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Exklusiv-Interview: Bill Rosemann (Vice President & Creative Director bei Marvel Games)

Im Gespräch mit dem Mann hinter Marvel Ultimate Alliance 3: The Black Order, Marvels Avengers, Iron Man VR und Marvels Spider-Man!

Im Rahmen der E3 hatten wir die Gelegenheit, mit Bill Rosemann ein exklusives Interview zu führen. Rosemann arbeitet bereits seit 21 Jahren für Marvel – als Redakteur genauso wie als Autor und Creative Director. Er gilt als extremer Kenner des Marvel-Universums und so war es absoluter Glücksfall, dass ausgerechnet Bill Rosemann im November 2014 gefragt wurde, ob er von New York an die Westküste ziehen würde, um dort Marvel Games aufzubauen. Die Aufgabe der zunächst kleinen schlagkräftigen Truppe ist so einfach wie zugleich -so unglaublich schwierig: Dafür zu sorgen, dass Marvels Videospiele genauso wie die Filme der Marvel Studios im Kino etwas ganz Besonderes werden. Mit Marvels Spider-Man gelang das im letzten Jahr auf beeindruckende Art und Weise. Bill Rosemann stieg Anfang dieses Jahres zum Vice President auf und es ist bereits die nächste Welle an Spielen mit unterschiedlichen Partnern in Vorbereitung. Iron Man VR entsteht in Zusammenarbeit mit Sony exklusiv für PlayStation VR, Marvels Avengers mit Square Enix und das bereits am 19. Juli erscheinende Marvel Ultimate Alliance 3: The Black Order ist die erste Kooperation zwischen Marvel Games und Nintendo.

Marvel Ultimate Alliance 3: The Black Order war auch der konkrete Anlass für das Interview mit Bill Rosemann, das in einem Raum am Nintendo Stand in der West Hall des LA Convention Centers stattfand.

SHOCK2:
Sie arbeiten seit 21 Jahren für Marvel, das ist eine lange Reise.

B. Rosemann:
Ja, das ist mein 21. Jahr bei Marvel und ich klopfe sehr gerne auf dieses Fake-Holz hier, damit es so bleibt. Für viele Jahre habe ich direkt in New York City im Marvel Comic Verlag gearbeitet. Ich kam in den Verlag als Journalist, arbeitete dann als Texter für Kataloge und Werbetexte, wechselte ins Marketing, wurde Autor für einige Comic-Hefte und dann schließlich auch Redakteur, der einige Serien betreute. Zum Beispiel war ich als Editor für die modernen Guardians of the Galaxy verantwortlich. Ich nahm den Charakter Rocket Raccoon aus der „Marvel-Spielzeugbox“, und brachte ihn – mit anderen Charakteren wie beispielsweise Groot – zurück und zusammen. Damals haben sie alle über mich gelacht, aber hey, wir wissen was daraus wurde … Ich liebe  Rocket einfach! Das habe ich für einige Jahre gemacht, dann aber vor 5 Jahren, hat mein Boss das Marvel Games Team neu zusammengestellt und ich wurde eingeladen, ein Teil davon zu werden und an die Westküste nach Kalifornien überzusiedeln. Und jetzt bin ich als der Creative Director für alle Marvel Spiele, die bei unseren Partnern entstehen, verantwortlich.

SHOCK2:
Die ersten beiden Marvel Ultimate Alliance-Spiele kamen von Activision und wurden von Raven Software entwickelt, wie kam es zur Partnerschaft zwischen Marvel, Tecmo/Team Ninja und Nintendo?

