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Review: Persona 5 Strikers

Die Phantom Thieves sind zurück!

Persona 5 war ein Triumph für die bekannte Rollenspielreihe. Großartige Wertungen, begeisterte Fans, Bezeichnungen wie „bestes JRPG seiner Generation“ und natürlich auch Manga-, Anime- und Bühnenadaptionen beweisen das. Und auch auf der Videospielfront wirkt der Titel bis heute nach: Neben Gastauftritten (z.B. jenem von Joker im aktuellen Smash Bros.) wurden die Phantom Thieves of Heart schon in Spielen wie Persona 5: Dancing in Starlight (einem Rhythmus-Game) und dem Crossover mit Persona 3 und 4 namens Persona Q2: New Cinema Labyrinth gesichtet. Aber jetzt bekommt Persona 5 ein Sequel, das die Handlung aus dem Original weiterführt, aber dabei auf ein anderes Gameplay setzt. Das Resultat? Persona 5 Strikers.

Ein Sommer in Japan

Mehrere Monate sind vergangen, seit die Phantom Thieves of Heart die Welt gerettet und sich danach aufgelöst haben. Obwohl unser Protagonist (dem wir auch hier wieder frei einen Namen geben können, nur sein Codename Joker ist fix) am Ende von Persona 5 Tokyo verlassen hat, sind die Teenager Freunde geblieben, weshalb sie in den Sommerferien nicht nur großes Wiedersehen feiern, sondern auch einen gemeinsamen Roadtrip durch Japan planen. Doch dann kommt alles anders: Ein Telefon-KI-Assistent namens EMMA eröffnet ihnen erneut den Weg ins Metauniversum und zeigt, dass es neue Gefahren aus der kognitiven Welt gibt. Damit ist klar: Die Phantom Thieves feiern ein Comeback – und gehen diesmal sogar (wenn auch anders als geplant) auf Japan-Tour, denn nicht nur in Tokyo warten frische Abenteuer in verzerrten Abbildern der Realität, die von einem übermächtigen Herrscher regiert werden!

Sequel …

Persona 5 Strikers ist vom ersten Moment an eindeutig ein Sequel zu Persona 5: Wir treffen die altbekannten Charaktere, beginnen das Spiel in Locations, die wir aus dem Vorgänger kennen, leben ein Teenager-Leben, führen unzählige Dialoge und wagen natürlich auch regelmäßig den Abstecher ins Metauniversum, um uns den Schatten zu stellen und die Herzen der Herrscher zu stehlen. Auf den zweiten Blick offenbaren sich dann allerdings doch viele Änderungen, die das Spiel in eine vertraute, aber dennoch andere Richtung ziehen. So wurde zum Beispiel die Social-Life-Simulation stark heruntergefahren: Eure Möglichkeiten für Aktivitäten in der echten Welt sind eingeschränkt und auch die Regel, dass die meisten Unternehmungen dazu führen, dass die Zeit vergeht, ist gefallen. Strikers diktiert den Rhythmus des Spiels klar vor, Ereignisse haben streng nach Reiseplan an einem gewissen Tag einzutreten und Abweichungen davon sind nicht möglich. Das heißt nicht, dass man nicht eigene Entscheidungen treffen kann und es keine Möglichkeiten für Sidequests oder ähnliches gibt, aber eine freie Zeiteinteilung wie im Original-Spiel sollte man hier nicht erwarten: Ein Tag ist erst zu Ende, wenn ihr alles erledigt habt, was das Spiel für diesen vorsieht. Trotzdem bleibt das Flair – inklusive zum Teil langen Dialogsequenzen, die die Story weiterspinnen oder auch nur den Charakteren Tiefgang verleihen – von Persona 5 erhalten.

… mit Änderungen

Die wohl größte Änderung erwartet euch allerdings im Metauniversum, wo es diesmal statt in Paläste in Gefängnisse geht. Zwar versteckt sich hinter dem neuen Namen im ersten Moment eine sehr ähnliche Erfahrung zu den Palästen von früher – man zieht auch hier durch die Dungeons und schleicht, kämpft und puzzelt sich nach und nach den Weg zum finalen Boss frei –, doch im Gefecht gibt es eine große Änderung: Statt bei Feindkontakt in Rundenkämpfe zu wechseln, wird jetzt in Echtzeit gegen eine oft große Masse an Gegnern angetreten. Das verwundert allerdings wohl kaum, wenn man sich die Entwickler ansieht: Omega Force ist das Studio hinter der Dynasty Warriors-Reihe und den zahlreichen dazugehörigen Spin-Offs. Spannenderweise hat man bei Strikers allerdings einen etwas anderen Zugang gewählt als bei z.B. Hyrule Warriors: Hier haben wir es weniger mit einem Titel zu tun, bei dem man das Dynasty Warriors-Prinzip mit passenden Assets aus einem anderen Titel „gemodded“ hat, sondern mit einer Umsetzung, bei der man sehr behutsam dafür gesorgt hat, dass das Musou-Gameplay und Persona 5 zusammenpassen.

