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Special: 50 Jahre YPS – Ein Heft, das uns zu Abenteurern machte + Doppelreview

Gimmick‑Magie, Agentenkoffer und frankobelgische Comic‑Liebe

Wir erinnern uns: Ihr steht am Kiosk, ein knallrotes Y blinzelt euch an – eingeschweißt, mit irgendetwas Spannendem darin. YPS war nie „nur“ ein Comicmagazin. Es war ein Versprechen: Heute wird gebastelt, gegrübelt, ermittelt. Detektiv‑Sets, Geheimagenten‑Ausrüstungen, Solarzeppelin & Co. machten aus Kinderzimmern Einsatzleitstellen und aus Schulhöfen Tatorte zum Mitraten. Genau diese Agenten‑, Forscher‑ und Überlebens‑Gimmicks sind bis heute legendär – Teil des kollektiven Gedächtnisses einer Generation, die mit Lupe, Geheimtinte, Ausweis und Kompass groß geworden ist.

Genauso prägend war, welche Comics YPS in unser Leben spülte. Durch das Heft entdeckten viele von euch überhaupt erst die Welt der frankobelgischen Klassiker: Asterix prügelte sich durch Legionen, Lucky Luke ritt in den Sonnenuntergang – und der britische Gentleman‑Ermittler Percy Pickwick (im Original Clifton) löste Fälle zwischen Teetasse und Undercover‑Einsatz. Neben vielen lizenzierten Serien gab es eigene Reihen und Figuren, die man so nur im YPS‑Kosmos fand. YPS war damit nicht nur Heft + Beilage, sondern ein Kulturvermittler: Es öffnete Türen zu europäischen Comic‑Traditionen, zu Popkultur‑Phänomenen der 70er/80er und zu dem Gefühl, mit ein paar Handgriffen ein Abenteuer zu starten.

© Egmont Verlagsgesellschaften

Fünf Jahrzehnte später feiert YPS sein goldenes Jubiläum – und kehrt im Doppelpack zurück: ein Retro‑Magazin über Kindheit und Popkultur und ein Heft im klassischen YPS‑Look. Wir haben die Jubiläumsausgabe Nr. 1284 sowie den Hardcover‑Band „50 Jahre YPS – Das Buch. Ohne Gimmick.“ gelesen – hier ist unsere Meinung.

Review: YPS Nr. 1284 – Doppelheft zwischen Zeitkapsel und Spieltrieb

Das Comeback kommt im Doppel: Neben dem Retro‑Heft „Forever Kult!“ liegt ein klassisch gesetztes YPS mit Witzen, Rätseln und einem Comics‑Mix – darunter Yps, Kaspar, Patsch und Willy, das Reporter‑Duo Yinni + Yan, Pif & Herkules sowie Ben’s Bande. Schon das Layout trifft diesen „wie‑damals“-Vibe: Papierhaptik, Farbflächen, Seitenrhythmus – alles schreit nach Samstagsgefühl und Kioskduft.

Natürlich darf das YPS-Fernseh-Team rund um Yinni+Yan nicht fehlen! © 2025 Egmont Verlagsgesellschaften„Forever Kult!“ setzt den Fokus auf Popkultur der 70er/80er und lässt prominente YPS‑Fans zu Wort kommen: Michael „Bully“ Herbig, Michael Holtschulte, Oliver Kalkofe und Dr. Mark Benecke erzählen Anekdoten; Heikedine Körting und Oliver Rohrbeck nehmen uns ins goldene Hörspiel‑Zeitalter mit; Hannelore Müller‑Scherz blickt auf Entstehung und Känguru‑Geburt. Für uns ist das die Seite des Doppelhefts, die am stärksten Reflexion und Kontext liefert – die andere Hälfte spendiert Comics, Gags und Rätsel im YPS‑Takt, wie wir ihn lieben.

Natürlich darf das Gimmick nicht fehlen: Diesmal liegt ein „Entscheidungsfinder“ bei – ein magnetisches Dart‑Spiel, das die ewige Frage „Was jetzt?“ per Pfeilwurf beantwortet. Im Büro wurde die Mini‑Scheibe sofort zur Pausen‑Attraktion. Nostalgie‑Punkt: hoch. Langzeitmotivations‑Punkt: solide – der Reiz ist eher kurzweilig, aber genau so war’s früher oft auch. Unterm Strich liefert das Gimmick, wofür YPS steht: Interaktion, Lachen, Gesprächsanlass.