B. Rosemann:
Viele fragen sich wohl: Warum kommt gerade jetzt Marvel Ultimate Alliance zurück? Als wir vor 5 Jahren gestartet sind,haben wir uns einige essenzielle Ziele gesetzt und diese auf einem Whiteboard festgehalten: Spiele, die wir unbedingt machen Wollten; Spiele, die wir zurückbringen wollten; und Partner, mit denen wir unbedingt zusammenarbeiten wollten. Wenn wir nach einem neuen Partner suchen, müssen einige Bedingungen erfüllt werden: Wir suchen Partnern, die unter anderem Talent und eine Vision mitbringen. Das ermöglicht es, dass sie etwas von sich in das Marvel-Spiel miteinbringen. Wir wollen mit Partnern zusammenarbeiten, die mit uns etwas Großes schaffen möchten, etwas, das es vorher so noch nicht zu sehen gab. Und das Wichtigste: Die Kreativen, die am Videospiel arbeiten, müssen Marvel lieben und mit Passion an die Sache herangehen, um für die Fans ein tolles Erlebnis zu schaffen. Nach dieser Liste gehen wir vor – und an der Spitze der Games, die wir unbedingt zurückbringen wollten, stand bei uns und bei vielen Fans Marvel Ultimate Alliance. Ein Freund erzählte mir von der Nintendo Switch und ihren Möglichkeiten, und wir sagten uns: „Das ist interessant!“ Und als wir dann noch erfahren haben, dass auch Team Ninja für die Entwicklung zu Verfügung stehen würde… (Rosemann klatscht laut in die Hände) wussten wir, dass jetzt die Zeit gekommen war. Wir haben mit Nintendo den perfekten Partner, mit Team Ninja ein Entwicklerteam, das auf gewaltige Action spezialisiert ist, und dann noch die Hardware von Nintendo Switch, die wie für dieses Spiel gemacht ist.

SHOCK2:
Das heißt, die Idee und die Initiative ging von Marvel Games aus?

B. Rosemann:
Ja, wir wollten Marvel Ultimate Alliance definitiv zurückbringen und Nintendo hatte Interesse und die Entwickler bei Team Ninja waren nicht nur verfügbar, sondern auch große Marvel-Fans. Hier kam einfach alles perfekt zusammen!

SHOCK2:
Mit Marvel´s Spider-Man für PlayStation 4 habt ihr doch auch das Marvel-Gamerverse gestartet?

B. Rosemann:
Nun, das ist der Name, den die Leute sich ausgedacht haben… (lacht) Wir selbst haben das nie so genannt. Unser Ziel zurzeit ist es, dass jedes unserer Spiele für sich alleine stehen kann. Und wir versuchen unseren Partnern möglichst viel kreative Freiheit zu lassen, damit sie mit unseren Charakteren ihr eigenes Spiel und ihre eigene Vision des Marvel-Universums schaffen können.

In den Gamer-Verse Comic Heften wird die Story der Marvel Videospiele erweitert.

SHOCK2:
Aber zumindest in den Comics gibt es doch schon das Gamerverse-Label und es gibt Comics zu Marvels Spider-Man.

B. Rosemann:
Oh, ja die gibt es und ich habe an ihnen gearbeitet. Gerade läuft Marvel’s Spider-Man: City at War, das die Handlung des Spiels noch einmal aus anderen Blickwinkeln beleuchten soll, und schon bald startet mit Marvel’s Spider-Man: Velocity eine Fortsetzung, die sich rund um den Velocity-Anzug aus dem Spiel drehen wird.

SHOCK2:
Sehen wir also bald auch Comics zu Marvel Ultimate Alliance 3: The Black Order?

B. Rosemann:
Das könnte durchaus sein, wir haben bis jetzt noch keine weiteren Gamerverse-Comics angekündigt. Aber ich rede laufend mit dem Chefredakteur von Marvel Comics C.B. Cebulski und dem Redaktionsleiter Mark Basso –  und natürlich schauen wir ständig, welches unserer Spiele sich für eine Erweiterung in den Comics eigenen würde. Ich würde es jedenfalls lieben, wenn wir auch ein Marvel Ultimate Alliance 3 Comic-Heft machen könnten. Das Spiel hat eine wirklich große Story.

Ich glaube ganz ehrlich, die Leute werden überrascht sein und gerade die unterschiedlichen Dialoge und Emotionen zwischen den Charakteren genießen.

SHOCK2:
Bleiben wir gleich bei der Story. Diese stammt von Marc Sumerak: ich glaube, Sie beide haben vor einigen Jahren eng zusammengearbeitet. Wie war es, wieder mit ihm zu arbeiten?

