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Review: Das Liberi-Projekt

Das Liberi-Projekt wurde im Jahr 2016 im Rahmen des alljährlichen Gratis-Comicbuch-Tags in einem eigenen Heft vorgestellt. Die kurze Reihe wurde von der deutschen Mangaka Tamasaburo geschrieben und gezeichnet.
Kurz nach dem Gratis-Comicbuch-Tag konnte man dann auch den ersten Band erwerben, doch trotz anders lautender Ankündigung, ließ der zweite Band auf sich warten und erschien erst zwei Jahre später, im Jahr 2018. Heuer kam schließlich der dritte Band heraus und schloss damit die Trilogie ab.

Das kann man auch über „Das Liberi-Projekt“ sagen | © Carlsen Manga

Glück im Unglück

In Das Liberi-Projekt folgen wir der Schülerin Kuruna auf einem Schulausflug in die Stadt Hiemistrem, als sie dort plötzlich von einem Sandsturm überrascht wird. Sie wird zwar von einem Jungen gerettet, dieser stiehlt ihr aber die Geldbörse mit einem für sie wichtigen Foto darin. Glück im Unglück also… Um den Jungen wiederzufinden, nimmt sie schließlich einen Sommerjob an – und trifft dabei tatsächlich wieder auf ihn und seine Freunde. Als erneut ein Sandsturm die Gruppe zu überwältigen droht, lernt Kuruna die übernatürlichen Fähigkeiten ihrer neuen Bekannten kennen…

Nach dem Lesen dieser Review dürfen alle nachhause | © Carlsen Manga

Antworten… welche Antworten?

Ein jahrhundertelang zurückliegender Krieg, mysteriöse, aber quirlige Charaktere, eine geheimnisvolle Organisation, die es längst nicht mehr geben sollte – der erste Manga beinhaltet genug Elemente, dass hier eine richtig gute Geschichte erzählt werden könnte. Oder aber das genaue Gegenteil passiert und man liegt hier voll daneben, weil die Auflösung zu banal ist oder auch weil zu wenig Zeit für eine kohärente Erzählung bleibt (da der Manga nur aus drei Bänden besteht).

Im Fall von Das Liberi-Projekt wurde ein dritter Weg gewählt – es wird einfach kaum etwas aufgelöst. Raum dafür hätte es sehr wohl gegeben, doch Tamasaburo hat sich wohl bewusst dagegen entschieden. Dies lässt uns mit gemischten Gefühlen zurück: Wir wurden zwar gut unterhalten, aber unzufrieden zurückgelassen. Das titelgebende „Liberi-Projekt“ („liberi“ ist das lateinische Wort für „Kinder“) lässt sich aus der Geschichte nur erahnen. Oftmals wird mit dem Element gespielt, dass die Hauptcharaktere (und damit auch die Leser) Antworten bekommen könnten, jedoch werden uns diese dann immer aus irgendeinem Grund verwehrt.

Kuruna wurde bestohlen… | © Carlsen Manga

Hierbei wirkt es, als sollten die drei Bände eigentlich Teil eines größeren Ganzen sein. Weitere Bände – egal, ob als Teil der Reihe oder als Spin-Off – würden wir sofort weiterlesen, jedoch muss es dann mehr Antworten als Fragen geben, um wirklich überzeugen zu können. So bleibt trotz Empfehlung dieser Mini-Serie unsererseits ein schaler Beigeschmack.

Detailverliebte Charaktere und leere Hintergründe – das ist „Das Liberi-Projekt“ | © Carlsen Manga

Von links nach rechts

Tamasaburo hat einen schönen, angenehmen Zeichenstil, dem etwas mehr eigene Note jedoch gut tun würde. Bilder, in denen eine schnelle Situation dargestellt werden soll, sind oft nicht eindeutig und werden erst in den darauffolgenden Panels klar aufgelöst. Die Hintergründe sind eher grob und einsam gezeichnet, die Welt wirkt sehr leer. Im Gegensatz dazu sind die Figuren detailverliebt – eine eindeutige Stärke des Mangas. Eine Besonderheit ist zudem, dass der Manga (klassisch europäisch) von links nach rechts gelesen wird.

Kuruna findet, wonach sie gesucht hat… | © Carlsen Manga

Fazit

Für Leser, die es mögen, viele Andeutungen ohne konkrete Auflösungen zu bekommen (und sich dadurch ihrer eigenen Vorstellungskraft bedienen müssen), ist diese dreiteilige Serie hervorragend geeignet.

Info
Seiten: 210 Seiten (Band 1)
Preis: 6,95 Euro
Autor & Zeichner: Tamasaburo
Verlag:
Carlsen Manga

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