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Review: No Man’s Sky

Fast wären wir keine Freunde geworden. No Man‘s Sky ist für mich eine Liebe auf den zweiten Warpsprung… Beim ersten Anlauf blieb ich schlichtweg für drei Stunden auf dem ersten Planeten stecken. Nicht, dass es dort nichts zu entdecken gibt, doch das Verlangen mein Raumschiff zu reparieren und die Weiten der Galaxie zu erkunden war doch groß. So groß, dass ich schon „leicht“ entnervt einfach den ersten Spielstand gelöscht und kurzerhand noch einmal begonnen habe. Mein Neustart war überaus erfolgreich und ich kann deshalb nicht sagen ob es ein fieser Bug oder meine Blindheit war, die dazu geführt hat, dass ich beim ersten Mal keinerlei Zink finden konnte, um im Spiel voranzukommen.

Viele meiner schönsten Videospielerinnerungen habe ich Ian Bells und David Brabens Elite von 1984 zu verdanken. Und ja, No Man‘s Sky atmet in vielen Bereichen den Geist dieses Klassikers, der vor über 30 Jahren bereits umfangreiche Sternensysteme mithilfe von mathematischen Formeln generierte. Dieses Review entsteht mit den Erfahrungen aus über 25 Stunden Spielzeit, ein Ende ist nicht mal in weiter Sicht. Wir wollen euch dennoch schon jetzt einen Test anbieten, um euch auch bei einer möglichen Kaufentscheidung zur Seite zu stehen.

Zusätzlich veröffentlichen wir in rund zwei Wochen eine Kolumne zu No Man’s Sky mit unseren Langzeiterfahrungen mit dem Spiel.

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Der Weltraum, unendliche Weiten…
Bei wohl keinem anderen Videospiel wäre dieser Satz aus dem Star Trek-Intro wohl zutreffender. Im Spiel gibt es nämlich ganz genau 18.446.744.073.709.551.616 zu erkundende Himmelskörper. Die für den menschlichen Verstand einfach nicht vorstellbare Zahl von rund 18,4 Trillionen klingt zuerst natürlich wie ein Marketing-Gag der Entwickler von Hello Games, die bis jetzt eher durch das kurzweilige Geschicklichkeitsspiel Joe Danger aufgefallen sind, als durch epochale Weltraumsimulationen. Wie ernst diese Zahl ist, wird jedoch schon schnell nach dem ersten Start des Spiels klar. Zwar beginnt das Spiel immer damit, das man auf einem Planeten abgestürzt ist und das eigene Raumschiff wieder flottmachen muss, nur ist dieser Planet am äußeren Rand der Galaxie bei jedem Spielstart einen anderer. Sprich einige der grundlegenden Spielerfahrungen wird jeder Spieler auf eine etwas andere Art und Weise erleben. Mal startetet man auf einer bewaldeten Lichtung unter violettem Himmel, mal in einer Einöde mit gelben Seen und Fischen mit Kartengesichtern… kein Planet gleicht dem anderen. Fauna und Flora unterscheiden sich oftmals grundlegend von ihren irdischen Verwandten. In einem Exo-Anzug inklusive Jetpack und dem praktischen Multiwerkzeug, mit dem man sowohl diverse Rohstoffe wie Eisen, Kohlenstoff und vieles mehr abbauen und es auch als Waffe einsetzen kann, geht man auf die erste Erkundungstour. Zuerst repariert man am besten den Scanner, der für das Aufspüren der benötigten Elemente gute Dienste leistet. Nach und nach erkennt man jedoch auf den ersten Blick, welchen Inhalt der grüne Stein oder ein roter Kristall zu bieten hat. Das ist im wahrsten Sinne überlebenswichtig, denn auch das Lebenserhaltungssystem oder das Multifunktionswerkzeug benötigen immer wider frische Energie in Form von Kohlenstoff bzw. Plutonium. Doch Vorsicht: Begeht man extremem Raubbau an dem Planeten oder tötet ohne Grund Tiere, so werden fliegende Sentinels auf den Plan gerufen. Diese Drohnen sind eine Art intergalaktische Polizei, mit der man sich vor allem in der Anfangsphase des Spiels auf keinen Fall anlegen sollte.

