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Review: Battletech

Tabletop-Versoftung nach dem Lehrbuch

Wenn es um die Vorstellung von Kriegsführung mittels gigantischer Kampfroboter geht, teilen zwei Visionen die Fangemeinschaft. In der einen werden die Maschinen als riesige SciFi-Krieger mit Lichtschwertern und Flügeln dargestellt, in der anderen als gut gerüstete, schwerfällige Panzer auf zwei Beinen. Als die FASA Corporation 1984 (vier Jahre vor Warhammer 40.000) das Tabletop-Strategiespiel Battletech ins Leben rief, hatten sie wohl eindeutig eher die zweite Variante im Sinn, weswegen sich die tonnenschweren Kampfkolosse hier in ansatzweise realitätsnahen Kriegsszenarien bekämpfen.

Nach dutzenden, meist actiongeladenen Videospiel-Versoftungen – unter denen die wohl bekannteste die Mechwarrior-Reihe darstellt – nahm sich nun Harebrained Schemes der Sache an. Diese demonstrierten bereits mit gleich mehreren Umsetzungen des beliebten Shadowrun-Pen&Papers, dass sie es verstehen, taktisches, rundenbasiertes Gameplay mit tiefgängigen Geschichten in bestehenden Scifi-Universen umzusetzen… und genau das war auch hier gefragt.

Game of Mechs

Denn in Battletech schlüpft ihr nicht in das Cockpit eines Mechs, sondern in die Rolle eines Commanders. Nach einer kurzen Intro-Sequenz, die euch den Weg der Menschheitsgeschichte bis in das Jahr 3025 in handgezeichneten, animierten Bildern mitverfolgen lässt, werdet ihr als Leibwächter zur Seite von Kamea Arano gestellt, die gerade auf dem Weg zu ihrer Krönungszeremonie ist. Doch die Ereignisse überschlagen sich, ihr werdet in eine Geschichte voller aristokratischer Intrigen verstrickt und müsst schließlich mit einer kleinen Gruppe von Söldnern eine Revolution ins Leben rufen.

Mech Trail

Das Gameplay gestaltet sich dann zu selben Teilen als Wirtschafts/Managementsimulation und rundenbasiertes Strategiespiel. Denn das in Schuss halten der monströsen Kampfmaschinen ist genauso eine kostenschwere Angelegenheit wie intergalaktische Reisen. Zusätzlich wollen eure Crew-Mitglieder unterhalten und deren Moral durch Gespräche und teils folgenschwere Entscheidungen á la Oregon Trail aufrechterhalten werden.

Die glorreichen Mechs

Damit der Schuldenberg nicht zu groß wird, gilt es also das Söldner-Dasein zu pflegen und verschiedene, dynamisch generierte Aufträge auf den unterschiedlichsten Planeten auszuführen, bis die nächste Kampagnen-Quest zu Verfügung steht. In den darauffolgenden Kämpfen gilt es dann jeweils vier Mechs über ein Schlachtfeld zu taktieren und die jeweiligen Stärken und Schwächen von Maschine und Mechwarrior (Pilot) gezielt einzusetzen.

Ist es ein Vogel? Ist es ein Flugzeug? Nein, es ist … Mechman

An Komplexität stehen diese Schlachten ihrer Tabletop-Vorlage um nichts nach und so ist nicht nur die strategische Platzierung eurer Mechs, sondern auch deren Blickrichtung wichtig. Denn es darf nur nach vorne geschossen werden und die meisten der mächtigen Kampfmaschinen sind dort auch deutlich stärker gepanzert. Per Jump-Pads können die tonnenschweren Kolosse sogar hunderte Meter in einem mächtigen Schubdüsen-Sprung überwinden und sich somit günstig hinter einem der Gegner positionieren oder ihm überhaupt mit einer mächtigen Luft-Attacke direkt anspringen.

