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Review: Mittelerde: Mordors Schatten

J. R. R. Tolkiens Der Herr der Ringe-Universum hat sich spätestens mit Peter Jacksons großartiger Filmumsetzung des Fantasyklassikers fest in die Popkultur eingebrannt. Neben der überlangen Kinoversion von Der Hobbit zog das bahnbrechende Filmprojekt auch einige Videospiele nach sich. Überragende Qualität kann man nur wenigen davon unterstellen. Warner Bros. und Monolith Productions wagen mit Mittelerde: Mordors Schatten nun einen erneuten Versuch, die Fanboyherzen mit einem Spiel in Tolkiens Welt zu erobern.

Mittelerde Mordors Schatten 1
Dieser Uruk trägt den Namen Ratbag der Feigling. Sein einziger Wunsch ist es, Kriegshäupling zu werden.

Gestatten, Talion

Es ist kein Zufall, dass das Spiel nicht Der Herr der Ringe im Titel trägt. Die Geschichte ist zwar im Zeitraum zwischen Der Hobbit und Der Herr der Ringe angesiedelt, nimmt allerdings nur selten direkt Bezug auf diese Werke. Der Hauptcharakter wurde eigens für dieses Abenteuer erschaffen und trägt den Namen Talion. Er ist ein Waldläufer von Gondor, der das Schwarze Tor zu Mordor bewacht. Als Sauron zurückkehrt, werden die Verteidiger von Uruks (Orks) überrannt und niedergemetzelt. Talion, sein Sohn und seine Frau werden von der Schwarzen Hand Saurons bei einem Ritual geopfert. Statt das Zeitliche zu segnen wird Talion vom Tod jedoch verstoßen und an einen Elbengeist mit Amnesie gebunden. Der Elb entpuppt sich als eine bedeutende Figur im Der Herr der Ringe-Kanon, doch diese Überraschung wollen wir an dieser Stelle nicht verderben. Zusammen an einen Körper gebunden versuchen sie nun, den Fluch aufzuheben und Rache für Talions ermordete Familie zu üben. Das Rachemotiv klingt sehr verbraucht und das ist es auch. Die 20 Missionen umfassende Story ist äußerst unoriginell und bietet kein besonders ausgefallenes Aufgabendesign. Das ist allerdings gar nicht so fatal, denn sie bildet einen Rahmen für die spaßigste Aktivität, die das Spiel zu bieten hat: Uruks töten.

Mittelerde Mordors Schatten Tötung
Die Kämpfe gehen flott von der Hand – wie bei Batman, nur wesentlich blutiger.

Batman in Mittelerde

Das Kampfsystem funktioniert perfekt. Das liegt daran, dass es im Grunde 1:1 von den Batman: Arkham-Spielen übernommen wurde. Wie vom Dunklen Ritter gewohnt gibt es eine Angriffstaste und eine Kontertaste, ein Combosystem und die Möglichkeit, am Boden liegende Gegner auszuschalten. Da eine direkte Konfrontation bei zu großen Gegnergruppen jedoch schnell tödlich endet empfiehlt es sich, die Zahl der Uruks im Vorfeld durch Schleichattacken zu dezimieren. Diese funktionieren – übrigens genauso wie das Klettern – wie in Ubisofts Assassin’s Creed-Serie. Ganz nach dem Motto „Besser gut geklaut als schlecht selbst erfunden“ hat Monolith Productions diese Spielelemente kombiniert und daraus ein durchaus spaßiges Spiel gezaubert. Der Elbengeist sorgt außerdem dafür, dass eine Zeitlupe während dem Zielen mit dem Bogenaktiviert wird, um gezielt Kopfschüsse zu verteilen. Für Tiefe sorgen diverse Verbesserungen in zwei Skillbäumen (Waldläufer- und Geisterfähigkeiten) sowie Runen, welche Talions Waffen (Bogen, Schwert und Dolch) Verbesserungen bescheren. Gegner können nicht nur getötet, sondern auch durch Gedankenkontrolle beherrscht werden, wodurch man sich ein bisschen Unterstützung für einen Kampf sichern kann.

Mittelerde Mordors Schatten 2
Der Grog den diese Uruks trinken ist übrigens vergiftet.