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Man versucht also die für die Reparatur des Raumschiffs notwendigen Rohstoffe abzubauen, mit deren Hilfe man Ersatzteile fertigen kann. Vielleicht begegnet man schon den ersten Tieren oder entdeckt in der Ferne ein Fragezeichen, das im Interface eingeblendet wird. Ein wesentlicher Aspekt des Spiels ist auch das Überleben auf den fremden Planeten. Zwar hat man den Exo-Anzug, der zu Lande und auch unter Wasser am Leben erhält, es ist aber auch immer wieder notwendig, diesen an die Gegebenheiten wie extreme Wärme, Kälte oder starke Radioaktivität anzupassen. Dieses „Lost in Space“-Gefühl sorgt im Laufe des Spiel immer wieder für packende Situationen. Wir sind etwa einmal in eine Höle gestürzt und konnten uns gerade noch befreien und den Exo-Anzug mit frischen Kohlenstoff versorgen. Einmal mehr zeigt dieser Aspekt, dass sich die Story von No Man‘s Sky beim Spieler entwickeln muss.

Es bleibt ganz alleine dem Spieler überlassen, ob er nur möglichst die Reparaturarbeiten abschießt und den Planeten verlässt, oder bereits diesen ersten Himmelskörper genau untersucht. Dies kann sich auf jeden Fall auszahlen, denn neben den wertvollen Rohstoffen kann man auch Handelsposten finden, bei denen man Rohstoffe oder auch bereits gefertigte Gegenstände wie die, für den Lichtsprung in ein anderes Sonnensystem unverzichtbaren, Warpkerne, kaufen bzw. verkaufen kann. Immer wieder trifft man in Außenposten auf intelligente Aliens, mit denen man ebenfalls Handel treiben kann. Man beherrscht zu Beginn des Spiels aber nicht diese außerirdische Sprache und kann höchstens Mimik und Gesten des Gegenübers interpretieren. Wer sich die Mühe macht und auf verschiedenen Planeten Monolithen und außerirdische Artefakte aufspürt, versteht nach und nach immer mehr Aliensprachen und bekommt so wertvolle Vorteile im Handel bzw. Bonusgegenstände, Bauanleitungen, Verbesserungen und mehr. Hat man einen neuen Planeten, ein neues Gebiet oder eine neue Spezies entdeckt, kann man seinem Fund einen Namen geben und diesen auch auf den Server des Spiels hochladen. Das gibt einige Credits und sollte einmal ein anderer Spieler diesen Planeten Besuchen, sieht er, dass hier bereits jemand war. Die Chance direkt auf einen anderen Spieler zu treffen ist laut Chefentwickler Sean Murray aber astronomisch gering. Hier hat man aber die Möglichkeit nach Systemen zu suchen, auf der bereits ein Spieler war und kann so seiner Spur anhand seiner „Benennungen“ folgen.

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Mit dem Raumgleiter kann man sowohl über der Planetenoberfläche herumdüsen, als auch in den Weltraum fliegen. Das Ganze läuft flüssig und ohne jegliche Ladezeiten ab. Andere Planeten im System erreicht man mit dem Impulstriebwerk, das benötigte Energieelement findet sich in den meisten herumschwirrenden Asteroiden und kann mit der Laserkanone abgebaut werden. Will man das Sonnensystem verlassen, benötigt man den Warpantrieb, für den zuvor eine Anleitung besorgt werden muss. Besitzt man alle Rohstoffe für einen Warpkern, kann man das Sonnensystem verlassen und per Lichtsprung in ein anderes reisen. Hier gibt es erstmals eine Ladezeit, die aber mit der Warpreise sehr gut kaschiert wird. Man bereist neue Planeten, besucht Raumstationen, trifft auf fiese Raumpiraten und verbessert immer wieder die Ausrüstung. Auch das Raumschiff kann sowohl aufgemotzt werden als natürlich auch gegen ein anderes getauscht werden. Hier können bewusste Entscheidungen für den eigenen Spielstil getroffen werden. Benötigt das Schiff eine besonders starke Bewaffnung, weil man den Weg des Kriegers beschreitet oder einen besonders großen Frachtraum, weil man als Händler den Kontostand in buchstäblich astronomische Höhen treiben will?

