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Serien-Review: What if…? (spoilerfreier Ersteindruck)

Was wäre, wenn?

Kennt ihr das auch? Ihr seht euch einen Film an, lest eine Geschichte oder lauscht einem Hörbuch – und denkt euch plötzlich „Das ging nur durch einen Zufall gut aus! Wenn die die Protragonisten nicht genau an dem Punkt der Handlung getroffen hätten, dann wäre die Story ganz anders ausgegangen“. Mit dieser Prämisse spielt schon seit 1977 Marvels „What If…?“-Comic-Reihe, in der abseits des Kanons Geschichten erzählt werden, die durch mehr oder weniger große Ereignisse zu kleinen Abweichungen oder radikal anderen Story-Welten führen können. Nun erreicht What If…? mit der gleichnamigen animierten Disney+-Serie auch das MCU. Wir konnten die ersten drei Folgen vorab sehen.

Ein Blick ins Multiversum

Dass das Multiversum ein wichtiger Teil der Story von Phase 4 wird, überrascht spätestens seit Loki wohl keinen mehr. Bislang haben wir aber kaum einen Blick in die alternativen Realitäten werfen können. Das ändert sich nun mit What If…?: Nach einem Twilight Zone-mäßigen Intro, in dem der in alle Realitäten blickende Watcher uns auf eine Reise in eine andere Timeline mitnimmt, stellt jede Folge eine eigentlich simple Frage mit großen Auswirkungen: Was wäre eigentlich, wenn die Dinge etwas anders gelaufen wären? Was würde passieren, wenn Peggy Carter und nicht Steve Rogers das Superserum erhalten hätte? Was, wenn T’Challa statt Peter Quill in die Weiten der Galaxis entführt worden wäre? Was, wenn die Gründung der Avengers so nicht stattgefunden hätte? All das führt zu alternativen Geschichten, die manchmal trotz Veränderungen den grundsätzlichen Storylines der Filme folgen, manchmal aber auch ganz neue Ereignisse hervorbringen.

So viele Möglichkeiten – so wenig Zeit

Die jeweiligen Folgen sind in rund 30 Minuten auch schon zu Ende erzählt und sind – zumindest nach den ersten drei Episoden – völlig eigenständig. Das erlaubt den einzelnen Geschichten unterschiedliche Tonfälle (einige sind recht ernst gehalten, andere bieten viel Humor, spätere Folgen sollen auch deutlich düsterere Storylines erzählen) und macht es auch leichter, über nicht ganz so gelungene Episoden hinwegzusehen. So ist leider gleich die erste Episode die schwächste des Trios, das wir zu sehen bekommen haben. Sie hält sich selbst nach der Abweichung von der Original-Timeline im Großen und Ganzen an die Storybeats des zugrunde liegenden Films (nur eben mit einem gewissen Spin), überrascht wenig und reißt deutlich weniger mit als die beiden anderen, von denen vor allem die zweite sich deutlich von ihrem „Vorbild“ entfernen darf und dadurch auch zu unserem Favoriten wurde – hier gelingt es der Serie, bekannte Figuren in einem neuen Kontext zu zeigen.

Gemein haben die Episoden dabei eines: Wer wirklich Spaß mit What if…? haben will, sollte die Vorlagen kennen. Offensichtlicher weise schon deshalb, weil sonst der Reiz der „Was wäre, wenn“-Frage verloren geht, aber im Detail auch deshalb, weil viele Anspielungen, die den Humor der Reihe ausmachen, sonst ins Leere laufen. Letzteres liegt auch daran, dass die Folgen recht kompakt ausfallen. Das heißt zwar einerseits, dass es kaum Längen gibt, andererseits hat man aber für manche Figuren doch einfach zu wenig Zeit und die Storylines kommen in manchen Episoden etwas sprunghaft rüber. Wer die entsprechenden Filme noch im Kopf hat und damit Lücken füllen kann, ist klar im Vorteil. Wer sie noch dazu auf Englisch gesehen hat, dem wird auch auffallen, dass etliche (wenn auch nicht alle) MCU-Stars ihren animierten Counterparts die Stimme leihen. Das sorgt für zusätzliche Kontinuität – und für den bislang nostalgischsten Moment der Serie, wenn der verstorbene Chadwick „Black Panther“ Boseman zum letzten Mal im MCU in seine Rolle schlüpfen darf. Ein Highlight.

Ersteindruck

What if…? ist ein Spaß für MCU-Fans, die sich der Frage nach dem „wie wäre die Geschichte verlaufen, wenn es anderes gekommen wäre?“ stellen wollen. Nein, nicht jede Episode ist ein Hit, aber aufgrund des Anthology-Formats ist eine Folge, die den Ton nicht ganz trifft oder euch stilistisch weniger liegt, kein Beinbruch, denn schon die nächste kann völlig anders sein. Hier konnten die Macher experimentieren und auch einige Vorteile des animierten Formats ausnutzen. Auf eine Stufe mit den bisherigen MCU-Disney+-Serien würden wir die Serie allerdings nicht stellen: WandaVision, Falcon and the Winter Soldier und Loki haben die Latte dann doch deutlich höher gelegt. Wir hoffen aber auf jeden Fall auf noch abgedrehtere und vielleicht auch noch mutigere „Was wäre, wenn?“-Fragen in den kommenden Episoden.

Mehr zu What if…? gibt es auch in der kommenden Sendung des SHOCK2 Podcast zu hören!

Florian Scherz

Bereits früh entwickelte Florian zwei große Leidenschaften: Videospiele und Theater. Ersteres brachte ihn zu einem Informatikstudium und zu Jobs bei consol.MEDIA und Cliffhanger Productions; zweiteres lässt ihn heute (unter anderem) als Schauspieler, Regisseur, Komponist und Lichtdesigner arbeiten. Wenn er gerade keine Musicals inszeniert, spielt oder schreibt, vermisst er auf Shock2 Videospiele von anno dazumal in seiner Blog-Reihe "Spiele, die ich vermisse".

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