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Review: Overlord

Overlord ist eigentlich eine japanische Roman-Reihe, die sich vor allem an Teenager richtet, in der Buchbranche auch „Young Adult Readers“ genannt. Aufgrund ihres Erfolges wurde die Geschichte sowohl für Manga als auch für Anime (läuft auf Netflix) adaptiert. Und das durchaus erfolgreich! Auf Deutsch sind bereits elf Bände erschienen sowie eine eigene Kurzgeschichten-Anthologie-Reihe. Grund genug, uns den ersten Band der Reihe einmal näher anzusehen.

Cover des ersten Bandes | © Carlsen Manga

Wenn der Abschied bevorsteht

Wir werden zu Beginn in Yggdrasil eingeführt, einem DMMO-RPG (Dive Massively Multiplayer Online Role-Playing Game), welches sich einst großer Beliebtheit erfreute. Die ehemals größte Gilde im Spiel, Ainz Ooal Gown, ist mittlerweile verwaist und nur der Gildenführer Momonga ist noch hier, um der Abschaltung der Server beizuwohnen. Als die Deadline jedoch verstreicht und die Welt von Yggdrasil überraschenderweise immer noch steht, stellt Momonga fest, dass er scheinbar in dem Spiel gefangen ist – mit Charakteren, die zuvor nur NPCs waren und nun eigenständig werden. Vielleicht muss Momonga aber auch erkennen, dass er die Grenzen des DMMO-RPGs längst überschritten hat?

Aller Anfang ist schwer

Der Beginn ist durchaus verwirrend. Wir lernen innerhalb einiger weniger Seiten viele Namen, ohne jedoch wirklich einen Bezug zu diesen aufbauen zu können. Auch die Charaktere, die wir dann im Laufe des Bandes kennenlernen, bleiben blass. Eine emotionale Bindung entwickelt sich nicht. Die Geschichte plätschert vor sich hin: Wir begleiten Momonga, wie er versucht, sich in seiner neuen Wirklichkeit zurechtzufinden und dabei (leider) Erklärbär spielt, ohne hiermit eine große Spannung aufbauen zu können.

Auch die eingeführten NPCs wissen nicht zu überzeugen. Zwar wird hier eindeutig der Versuch gestartet, eine bunte Truppe an Charakteren aufzubauen und zu etablieren, nur wird diesen nicht genügend Raum zur Entfaltung gegeben. Dies ist definitiv der größte Schwachpunkt des ersten Bandes – eine langsame, Nach-und-Nach-Einführung hätte dem Ganzen wirklich gut getan. Gleichzeitig ist dies somit die vielversprechendste Möglichkeit, warum die Serie in späteren Bänden doch noch Potenzial hat: Werden die Charaktere gut geschrieben und wird ihnen Raum zur Entfaltung gegeben, würde Overlord damit das Rad zwar nicht neu erfinden (siehe One Piece, Bleach, Blue Exorcist u.v.m.), könnte aber durchaus für amüsante, kurzweilige Unterhaltung sorgen. Die letzten beiden Seiten des ersten Bandes lassen dies zumindest erhoffen.

Momonga sieht furchteinflößend aus | © Carlsen Manga

Einführung mit dem Holzhammer

Wie bereits erwähnt, wird der Leser im ersten Band vor allem in die Welt des Mangas eingeführt. Dies ist leider nicht besonders gut geschrieben und sorgt eher für Langeweile. Für Irritation hingegen sorgen die Erklärseiten nach den jeweiligen Kapiteln, die uns DDMO-RPGs, Yggdrasil und viele weitere Details näherbringen sollen. Dies ist vielleicht dem Faktum geschuldet, dass der Manga auf einer Buchserie basiert, aber warum dies nicht im Rahmen des Mangas kohärent eingeflochten werden konnte, ist nicht ganz nachvollziehbar. „Show don’t tell“ ist nicht das Allheilmittel für alles, hätte aber in diesem Fall definitiv nicht geschadet. Auch die Witze, die dem Leser eigentlich zu einem Dauerschmunzeln anregen sollen, wollen zumeist einfach nicht überspringen.

Und dann wäre da noch die Sache mit den Brüsten…

Overlord hat einen durch und durch routinierten Manga-Zeichenstil (und wir meinen das im besten Sinne). Hugin Miyama hat hier eine solide Leistung abgeliefert, vor allem die Charaktere sind sofort voneinander unterscheidbar – unerlässlich bei einem ersten Band, bei dem in kürzester Zeit eine solche Vielzahl an Figuren eingeführt wird.
Die absolut überdimensionierte Größe der Brüste von fast allen weiblichen Charakteren ist etwas, dass wir nicht unbedingt notwendig finden, sich aber leider in diesem Genre offenbar hervorragend etabliert hat (siehe auch hier die bereits oben genannten Beispiele). Die Szene, in der Momonga die Brust einer dieser Charaktere quetscht, um sich zu versichern, dass er im Spiel gefangen ist, hätte allerdings wirklich nicht sein müssen.

Was es wohl damit auf sich hat? | © Carlsen Manga

Fazit

Der erste Band von Overlord bleibt blass und erklärt nicht den Erfolg dieser Serie. Die Witze, die bei einem Anime wohl gut funktionieren, wirken auf Papier zu statisch, die Geschichte entfacht keinerlei Interesse. Nur der Ausblick, dass mit den Figuren in zukünftigen Bänden vielleicht doch noch eine charmante Truppe aufgebaut werden könnte, lässt diesen Band nicht ganz in der Belanglosigkeit verschwinden.

Info
Seiten: 196 Seiten
Preis: 7,20 Euro
Autor: Kugane Maruyama
Zeichner: Hugin Miyama
Verlag:
Carlsen Manga

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