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Kolumne: Nintendo Labo – Das Wii Sports der neuen Generation?

Nintendo CEO Kimishima hat es über die letzten Monate immer wieder angedeutet. Nach einem erfolgreichen Start und Fokus auf die ältere Zielgruppe, hat Nintendo nun neue Hardware für eine neue Zielgruppe angekündigt. Labo soll Kindern die Switch verkaufen. Mit Pappe. Und einem Hauch Magie.

Erst vorbereiten…

Im Nachhinein ist es interessant, wie vorsichtig Nintendo bei der Ankündigung von Labo war. Eine Woche vor Labo erschien eine Mini Direct. Ohne Ankündigung, mit Dark Souls. Aufgrund eines Leaks zündete die Überraschung zwar nicht ganz, trotzdem ist Dark Souls auf der Switch ein wichtiger Titel. “Darauf will ich Dark Souls spielen” dürfte einer der ersten Gedanken vieler Spieler nach der Enthüllung der Switch gewesen sein. Und doch verblasst der Titel im Schatten von Labo, wie die ganze Mini Direct selbst. Vielleicht erwarteten sich manche Spieler Titel wie GTA V oder Kingdom Hearts 3, vielleicht sind manche jetzt schon etwas genervt von den Ports wie Donkey Kong Country Tropical Freeze oder Hyrule Warriors. Nintendo hat ganz kalkuliert die Direct ohne Ankündigung veröffentlicht, um die Erwartungshaltung nicht ins Unermessliche ansteigen zu lassen, was aufgrund der Natur des Internets aber natürlich nicht funktionierte. Es folgte eine Woche voller “ich fand die Direct ok” und “das war’s schon?”.

…und dann überraschen

Doch dann folgte eine Ankündigung einer Ankündigung. Keine Direct, sondern etwas Anderes. Nintendo-Kenner wussten, so ein Brimborium macht der Konsolenhersteller nur für große News. In diesem Fall Hardware. Labo heißt das neue Produkt/Konzept die neue Plattform, die Nintendo völlig überraschend und ohne Leaks ankündigen konnte. Labo ist Kreativität, Individualität, Craften, Lernen und Spielzeug. Und das aus Pappe. Es ist eines dieser Konzepte, die mit Worten schwer präzise zu erklären sind und selbst das Enthüllungsvideo sollte man öfter ansehen, um es zu verstehen. Und doch zündet es sofort. Und doch merkt man schnell, dass es sich bei Labo um etwas Besonderes handelt.

Typisch Nintendo

Labo ist typisch Nintendo. Es ist überraschend, hat absolut gar nichts mit den Trends der Videospielindustrie zu tun und einleuchtend zugleich. Nach der anfänglichen Überraschung folgt “warum erscheint das erst jetzt?”. Das denken nicht nur Spieler, auch Manager und Entwickler anderer Unternehmen kleben bei jeder Ankündigung Nintendos an den Bildschirmen und machen sich ähnliche Gedanken. Dass Labo aber von Sony oder Microsoft hätte kommen können, ist nur schwer vorstellbar. Pappe passt so gar nicht ins betont coole Image der PlayStation- oder Xbox-Marke. Pappe ist typisch Nintendo, denn sie ist günstig, reichlich vorhanden, jedem Spieler und Nicht-Spieler bekannt. Das Rad wird nicht wie bei Virtual Reality mit einer neuen, teuren und einschüchternden Technologie neu erfunden. Stattdessen nimmt Nintendo etwas Vorhandenes und transformiert es in etwas Neues. Für die Videospielindustrie zumindest. Elektronisches Spielzeug, Basteln und Pappe sind natürlich nichts Neues. Dass sie so zusammen mit einer Videospielkonsole funktionieren, Kreativität und das Lernen fördern, ist das Besondere an Labo.

Goldgrube Pappe?