Big Mechas House

Derlei Aktionen kommen jedoch immer mit einem Risiko und so kann exzessiver Einsatz von Laserwaffen und Sprungdüsen zur Überhitzung eurer Kampfmaschinen führen, während Nahkampf-Angriffe auch immer an der eigenen Panzerung kratzen. Ballistische Schusswaffen generieren weniger Hitze, benötigen aber Munition, die sich wiederum merklich auf das Gewicht eures Mechs auswirkt und oft verlangt, dessen Panzerung zu reduzieren, um die maximale Traglast nicht zu überschreiten.

Der Schwarze Mech: „Also schön, einigen wir uns auf unentschieden!“

Auch die Schadensberechnung ist wie in dem gleichnamigen Tabletops eine komplexe Wissenschaft. So treffen Attacken genau die Bereiche eines Kampfroboters, in denen diese auch aufschlagen. Dadurch können gezielt Arme mitsamt deren Waffen zerschossen, Beine zertrümmert und ein sich sonst in perfektem Zustand befindlicher Gegner, durch das gezielte Zerstören seines Cockpits komplett außer Gefecht gesetzt werden.

Der Mechinist

Wo genau getroffen wird, hängt von einer Wahrscheinlichkeitsrechnung mit vielen Faktoren ab. Neben Sichtverhältnissen, idealer Reichweite der jeweiligen Waffen und Blickrichtung, sind so auch die Beweglichkeit des Ziels sowie die Werte der jeweiligen Piloten einzubeziehen. Wer Lust hat, darf sich hier Stunden mit dem Feintuning der über 30 Mechs und mehr als 120 Waffen und Equipment-Teile beschäftigen, um die perfekte Kampfmaschine für jede Lebenslage oder den idealen Spezialisten zusammenzuschrauben.

Mechonardo da Vinci

Die Geschichte rund um eine sich langsam aufbauende Revolution wird hierbei vorwiegend durch Gespräche vorangetrieben, die sich zwar teils in seitenlangen Texten präsentieren, dafür aber einen Rosenkrieg feinster Güte vermitteln und immer wieder mit handgezeichneten, animierten Gemälden zu den zentralen Ereignissen belohnen. Wer dann nach der sich über Dutzenden Stunden erstreckenden Kampagne immer noch nicht genug hat, darf anschließend auch online gegen Freunde und Fremde antreten, um die eigene Strategie in verschiedensten Arenen auf die ultimative Probe zu stellen.

Explosive Matsch-Mechs

Optisch gestaltet sich das Spiel auf einem soliden Niveau und demonstriert, dass auch mit der Unity-Engine ansprechende Grafik-Umsetzungen möglich sind. Sämtliche Attacken werden in filmischen Kamerafahrten vermittelt und nur selten kommt es zu Clipping-Fehlern, bei denen Mechs etwas in den Erdboden rutschen oder die Kamera von einem Hindernis verdeckt wird. Zwar hätten ein wenig schärfere Texturen dem Spiel gut getan, die Effekte sind aber punktiert und unterstreichen das adrenalingeladene Taktik-Geplänkel würdevoll.

Fazit

Wertung: - 8.5

8.5

Ich würde so weit gehen zu sagen, dass Harebrained Schemes mit Battletech die ideale Umsetzung der Tabletop-Vorlage gelungen ist. Dies bedeutet aber auch, dass ein gleichwertiges Maß an Engagement verlangt wird, um den Titel genießen zu können. Auch das Frustpotential ist hoch, denn neben den Dutzenden einzubeziehenden Faktoren, spielt auch Glück bei jeder einzelnen Aktion auf dem Schlachtfeld eine wesentliche Rolle und die Reparaturen der Mechs sind zeit- und kostenaufwändig. Wer sich aber darauf einlässt, bekommt ein mitreißendes Epos in einem unglaublich umfangreichen Universum voller Schlachten, sympathischer Charaktere, Schicksalsschläge, weitreichender Management-Möglichkeiten und unzähligen Stunden Spielspaß serviert, von dem Fans anderer Tabletop-Franchises bisher nur träumen können.

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Genre: Strategie
Entwickler: Harebrained Schemes
System: PC
Erscheint: 24. April
Preis: ca. 40 Euro

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