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Review: The Dungeon of Naheulbeuk: The Amulet of Chaos

Eine Elfe, ein Zwerg und ein Oger gehen in einen Dungeon ...

Eigentlich wäre der Plan simpel gewesen: Rein in den unergründeten, unbewohnten Dungeon von Naheulbeuk, mit vereinten Kräften die zwölfte Statuette von Gladeulfeurha herausholen – und schon hätten unsere Helden eine ordentliche Belohnung kassieren können. Bis alles anders kam: Der Dungeon ist entgegen aller Erwartungen bewohnt und bietet sogar eine florierende Taverne, die Elfe meckert schon wieder am Zwerg rum, der Dieb fühlt sich ob seiner Verstohlenheit dauernd übersehen und zu allem Überdruss gewinnen wir bei einer Goblin-Gameshow ein verfluchtes Amulett, das für noch mehr Chaos sorgt. Warum muss eigentlich immer alles kompliziert sein?

Dungeon-Klamauk …

Hierzulande wird der Titel des Spiels vermutlich niemandem etwas sagen (ganz abgesehen davon, dass er für die meisten von uns ohne Unterstützung unaussprechlich ist), aber tatsächlich haben wir es hier mit einer Videospielumsetzung einer im französischen Sprachraum bekannten Marke zu tun: Le Donjon de Naheulbeuk ist dort ein bekanntes Hörspiel, das später als Comic und Roman umgesetzt wurde – und jetzt auch als Videospiel. Allen gemeinsam ist, dass sie als Parodie auf Pen & Paper-Rollenspiele á la Dungeons & Dragons zu sehen sind. Das beginnt schon bei unserer Party, die klassische Stereotypen darstellen, ihre Klassenbezeichnung als Namen tragen und heillos überzeichnet sind – und warum diese bunte Truppe zusammen losgezogen ist, weiß sie wohl selbst nicht so genau, denn hier wird fast mehr untereinander gestritten denn mit Feinden gekämpft. Dazwischen wird aber auch die Story mit zahlreichen Dialogen fortgeführt, die durchaus für laute Lacher sorgen können. Leider gibt es zwar ein paar Übersetzungsfehler, bei denen zum Beispiel das französische Original „durchschimmert“, aber das schadet dem Spaß nur geringfügig und ist manchmal sogar unfreiwillig komisch, zum Beispiel, wenn man in den Optionen „Klavier & Maus“ einstellen kann. Leider handelt es sich dabei nicht um die einzigen Bugs, die wir im Laufe des Spiels entdecken. Ja, man kann sie durch die großzügigen Auto-Saves meist ohne großen Zeitverlust umschiffen, trotzdem sind sie lästig.

… und Rundengefecht

Bei all dem Spaß gibt es aber doch auch Ernst – und damit meinen wir das Gameplay (im positiven Sinne). Wir erkunden den Dungeon mit unserer Gruppe im Diablo-Stil und folgen der Markierung, die uns die Richtung zum Erfüllen unserer aktuellen Quest weist. Die Ähnlichkeiten mit dem Blizzard-Klassiker enden allerdings, sobald wir auf Feinde stoßen. Dann wechselt das Spiel nämlich in einen rundenbasierten Kampfmodus, in dem wir irgendwo zwischen Final Fantasy Tactics und XCOM unsere Feinde (hoffentlich) fertig machen. In einer fixen Zugreihenfolge wird grundsätzlich entweder einmal gezogen und eine Aktion ausgeführt oder zweimal gezogen. Die Kunst ist, die Party gekonnt zu positionieren, die Deckung zu nutzen und die diversen Spezialfähigkeiten der Charaktere gut einzusetzen – auch dadurch kommt Rollenspielflair auf. Dank verschiedener Schwierigkeitsgrade sind die Kämpfe aber wohl für jeden gut zu bewältigen – auch wenn vielleicht nicht immer alle Partymitglieder überleben. Sie stehen trotzdem nach dem Kampf wieder auf und sind „nur“ verletzt (was sowohl durch niedrige HP als auch Stat-veränderte Wunden repräsentiert wird), kämpfen aber trotzdem weiter für euch. Nach dem Kampf gibt es (zum Teil erneut aberwitzigen) Loot und Erfahrungspunkte, die ihr – typisch Rollenspiel – in eure Eigenschaftswerte und zwei Skill-Trees investieren könnt. Und schon kann es weitergehen ins nächste kurzweilige Abenteuer – oder die nächste katastrophale Wendung …

Fazit

Wertung - 8

8

Fun-Dungeon

The Dungeons of Naheulbeuk ist ein zwar unaussprechliches, aber dennoch spaßiges Gaming-Erlebnis. Das Dungeon-Erkunden ist kurzweilig, die Sprüche flott und oft tatsächlich lustig, die Rundengefechte vor allem auf höheren Schwierigkeitsgraden durchaus fordernd. Leider merkt man dem Spiel dann doch manchmal die etwas günstigere Preisklasse an – etwas mehr Polishing hätte es schon sein dürfen, ein paar Komfortfeatures hätten dem Interface gutgetan (z.B. beim Ausrüstungs-Handling), und auch fehlende Stellen in der Übersetzung sowie Bugs sind uns aufgefallen. All das sind aber keine katastrophalen Beinbrüche, sodass man viel Spaß im Dungeon hat – vor allem, wenn man Chaos-Truppen wie diese aus eigenen Pen & Paper-Runden kennt.

Genre: Taktik-Rollenspiel
Entwickler: Artefacts Studio
System: PC
Erscheint: erhältlich
Preis: ca.  35 Euro

 

Florian Scherz

Bereits früh entwickelte Florian zwei große Leidenschaften: Videospiele und Theater. Ersteres brachte ihn zu einem Informatikstudium und zu Jobs bei consol.MEDIA und Cliffhanger Productions; zweiteres lässt ihn heute (unter anderem) als Schauspieler, Regisseur, Komponist und Lichtdesigner arbeiten. Wenn er gerade keine Musicals inszeniert, spielt oder schreibt, vermisst er auf Shock2 Videospiele von anno dazumal in seiner Blog-Reihe "Spiele, die ich vermisse".

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