Gegner aus dem Zufallsgenerator

Die einzige Innovation die das Spiel zu bieten hat ist das Nemesis-System. Es basiert im Wesentlichen auf einer bestimmten Rangordnung in der Uruk-Gesellschaft. Jeder Kriegshäuptling oder Hauptmann in der Hierarchie wird vom Spiel mit speziellem Aussehen sowie persönlichen Stärken und Schwächen zufällig generiert. So kann ein Uruk immun gegen Fernkampfangriffe sein, aber mit einem Schleichengriff sofort getötet werden – egal wie mächtig er ist. Fällt man jedoch im Kampf, wird der Mörder stärker und eventuell auch befördert – auch wenn es sich nur um einen ganz normalen Uruk ohne Rang und Namen handelt. Die KI der Gegner wird sich bei späteren Begegnungen daran erinnern und entsprechende Kommentare auslösen. Auch ist es möglich, dass zuvor vermeintlich getötete Uruks vom Kampf gezeichnet zurückkehren und Rache schwören. Das alles sorgt dafür, dass jeder Spieldurchgang anders ist und jedem Spieler ein anderes Erlebnis geboten wird.

Mittelerde Mordors Schatten Nemesis
Die als Silhouetten dargestellten Uruks müssen erst mithilfe von Informanten enthüllt werden.

Das Nemesis-System ist wahrlich das Herzstück des Spiels und sorgt für viele coole Momente, welche die langweilige Geschichte schnell vergessen machen. Zum Beispiel hatte ich mich in ein Uruklager eingeschlichen, in dem sich eine Zielperson aufhielt. Eine große Zahl der Uruks konnte ich ganz einfach mit dem Vergiften von Grog ausschalten, ehe ich mich der Zielperson – Ladbag dem Blutigen – widmete. Als dieser fast erledigt war tauchte ein zweiter Hauptmann auf, den ich allerdings durch einen gezielten Schuss auf einige explosive Fässer in Panik versetzen konnte. Am Ende konnte ich beide Uruks töten. Ladbag begegnete mir im späteren Spielverlauf übrigens abermals – mit Brandwunden im Gesicht.

Mittelerde Mordors Schatten 4
Die Tierwelt von Mordor ist nicht gerade streichelweich.

Schöne hässliche Uruks

Sofort ins Auge stechen die sehr unterschiedlich gestalteten Uruks, die trotz zufällig zusammengewürfelter Merkmale einen sehr stimmigen Eindruck machen. Da gibt es schmächtige, muskulöse, vernarbte, blutbefleckte und von Beulen übersäte Gegner, die sehr viel Persönlichkeit versprühen und der Welt die Illusion von Lebendigkeit verleihen. Die Umgebung selbst ist auf zwei große Karten aufgeteilt, die frei bereist werden können. Die eine ist trist wie man es von Mordor erwartet, die andere bietet wesentlich mehr Grün. Leider war es das auch schon mit der Abwechslung, da einzelnen Umgebungen an sich nicht besonders viele verschiedene Elemente bieten. Jedes Orklager und jede Ruine sieht grundsätzlich gleich aus und lässt eine eigene Identität vermissen.

Review Overview

Wertung - 8.5

8.5

Spaßige Uruk-Meuchelei

Die Entwickler von Monolith Productions bedienen sich schamlos bei anderen Spielen und ihren Mechaniken, kombinieren diese "geklauten" Elemente allerdings so gut, dass ein herrlich unterhaltsamer Urukjagd-Simulator dabei herauskommt. Das neuartige Nemesis-System ist eine tolle Erfindung, die in Zukunft wohl auch einige Nachahmer finden wird. Bei einem eventuellen Nachfolger würden wir uns zwar eine abwechslungsreichere Welt und eine bessere Kampagne wünschen, doch das Fundament weiß bereits zu überzeugen!

Genre: ActionMittelerde: Mordors Schatten - [PlayStation 4]
Entwickler: Monolith Productions
Erscheint: Erhältlich (PC, PS4 und Xbox One), 20. November 2014 (PS3, Xbox 360)
Preis: ca. 65 Euro (PS4, Xbox One), ca. 55 Euro (PS3, Xbox 360, PC)
System: PS3, PS4, Xbox 360, Xbox One, PC

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