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Review: The Legend of Zelda: Skyward Sword HD

Jede Saga hat einen Anfang

Die Legende von Prinzessin Zelda, dem Helden Link und dem Kampf gegen das Böse hat viele Kapitel. Doch wie begann die Geschichte? Wie entstanden die Charaktere, Dinge und Orte, die wir heute fest mit der Zelda-Geschichte verbinden? Die Antworten auf viele dieser Fragen gab 2011 – pünktlich zum 25jährigen Jubiläum der Serie – Skyward Sword und polarisierte nicht nur mit einigen kleineren Änderungen an der klassischen Formel, sondern vor allem mit seiner verpflichtenden Bewegungssteuerung. Zehn Jahre später und damit passend zum aktuellen 35. Geburtstag der Reihe erscheint der Titel nun erstmals in HD samt einem alternativen Controller-Schema. Doch kann das Spiel nach den weitreichenden Veränderungen im Zelda-Gameplay durch Breath of the Wild auch heute noch begeistern oder wirkt es aus der Zeit gefallen? Wir haben Himmel und Erde erkundet und es für euch herausgefunden.

Wieviel Story braucht ein Zelda?

Im Folgenden richten wir uns vor allem an jene Spieler, die Skyward Sword noch nicht gespielt haben oder sich nicht mehr daran erinnern können – all jene, die vor allem wegen der Überarbeitungen gekommen sind, können optional gleich zur nächsten Überschrift springen. Für alle anderen hier eine kurze Einführung: Skyward Sword erzählt die Geschichte des jungen Link (wie fast immer eine eigenständige Version des Charakters – Vorwissen aus anderen Spielen ist nicht nötig), der in der fliegenden Stadt Wolkenheim wohnt und sich dort zum Ritter ausbilden lässt. Bei einem Ausflug in das Wolkenmeer kommt es zu einer Katastrophe – seine Freundin Zelda wird von einem Windstoß von ihrem Reitvogel geweht und stürzt ab. Gemeinsam mit einer mysteriösen Gestalt namens Phai und ausgestattet mit dem Schwert der Göttin macht sich Link in das sagenumwobene Reich unter den Wolken auf …

Eher ungewöhnlich für ein Legend of Zelda – egal welcher Machart – setzt Skyward Sword vor allem zu Beginn auf viel Geschichte und Unterhaltungen. Gerade zu Beginn dauert es ein wenig zu lange, bis die Story in die Gänge kommt und wir in die typische Zelda-Action abtauchen können. Und mit „typisch“ meinen wir in diesem Fall „die klassische Formel, wie sie vor Breath of the Wild für die Serie galt“: In den einzelnen Gebieten der Welt unter den Wolken (die nicht miteinander verbunden sind, sondern nur via Vogelflug erreicht werden können) erkunden wir die Landschaft, suchen nach Zelda und geraten über kurz oder lang in einen der klassischen Dungeons. Diese Verliese sind mehrere Räume groß (allerdings absichtlich nicht so verwirrend wie einige frühere Vertreter), gefüllt mit Gegnern und Rätseln und verlangen von euch, Schlüssel zu finden, ein mächtiges Item zu ergattern und euch den fiesen Bossen zu stellen. Zweiteres eröffnet euch dann auch außerhalb des Dungeons neue Möglichkeiten, wodurch sich Backtracking auszahlt – auch wenn es aufgrund des Designs des Spiels ohnehin notwendig ist, die diversen Ortschaften im Laufe des Story mehr als einmal zu besuchen. Insbesondere gilt das natürlich für Wolkenheim, wo ihr zwischen euren Abenteuern eure Vorräte auffüllen könnt, Items verbessert oder auch momentan nicht benötigtes Inventar einlagert.

Zelda und Wolkenvogel

Auch in Skyward Sword HD darf eine Amiibo-Funktionalität nicht fehlen – und diese ist nicht unumstritten, da nur so eine äußerst praktische Funktion aktivierbar ist: Scannt ihr die neue Zelda & Wolkenvogel-Figur (übrigens die einzige Figur, die mit dem Spiel kompatibel ist) während ihr auf der Welt oder in einem Dungeon unterwegs seid, kehrt ihr in den Himmel zurück, wo ihr zum Beispiel Einkäufe tätigen könnt. Scannt ihr den Amiibo erneut, steht ihr wieder dort, wo ihr gerade wart. Das kann eure Abenteuer ordentlich beschleunigen.