Doch wie reagiert der Markt? Wird Labo das Wii Sports dieser Generation werden? Die ersten Reaktionen sind positiv. Das Video schoss in die YouTube Trends und konnte in wenigen Tagen schon über acht Millionen Views sammeln. Zusammen mit Abrufen auf Facebook und anderen Plattformen dürfte das Video weit über zehn Millionen Views generiert haben. Das ist viel mehr als die Mini Direct die Woche zuvor. Den Aktionären gefällt Labo auch, was wenig überrascht. Der Aktienkurs stieg an und fügte dem Unternehmen mal eben über eine Milliarde US-Dollar an Marktwert hinzu. Mit Pappe. Besonders spannend dürfte die Reaktion derer sein, die das Wort Labo noch nicht gehört haben. Wenn Nintendo of America COO Reggie Fils-Aimé nämlich bei Good Morning America zu Gast ist und einen einfachen Job haben wird. Kreativität, Lernen und Spaß in einem Paket? Das kann nur gut ankommen. Besonders aktuell, wenn sich immer mehr Leute auf etwas Handfestes zurückbesinnen, keine Lust mehr nur auf Tablets, Apps und Smartphones haben, Malbücher für Erwachsene und Basteln generell immer beliebter werden.

Offene Fragen

Bei all der Genialität gibt es aber trotzdem Fragezeichen. Wie beständig ist die Pappe überhaupt? Das Papp-Piano mag noch so hübsch aussehen, wenn es keine Woche in Kinderhänden aushält, kann die Bastelei schnell ihren Reiz verlieren. Wie umfangreich sind die Spiele überhaupt? Für Labo sind aktuell zwei Pakete angekündigt. Das Multi-Set mit einigen Spielereien wird wohl auch das sein: eine Spielerei. Mit dem werbetechnisch genialen Piano, einer Angelrute und anderen Spielereien. Das kostet mit 70 Euro nicht wenig, aber das gemeinsame Basteln und Spielen mit dem ersten Labo-Aha-Moment dürfte vielen Kunden das Geld wert sein. Mehr zu beweisen hat das Robo-Set, das ein Spiel für 80 Euro verkaufen möchte. So genial der Roboteranzug aus Pappe auch sein mag, bei 80 Euro ist die Erwartungshaltung an das Spiel erwartungsgemäß hoch. Generell düfte einigen durchaus interessierten aber vielleicht nicht perfekt in der Zielgruppe befindenden Spielern die Preise zu hoch sein. Hier gehen Sprüche wie “70 Euro für etwas Pappe”-Sprüche natürlich komplett an der Realität vorbei. An Labo haben viele Leute gearbeitet, die Entwicklung der Software kostet auch Geld, gute Pappe ist auch nicht günstig. Es stellt sich aber auch die Frage, wie viele Kunden für Labo eine Switch kaufen werden. Knapp 400 Euro sind nicht wenig Geld und haben wenig mit dem Phänomen Wii Sports für 250 Euro zu tun.

Labo an sich mal außen vorgelassen, die Reaktionen zeigen wieder ein typisches Problem Nintendos auf. Die einen finden es genial, die anderen fühlen sich aus irgendeinem Grund benachteiligt. Dass ein Unternehmen nicht immer nur Produkte für einen selbst veröffentlicht, sollte einleuchten. Und doch ist es gerade bei Nintendo immer wieder zu beobachten, dass manche Fans da durchaus widersprechen. Nach Breath of the Wild, Odyssey, Xenoblade 2 investiert Nintendo wieder stärker in die junge Zielgruppe. Das ist richtig, ergibt marktwirtschaftlich Sinn und dürfte viele Switch-Konsolen verkaufen. Das wiederum macht die Konsole für mehr Entwickler interessant, was zu mehr Spielen führt. Auch wenn man gar nichts mit Labo anfangen kann, die positiven Auswirkungen wird jeder zu spüren bekommen. Und überhaupt, dass Nintendo zu Zeiten von Künstlicher Intelligenz, Virtual Reality und Mixed Reality mit so etwas Banalem wie Pappe so etwas Geniales wie Labo kreieren kann, sollte jeder Spieler wertschätzen können. Typisch Nintendo eben.

Nintendo Labo für Nintendo Switch ist übrigens ab sofort vorbestellbar.

Bei Einkäufen über einen Amazon-Link erhält SHOCK2 eine kleine Kommission. Es entstehen keine zusätzlichen Kosten.

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  1. Nik says:

    Ich bin begeistert! Als Vater kann ich es kaum erwarten Labo mit meinen Kids auszuprobieren. Als Gamer finde ich das Ganze so verrückt, dass es schon wieder genial ist. Ich bin vor allem gespannt, wie gut Labo in Verbindung mit der Technik der Switch und der Joy-Con wirklich funktioniert. Noch spannender finde ich, in welche Richtung sich das noch entwickeln wird. Ich sehe Labo auch weniger als Videospiel. Die Kombo aus Basteln, Anmalen, Technik und Game ist viel mehr.

