Steam Machine: Zieht Sony bei PC-Ports den Stecker?
Insider-Bericht sorgt für Wirbel rund um PS5, eine mögliche PS6 und die Zukunft von PlayStation-Spielen auf dem PC – doch noch ist vieles Spekulation.

Die für das kommende Jahr geplante Steam Machine von Valve wirbelt den Konsolenmarkt gerade ordentlich auf: Ein „Wohnzimmer-PC“ mit direktem Zugriff auf den riesigen Steam-Katalog – genau jener Bereich, in dem sich Sony mit der PlayStation und Microsoft mit der Xbox seit Jahrzehnten duellieren.
Während Microsoft seine nächste Xbox-Generation stärker als offenes, PC-ähnliches System mit mehreren Stores denken soll, deutet ein neues Gerücht nun auf einen ganz anderen Kurs bei Sony hin: Statt die eigenen Blockbuster noch stärker auf den PC zu bringen, könnte der Konzern wieder deutlich mehr auf klassische Konsolen-Exklusivität setzen.
Auslöser ist eine Aussage von Journalist und Insider Jez Corden, der in einem Livestream andeutet, dass Sony seine PC-Strategie für große Einzelspieler-Spiele überdenkt – und sich womöglich ein Stück weit wieder davon zurückzieht.
Jez Corden hört von einem „Rückzug vom PC“
Im Podcast mit Rand al Thor 19 berichtet Jez Corden, er habe von einer „sehr guten Quelle“ gehört, dass PlayStation „wahrscheinlich“ bei seinen großen Singleplayer-Blockbustern einen Gang zurückschaltet, was PC-Ports angeht. Die Rede ist von sogenannten „Tentpole“-Titeln – also Schwergewichten wie dem kommenden Samurai-Epos Ghost of Yotei.
Laut Corden sollen solche Spiele entweder gar nicht mehr für den PC erscheinen oder erst viele Jahre nach der Erstveröffentlichung auf PS5 (und langfristig wohl auch PS6). Eine wichtige Ausnahme: Live-Service-Titel. Spiele nach dem Vorbild von Helldivers 2 oder kommende Service-Projekte sollen weiterhin zeitgleich auf PlayStation und PC erscheinen, weil sie stark von großen Communities und laufenden Einnahmen abhängen.
Spannend ist auch ein Detail, das zuletzt für viel Fantasie in der Community sorgte: Dataminer hatten im Betriebssystem der PS5 Symbole für eine Art PlayStation/PC-Cross-Buy und ein gemeinsames Ökosystem entdeckt. Laut Corden stammen diese Elemente angeblich aus älteren Builds und sollen nie produktiv eingesetzt werden – statt „PlayStation überall“ also womöglich wieder „nur auf der Konsole“.
Gleichzeitig betont Corden selbst, dass PlayStation eigentlich nicht „sein Beat“ ist. Er recherchiert primär zu Microsoft und bekommt Sony-Infos eher nebenbei mit. Schon das macht klar: Hier geht es um ein Gerücht, nicht um eine offizielle Strategie-Präsentation aus dem PlayStation-Turm.
So lief die PC-Offensive von Sony bisher
Dass Sony überhaupt nennenswert auf den PC ging, ist ein Phänomen der letzten Jahre. Nach frühen Portierungen wie Horizon Zero Dawn und Days Gone folgten nach und nach weitere große Namen: God of War, Marvel’s Spider-Man Remastered, später auch Marvel’s Spider-Man 2, Horizon Forbidden West Complete Edition oder Ghost of Tsushima Director’s Cut – meist mit einem Abstand von einem bis mehreren Jahren zur Konsolenfassung.
Mit Helldivers 2 wagte Sony dann sogar den Day-One-Doppelschlag auf PS5 und PC. Gerade dieser Koop-Shooter zeigte eindrucksvoll, wie stark ein Titel von einer breiten, plattformübergreifenden Community profitieren kann.
Finanziell blieb der Effekt aber offenbar überschaubar: In aktuellen Geschäftsberichten taucht Umsatz „außerhalb der Konsole“ nur als kleine Fußnote auf, während der Großteil weiterhin direkt über PS5-Software und -Services hereinkommt. Zugleich hat Sony „Game-Revenue beyond Console“ vor Kurzem aus der Liste der zentralen Strategie-Kennzahlen gestrichen – ein deutliches Signal, dass PC und andere Plattformen intern derzeit keine oberste Priorität besitzen.
Aus dieser Perspektive wirkt es zumindest plausibel, dass man bei Sony gerade durchrechnet, wo sich Ports wirklich lohnen – und wo exklusive Zugpferde auf PS5 (und später PS6) vielleicht mehr wert sind als zusätzliche Verkäufe auf Steam und anderen PC-Plattformen.
Konkurrenzdruck durch Steam Machine und neuen Xbox PC?