Veränderung

Schon aus dem vorhergehenden Absatz werden jene von euch, die erst durch Breath of the Wild den Weg zur Zelda-Serie gefunden haben, vermutlich feststellen, dass euch eine etwas andere Spielerfahrung erwartet – der Fokus liegt deutlich weniger auf dem freien Erkunden einer offenen Welt (die noch dazu deutlich kleiner und kompakter ist). Dennoch wurden mit Skyward Sword bereits einige Elemente eingeführt, die für die Serie neu waren und danach beibehalten wurden. Dazu gehört zum Beispiel die Ausdaueranzeige, die Kletterausflüge, Sprinten und Angriffe limitiert, aber auch die Tatsache, dass zumindest die Schilde (aber nicht die Waffen) durch regelmäßigen Gebrauch kaputt gehen können (es empfiehlt sich, auf regelmäßige Reparatur zu achten). Der wohl größte Unterschied zu einem „herkömmlichen“ Zelda war beim Release von Skyward Sword allerdings der starke Fokus auf Bewegungssteuerung. War diese beim Wii-Launchtitel Twilight Princess noch eher ein Nachgedanke gewesen (immerhin gab es ja auch noch die Gamecube-Variante, die mit einem klassischen Steuerungsschema auskam), wurde bei dessen Nachfolger aus den vollen geschöpft: Auf Seilen muss per Wii-FB das Gleichgewicht gehalten werden, beim Fernkampf werden Ziele per Controller-Bewegung anvisiert, beim Steigflug unseres Vogels müssen die „Flügel“ geschlagen und beim Schwertkampf „natürlich“ die FB geschwungen werden. Gerade letzteres wurde im Vergleich zu Twilight Princess damals massiv aufgewertet, denn mit der Power von Wii Motion Plus war es möglich, eure Schlagrichtung ins Spiel zu übertragen. Das war auch spielerisch relevant, denn Gegner blocken nun zum Beispiel oft Hiebe aus gewissen Richtungen. Der Entschluss, auf die Bewegungssteuerung zu setzen, löste damals sehr geteiltes Echo aus: Etliche Spieler lobten den umfassenden Einsatz der Wii-FB, andere wünschten sich eine rein Controller-basierte Alternative.

Alles gut im Button-Land?

Die gute Nachricht: Mit Skyward Sword HD wurden diese Wünsche erhört. Zwar ist eine Steuerung analog der des Originals nach wie vor mit zwei JoyCons möglich (und wird sogar noch durch eine Möglichkeit, die Kamera per rechtem Analogstick frei zu steuern, aufgewertet), doch alternativ gibt es auch eine Buttonsteuerung wahlweise via JoyCons (im Grip oder gedockt) oder dem Pro-Controller. Die schlechte Nachricht: Die Buttonssteuerung leidet ein wenig darunter, dass man die Motion Controls nicht einfach aus dem Spiel entfernen konnte (dafür waren sie einfach zu zentral), sondern sie möglichst schlüssig ersetzen musste. Das gelingt in manchen Momenten besser als in anderen – und natürlich werden hier persönliche Präferenzen eine Rolle spielen, welche Steuermethode man im Endeffekt für sich wählt. Bleiben wir kurz bei der Button-Steuerung: Positiv aufgefallen ist uns beim Test zum Beispiel das Schwingen an Lianen (hier muss man im Controller-Modus nicht mehr mit den JoyCons ausholen, um Schwung zu holen) oder das Fliegen mit eurem Vogel (ein Button-Druck ersetzt das „Schlagen“ eurer Flügel und mit dem Analogstick steuert sich euer gefiederter Begleiter intuitiver als durch das Drehen und Kippen der JoyCons); weniger intuitiv fühlen sich allerdings ausgerechnet einige zentrale Steuerungsmechanismen an. So ist das Schlagen des Schwertes per rechtem Analogstick ein logischer, aber nicht ganz so intuitiver Ersatz für das Schwingen des JoyCons in die richtige Richtung; gleichzeitig heißt es aber auch, dass der rechte Stick nicht mehr frei für die Kamera verfügbar ist; wollt ihr diese drehen, müsst ihr zusätzlich den L-Trigger halten – das fühlt sich (vor allem, weil man es aus anderen Spielen eben nicht so gewohnt ist) zunächst seltsam an. Insgesamt gesehen ist es aber schwer, einer der beiden Steuerungsvarianten die klare Überlegenheit auszusprechen. Nein, es gibt keinen Abschnitt, der mit einer der beiden Steuerungsmethoden unspielbar wäre, aber im Endeffekt bleibt euch ein wenig Experimentieren nicht erspart, um herauszufinden, welche sich für euch besser und richtiger anfühlt.