Apropos Raumkämpfe: Die sind ein echter Leckerbissen und dank der einfachen Steuerung gehen schon bald actionreiche Dogfights gut von der Hand. Meist tritt man gegen Weltraumpiraten an, die es auf die Fracht abgesehen haben. Diese wird zunehmend wertvoller, je näher man den inneren Systemen kommt. Sollte man im Weltraum oder auf einem Planeten unverhofft das Zeitliche segnen, kann beim letzten Speicherpunkt neu starten. Wer sein Inventar wiederhaben möchte, muss sich jedoch an den Ort des Todes gelangen und dieses einsammeln. Dark Souls lässt grüßen.

Die größte Angst war, dass No Man’s Sky statt der erhofften großen Spacesim eher eine große Bugwüste ist. Kann das gut gehen? Es kann, wir hatten zwar einen Absturz der PS4, sonst sind uns jedoch keine groben Fehler im Spiel aufgefallen. Die Review-Version war auch schon mit dem sehr umfangreichen Day-One-Patch ausgestattet und die Entwickler scheinen auch noch einiges für das Spiel zu planen. Aber schon jetzt ist es unglaublich, wie viel Gamedesign in diesem hauptsächlich mit mathematischen Formeln prozentual berechneten Spiel steckt. Der Algorithmus generiert Welten, die man schnell wieder verlassen möchte mit radioaktiven Atmosphären und Temperaturen über 80 Grad Celsius und dann wahre Paradiese mit langen Sandstränden und Aliens, die wie eine Mischung aus einem Dinosaurier und einen Teddybären aussehen. Dabei kann die Grafik nicht mit händisch modellierten Welten anderer Games mithalten, dank der geschickten Mischung aus aus Comicoptik und Realismus sieht das Ganze dennoch schick aus. Auch wenn die Framerate in einigen Momenten auf der PS4 an der 20-FPF-Grenze kratzt, bleibt das Spiel immer gut spielbar und angesichts der gigantischen Größe verzeiht man so etwas auch schneller als bei einem aktuellen Grafik-Adventure.

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Die Stärke von No Man’s Sky liegt aber darin, dass keinerlei Grenzen in der Variation sichtbar sind und man nie weiß, was einen erwartet, wenn man die Umlaufbahn eines neuen Planeten einschwenkt. Auch für den Sound des Spiels hat man sich etwas Außergewöhnliches einfallen lassen. Die britische Instrumentalband 65daysofstatic hat nicht nur einen exklusiven Soundtrack für das Spiel erstellt, sondern auch eine große Bibliothek roher Sounds wie Loops, Klangtexturen und Melodien. Auch hier erstellt wieder ein Algorithmus quasi einen endlosen Soundtrack, der sich an die Gegebenheiten im Spiel fliesend anpasst. Erlangt man einen Erfolg im Spiel, so hört man das auch an der Musikuntermalung. Wird es spannend, wenn man etwa in einen Raumkampf verwickelt wird, klingt auch die Musik treibender. Der Sound von 65daysofstatic passt geradezu perfekt zu Atmosphäre und Designsprache des Spiels.

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Review Overview

Wertung - 8

8

Bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter...

No Man´s Sky ist das Elite für die Generation Minecraft. anders kann man an dieser Stelle einfach kein Fazit ziehen. Nach rund 25 Stunden bin ich von diesem Spiel absolut fasziniert und spüre doch immer wieder, dass ich dann doch nicht ganz die Zielgruppe bin. Was das kleine Team von weniger als 20 Mitarbeitern bei Hello Games hier abgeliefert hat, ist auf vielen Ebenen extrem außergewöhnlich. Wer eine komplexe Story sucht ist hier an der falschen Stelle. Wer sich ganz dem Erkunden der Galaxie verschreibt, wird in No Man´s Sky seine ganz persönlichen Geschichten erleben und mit dem Mix aus Erkunden, Überleben Handeln, Kämpfen und Craften eine Menge Spielspaß für sein Geld bekommen. Laut den Entwicklern benötigt man nämlich nur 585 Milliarden Jahre, um alle Inhalte im Spiel zu sehen...

Genre: Space-Simulation
System: PS4, PC
Entwickler: Hello Games
Erscheint: Erhältlich
Preis: ca. 60 Euro

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