    Die Direct Mini war schon allein wegen Dark Souls Remastert großartig!
    Praise the Sun!

  2. Gatar says:

    Es wird bestimmt erfolgreich aber an einen Wii Sports ähnlichen Hype glaube ich da nicht.

    Es wird ein nettes Gimmick bleiben wo hoffentlich nicht nur Nintendo selbst für neuen Bastelspaß sorgen wird.

  3. Nicht wundern, beim Einstellen ist Michael wohl die zweite Hälfte der Kolumne nicht aufgefallen. Da kommt noch mehr. :slight_smile:

  4. Also ich mochte die Wii-Steuerung und Kinect. Labo spricht mich überhaupt nicht an. Aber ich fand auch schon “Basteln / Werken” in der Schule doof :wink:

    Aber woher dieser Hype kommt, dass man sich gleich die Sets blind vorbestellt für 60+ Euro, kann ich wirklich nicht mehr nachvollziehen. Ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel …

  5. Nik says:

    Ich fand Basteln/Werken immer cool!
    Euro 60 für das Multipack gehen vermutlich schon in Ordnung. Wenn du die Bastel und Dekozeit + je nach Minispiel die Spielzeit einrechnest, werde ich und Kids sicher einige Stunden an Spielspaß haben, Preis Leistung sollte also passen. Vor allem wenn du schaust, was manch Kinderspielzeug heute kostet.
    Aber he, du musst Labo ja nicht mögen. Ist doch nur was für die „Kleinen“, (hust).
    :grin:

  6. Preise anschauen würde helfen :wink:

    Auch die viel gelobte Switch ist am Ende maßlos überteuert …

  7. Mir als Konsument egal. Mir geht es um Preis-Leistungs-Verhältnis. Ich kaufe mir wegen der Preispolitik von Apple auch keine Apple-Produkte.

    Und da sind wir auch wieder bei Labo: Labo auf den Markt bringen (was “ok” ist), während man auf der Switch immer noch keinen “vernünftigen Online Modus” hat. Kann man als Gamer auch kritisch sehen :slight_smile:

  8. Ifrit says:

    Sehe das wie @KirRoyal86. Als Kunde sind mir doch die Gewinnmarge egal. Da sehe ich die Preise von Sony, MS und Nintendo und ziehe einen Vergleich. Ihr schreibt ja zudem ständig wie viele Kohle Nintendo auf der hohen Kante hat. Also schlecht geht es denen nicht. Und wenn Karton - ich wiederhole, Karton! für 60-80€ über den Landentisch geht, ja dann fange ich Nintendo mit Apple zu vergleichen.

    Ein weiterer Grund sind die Spielpreise die so gut wie keinen Preisrutsch kennen. Oder die imo überteuerten Controller, oderdas die Switch - so viel Freude ich damit habe - weniger Power für mehr Geld liefert als die Konkurenz…Möglich dass das subjektive Wahrnehmungen meinerseits sind, das tut meiner Meinung aber auch nichts zur Sache. Denn dann stellt sich immer noch die Frage wie ich diesen Eindruck erlangen konnte…

  9. Ich sehe das wie @Ifrit … Die Games finde ich von den Preisen noch fair. Mario Odyssey oder Zelda BotW sind natürlich 60 bis 70 Euro wert.

    Aber wenn ich an die Konsolen, Amiibo oder auch an Labo denke. Finde ich immer um 33% die Preise zu hoch.

    @Konstantinos:

    Mir geht es bei Videospielen um eine ausgewogenes Preis-Leistungs-Verhältnis. Ich zahle gerne für einen guten Online-Service. Egal ob bei Nintendo, MS oder Sony.

    Als wir vor 10 Jahren die Diskussion hatten, ob man sich eine PS3 holen soll mit gratis-online-Gaming oder eine XBox 360 mit kostenpflichtigen online-Modus, habe ich mich auch für die XBox 360 entschieden, weil hier der online-Modus damals deutlich besser war.

    Und sind wir mal ehrlich: Nintendo lebt auch sehr von der “Marke Nintendo”. Hätte UbiSoft Labo zu den gleichen Preisen auf den Markt gebracht, würden alle schimpfen. Steht Nintendo drauf, wird es grundsätzlich mal vorbestellt.