B. Rosemann:
Oh, ja! Mark und ich arbeiteten damals beide als Redakteure bei Marvel in New York und wir freundeten uns sehr schnell an. Mark war damals damals als Assistent für Tom Brevoort, dessen Büro zu dieser Zeit wahrlich das Zentrum des Marvel-Universums war. Sie arbeiteten an Serien wie den Avengers, Civil War und den Fantastic Four. Hier liefen viele Fäden zusammen. Später arbeiteten auch wir eng zusammen, als er Vollzeitautor wurde. Er begeisterte mich immer mit seinem unglaublichen und tief gehenden Wissen über das Marvel-Universum. Als wir für Marvel Ultimate Alliance 3: The Black Order eine Story suchten, die möglichst viele Marvel-Helden und -Feinde perfekt einfängt, und diese auch nicht Marvel-Fans auf eine schnelle und unterhaltsame Weise vorstellt, dachte ich mir „Mark wäre die perfekte Wahl für den Job“. Er war verfügbar und bringt so viel Leidenschaft und Humor in die Sache ein. Er schafft, es bei Helden den Kern perfekt zu treffen, unglaublich bei so einem großen Roster an Figuren. Wir haben bis jetzt 34 spielbare Charaktere angekündigt, das sind mehr Helden als bei den Vorgängern, selbst ohne die angekündigten DLCs. Also brauchten wir nicht nur jemanden, der all diese Helden kennt, sondern auch eine Geschichte schreibt, die dem Spieler schnell zu verstehen gibt, wer dieser Held ist, welche Beweggründe er hat und vor allem in welchem Verhältnis er zu den  anderen Charakteren steht. Ich glaube ganz ehrlich, die Leute werden überrascht sein und gerade die unterschiedlichen Dialoge und Emotionen zwischen den Charakteren genießen.

SHOCK2:
Die ersten beiden Games bauten auf existierenden Marvel Comic-Events auf. Warum ist man davon abgegangen, es gab in den letzten 10 Jahren doch einige gute Geschichten?

B. Rosemann:
Ja die Spieler bekommen hier eine komplett neue Geschichte. Wir denken, es gibt definitiv Spieler, die auch die ersten beiden Teile gespielt haben, aber genauso gibt es heute eine komplett neue Generation an Gamern. Deswegen wollten wir eine Story, die für alle zugänglich ist: für Hardcore Comic-Fans genauso wie für eingefleischte Spieler und all diejenigen, die lediglich die Marvel Kinofilme kennen. Ja, ich bin mir sicher, dass das Spiel auch einige richtige Nintendo-Fans kaufen werden, die einfach mit Spider-Man spielen möchten – unsere Story wird sie alle abholen. Natürlich gibt es die eine oder andere Inspiration von bestehenden Marvel-Storys, es gibt aber auch genauso viel Neues zu entdecken, wie man es so noch nicht gesehen hat. Wie bei einem Marvel Film soll hier jeder seinen Spaß haben. Eingeweihte Marvel Fans werden extra mit kleinen Insider-Referenzen angesprochen. Wir haben die Entwickler bei Team Ninja nicht nur mit der grundlegenden Story versorgt, sondern auch mit jeder nur möglichen Hilfestellung und Tonnen von Comics (lacht), damit sie sich die besten Dinge für ihr eigenes Marvel-Spiel herausnehmen konnten.

SHOCK2:
Das heißt aber auch, dass Marvel Ultimate Alliance 3: The Black Order einen komplett neuen Marvel-Kanon aufmacht, denn die ersten beiden Games hatten ja auch noch einen weißen Nick Fury?

B. Rosemann:
Genau, aber das passierte auch in den Comics. Dort ist es Nick Furys Sohn, der schwarz ist. Vor allem nach den Filmen eine ganz klare Entscheidung. Aber ja: Marvel Ultimate Alliance 3: The Black Order verfolgt nicht die gleiche Story wie die ersten beiden Games, beinhaltet aber natürlich viele Elemente aus S.H.I.E.L.D., Hydra, The Raft, Wakanda und vieles mehr.

Auf der E3 hatte Marvel Games nicht nur Marvel Ultimate Alliance 3: The Black Order im Gepäck. Bei Square Enix präsentierte Bill Rosemann das kommende Avengers Game.

SHOCK2:
Sie haben es schon angesprochen: Marvel Ultimate Alliance 3: The Black Order beinhaltet viele Charaktere. Avengers genauso wie einige X-Men oder Guardians of the Galaxy. Wer hat hier die Auswahl getroffen?

