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Review: Stranger of Paradise: Final Fantasy Origins

Wo ist Chaos? Wir müssen Chaos bekämpfen!

„Wenn die Dunkelheit das Land überzieht, werden vier tapfere Recken erscheinen und man wird sie die Krieger des Lichts nennen.“; so lautet eine alte Prophezeiung. In einer Stunde der Not erschienen die Recken tatsächlich – und jeder trug einen Kristall bei sich. Mit dieser Einleitung (hier verkürzt wiedergegeben) begann Mitte der 80er das erste Final Fantasy-Spiel. Nun, etliche Jahre später, widmet sich ein neues Spiel der Prophezeiung der Krieger des Lichts sowie der Welt, in der das Königreich Cornelia den Ausgangspunkt eines großen Abenteuers darstellt. Ein Remake also? Nein, nicht ganz, denn Stranger of Paradise: Final Fantasy Origins wartet mit einigen Überraschungen auf.

Wir müssen Chaos bekämpfen

Die Überraschungen beginnen schon damit, dass sich das Spiel zwar vom ersten Teil inspirieren lässt und Veteranen Storybeats, Locations und Gegner wiedererkennen werden, aber dann doch seinen ganz eigenen Spin auf die Handlung setzt. Auch wenn es vielleicht im ersten Moment so wirken könnte, ist Stranger of Paradise eben nicht einfach eine moderne Neuinterpretation der Handlung des Ur-Final Fantasys, sondern erzählt eine Story, die auch Neueinsteiger ohne Vorwissen genießen können, aber dennoch mit Final Fantasy I in etlichen Punkten verbunden ist. Über die Qualität der Erzählung kann man diskutieren, denn die ist oft eher wirr (auch wenn sie durchaus ihre Momente hat). Die Figuren haben zwar mehr Tiefgang als die 8-Bit-Originale (was aber vor allem bei der Party kein Kunststück ist) und die Heldentruppe verströmt einen Roadtrip-Charme, der an Final Fantasy XV erinnert, gleichzeitig ist gerade Protagonist Jack aber etwas generisch der wortkarge, muskulöse weiße Typ mit Gedächtnisschwund, der kein Interesse an langen Erklärungen hat, sondern endlich auf Gegner eindreschen möchte – von seiner jetzt schon Meme-verewigten Fixierung auf Chaos mal abgesehen. Trotzdem: Ist die Party unterwegs, fliegt der Humor bisweilen tief – und das kann durchaus Spaß machen. Zumindest eine Weile.

Wo Team Ninja tatsächlich die Nase vor From Software hat …

Wer bei Final Fantasy vor allem an JRPGs denkt, wird vielleicht auch davon überrascht sein, dass Stranger of Paradise in einem ganz anderen Genre angesiedelt ist. Allerdings ist die Überraschung vielleicht geringer, wenn man sich ansieht, wer das Spiel entwickelt hat: Team Ninja orientiert sich fürs Gameplay nicht nur an der Souls-Reihe, sondern auch an Nioh und verpasst dem Spiel deshalb flotte Action-Einlagen mit Anspruch. Falls ihr hier bereits zu lesen aufhören wollt, weil euch Souls-likes zu schwer sind, kann Entwarnung gegeben werden: Während andere Genrevertreter sich beharrlich weigern, ihre Spiele alternativ auch in einer leichteren Variante für eine größere Zielgruppe anzubieten, liefert Stranger of Paradise auch Schwierigkeitsgrade für jene, die nicht so viel Spaß damit haben, mehrfach auf die Mütze zu bekommen, um nach einiger Lerndauer dann doch irgendwann vielleicht Erfolg zu haben. Und das gelingt ganz gut: Auch im zweitniedrigsten Schwierigkeitsgrad werdet ihr durchaus sterben, keine Frage. Aber trotzdem habt ihr hier ganz gute Karten, das Ende der Story zu sehen, selbst wenn ihr keinen Spaß damit habt, Gegner auswendig zu lernen (und auf Casual, dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad, wird es dann nochmals einfacher). Hier hat Stranger of Paradise tatsächlich gegenüber dem Genre-Primus ein wenig die Nase voran – wer immer schon ein Souls-like spielen wollte, aber vom Schwierigkeitsgrad abgeschreckt wurde, darf hier einen Blick riskieren; in allen anderen Belangen – so ehrlich muss man sein – kann auch dieses Spiel nicht am Thron von From Software rütteln, die für ihre Hardcore-Zielgruppe sicherlich das rundere Produkt abgeliefert haben.

Wo ist Chaos?

