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Brettspiel-Review: Puerto Rico (2021)

Als Puerto Rico 2002 erschien, war es ziemlich schnell ein riesen Hit, rangierte sogar lange Zeit auf Platz 1 der BoardgameGeek Top 100. Viele einfache Mechaniken die in Summe ein sehr kniffliges Rätsel ergeben, der kaum existente Glücksfaktor sowie eine sehr hohe Wiederspielbarkeit ergaben ein Spielgefühl das sofort viele Spielende begeisterte. Nach einigen kleineren Erweiterungen erschien 2011 eine Jubiläumsedition inklusive hochwertiger Metallmünzen, neu gestalteten Tokens sowie der bereits erwähnten Erweiterungen und Regeln für zwei Spielende. Zehn Jahre später veröffentlicht Ravensburger nun eine weitere Version des Klassikers von Autor Andreas Seyfarth.

Nach 20 Jahren noch alles beim Alten

In Puerto Rico erschließen 2-5 Kolonisten eine Karibikinsel indem Sie Plantagen anlegen, Güter verschiffen und verkaufen und Gebäude errichten. Dabei sammeln Sie Siegpunkte durch das Senden der erwirtschafteten Rohstoffe in die Heimat.

Dazu entscheiden sich die Spielenden pro Runde für eine Rolle dessen Aktion dann reihum von allen Spielenden durchgeführt wird, wobei die Person die die Rolle gewählt hat auch ein Privileg erhält, meist verringerte Kosten oder mehr Ertrag. Mit der Rolle des Baumeisters baut man Gebäude wie Lagerhäuser, verschiedene Produktionsgebäude oder Prachtbauten die vor allem Siegpunkte bringen, der Aufseher sorgt für Kolonisten, da nur in Gebäuden und Plantagen produziert werden kann, die mit Arbeitern besetzt sind. Entscheidet man sich für die Rolle des Aufsehers wird dann produziert, wobei Mais, Indigo, Zucker, Kaffee und Tabak angebaut werden können. Die Rolle des Händlers erlaubt es dann diese Rohstoffe zu unterschiedlichen Preisen zu verkaufen. Leider ist es immer nur möglich ein Stück eines Rohstoffes zu verkaufen, wobei das Handelshaus erst geleert wird, wenn es voll ist. Um Güter zu verschiffen gibt es die Rolle des Kapitäns, wobei es Schiffe in verschiedenen Größen gibt und jedes dieser Schiffe nur eine Rohstoffsorte transportieren kann. Auch hier wird ein Schiff nur geleert, wenn es voll ist. Das kann dazu führen, das Rohstoffe nicht aufs Schiff verladen werden können und diese verloren gehen, sollte man kein Lagerhaus haben. Als letzte Rolle gibt es noch den Goldsucher, der jenem Spieler Geld bringt, der ihn wählt. Haben sich alle Kolonisten für eine Rolle entschieden endet die Runde und es stehen wieder alle Rollen zur Verfügung.

Sind irgendwann keine Siegpunkte mehr vorhanden oder können keine Kolonisten mehr nachgelegt werden endet das Spiel und die Summe der Siegpunkte aus verschifften Waren sowie durch besetzte Gebäude wird ermittelt, wobei die meisten Punkte zum Sieg führen.

Immer noch top aber…

Eines vorweg, Puerto Rico ist immer noch ein tolles Action-Selection Spiel, die Mechaniken sind sehr eingängig und schnell erlernt, viele Strategien können zum Ziel führen. Das Glück keine oder kaum eine Rolle spielt war immer schon eine der Stärken des Spiels, lediglich die richtige Wahl der Rolle zur richtigen Zeit entscheidet über Sieg oder Niederlage. Clevere beziehungsweise gemeine Spielende behalten dabei genau im Auge was die Gegner treiben, um genau jene Wahl der Rolle so zu treffen, um adäquat auf die Situation bei den Gegenspielern zu reagieren und optimalerweise möglichst viel bei sich zu bewirken und beim Mitbewerb für Chaos zu sorgen. Zudem adaptiert das Spiel sehr gut auf die Spielendenanzahl und macht in jeder Konfiguration Laune.

Schon das Urspiel bot hohen Wiederspielwert, wobei die 2021er Edition von Puerto Rico noch vier Erweiterungen enthält, die wesentlich mehr Gebäude, einige neue Mechaniken sowie eine neue Rolle bieten. Am Material hat sich wenig geändert, die Münzen bestehen im Gegensatz zu den Metallmünzen aus 2011 dieses Mal wieder aus Karton, die Ressourcen sind wieder einfacher gestaltet, sonst ist mehr oder weniger alles gleich geblieben. Die größte Änderung fand bei der grafischen Gestaltung statt, die neuen Boards und Gebäude sind detaillierter und etwas fröhlicher, was am eigentlichen Spiel nichts ändert.

Die Erweiterungen sind ganz nett, erhöhen vor allem die Komplexität, den Spielspaß aber nicht unbedingt. Ob man nun Kolonisten oder Adlige einsetzt und dafür Siegpunkte erhält ist letztlich nicht wichtig. Gebäude gab es auch schon im Grundspiel genug, mehr sind aber natürlich nicht schlecht. Ob sich ein Kauf für Besitzer der Vorversionen lohnt muss sich sowieso jeder selbst beantworten, für mich als Besitzer der Version aus 2001 eher nicht, auch wenn diese schon ganz schön abgespielt ist.

Pros and Cons

+ Glücksfaktor extrem gering
+ Spiel immer noch sehr gut
+ 4 Erweiterungen enthalten

– bis auf geänderte Grafiken nichts neu
– kein Kaufgrund für Besitzer der alten Versionen

Fazit

Wertung

Klassiker in neuem Look

Puerto Rico war und ist ein sehr gutes Spiel. "Easy to learn and hard to master" fasst es ganz gut zusammen. Die richtige Wahl der Rolle, das beinahe fehlen des Glücksfaktors ergaben 2001 eine damals gänzlich neue Spielerfahrung. Die aktuelle Neuauflage ändert am Spiel nichts, lediglich grafisch hat sich was getan. Die kleinen Änderungen sowie die vier enthaltenen Erweiterungen sind zwar nett, rechtfertigen einen Neukauf für Vorbesitzer nur, wenn sie absolute Hardcore-Fans sind. Interessierte können genauso zur letzten Neuauflage aus 2014 greifen, die noch dazu sehr preisgünstig erhältlich und grafisch der Aktuellen bereits sehr ähnlich ist.

Genre: Action-selection
Verlag: Ravensburger
Spieleranzahl: 2-5 Spielende
Alter: ab 12 Jahren (aber auch jünger möglich)
Spieldauer: ab 70-120 Minuten
Preis: ab ca. 30 Euro

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