    Und das erinnert mich eben an Apple. Die leben auch von der Marke. Wer würde 800 Euro für ein Smartphone bezahlen? Aber es ist von Apple! Dann bestellen wir es gleich mal vor oder kampieren zwei Tage vor dem Verkaufsstart vor einem Apple-Store.

    Daher verstehe ich diesen Hype um Labo nicht. Macht Nintendo ja gut mit ihren Videos, aber nachvollziehen kann ich den Hype nicht.

  10. Ifrit says:

    Das hat alles nichts damit zu tun das viele einen Kult drauss machen und so gut wie alles (auch zu WiiU Zeiten) von Nini in den Himmel preisen. Ebenfalls wie bei Apple. Es tun sich da imo einfach Parallelen auf die man nicht verleugnen kann.

  11. Ich merke, hier ist Diskussion doch etwas größer als Labo oder einzelne Spiele. Diese “Nintendo-Diskussion” wird ja nun schon seit Jahrzehnten geführt und ein Ergebnis wird es dazu eh nicht geben. Von daher.

    Richtig. Studios und Genres auch. AAA-Singleplayer-Spiele mit 8 Stunden Spielzeit wären sicherlich auch heute noch finanziell vollkommen akzeptabel, wenn viele sich die Spiele nicht als Playthroughs einfach im Internet ansähen oder auf den raschen Preisverfall warten würden.

  12. Kommt doch mal alle runter. Es ging bei der “Nintendo-Kritik” ja nur darum, dass man die Preispolitik teilweise mit der von Apple vergleichen kann. Wir haben auch bei Smartphones oder Tablets einen überschaubaren Markt und Apple hat die höchsten Preise. Genauso bei Nintendo im Videospiele-Bereich.

    Und natürlich lebt Nintendo von den Marken. EA lebt auch von Fifa, eine Marke die sie sich Jahrzehnte aufgebaut haben. Daran ist auch nicht falsch.

    Ich verstehe allgemein den ganzen Marken-Hype nicht. Hat mit Nintendo nichts zu tun. Ich habe mir auch ne PS4 gekauft. Den Hype um die Konsole Ende 2013 habe ich dagegen auch nicht verstanden. Was wir heute hypen, wird in fünf bis zehn Jahren entweder bei ebay verkauft oder verstaubt im Regal.

    Zurück zu Labo: Ich finde hier nur das angesprochene Preismanagement und den Hype darum gute Beispiele für die aktuelle Nintendo-Politik. Ist weder gut, noch schlecht. Wer Labo mag, soll es sich kaufen.

    Ich bin als Kunde über die Jahre einfach “etwas vorsichtiger geworden” und kaufe ungern die “Katze im Sack”. Wenn Nintendo ein neues Mario oder Zelda veröffentlicht, kann man es blind vorbestellt. Wenn 10 Vorgänger immer super waren, dann ist Teil 11 sehr wahrscheinlich auch toll …

    Labo ist was völlig neues. Da hätte ich als Fan zumindest die ersten Tests abgewartet. Ich kann Labo überhaupt nicht einschätzen. Auch nach den 180 Sekunden Trailer nicht.

  13. Ich hab es mal bestellt für 70€ is mal ned viel verhaut zur Not kann ich es ja zurück schicken.

    Aber ich glaub an Nintendo und bin mir sicher das es ein Erfolg wird.

  14. Nik says:

    Ja, das Angebot von immer gleichen Games und Genres. Mit PS360 kamen soviele Shooter auf dem Markt, besonders auf der 360, das mit gegen Ende schon das Gesicht einschlief, wenn ich auf die Releaseliste geschaut habe. Gleiches gilt für die unzähligen 0815 Thirdperson-Actiontitel. Danach kam der Openworld-Overhype, der auch meist das Shooter oder Thirdperson-Action-Genre bediente. Viele Genres, Kuriositäten und Spielideen verschwanden im Studio-Einkaufswahn der letzen 15 Jahre von EA & Co. Dazu kommt, das die japanischen Studios die HD-Generation verschlafen haben und von den westlichen Studios überrollt wurden. Da bin echt froh und dankbar, dass es Nintendo noch gibt und die ihre Genres weiter bedienen, oft halt mit äußerst kuriosen Ideen. Wo wäre denn zB. das Jump‘n Run-Genre heute ohne Nintendos Veröffentlichungen in den letzten 10-15 Jahren?

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