All diese Action findet in einzelnen, linearen Missionen ab, die ihr von der Weltkarte wählt. Man metzelt sich an Trash-Mobs vorbei, löst ein paar simple Rätsel, sammelt Unmengen aus Ausrüstung ein und tritt gegen Ende gegen den finalen Boss an. Keine der Begegnungen sollte man dabei zu leicht nehmen. Zwar sind die Rücksetzpunkte grundsätzlich sehr fair gesetzt, trotzdem kehren nach eurem Ableben (beziehungsweise schon bei der Berührung eines Rücksetzpunktes) alle Gegner zurück, was das Backtracking akzeptabel, aber zu keinem Spaziergang macht. Dafür ist das Gemetzel erschreckend befriedigend, wenn ihr erst das richtige Timing zwischen Ausweichen, Schlagen und den zwei Arten von Blocken findet – Bonuspunkte im Fun gibt es dann, wenn ihr euren Gegnern gewisse Spezialangriffe mit dem richtigen Timing klauen und gegen sie verwenden könnt, sowie mit den blutig inszenierten Finishern, wenn ihr die Fokusleiste der Gegner auf null gebracht habt. Das gilt umso mehr auch für die Bossfights. Mit zunehmendem Fortschritt schaltet ihr mehr und mehr Klassen frei, die sich nicht nur im Kampfstil (auch durch die ausgerüstete Waffe), sondern auch in der passenden Ausrüstung und ihren Skills unterscheiden. Hier verstecken sich etliche Möglichkeiten für Customization, mit denen ihr Jack auf euren Spielstil zuschneiden könnt. Leider sind die Menüs grundsätzlich suboptimal designed (vor allem für die Menge an Loot, den ihr einsammelt) – weniger wäre hier mehr gewesen.

Technisches Chaos?

Zum Abschluss noch ein paar Worte zur Technik: Team Ninja gelingt ein gutes Action-Kampfsystem, das direkt und ohne Verzögerungen auf eure Tasteneingaben reagiert – so denn die Framerate mitspielt. Diese ist leider selbst auf den aktuellen Konsolen nicht ganz stabil (die Xbox Series X hat hier die Nase vor der PS5), was ein wenig überraschend ist, da das Spiel grafisch zwar meist nett anzusehen ist, aber dennoch eher gutes LastGen-Niveau erreicht. Noch schlimmer erwischt es hier allerdings PS4, Xbox One und (eher überraschenderweise) auch die Xbox Series S, die mit deutlichen Einschränkungen im Detailgrad leben müssen und trotzdem teilweise mit der Framerate kämpfen. Auf technischer Seite gäbe es also durchaus noch Potential für Verbesserungen. Ob sie noch kommen werden?

Fazit

Wertung - 8

8

Spaßiges Chaos

Der Entschluss, das Review von Stranger of Paradise zu schreiben, fiel mir nicht ganz leicht. Einerseits macht mich meine Erfahrung mit Final Fantasy zu einem klaren Kandidaten (ganz zu schweigen davon, dass ich das erste Final Fantasy dank der Pixel Perfect Remaster vor kurzem erst erneut durchgespielt habe). Andererseits mache ich bewusst einen großen Bogen um Spiele im Souls-Schatten – da spielen weder mein Skill in Action-Spielen noch meine Frustresistenz mit. Umso überraschter war ich, wie viel Spaß ich mit Stranger of Paradise hatte, was vor allem daran liegt, dass Team Ninja einen passenden Schwierigkeitsgrad für mich anbietet – leicht genug, um nicht völlig zu verzweifeln, aber knifflig genug, um nicht durchzurushen. Dadurch bekamen die Kämpfe (und das Spiel besteht hauptsächlich aus dem actionreichen Erkunden von Locations) genau den richtigen Mix aus Herausforderung und Befriedigung. Das hilft auch dabei, über die Schwachstellen von Stranger of Paradise ein wenig hinwegzusehen: Ja, die Story hätte interessant sein können, Team Ninja scheint aber an manchen Punkten ähnlich wenig Interesse an ihr zu haben wie Protagonist Jack. „Wer braucht schon Hintergründe, wenn man stattdessen Rockmusik hören und Monster kloppen kann?“ scheint hier zu oft das Motto gewesen zu sein. Auch technisch hätte man aus dem Spiel eindeutig mehr machen können. Nein, ein Meisterwerk ist Stranger of Paradise nicht geworden und wer eine echte Souls-like-Herausforderung sucht, bleibt besser bei Elden Ring, das als neue Referenz auf keinen Fall gefährdet ist. Aber für Final Fantasy-affine Action-Fans, die es vielleicht dann doch nicht so knallhart wollen, könnte sich der Blick auf das Spiel durchaus lohnen. Im Endeffekt gewinnt nämlich tatsächlich die Lust am Schnetzeln und der Herausforderung und lässt über einige Kritikpunkte hinwegsehen.

Genre: Action
Entwickler: Team Ninja
System: PS4, PS5, Xbox One, Xbox Series, PC
Erscheint: erhältlich
Preis: ca. 70 Euro

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Florian Scherz

Bereits früh entwickelte Florian zwei große Leidenschaften: Videospiele und Theater. Ersteres brachte ihn zu einem Informatikstudium und zu Jobs bei consol.MEDIA und Cliffhanger Productions; zweiteres lässt ihn heute (unter anderem) als Schauspieler, Regisseur, Komponist und Lichtdesigner arbeiten. Wenn er gerade keine Musicals inszeniert, spielt oder schreibt, vermisst er auf Shock2 Videospiele von anno dazumal in seiner Blog-Reihe "Spiele, die ich vermisse".

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