Die Gerüchte kommen nicht zufällig genau zu dem Zeitpunkt auf, an dem sich der Markt spürbar neu sortiert. Valve drängt mit der Steam Machine ins Wohnzimmer, Microsoft plant Gerüchten zufolge eine Xbox-Hardware, die noch näher an einem offenen PC ist und gleich mehrere digitale Stores unterstützt.
In so einem Szenario wäre die Gefahr real, dass PlayStation-Blockbuster am Ende überall laufen – auf Steam, auf der neuen Xbox, vielleicht sogar in anderen PC-Stores – und die eigentliche PlayStation-Hardware an Profil verliert. Ein stärkerer Fokus auf Exklusivität wäre eine mögliche Antwort: mehr Spiele, die es wirklich nur auf PS5 und der irgendwann folgenden PS6 gibt.
Genau das ist der Punkt, den Corden anspricht, wenn er davon spricht, dass Sony sich strategisch wieder stärker an Nintendo anlehnen könnte: Eher wenige, dafür umso schlagkräftigere Exklusiv-Titel als primärer Kaufgrund für die Konsole.
Bevor jetzt alle PC-Spieler ihre Wunschliste löschen: Ganz so eindeutig ist die Lage nicht. Der Journalist selbst hat seine Aussagen inzwischen relativiert und betont, dass es sich nicht um einen „harten Leak“ oder eine fertige Unternehmensstrategie handelt, sondern um vage Signale aus dem Umfeld von PlayStation.
Parallel dazu gibt es Indizien, die eher in die andere Richtung zeigen: Die Datamining-Funde rund um ein mögliches Cross-Buy-System, die fortlaufenden PC-Ports älterer PlayStation-Hits und der finanzielle Erfolg von Titeln wie Helldivers 2 sprechen dafür, dass Sony das Thema keineswegs komplett abhaken wird.
Auch wichtig: Von offizieller Seite gibt es derzeit keinerlei Bestätigung. Weder Sony Interactive Entertainment noch die PlayStation Studios haben bisher einen Strategiewechsel verkündet. Und auch konkrete Projekte – etwa ein möglicher PC-Port von Ghost of Yotei – sind weder angekündigt noch abgesagt. Wir haben es hier mit einem interessanten, aber eben noch sehr weichen Puzzleteil zu tun.
Was bedeutet das für euch – und für eine mögliche PS6?
Für Spielerinnen und Spieler am PC wäre ein echter Rückzug bei Singleplayer-Blockbustern natürlich ein Rückschlag. Wer sich in den letzten Jahren darauf verlassen hat, dass große PlayStation-Hits irgendwann schon auf Steam landen, müsste seine Erwartungen anpassen – oder doch wieder stärker in Richtung PS5 (und später PS6) schauen.
Für reine PlayStation-Fans könnte ein solcher Schritt dagegen sogar attraktiv wirken: Mehr exklusive Zugpferde, ein schärferes Profil der eigenen Konsole, weniger das Gefühl, dass „eh alles irgendwann auf dem PC erscheint“.
Wahrscheinlicher als ein radikaler Schnitt ist aber ein Mittelweg: Live-Service-Spiele wie Helldivers 2 und womöglich ausgewählte Koop- oder Multiplayer-Projekte bleiben plattformübergreifend, während einzelne Prestige-Singleplayer – von Ghost of Yotei bis zum nächsten großen Horizon– oder God of War-Ableger – länger oder komplett exklusiv auf PlayStation bleiben.
Gerade mit Blick auf eine künftige PS6 hätte das Charme aus Sony-Sicht: Eine neue Hardware startet nun einmal einfacher mit ein paar echten „Nur-hier“-Blockbustern im Rücken.
Einschätzung der SHOCK2-Redaktion
Unterm Strich zeichnet das Gerücht um Jez Corden ein Bild, das gut in die aktuelle Gemengelage passt: Sony experimentiert seit Jahren mit PC-Ports, sieht aber wohl, dass die wirklich großen Hebel weiterhin direkt auf der eigenen Hardware liegen – während gleichzeitig neue Konkurrenz wie die Steam Machine und eine PC-orientierte Xbox am Horizont auftauchen.
Ob daraus tatsächlich ein harter Kurswechsel wird, hängt am Ende nicht von einem Podcast-Satz ab, sondern von nüchternen Zahlen und der langfristigen Vision für PS5 und PS6. Solange Sony selbst keinen klaren Fahrplan präsentiert, bleibt das Thema spannend – aber eben auch offen.
Für euch heißt das: Wer bestimmte PlayStation-Blockbuster garantiert erleben möchte, fährt mit einer PS5 immer noch am sichersten. Wer lieber wartet und hofft, könnte am PC auch weiterhin gelegentlich in den Genuss ausgewählter Hits kommen – nur vielleicht nicht mehr so regelmäßig, wie es sich viele in den letzten Jahren erhofft hatten.
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