit entfernt von den beiden wunderschön optimierten Modi von Demon’s Souls, die sich lediglich durch kleine optische Spielereien unterscheiden und dafür wahlweise an 30 oder 60 FPS festgeklebt werden. Dies fällt umso stärker ins Gewicht, da abseits von höher aufgelösten Texturen kaum etwas an Nioh 2 verändert wurde. Keinerlei Lichteffekte, Reflexionen, komplexere Geometrie oder ähnlich auffälliges wurden hinzugefügt und so können wirklich nur Auflösungs-Enthusiasten zwischen der visuellen Modus der PS4 Pro und der PS5-Version unterscheiden.

Etwas Rumpel die Pumpel.

Auch bei den Funktionen des DualSense-Controllers wurde nicht ganz so sauber gearbeitet wie bei den Kollegen von Blue Point. So wurden zwar haptisches Feedback nachgereicht und auch der Controller-interne Lautsprecher wurde verwendet, beides weiß aber nicht ganz so zu überzeugen, wie bei Demon’s Souls bei dem eine völlig neues Level an Immersion im Vergleich zum herkömmlichen Rumble-Feedback erreicht werden konnte. Zumindest die adaptiven Trigger bekamen eine solide Integrationen und sorgen für ein schönes Spann-Gefühl beim ziehen an der Bogensehne.

Highspeed Phönix

Die wohl bemerkenswerteste Änderung bezieht sich daher auf die Ladezeiten, welche selbst im direkten Vergleich mit einer auf der PS5 gespielten PS4-Version, bahnbrechend sind. Nach einem unverhofften Ableben, lässt sich das Spiel so unglaublich schnell wieder laden, dass der eigene Körper den gerade entstandenen Schock oft noch gar nicht ganz verdaut hat als der Charakter schon wieder auf dem Bildschirm erscheint. Diese unter drei Sekunden Ladezeit aus jeder Situation, sind natürlich vor allem für einen Titel wie Nioh eine wahre Bereicherung für Leib und Nevengerüst. Da Crossplay mit PS4-Spielern möglich ist, gibt es für Besitzer der PS4-Version so zumindest keinen Grund, nicht auf das gratis PS5-Update zurückzugreifen.

Wenn weniger einfach weniger ist

Die Nioh Collection enthält aber natürlich neben allen DLCs auch den ersten Teil der Nioh-Reihe. Dieser hat in den unterschiedlichen Modi der Remastered-Version mit weniger Framerate-Drops zu kämpfen dafür aber ein ganz anderes Problem. Während jeder von From Softwares Soulsborne-Titeln ähnlich wie die verschiedenen Ableger des Zelda-Franchise ihre Stärken und Schwächen haben, ist Nioh 2 tatsächlich einfach die logische Weiterentwicklung seines Vorgängers.

Zumindest lesenswert.

Das bedeutet zwar nicht, dass die Geschichte rund um den britischen Samurai William nicht auch seine Reize mit sich bringt, aber nahezu jeder Aspekt des Vorgängers wurde in Nioh 2 feingeschliffen, erweitert oder geradewegs verbessert. Wen die Geschichte interessiert oder wer den ein oder anderen Boss-Kampf nicht verpasst haben will, darf natürlich trotzdem einen Blick riskieren. Vor allem weil Nioh 2 auch nicht mit Anspielungen auf den Vorgängern geizt. Dank einer mehr als ausführlichen Ingame-Enzyklopädie, dürfen Spieler, die auf das abgerundete Design des Nachfolgers nicht mehr verzichten wollen, allerdings auch hier jederzeit problemlos alles Wissenswerte nachlesen.

Fazit:

Wertung: - 7

7

Next-Gen Update reicht

Nioh ist nach wie vor ein durchwegs reizvolles Spiel, das die Soulsborne-Formel in eine völlig neue und interessante Richtung gebracht hat. Dennoch ist argumentierbar, dass das Franchise erst mit Nioh 2 wirklich seine Mitte und Nische gefunden hat. Das bringt die Nioh Collection in eine komplizierte Situation. Zwar umfasst das gratis PS5-Update den ersten Teil nicht, da dieser seinem Nachfolger aber doch merklich hinterher hinkt, zahlt sich der Kauf der gleich-teuren, alleine stehenden Version kaum aus. Wer auch Nioh 2 nicht besitzt, dafür aber eine PS5 sein Eigen nennt, ist wiederum im Grunde besser mit Demon’s Souls beraten, da dieses nicht nur eine deutlich rundere Next-Gen Erfahrung, sondern auch einen angenehmeren Genre-Einstieg bietet. Wer das dann aber auch schon durch hat und bereit ist, für eine frische Erfahrung gewisse Abstriche in Sachen Optik hinzunehmen... ist meiner Ansicht nach immer noch besser mit mit dem alleinstehenden Nioh 2 - Remaster beraten, da es vor allem für Spieler, die noch keinen Kontakt mit dem Nioh-Franchise hatten, einfach einen angenehmeren Startpunkt darstellt und selbst ohne DLCs unzählige Stunden an Spielzeit geboten werden.

Genre: Action-RPG
Entwickler: Team Ninja
System: PS5
Erscheint: erschienen
Preis: ca. 80 Euro

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