Das äußert sich vor allem darin, dass die einzelnen Kämpfe zwar oft gegen ordentlich große Gruppen von Gegnern stattfinden, aber dennoch lokal begrenzt sind – eine einzige Massenschlacht durch Gefängnisse ist nicht vorgesehen. Dennoch werden sich in den Gefechten Musou-Fans zuhause fühlen: Joker und seine Freunde (Joker ist der einzige Fixstarter, die anderen drei können außerhalb des Kampfes jederzeit gewechselt werden) prügeln und ballern sich durch die diversen Schatten und nutzen Spezialaktionen. Und natürlich sind auch die namensgebenden Persona an Bord, Schattenwesen, die an unsere Protagonisten gebunden sind und ihnen mächtige Angriffe und Zugriff auf Magie verleihen. Sie sind meist der Schlüssel dafür, die Schwachstellen der Gegner angreifen zu können (und dadurch Follow-Up-Angriffe oder gar den All-Out-Attack zu triggern), ihre Fähigkeiten kosten aber HP oder SP – man muss ihren Einsatz also ein wenig dosieren. Abgemildert wird dies alles allerdings durch zwei Eigenheiten des Spiels. Erstens: Verlässt man das Metauniversum an einem der Checkpoints, wird man völlig geheilt. Zweitens: Hatte das Verlassen des Palastes im Original noch die Konsequenz, dass der Tag vorbei war, ist das diesmal – siehe den Kommentar über die fixe Zeiteinteilung des Spiels weiter oben – völlig egal: Man verlässt das Gefängnis, kann eventuell nochmal Items shoppen gehen und kehrt einfach wieder zurück, ohne einen Nachteil zu erhalten. Das hält das Tempo der Action zwar hoch, andererseits fragt man sich dann doch, warum man nicht einfach bei einem Checkpoint automatisch hochgeheilt wird – selber Effekt, aber weniger umständlich.

Gewöhnungseffekt

Apropos umständlich: Durch das neue Gameplay könnten einige Persona 5-Veteranen (vor allem, wenn sie das Original erst vor kurzem gespielt haben) auch von der Steuerung überrascht sein, da bekannte Optionen (wie z.B. der spezielle Blick, mit dem ihr interaktive Objekte erkennen könnt, die Schusswaffen oder sogar die Interaktion mit Personen oder Items) nicht auf den Buttons liegen, die sie erwarten würden. Gerade aufgrund der Hektik mancher Situationen kann es da schon vorkommen, dass man einen Schuss abgibt, statt sich nur gründlich umzusehen – hier ist ein wenig Umstellung nötig, bevor alles wieder in Fleisch und Blut übergeht. Dafür wurden andere Gameplaymechanismen verbessert. Zum Beispiel ist das Fusionieren im Velvet Room, in dem wir unsere Persona stärken oder neue erschaffen können, jetzt weniger umständlich. Etwas schade ist hingegen, dass man nicht daran gedacht hat, Savegames des Originals auszulesen oder auf andere Art und Weise Entscheidungen aus dem Vorgänger mitnehmen zu können. So kann es durchaus passieren, dass Joker eine Beziehung mit einer seiner Kolleginnen eingegangen ist, die mit dem Ende von P5 zu einer Fernbeziehung wurde, in Strikers aber überhaupt nicht thematisiert wird. Hier hätte es noch ein wenig mehr Chancen für Immersion gegeben.

Ein Sequel für andere Geschmäcker

Bei einem Spiel wie Persona 5 Strikers – klares Sequel, anderes Gameplay – kommt natürlich die Frage auf, wem man diesen Titel empfehlen kann. Eine grundsätzliche Empfehlung kann man für Persona 5-Fans aussprechen – gerade, wenn euch die Charaktere ans Herz gewachsen sind und ihr weitere Abenteuer mit den Phantom Thieves erleben wollt, seid ihr hier richtig. Natürlich werden euch einige Sachen abgehen, denn so manches System, das gerade die Verwaltung eures Tages komplex gemacht hat (Links zu euren Vertrauten oder auch die Sozial-Stats) wurde abgeschafft bzw. durch einfachere Systeme ersetzt, und auch das Kampfsystem ist eine ordentliche Umstellung – von nachdenklich/rundenbasiert auf hektisch und actionhaft liegt nicht jedem. Allerdings hilft hier im Notfall das Umschalten auf einen niedrigen Schwierigkeitsgrad, dass euch hier keine gröberen Stolpersteine im Weg liegen. Schwieriger ist es andersrum: Seid ihr ein Musou-Fan, ist eine Empfehlung nicht so leicht auszusprechen. Persona 5 Strikers geht stark davon aus, dass ihr die Story des Originals kennt – es wird zwar nicht groß gespoilert (auch wenn einige Kommentare natürlich auf die Handlung anspielen), aber auch nicht viel Zeit verwendet, um die Geschichte des Vorgängers und gewisse Gameplaykonzepte zu erklären oder die Protagonisten vorzustellen. Da die Story in diesem Spiel allerdings mehr ist als nur kurzer Zwischentext zwischen den Schlachten, sondern Persona-typisch viel Raum einnimmt, muss jeder für sich selbst abwägen, ob er sich auch ohne Vorkenntnisse auf das Spiel einlässt.

