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Kolumne: IGN kauft Humble Bundle – Warum?

IGN kauft Humble Bundle. Warum?

Die Wertschöpfungskette

Die Antwort liefert wie so oft die Wertschöpfungskette; die Ankettung und Aneinanderreihung von Prozessen innerhalb des Wertschöpfungsprozesses.

Ein Redakteur schreibt einen Artikel. Dieser Artikel wird gedruckt. Die gedruckte Zeitung wird verkauft. Es entsteht ein Gut und damit Wert. Dieses Gut wird verkauft und damit werden Erlöse generiert.

Es gibt viele Formen von Wertschöpfungsketten und je nach Industrie sind diese unterschiedlich aufgebaut. Die Digitalisierung hat die Struktur der Wertschöpfungskette für sämtliche Medienindustrien revolutioniert. Ob nun Musiker, Videoersteller oder Spieleentwickler, dank der Digitalisierung hat sich der Prozess der Wertschöpfung radikal verändert. Waren Musiker vor einigen Jahren noch auf Plattenlabels und CD-Druck angewiesen, können sie mittlerweile die Kunden direkt über das Internet bedienen. Musik aufnehmen und verkaufen, das alles klappt heutzutage komplett ohne Zwischenhändler, sogenannte Intermediäre.

Diese Umformung der Wertschöpfungskette hat auch eine andere Veränderung losgetreten, ohne die das moderne Medienunternehmen nicht mehr vorstellbar wäre: die Konvergenz. Technologien und Branchen fließen ineinander. Plötzlich bieten Internetanbieter Medieninhalte wie Mediatheken, Videospiele und TV-Eigenproduktionen an. Das waren früher die zwei separate Branchen IT und Media. Nun sind diese zu ein und derselben Branche verschmolzen.

IGN, mehr als nur Reviews

Was genau hat das mit IGN zu tun? Wer bei IGN nur an Reviews denkt, liegt ziemlich falsch. IGN ist für viele Spieler ein zentraler Teil des Hobbys. Natürlich spielt die Kaufberatung in Form von Reviews dabei eine große Rolle, IGN dient aber auch als Katalysator für News, Trailer und Events in der Industrie. Während sich sehr involvierte Spieler ihre News direkt aus mehreren Quellen suchen, seien dies Blogartikel der Entwickler, Nintendo Direct-Videos oder der Sony PlayStation-Stream der eigenen E3-Präsentation, ersetzen sehr viele Spieler all diese Quellen mit nur einer Quelle: IGN. Aus diesem Grund befindet sich IGN.com vor EA, Sony, Nintendo, Microsoft und sämtlichen anderen Videospielpresseseiten im Alexa-Ranking. Mit 21 Jahren ist IGN eine der ältesten Seiten in diesem schnelllebigen Geschäft und hat sich als Marktführer etabliert.

Spieler sehen angekündigtes Spiel zum ersten Mal auf IGN, Spieler sehen Trailer auf IGN, Spieler sehen Review auf IGN, Spieler kaufen Spiel über den Humble Store.

So oder so ähnlich könnten sich die Verantwortlichen die Wertschöpfungskette vorstellen, die mit dem Kauf von Humble Bundle möglich ist. Natürlich lauten nun sämtliche Alarmglocken bei allen Spielern, und das sollten sie auch. Einflussnahme in Videospieltests ist immer ein heißes Thema, das durch eine solch integrierte Wertschöpfungskette nicht einfacher wird. So viel Sinn diese Abfolge auch ergeben mag, wie können sich Spieler da noch sicher sein, dass die Spiele fair getestet werden? Warum sollte IGN ein Spiel zu Grund und Boden kritisieren, wenn doch ein paar Schritte weiter in der Wertschöpfungskette eben dieses Spiel auch im Humble Store verkaufen möchte?

Humble diente in letzterer Zeit sogar vereinzelt als Publisher, wie soll diese Beziehung funktionieren? Hier werden IGN und Humble Bundle Fingerspitzengefühl beweisen müssen. Bestenfalls werden beide Unternehmen quasi parallel zueinander existieren ohne jegliche Einflussnahme IGNs auf Humble, was aber das Potenzial des Deals untergraben würde. Dieser Deal wäre nicht zustande gekommen, wenn sich die Verantwortlichen nicht mehr Gewinne dadurch erwarten würden. Jedoch sollten Spieler vorsichtig sein, auf wen sie mit dem Finger nun zeigen wollen. Verantwortlich für den Deal dürfte nicht IGN selbst gewesen sein. IGN gehört zum Mediengiganten Ziff Davis. Ziff Davis gehört zum Unternehmen j2 Global. j2 Global bietet Cloud-Dienste für Unternehmen und eben Medien an. Früher eine merkwürdige Kombination, mittlerweile Standard. Konvergenz lässt grüßen.

Ausblick auf die Zukunft?

Ja, dieser Deal wirkt merkwürdig. Er fühlt sich falsch an, denn es verschmelzen Grenzen, die eigentlich unzertrennbar sein sollten. Mag man zumindest denken. Denn in Wirklichkeit sind diese Grenzen schon vor langer Zeit verschmolzen. Offizielle Videospielmagazine waren und sind immer noch so ein Fall. Auf der einen Seite Werbung für eine Konsole machen, auf der anderen Seite Tests zu Spielen anbieten. Das ist ein Spagat, der durchaus gelingen kann, bei dem man als Kunde aber ständig ein mulmiges Gefühl hat. Auch der Deal zwischen IGN und Humble Bundle ist nicht neu. Vor einigen Jahren besaß IGN schon eine Verkaufsplattform für Videospiele namens Direct2Drive, verkaufte sie aber wieder im Jahr 2011. Dank der Kovergenz verschwimmen auch in anderen Bereichen Grenzen, so diente der Händler GameStop zum Beispiel auch als Publisher von Song of the Deep, einem Spiel des Entwicklerstudios Insomniac Games.

Neue Wertschöpfungsketten und die Konvergenz. Sie verändern alle Medienindustrien und damit auch die Videopsielindustrie. Wir sollten uns auf mehr solcher Deals einstellen, denn sie werden kommen. IGN und Humble Bundle werden nun der misstrauischen Spielerschaft beweisen müssen, ob sie den Spagat zwischen wirtschaftlicher Effizienz und Vertrauensaufbau hinbekommen können. Für Humble Bundle bedeutet der Deal mehr Ressourcen und damit womöglich höhere Geldbeträge für Spendenorganisationen. Aus diesem Grund wurde Humble Bundle überhaupt erst aufgebaut. IGN und damit Ziff Davis/j2 Global wird diesem Zweck sicherlich helfen, dürfte aber natürlich auch an der Marke interessiert sein. Spieler verbinden positive Emotionen mit der Marke Humble Bundle. Sei dies dem gemeinnützigen Zweck oder dem verlockenden Angebot von “bezahl soviel du willst” geschuldet.

Für PC-Spieler jedenfalls ist Humble Bundle seit 2010 nicht mehr wegzudenken. Stellt sich nur die Frage, ob oder wie sich das Markenbild nach diesem Deal verändern wird.

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