Meinung: Das Konzept „Retro‑Essay + klassisches Heft“ funktioniert. Wir mögen die liebevolle Redaktion, den „wie‑damals“-Look und die konzentrierte Dosis Nostalgie. Kleine Kritik: Es ist ein sehr sicherer Wohlfühlgang; Überraschungen abseits der Erinnerungsspur sind rar. Aber genau das ist hier Programm – und, Hand aufs Herz, genauso wollten wir es. Preis: 8,99 €, ab 4. September 2025 am Kiosk.

Review: „50 Jahre YPS – Das Buch. Ohne Gimmick.“ – Das Lesebuch zur Legende

Der Hardcover‑Band ist das schöne Gegenstück zum Heft: klassische Comics, zahlreiche Abbildungen und ein redaktioneller Teil, der die YPS‑Historie von 1975 bis heute kompakt und liebevoll aufrollt. Genau diese Mischung macht’s stark: Wir blättern von Strip zu Strip, bleiben an Produktions‑Anekdoten hängen, stolpern über Datumsmarken und merken, wie sorgfältig kuratiert das Ganze ist. Der Band zeigt die Bandbreite des YPS‑Kosmos – vom Tier‑Slapstick Pif & Herkules über Yinni + Yan bis zu Percy Pickwick und weiteren Klassikern.

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Meinung: Wenn ihr YPS nicht nur fühlen, sondern verstehen wollt, ist das Buch die richtige Wahl. Es ist Nachschlagewerk und Couch‑Lesestoff in einem – ideal, um die eigene Heft‑Historie zu verorten und Lieblingsserien wiederzufinden. Für uns die nachhaltigere Investition; wer den Kick des Gimmicks sucht, greift zusätzlich zum Heft.

2. Meinung: Frank Geller

Mit meinen 53 Jahren gehöre ich zu jener Generation, die noch genau weiß, was es bedeutete, wenn am Kiosk das neue Yps-Heft auslag. Für mich war das jedes Mal ein kleines Fest. Schon der Gang zum Zeitungsladen, der bei uns ziemlich klischeehaft tatsächlich direkt um die Ecke war, hatte etwas von Abenteuer, und sobald das Heft in meinen Händen lag, konnte ich es kaum erwarten, das Gimmick auszupacken. Ob Urzeitkrebse, Solarzeppelin oder das Agentenbesteck – jedes Gimmick versprach ein Stück Magie, und auch wenn manches nicht so funktionierte wie erträumt, war es doch immer aufregend. Dieses Gefühl der Vorfreude und der kindlichen Neugier ist unvergessen.

Der Jubiläumsband „50 Jahre Yps“ ruft genau diese Erinnerungen wach. Das Buch ist kein nüchterner Katalog, sondern eine liebevoll gestaltete Zeitreise. Im Mittelpunkt steht die Geschichte des Heftes – von den Anfängen über die Hochphase in den 80ern bis zum späteren Niedergang und den Comeback-Versuchen. Aufgelockert wird die chronologische Erzählung immer wieder durch Comics aus der damaligen Zeit, die sofort das vertraute Lesegefühl zurückholen. Schon beim Blättern ist man wieder mittendrin in der bunten Welt von Yinni und Yan, Pif, Robin Ausdemwald und natürlich Yps (das karierte Känguru) + Co.

Waren in Frankreich schon zuvor jedem Kind bekannt: Pif und Herkules.

Etwas schade finde ich, dass die Perspektive der damaligen Leserinnen und Leser im Jubiläumsband kaum vorkommt. Man erfährt zwar viel über die Entwicklung des Heftes, die Redaktion und die Gimmicks, aber die Stimme der Kinder und Jugendlichen, die Monat für Monat mit Yps gelebt haben, bleibt weitgehend außen vor. Dabei gab es im ursprünglichen Heft sogar eine eigene Rubrik: die „Yps-Nachrichten“. Dort wurden Leserbriefe abgedruckt, kleine Geschichten erzählt und Erlebnisse geteilt. Diese Briefe zeigten, wie unterschiedlich die Hefte und Gimmicks draußen ankamen – von Begeisterung bis hin zu kleinen Enttäuschungen, die heute genauso zu den Erinnerungen dazugehören. Gerade auf dieses Archiv hätte man für das Jubiläumsbuch zurückgreifen können. Einige ausgewählte Stimmen aus den alten „Yps-Nachrichten“ hätten dem Rückblick zusätzliche Authentizität verliehen. Sie hätten gezeigt, wie sehr Yps Teil des Alltags seiner Leserinnen und Leser war, und den nostalgischen Rückblick um eine lebendige, persönliche Facette bereichert.