Ganz besonders gilt der letzte Satz auch deshalb, weil sich Atlus für einen gerade in diesem Kontext seltsamen Schritt entschlossen hat: Während Persona 5 immer noch PlayStation-exklusiv ist, gibt es Strikers auch für PC und Switch. Das verspricht einerseits natürlich eine größere Käufergruppe, andererseits gibt es so natürlich auch mehr potentiell interessierte Spieler, die den Vorgänger nicht kennen. Apropos Plattformen: Technisch gesehen nutzen sie alle ihre Plattformen gut aus, wobei bei den Konsolenfassungen natürlich die PlayStation in Sachen Bildwiederholungsrate und Details die Nase vorn hat – die Switch kämpft teilweise darum, auf 30 Frames zu kommen, während auf der PlayStation das Ziel klar 60 Bilder pro Sekunde sind. In Sachen Optik gewinnt also klar die Sony-Konsole (oder ein potenter PC). Beim Sound hingegen sind die Beanstandungen und positiven Punkte ähnlich: Die Musik klingt nach Persona, wurde aber um einige deutlich rockigere Arrangements ergänzt, während die (englische oder japanische) Sprachausgabe zwar keine Vollvertonung bietet, aber durchaus ordentliche Qualität aufweist. Leider gibt es einige kleinere Abmischungsfehler zu beobachten, aber die stören nur in wenigen Momenten und können die ansonsten gelungene Atmosphäre nicht trüben.

Fazit

Wertung - 8.5

8.5

mehr Phantom-Thieves ist immer gut!

Ich bin ein spät-bekehrter Persona 5-Fan – sogar so spät bekehrt, dass ich erst mit dem Eintreffen des Testmusters den Abspann des Originals gesehen habe. Es spricht für die Qualität von Persona 5, dass ich nach über 100 Stunden Spielzeit noch überhaupt keine Ermüdung gespührt habe, sondern mich sogar sehr gefreut habe, sofort wieder in ein neues Abenteuer mit Joker und seinen Gefährten einzutauchen – und es spricht für die Qualität des Sequels, dass es mich zwar vielleicht nicht genauso stark gefesselt hat, aber dennoch eine sehr würdige, liebevolle Fortsetzung darstellt. Das ganze Spiel schreit einfach „Persona“, von den Designs, vom Sound, von der Story, dem Metaverse bis hin zu den animierten Menüs. Sogar der Sprung auf das Action-Kampfsystem ist gelungen, weil die Entwickler eben nicht Persona Hack’n’Slash-Massenschlachten aufzwingen, sondern die Eigenheiten des Originals berücksichtigt haben, sodass man trotz verändertem Gameplay sofort alle Elemente wieder erkennt; ob man Taktik oder Action bevorzugt, ist natürlich Geschmackssache. Dennoch kommt mein Fazit nicht ganz ohne Kritik aus: Die Story erreicht nicht ganz die Qualität von Persona 5, die Gefängnisse sind grafisch abwechslungsreich, bieten aber in Sachen Gameplay weniger verschiedene Ideen als die Paläste des Originals, und auch, dass man den Lebenssimulationsaspekt zum Zweck einer deutlich knapperen Timeline zurückgekürzt hat, stört ein wenig. Dennoch ist das Kritik auf hohem Niveau: Wer Persona 5 geliebt hat, wird wohl kaum um Strikers herumkommen – hier handelt es sich nicht um ein Spin-off, das man problemlos auslassen kann, sondern wirklich um ein neues Abenteuer, das die Handlung weiterführt. Wer das Original nicht kennt und eventuell die Gelegenheit nutzen will, via Musou-Gameplay in die Persona-Serie reinzuschnuppern, sollte sich allerdings auf ein wenig Einarbeitung gefasst machen. Zwar braucht man nicht alle Details der Handlung des Originals zu kennen, aber ohne zumindest eine Ahnung vom Universum und den Figuren zu haben, wird man sich am Anfang ziemlich verloren fühlen.

Genre: Action-Rollenspiel
Entwickler: Omega Force/P-Studios
System: PS4, Switch, PC
Erscheint: erhältlich
Preis: ca. 60 Euro

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Florian Scherz

Bereits früh entwickelte Florian zwei große Leidenschaften: Videospiele und Theater. Ersteres brachte ihn zu einem Informatikstudium und zu Jobs bei consol.MEDIA und Cliffhanger Productions; zweiteres lässt ihn heute (unter anderem) als Schauspieler, Regisseur, Komponist und Lichtdesigner arbeiten. Wenn er gerade keine Musicals inszeniert, spielt oder schreibt, vermisst er auf Shock2 Videospiele von anno dazumal in seiner Blog-Reihe "Spiele, die ich vermisse".

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