Grafisch nur ein Remaster

Als Skyward Sword erschien, hatte die Wii bereits einen fundamentalen Nachteil gegenüber der Konkurrenz: 2011 hatte sich HD bereits durchgesetzt, aber anders als die anderen Konsolen gab es auf der Wii maximal 480p. Diesen grafischen Nachteil umging Nintendo geschickt, indem man auf ein impressionistisch geprägtes Design setzte, bei dem die etwas verschwommene Optik Teil des Looks war. Doch wie schlägt sich zehn Jahre später die HD-Version? Einigen wir uns auf „durchwachsen“. Man merkt dem Spiel durchaus an, dass die Grundlage ein altes SD-Spiel war, das nun auf eine höhere Auflösung hochgezogen wurde. Gleichzeitig geht durch das schärfere HD ein wenig die verträumte, impressionistische Optik verloren. So erinnert das Resultat an zahlreiche „Remaster“ der letzten Jahre: Es ist eindeutig, dass man es hier mit einem alten Titel zu tun hat, denn durch die höhere Auflösung offenbaren sich einige Ecken und Kanten (vor allem bei den Charaktermodellen), die man zuvor noch leichter verziehen hat und die jetzt mit etwas mehr Aufwand auch entfernbar gewesen wären. Darauf hat man sich bei Nintendo aber scheinbar nicht eingelassen – die Optik ist (vor allem für Switch-Verhältnisse) durchaus okay, aber trotz allem wäre noch viel mehr drin gewesen (dafür gibt es immerhin 60 FPS). Gewissermaßen gilt das auch für den Sound: Zwar ist die Musik nach wie vor wunderbar in orchestraler Pracht anzuhören (beim Original wurde zum ersten Mal auf Orchester-Sound statt Synthesizer gesetzt), aber auf Voice Acting müssen wir noch immer verzichten. Das ist natürlich nicht unüblich für die Zelda-Serie vor Breath of the Wild, allerdings hätte es hier die Gelegenheit gegeben, die Story-Sequenzen deutlich aufzuwerten. Leider hat Nintendo einmal mehr darauf verzichtet. Dafür profitieren wir von zahlreichen anderen Verbesserungen, die sich so organisch einfügen, dass man fast darauf vergessen könnte, dass sie vorher nicht da waren. Zum Beispiel, dass man Dialogboxen (meist) schneller wegklicken kann oder dass beim Einsammeln von Items der sich wiederholende Info-Text entfällt. Kleine Veränderungen, die aber eine große Wirkung haben und den Spielfluss angenehm verändern.

Eine Verbindung mit dem BotW-Sequel?