B. Rosemann:
Das haben wir gemeinsam gemacht. Wir haben uns einige Tage in einen Raum eingesperrt und nachgedacht, welche Erwartungen die Spieler an eine „Ultimative Alliance“ hätten. Das ist nicht leicht. Marvel hat über 8.000 Charaktere und praktisch jede Figur hat eingefleischte Fans. Also fingen wir mal an und schrieben nur die zugehören Gruppen auf. Also Avengers, X-Men, Spider-Verse, Guardians, Inhumans und natürlich auch die aus den Netflix-Serien bekannten Streetlevel-Charaktere der Defenders oder Marvel Knights. Das Nächste war der Gameplay-Factor: Wer ist cool, wer würde sich gut spielen und Spaß machen. Welche Charaktere würden Spaß machen, wenn man sie zusammenwirft? Wie können wir die Spieler überraschen? Zum Beispiel: Kennst du Elsa Bloodstone? Ich glaube, die kennen selbst viele Comic-Leser nicht. Sie ist eine supercoole Monster-Jägerin und mit dabei! Ihr werdet sie lieben! So haben wir unseren Traumroster zusammengestellt und auch schon überlegt, welche Möglichkeiten wir für die angekündigten Expansionspacks haben. Da kommen dann mehr X-Men, mehr Marvel Kights und natürlich die Fantastic Four. Hier wird jeder voll auf seine Kosten kommen.

Wir denken die Zeiten der reinen Lizenzspiele zu einem Film oder Comic sind vorbei.

SHOCK2:
Im Kino haben die Marvel Studios eine wahre Revolution ausgelöst, wie sieht die weitere Vision von Marvel Games aus?

B. Rosemann:
Ich stellte mir natürlich auch diese Frage, als wir vor 5 Jahren das Team für Marvel Games zusammenstellten. Warum mache ich das, warum bin ich hier und mit meiner Familie auf die andere Seite des Kontinents gezogen? Warum jetzt Games und nicht mehr Comic-Hefte, die ich so liebe? Wir möchten die beste Generation an Marvel-Videospielen aller Zeiten machen, die Spiele, die sich unsere Fans verdienen. Und dafür möchten wir mit den großartigsten Partnern zusammenarbeiten. Wir glauben, dass Games genauso wie Filme für sich alleine stehen können und auch für sich alleine Menschen mit den Marvel Geschichten begeistern können. Als eigenständiges Medium mit eigenen Geschichten und eigenen Interpretationen. Wir denken, die Zeiten der reinen Lizenzspiele zu einem Film oder Comic sind vorbei. Das Ziel ist: Egal ob im TV, als Comic, im Kino oder jetzt auch als Spiel, wenn du das Marvel Logo siehst, soll dies ein Zeichen für Qualität sein.

SHOCK2:
Nun habt ihr ja diese Kooperation mit Nintendo; Können Sie sich vorstellen, dass wir eines Tages Spider-Man als Charakter in Super Smash Bros. sehen?

B. Rosemann:
(lacht) Nun, ich könnte mir vieles vorstellen. Zurzeit konzentrieren wir uns aber erstmal auf Marvel Ultimate Alliance 3: The Black Order. Und ich freue mich extrem, dass wir Spider-Man im Spiel haben. Und zwar nicht nur die Peter Parker-Version, sondern auch Miles Morales und Spider-Gwen! Die Auswahl wurde vor dem Release des Spider-Man-Animationsfilms festgelegt. Wir wussten einfach, dass die Leute Miles Morales und Spider-Gwen lieben werden. Die Herausforderung bestand darin, alle drei Charaktere ins Spiel zu integrieren, ohne dass sie sich im Gameplay komplett gleichen. Sie spielen sich alle unterschiedlich – das zu realisieren hat sehr viel Zeit gekostet. Jeder der Charaktere hat seine Besonderheiten. Nicht nun bei der Action und im direkten Gameplay, sondern auch im Verhalten in der Story und in den Dialogen. Die strategische Komponente bei der Auswahl der Charaktere und bei deren Zusammenspiel ist also nicht unerheblich.

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