Unterm Strich ist das Buch aber eine echte Schatzkiste. Es ist reich bebildert, detailverliebt gestaltet und versammelt unzählige Cover, Anzeigen und Hintergrundinformationen. Wer wie ich mit Yps aufgewachsen ist, spürt beim Durchblättern sofort das alte Kribbeln: der Geruch der Hefte, das Rascheln der Tüte mit dem Gimmick, die kindliche Aufregung beim ersten Aufschlagen.„50 Jahre Yps“ ist ein nostalgischer Rückblick auf eine Kultzeitschrift, die ganze Generationen geprägt hat. Für alle, die damals dabei waren, ist dieses Buch eine Zeitmaschine zurück in die eigene Kindheit. Ich bin mir sicher, meine Liebe für Comics hat genau dort ihren Anfang genommen.

Kommentar: Was uns das YPS‑Jubiläum bedeutet

Als Redaktion, die tief in Videospielen, Comics und Popkultur verwurzelt ist, werden wir bei SHOCK2 nicht oft sprachlos – doch als wir hörten, dass YPS 50 Jahre alt wird, hatten wir einen echten Kloß im Hals. 50 Jahre YPS! Das bedeutet für uns nicht nur ein Jubiläum irgendeines Magazins, sondern es fühlt sich an, als hätte unser aller Lieblings‑Cousin aus der Kindheit Geburtstag. Viele von uns im Team zählen uns zur „Generation Yps“ und verdanken diesem kleinen Heft so einiges.

Ermittelte auch für das YPS-Heft: Percy Pickwick!

YPS hat unsere Neugier geweckt, unsere Kreativität befeuert und uns gezeigt, dass man mit Fantasie und ein paar Alltagsgegenständen Großes anstellen kann – ob mit Detektiv‑Set, Geheimtinte oder Abenteurer‑Handbuch. Einige von uns haben dank YPS die ersten wissenschaftlichen Experimente durchgeführt – Triopse züchten, Kristalle wachsen lassen –, andere entdeckten ihre Liebe zu Comics und Storytelling zwischen den bunten Seiten. Ohne YPS und seinen spielerischen Zugang zu Wissen und Abenteuer wären wir heute vielleicht nicht die Nerds, die wir sind. Und mal ehrlich: Wie viele von euch haben heimlich davon geträumt, selbst einmal so ein Gimmick zu erfinden – oder einen eigenen Comic‑Charakter wie das YPS‑Känguru zum Leben zu erwecken? Wir jedenfalls ziemlich oft.

Am 13. Oktober 1975 erschien das erste Yps-Magazin © Egmont Verlagsgesellschaften

Dieses Jubiläum ist für uns bei SHOCK2 daher auch ein Moment der Dankbarkeit und Rührung. Dankbar dafür, dass wir Teil dieser besonderen Generation sind, die mit Kartoffelschälmesser, Gummiband und Agentenausweis die Welt erobern wollte. Gerührt, weil uns bewusst wird, wie sehr uns ein „Kinderheft“ tatsächlich fürs Leben geprägt hat. YPS wird 50 – und wir fühlen uns gleichzeitig uralt und jung geblieben. Alt, weil seit den Urzeitkrebsen offenbar ein halbes Jahrhundert vergangen ist. Jung, weil die Freude darüber, ein neues YPS aufzuschlagen, sofort wieder da ist, sobald wir das Känguru auf dem Cover sehen.

In einer Zeit, in der vieles digital und flüchtig ist, erinnert uns YPS daran, wie aufregend es sein kann, etwas Analoges in den Händen zu halten – etwas, das knistert, bastelt, klebt und vielleicht sogar riecht (ja, wir meinen euch, Urzeitkrebse!). Für uns ist das 50‑Jahre‑Jubiläum von YPS deshalb mehr als Retro: Es ist ein Bekenntnis zu Neugier, Spielfreude und Entdeckergeist.

Herzlichen Glückwunsch, liebes YPS! Auf die nächsten 50 Jahre. Egal, ob es künftig regelmäßig erscheint oder in Specials vorbeischaut: In unseren Herzen lebst du sowieso weiter – genau wie deine Urzeitkrebse (naja, fast). Wir stoßen mit Capri‑Sonne und Pfeilwurfspiel auf dich an. Habt ihr heute schon euer YPS‑Heft geknuddelt?

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