Schon länger gibt es Diskussionen, ob es nicht an mehr als nur dem zehnjährigen Jubiläum des Spiels liegt, dass Skyward Sword gerade jetzt ein Remaster bekommt. Hängt das Spiel gar mit dem Breath of the Wild-Sequel zusammen? Öl ins Feuer goss der neue Trailer im Rahmen der E3-Nintendo Direct: Eine verlassene Stadt in den Wolken, ein aus großer Höhe stürzender Link, die Erkundung der Himmel, fliegende Inseln – könnte das 2022 kommende Spiel eine Brücke zu den Ereignissen oder Völkern von Skyward Sword schlagen? Eine offizielle Bestätigung gibt es nicht – aber die Gerüchteküche brodelt …

Fazit

Wertung - 8.5

8.5

Für Fans der klassischen Zelda-Formel

Als man das Skyward Sword-Remake ankündigte, kämpfte ich ein wenig mit dieser Idee. Muss nun gerade dieser Titel, der für mich nicht unbedingt der Höhepunkt der klassischen Zelda-Formel ist, gegen das für viele, aber längst nicht alle Spieler bessere neue Gameplay aus Breath of the Wild antreten? Will man so vielleicht die Überlegenheit des neu eingeschlagen Weges unterstreichen? Immerhin hatte selbst ich als Zelda-Fan der alten Schule 2011 ein wenig mit dem Spiel gekämpft und eine Weile gebraucht, um den Abspann zu sehen. 2021 sieht es anders aus: Die Rückkehr der klassischen Zelda-Formel fühlt sich für mich angenehm vertraut an (auch wenn ich nach wie vor dabei bleibe, dass andere Spiele diese besser umgesetzt haben) – und auch mit der Steuerung habe ich aus unerwarteter Richtung meinen Frieden geschlossen. Eigentlich war ich (wie wohl viele andere da draußen) überzeugt, dass ich der Button-Steuerung den Vorzug geben werde, aber in der Praxis setzte sich diese bei mir nur in wenigen Punkten durch: Für mich persönlich fühlte sich das Schwingen der JoyCons einfach intuitiver an als die Steuerung per Analogstick (und die Tatsache, dass ich nach mehreren Stunden noch immer automatisch das Schwert bewegte, statt die Kamera zu drehen, tat ihr übriges). Auch blieb bei mir das Gefühl hängen, dass die Bewegungssteuerung in vielen Punkten nun besser funktioniert als beim Original (auch wenn man gerade für die Zeigerfunktionalität immer wieder neu kalibrieren muss – das geht allerdings so schnell und einfach, dass es kaum stört). Andererseits verstaubte der Pro Controller trotzdem nicht, denn für einige wenige Abschnitte (zum Beispiel den schon erwähnten Vogelflug) setzte ich trotzdem auf ihn – bei mir hat sich also eindeutig eine Mischform aus alt und neu durchgesetzt. Und damit bleibt nur noch eine Frage zu beantworten: Kann Skyward Sword noch heute begeistern? Auch hier ist die Antwort nicht ganz einfach: Skyward Sword bleibt noch immer ein guter, wenn auch nicht überragender Eintrag in die Zelda-Historie, wird aber wohl vor allem Fans des klassischen Zelda-Gameplays zusagen. Wer mit der ursprünglichen Zelda-Formel nichts anfangen kann, die große Freiheit und offene Welt aus Breath of the Wild dem deutlich lineareren Spielstil der Vorgänger vorzieht oder viele, dafür kurze Puzzleschreine lieber spielt als deutlich weniger, dafür komplexere Dungeons, wird von Skyward Sword wohl eher enttäuscht werden. Für einen Spieler wie mich, der mit dem klassischen Zelda aufgewachsen ist und dieses bevorzugt, ist es trotz allem eine Heimkehr zu einer Formel, die ich persönlich auch wieder gerne in neuen Teilen der Serie sehen würde.

Genre: Action-Adventure
Entwickler: Nintendo
System: Switch
Erscheint: 16. Juli 2021
Preis: ca. 60 Euro

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Florian Scherz

Bereits früh entwickelte Florian zwei große Leidenschaften: Videospiele und Theater. Ersteres brachte ihn zu einem Informatikstudium und zu Jobs bei consol.MEDIA und Cliffhanger Productions; zweiteres lässt ihn heute (unter anderem) als Schauspieler, Regisseur, Komponist und Lichtdesigner arbeiten. Wenn er gerade keine Musicals inszeniert, spielt oder schreibt, vermisst er auf Shock2 Videospiele von anno dazumal in seiner Blog-Reihe "Spiele, die ich vermisse".

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